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Gegen den geplanten Golfplatz in Kalchreuth / Heroldsberg regt sich heftiger Widerstand

Nicht Golf für einige wenige, sondern Naherholung und Lebens-mittel aus der Region für alle

18.06.2003

Gegen den erneuten Versuch einer Golfplatz-Initiative, einen Golfplatz im idyllischen Hangbereich südlich Kalchreuth - Käswasser im Landkreis Erlangen - Höchstadt genehmigt zu bekommen, regt sich erneut heftiger Widerstand.

Bund Naturschutz, Landwirte und Grundeigentümer, unterstützt durch eine Vielzahl von Bürgerinnen und Bürgern aus Heroldsberg und Kalchreuth wenden sich gegen die geplante Festlegung von ca. 80 ha (oder 800.000 m2) Fläche als Golfplatz im neuen Flächennutzungsplan des Marktes Heroldsberg. Sie kritisieren die Umwandlung öffentlich zugänglicher, landwirtschaftlich genutzter Kulturlandschaft in eine privat genutzte, für Erholungsnutzung stark eingeschränkte Kunstlandschaft. Die von der Planung betroffenen Landwirte sehen sich in ihrer Existenz gefährdet.

Für den Golfplatz gibt es angesichts einer Vielzahl bereits bestehender und nicht ausgelasteter Golfplatzanlagen im Großraum Nürnberg keinen Bedarf. Für das Hobby einer kleinen Gruppe von Nutznießern und die Verwertungsinteressen eines privaten Betreibers darf das höherrangige Ziel der regionalen Versorgung mit Lebensmitteln nicht geopfert, eine weitere Zerstörung landwirtschaftlicher Nutzflächen und schützenswerter Biotope nicht befördert werden.

Als falsch bezeichnet der Bund Naturschutz die Behauptung der Golfplatzbefürworterinnen und -befürworter ("Initiative Golfplatz Heroldsberg/Kalchreuth"), durch den Bau eines Golfplatzes würde eine ökologische Verbesserung eintreten. Der "ökologische Golfplatz" ist eine Fata morgana, mit dem umweltbewusste Bürgerinnen und Bürger getäuscht werden sollen. Die ökologische Gesamtbilanz ist wegen der Zunahme des Verkehrs (zusätzlicher Freizeitverkehr, zusätzlicher Ferntransport landwirtschaftlicher Produkte), Zerstörung gewachsener Kulturböden, enormer zusätzlicher Wasserverbrauch und Beeinträchtigung von Lebensräumen schutzwürdiger Tiere und Pflanzen eindeutig negativ. Diese massiven Eingriffe lassen sich auch durch einige "Alibi-Biotope" nicht ausgleichen.

Dies ist bereits der dritte Versuch, einen Golfplatz in Heroldsberg zu errichten. Die beiden anderen Versuche, angeschoben durch Vertreter der Fa. Schwan-Stabilo, konnten durch den heftigen Widerstand des Bundes Naturschutz, von Landwirten, verantwortungsbewussten Grundeigentümern sowie von umweltbewussten Bürgerinnen und Bürgern verhindert werden.

Der Bund Naturschutz appelliert deshalb eindringlich an die Gemeinderätinnen und -räte, dieses Vorhaben nicht zu unterstützen den Golfplatz nicht in den Flächennutzungsplan aufzunehmen und im Falle eines Planungsverfahrens nicht zu befürworten.

Der Bund Naturschutz appelliert auch an alle Grundstückseignerinnen und- eigner, sich von den Angeboten der Betreiber nicht blenden zu lassen, sondern die Äcker und Wiesen weiter der Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen und keinen Quadratmeter an den Golfplatzbetreiber zu verkaufen oder zu verpachten.

Der Bund Naturschutz fordert von der Regierung von Mittelfranken und/oder dem Regionalen Planungsverband - wie bereits seit Jahren - die Erstellung eines raumordnerischen und landschaftsplanerischen Gesamtkonzeptes zu Golfplätzen für den Regierungsbezirk bzw. die Industrieregion Mittelfranken.


