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Glyphosat-Ausstieg: BN-Studie untersucht Molkereien

Eine Umfrage des BUND Naturschutz (BN) zeigt: Einige bayerische Molkereien sind Vorreiter beim Glyphosat-Ausstieg. 16 Molkereien haben ein Verbot von Glyphosat bei der Acker- und Grünlandbewirtschaftung verankert. Glyphosatfreies Zukaufsfutter haben nur die Bio-Molkereien und drei kleinere Almmolkereien, die keine Fremdfuttermittel zukaufen, vereinbart. Von den 99 befragten bayerischen Molkereien haben 30 geantwortet. Angesichts des Insektensterbens fordert der BN Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber auf, sich für ein schnelleres Verbot von Glyphosat einzusetzen.

10.07.2018

"Gerade große Molkereien lassen weiterhin die Glyphosatanwendung am Acker und auf den Wiesen zu und entziehen sich ihrer Verantwortung. Die Verbraucher müssen Milch, Joghurt oder Käse aus Bioerzeugung kaufen, wenn sie den Glyphosateinsatz vermeiden wollen", so Richard Mergner, BN Landesvorsitzender.

Von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und der Staatsregierung fordert Mergner den Einsatz für ein schnelleres Glyphosatverbot als zentralen Beitrag gegen das Insektensterben. Der BN fordert auch die sofortige Umsetzung der Koalitionsvereinbarung zur Glyphosatreduktion auf Bundesebene und eine Strategie zum Herbizidausstieg in der Landwirtschaft bis 2025.

Bereits im Dezember 2017 hat der BUND Naturschutz alle bayerischen Molkereien angeschrieben, und aufgefordert, dem Beispiel der Molkerei Berchtesgadener Land zu folgen, mit ihren Milchlieferanten über ein Glyphosatverbot zu diskutieren und ein Verbot zu beschließen. Denn das Abspritzen von Wiesen mit einem Totalherbizid führt zu Artenverlusten und hat negative Auswirkungen auf die Umwelt. Der Glyphosateinsatz bei der Erzeugung von Futtermitteln ist mitverantwortlich für gravierende Biodiversitätsverluste und beinhaltet Risiken für die Gesundheit.

 

Folgende Molkereien haben Ihre Milcherzeugerbetriebe zu einem Glyphosatverzicht bei der Wiesen- und Ackerbewirtschaftung verpflichtet

  • Alpe Stoffelberg
  • Alp‐ und Hofkäserei Rasch Stiefenhofen
  • Alpsennerei Höfle Balderschwang
  • Alpsennerei Mitterhaus
  • Anderlbauer
  • Berchtesgadener Land‐Chiemgau
  • Berglandmilch, Schärdinger Molkereiprodukte (Rotthalmünster)
  • Dorfkäserei Hubert Stadler
  • Gebr. Baldauf, Lindenberg / Allgäu
  • Goldsteig Käsereien
  • MVS Milchvermarktung Sternenfair
  • Naturkäserei TegernseerLand
  • Rottaler Milchwerke/ Berglandmilch Wels/Österreich
  • Schaukäserei Ammergauer Alpen
  • Töpfer GmbH
  • Walder Käskuche

Bei den Biomolkereien ist der Glyphosatverzicht bereits durch die Richtlinien vorgeschrieben, die den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden generell verbieten.

Es braucht Anreize für eine extensivere Bewirtschaftung

Doch der Teufel liegt im Detail: auch bayerische konventionelle Milch wird mit Hilfe von Zukauffuttermitteln erzeugt, das sind Getreideprodukte, aber auch Eiweißkomponenten aus Raps oder Soja, die zum Teil importiert sind.

Trotz der bayerischen Eiweißstrategie werden nach wie vor ca. 500.000 Tonnen an Sojaprodukten für Viehfutter nach Bayern importiert, davon landet nach BN Schätzungen ein Drittel auch in der Rinderfütterung.

Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wurden bei der risikoorientierten Untersuchung von Futtermitteln auf Glyphosat und dessen Abbauprodukt AMPA bei 45% der insgesamt 193 Proben Rückstände gefunden, die unterhalb des zulässigen Grenzwerts lagen. Dabei handelte es sich in den meisten Fällen um Sojaextraktionsschrot, aber auch Getreide und Rapsproben wiesen Rückstände auf. www.lgl.bayern.de/tiergesundheit/futtermittel/futtermittelsicherheit

"Es braucht Anreize für eine extensivere Bewirtschaftung und entsprechende höherpreisige Vermarktung der Milchprodukte", so Stephan Kreppold, Sprecher des BN AK Landwirtschaft. "Wir wollen, dass Milchbauern angemessen für Ihre Arbeit entlohnt werden und gleichzeitig Umweltanforderungen erfüllen können, hierzu gehört auch die Anpassung des Viehbestands an die betriebseigene Futtergrundlage. Nur dann kann eine vollständig glyphosatfreie Produktion ohne den Einsatz von Importfuttermittel, wie Soja aus Übersee umgesetzt werden. Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber muss die Zeichen der Zeit endlich erkennen und eine Beratungsoffensive zur mechanischen Beikrautregulierung starten", ergänzt Kreppold.

Dicamba ist keine Alternative

Martha Mertens Sprecherin des BN Arbeitskreis Gentechnik weist darauf hin, dass v.a. in den USA in Reaktion auf das massive Auftreten von Glyphosat-resistenten Beikräutern gentechnisch veränderte Pflanzen zugelassen und angebaut werden, die nicht nur gegen Glyphosat, sondern auch gegen weitere Herbizide, wie z. B. Dicamba, resistent sind. Die Ergänzung bzw. der Ersatz von Glyphosat durch Dicamba, in den USA insbesondere bei Sojabohnen stark progapiert, kann keine Lösung sein. "Dicamba ist für die Umwelt mindestens so kritisch zu bewerten wie Glyphosat, denn es ist 75 mal toxischer für breitblättrige Pflanzen als Glyphosat. Zudem ist es sehr flüchtig, sodass die Schäden durch Abdrift in den Anbaugebieten der Dicamba-resistenten Sojabohnen massiv zugenommen haben. Dies trifft nicht nur benachbarte Sojaflächen, die nicht-Dicamba-resistent sind, sondern alle zweikeimblättrigen Pflanzen in der Umgebung, incl. Obst, Gemüse und Zierpflanzen sowie Wildpflanzen."

Die Bayerische Landesanstalt für Landesanstalt empfiehlt in ihren Beratungshinweisen 2018 für den Einsatz im Grünland zur Narbenerneuerung vier Liter Glyphosat oder alternativ eine Mischung von bis zu sechs Liter Dicamba und MCPA zur "Grünlanderneuerung". (siehe Präparate zur Unkrautbekämpfung unter: http://www.lfl.bayern.de/ips/unkraut/033930/ .

"Wiesen zur sog Bestandserneuerung abzuspritzen, um sie anschließend in "Grasäcker" zu verwandeln, ist der falsche Weg", kritisiert Marion Ruppaner, BN Agrarreferentin, "denn er führt zu weiteren Artenverlusten."

Laut Julius Kühne Institut ( https://docplayer.org/59826493-Anwendung-glyphosathaltiger-herbizide-sachstand-und-hintergruende.html ) werden 3,3% der Wiesen und Weiden mit Glyphosat behandelt, um den Pflanzenbestand abzutöten oder Einzelpflanzen zu bekämpfen. Nach der Abtötung der Wiesennarbe wird oft eine gräserreiche Saatmischung eingesät, die den vorherigen noch kräuterreicheren Wiesen- oder Weidebestand ersetzt. Doch bereits jetzt finden sich auf Wirtschaftsgrünland durchschnittlich nur noch 15 verschiedene Arten. Die Dezimierung des Blütenangebots durch Saatmischungen, häufiges Mähen und hohe Düngegaben betrifft z.B. blütenbesuchende und auf Wiesenblumen spezialisierte Insekten ganz besonders.

Glyphosat tötet alles Grün

Glyphosat ist das in Deutschland am häufigsten eingesetzte Pflanzengift; 2012 wurden noch ca. 5000 t Wirkstoff ausgebracht. Es wird auf ca. 40 Prozent der deutschen Ackerfläche eingesetzt; hinzu kommen 10.000 t selektiv wirkender Herbizide. Nach Angaben des Industrieverbands Agrar ist der Absatz von Glyphosat für den landwirtschaftlichen Bereich 2017 um ca. 40% zurückgegangen.