Die Versorgung der Region mit landwirtschaftlichen Produkten wird verdrängt, Existenz der Bauern wird gefährdet

Insbesondere die geplante Inanspruchnahme von großen landwirtschaftlichen Nutzflächen ruft Widerstand hervor. Dieses Vorhaben würde alle Anstrengungen für eine stärkere Regionalisierung der landwirtschaftlichen Versorgung im Städtedreieck konterkarieren und massiv in den Naturhaushalt eingreifen.

Weil für eine nachhaltig umweltgerechte Landwirtschaft zukünftig eher mehr als weniger Boden nötig ist, würde hier Zukunft verbaut. Bayern gehört zu den begünstigten Gebieten mit besonders fruchtbaren Böden, weltweit sind nur 11%xxx überhaupt ackerbaulich nutzbar und täglich gehen allein in Bayern 28,4 ha für Siedlungs- und Verkehrszwecke verloren! Das hohe Gut "Boden" ist nicht vermehrbar. Für die Grüns und Abschlagflächen wird bei Golfplätzen der gewachsene Boden abgetragen und durch 45 - 55 cm dicke Schicht aus Sand, Torf, Kies, manchmal auch Schutt und Oberboden ersetzt, die mit Drainagevorrichtungen versehen werden. Der Lebensraum Boden wird in Teilbereichen unwiederbringlich zerstört. Grünflächen werden fast täglich gemäht, intensiv gedüngt, gespritzt und bewässert.

Der entstehende, unnatürliche Hochleistungsrasen aus drei bis fünf Grasarten ist sehr anfällig für Krankheiten, z.B. Schimmelpilze, und muss daher mit Spritzmitteln behandelt werden. Feuchte Standorte werden drainiert und allein dadurch wertvolle Feuchtlebensräume vernichtet. Regenwasser fließt schneller ab und verschärft flussabwärts die Hochwasserproblematik.

Die südlich Kalchreuth - Käswasser vorhandenen Äcker und Wiesen stellen die unverzichtbare Erwerbsgrundlage für die Bauern der Gegend dar. Den Vollerwerbsbetrieben würden dringend benötigte Pachtflächen weggenommen und damit ihre Existenz gefährdet.

Pachtverträge mit den Golfplatzbetreibern haben i.d.R. eine sehr lange Laufzeit, ein Ausstieg einzelner Verpächterinnen und Verpächter ist nicht möglich.

Die Golfplatzflächen werden für eine kleine elitäre Gruppe der Bevölkerung reserviert und damit der breiten Öffentlichkeit vorenthalten. Beispielsweise sind dies bei einem 18-Loch-Golfplatz maximal 500 Nutzerinnen und Nutzer. Ein Luxus, den wir uns in unserem dicht besiedelten Land nicht leisten können und dürfen.

Ein Golfer benötigt für sein Hobby durchschnittlich 1.100 m2 Fläche. Zum Vergleich: Ein Fußballer benötigt nur 70 m2 (laut Öko-Test).

Golfplätze werden bevorzugt in landschaftlich reizvollen Regionen wie z.B. in Kalchreuth angelegt, die auch für Erholungssuchende und /oder den Arten- und Biotopschutz interessant sind.

Neben den Flächen für den Spielbedarf auch noch Flächen für:
Clubhaus
Parkplatz (50 - 100 Stellplätze)
Zufahrtsstraßen
Ver- und Entsorgungseinrichtungen
Einstellplatz für Maschinenpark, Geräte usw. (Platzmeisterei)


Erholungsraum wird unzugänglich

Golfplätze sind aus Sicherheitsgründen für die Öffentlichkeit zur Erholungsnutzung gesperrt. Selbst wenn die Anlage nicht eingezäunt würde, müssten sich Spaziergängerinnen und Wanderer vor schnellfliegenden Golfbällen in Acht nehmen. Die hohe Geschwindigkeit der harten Bälle kann bei ungünstigem Aufprall zum Verlust des Augenlichtes oder schweren Prellungen führen. Kein Mensch wandert freiwillig in solchen Gefahrenzonen, das gebiet wäre faktisch gesperrt.

Gerade die idyllische Landschaft zwischen Heroldsberg und Kalchreuth wird nicht nur von Anwohnerinnen und Anwohnern regelmäßig genutzt, sondern ist auch ein beliebtes Wanderziel für Erholungssuchende aus Nürnberg.


Eingriffe in Natur und Landschaft

Das Gelände zwischen Heroldsberg und Kalchreuth umfasst auch wegen der über Jahrhunderte gewachsenen landwirtschaftlichen Nutzung eine reichgegliederte Landschaft mit schützenswerten Flachmooren, Nass- und Feuchtwiesen mit überregional bedeutsamen Pflanzenvorkommen (z.B. Orchideenstandorte mit Brand-Knabenkraut).

Daneben kommen Gebüsche, Feldgehölze und wertvolle Streuobstbestände vor. Hier brüten landkreisbedeutsame, seltene Arten wie Baumpieper, Neuntöter, Dorngrasmücke und Buntspecht. Die Äcker und Wiesen werden nach wie vor bewirtschaftet. Sie sind wertvolle Lebensräume für Wachtel und Kiebitz.

Durch den geplanten Golfplatz würden nicht etwa "traumhafte Landschaften, perfekt in das vorgegebene Landschaftsbild eingearbeitete Spielbahnen, geschützte Biotope" geschaffen, wie das im Infoblatt der Initiative Golfplatz vorgegaukelt wird, vielmehr würde das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigt und wesentlich monotoner werden: Eine landschaftsfremde, stark künstliche Sportanlage zusätzlich mit Gebäuden und Parkplätzen würde entstehen.

Eingriffe in Natur und Landschaft sind nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz nur dann möglich, wenn allgemeine Interessen vorrangig sind. Bei dem geplanten Golfplatz, von dem letztendlich nur einige wenige, meist nicht ortsansässige Golfspielerinnen und -spieler und die Investoren profitieren, die Allgemeinheit aber große Nachteile erleidet, ist dies sicherlich nicht der Fall.


Enormer Trinkwasserverbrauch

Der Deutsche Golfverband e.V. hat einen Verbrauch von ca. 12.700 Kubikmeter für eine 18 Loch-Anlage errechnet. Das sind 250 bis 400 mm pro m2 pro Jahr. Erfahrungen von anderen Golfplätzen zeigen, dass dieser enorme Bedarf nur durch Verwendung von Trinkwasser gedeckt werden kann. Dies wäre angesichts der Anstrengungen zum (Trinkwasser-)Sparen völlig kontraproduktiv. Die Alternative wären ausgedehnte Regenwasserrückhaltebecken, die die Landschaft zusätzlich zu den geplanten Anlagen verschandeln würden.


Kein Bedarf für weitere Golfplätze

Es gibt bereits ausreichend Golfplätze auch in der näheren Umgebung, z.B. in Kraftshof bei Nürnberg, Atzenhof bei Fürth, Schleinhof bei Kleinsendelbach, Pettensiedel, Abenberg, Ebermannstadt, Kanndorf oder Bad Windsheim.

Regelmäßig erscheinen Zeitungsmeldungen, dass Golfplatzbetreiber Konkurs anmelden mussten, weil sich ihre hohen Erwartungen an Auslastung und Umsatz nicht erfüllten. Es gibt keine Garantie, dass im Falle einer Pleite der Golfplatzbetreiber oder bei einer Aufgabe des Platzes die Flächen auch wieder renaturiert werden, sofern dies überhaupt möglich ist. Allein die Neuvermessung der Grundstücke wäre sehr teuer.