Glyphosat tötet alles Grün und zerstört dadurch Lebensräume und Nahrungsquellen. Es ist maßgeblich für das Artensterben in der Agrarlandschaft verantwortlich.

Es ist laut Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO wahrscheinlich krebserregend beim Menschen.

Glyphosat-Rückstände halten sich in Lebens- und Futtermitteln mindestens zwei Jahre lang, in Produkten mit hohem Stärkeanteil bis zu 4 Jahren; sie werden durch Kochen und Backen nicht zerstört.

Gesundheitliche Auswirkungen

Herbizidrückstände in Lebens- und Futtermitteln können die menschliche und tierische Gesundheit beeinträchtigen. Da Glyphosat z.B. in Samen angereichert wird, können Ernteprodukte hohe Rückstandswerte aufweisen. In der EU gilt für Glyphosat in Sojabohnen ein zulässiger Rückstandswert von 20 mg/kg. Dieser hohe Glyphosat-Wert ist in der EU nur für wenige andere Produkte wie Gerste, Hafer, Hirse und Sonnenblumenkerne zulässig. Für Zuckerrüben bzw. Rapssamen liegt er bei 15 bzw. 10 mg/kg. Für die meisten anderen Lebensmittel gelten 0,1 mg/kg[1]. Rückstände von 20 mg Glyphosat/kg werden bei Sojabohnen in den USA[2] teilweise fast erreicht bzw. in Argentinien[3] sogar überschritten. Da in Sojapflanzen ein Abbau von Glyphosat zu AMPA stattfindet, ist AMPA ebenfalls zu berücksichtigen.

Rückstandswerte sind eher willkürliche Festlegungen, die eine Sicherheit nur vorgaukeln. Je höher der Spritzmitteleinsatz ist, desto häufiger werden die zulässigen Rückstandshöchstgehalte nach oben angepasst. So wurde der Wert für Sojabohnen um das 200-fache von 0,1 mg/kg auf 20 mg/kg erhöht, als 1996 Glyphosat-resistente Gentech-Soja auf den Markt kam. Rückstandswerte sichern Agrar- und Geschäftsmodelle ab, die auf den Großeinsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden setzen.

Ein wissenschaftlicher Konsens bezüglich der akuten und chronischen Toxizität von Glyphosat bzw. Roundup existiert nicht. Während das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) von keiner besonderen Humantoxizität von Glyphosat ausgeht, beobachteten andere Wissenschaftler toxische und tumorfördernde Wirkungen von Glyphosat bzw. Roundup auf tierische und menschliche Zellen bzw. embryotoxische Effekte auf Versuchstiere. Aus Lateinamerika wird über erhöhte Raten von Fehlbildungen bei Neugeborenen und von Fehlgeburten berichtet. Es besteht ein erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson und der Einsatz von Glyphosat kann zu Kreuzresistenzen gegen Antibiotika führen.

Anlage:Auswertung Glyphosat-Anschreiben des BN

Molkereien:

Angeschrieben wurden 115 Molkereien mit ihren zugehörigen Betrieben (insgesamt 140 Betriebe) Die Adressen stammen von der Webseite der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft e.V. unter
http://www.aconn.de/ml/mlist.php?

16 Briefe kamen ungeöffnet zurück bzw. mit einer Mitteilung, dass der Betrieb geschlossen ist à 99 Molkereien

Geantwortet haben 30 Betriebe

Von den Betrieben, die geantwortet haben (30)

  • haben 16 einen Verzichtbeschluss für die Bewirtschaftung durch ihre Lieferanten (Liste zum Download siehe unten), 2 verzichten teilweise, 2 richten einen Appell an ihre Zulieferer auf Glyphosat zu verzichten, 10 haben unverbindlich auf den weiteren Diskussionsprozess hingewiesen.
  • 10 haben den Zukauf von Futtermitteln ausgeschlossen,
  • 10 kontrollieren die Umsetzung des Beschlusses auf Glyphosat zu verzichten, 14 geben an, das nicht zu tun.

[1]ec.europa.eu/sanco_pesticides/public/index.cfm

[2]www.whatsonmyfood.org/food.jsp

[3]www.testbiotech.org/node/927