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Grüne Bilanz Oberfranken 2018 - Schwerpunkte 2019

Noch große Anstrengung beim Insektenschutz notwendig

04.02.2019

"Es besteht dringender Handlungsbedarf, um das dramatische Arten- und Insektensterben zu bekämpfen. Denn die Folgen für Natur und Umwelt zeigen sich schon jetzt. Die Nahrungskette vieler Lebewesen wird durch den Rückgang der Insekten negativ beeinflusst, die Vögel oder die Eidechsen werden zum Beispiel immer weniger. Etwa 75 Prozent unserer Nutzpflanzen sind auf die Insektenbestäubung angewiesen, es drohen uns Verhältnisse wie in China, wo das schon nicht mehr klappt. Beunruhigend ist, dass selbst in Naturschutzgebieten ein Rückgang der Insektenvielfalt festgestellt wurde.", fasst Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz Bayern die Situation zusammen.

"Das Volksbegehren Artenvielfalt bietet die Möglichkeit einen wichtigen Schritt beim Insektenschutz zu machen. Mehr Uferrandstreifen, mehr ökologische Landwirtschaft und ein Biotopverbund für Bayern sind entscheidende Elemente des Volksbegehrens. Darüber hinaus brauchen wir allerdings auch eine ökologische Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik und klare Regelungen für den Flächenschutz in Bayern", ergänzt der BN-Landesbeauftragte Martin Geilhufe.

"In Oberfranken haben wir dieselbe Entwicklung wie anderswo auch. Ein Beispiel: Der einst in den Fichtelgebirgsmooren weit verbreitete Hochmoorgelbling gilt trotz ausgewiesener Schutzgebiete als ausgestorben. Der Apollofalter war in der Fränkischen Schweiz einst verbreitet. Heute hat er hier nur noch ein einziges Kernvorkommen. Die BN-Kreisgruppe Hof kämpft mit großem Einsatz um den Erhalt eines von nurmehr zwei Hauptvorkommen des Goldenen Scheckenfalters in ganz Nordbayern. Die BN Kreisgruppe Bayreuth pflegt bei Bindlach seit 35 Jahren Schmetterlingsbiotope von überregionaler Bedeutung. Doch der Negativtrend konnte trotz aller Anstrengungen allenfalls verzögert werden. Selbst das Verschwinden relativ häufiger Arten wie z.B. des Schachbrettfalters waren Grund, dass dieser zum Schmetterling des Jahres 2019 erwählt wurde", so Julian Bittermann, Experte für Lepidopterologie (Schmetterlingskunde).

Zwar pflegen alle BN-Kreis- und -Ortsgruppen überall im Land Biotope, auch die vielen Landschaftspflegeverbände, etliche Kommunen und viele Landwirte, doch daneben gehen die Lebensräume für Bienen, Falter und Heuschrecken weiter zurück.

"Wir können Feuchtwiesen für Schmetterlinge und Heuschrecken pflegen, Streuobstwiesen und Hecken für Grünspechte und Neuntöter pflanzen oder Tümpel für Libellen und Kröten anlegen. Damit schaffen und retten wir gerade mal einige kleine Arche-Noah-Flächen. Doch solange in der Landwirtschaft weiter gespritzt und bis an die Gewässerränder geackert wird, werden wir das Artensterben nicht aufhalten", so Reinhard Birkner, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Bayreuth.

Mit dem Volksbegehren Artenvielfalt wollen wir ein neues, besseres Naturschutzgesetz verankern. Es soll die bayerische Staatsregierung dazu bewegen, sich mehr als bisher für den Umwelt- und Naturschutz einzusetzen. Im Kern sollen durch das Volksbegehren folgende Maßnahmen erreicht werden:

  • Ökologische Landwirtschaft auf mindestens 20% der landwirtschaftlichen Flächen bis 2025 und 30% bist 2030 erhöhen.
  • Blühende Randstreifen an Gewässern für die Artenvielfalt und das Trinkwasser schützen.
  • Alle staatlichen Flächen pestizidfrei bewirtschaften.
  • Pestizide in Schutzgebieten ganz verbieten.
  • Zehn Prozent aller Wiesen in Blühwiesen umwandeln.
  • Hecken, Bäume und kleine Gewässer in der Landwirtschaft erhalten.
  • Innerhalb von zehn Jahren 13 Prozent der Landesfläche als Biotopverbund ausweisen.
  • Naturschutz in die Lehrpläne einbinden.

Das Volksbegehren richtet sich nicht gegen die Landwirtschaft. Es sind vielmehr die Bäuerinnen und Bauern, die auch Leidtragende von politischen Fehlentwicklungen und Fehlanreizen sind. Das Hofsterben ist ein Symptom falscher Politik, die seit Jahrzehnten auf immer mehr Wachstum setzte.

Der BUND Naturschutz ruft dazu auf, das Volksbegehren "Rettet die Bienen und die Artenvielfalt" zu unterstützen. Zwischen 31. Januar und 13. Februar müssen sich zehn Prozent aller bayerischen Wähler in den Rathäusern für das Volksbegehren eintragen, damit wir alle über ein besseres Gesetz abstimmen können. Nötig sind fast eine Million Wahlberechtigte, die sich eintragen!

Weitere Informationen zum Insektenvolksbegehren finden Sie unter:

https://www.bund-naturschutz.de/aktionen/volksbegehren-artenvielfalt.html

Mit Eigentum und Pacht betreut und sichert der BN bayernweit inzwischen ca. 3.200 Hektar schutzwürdiger Lebensräume, verteilt über ganz Bayern. Damit knüpfen Tausende im Artenschutz aktive Mitglieder an einem "Netz des Lebens".

Erfolge 2018

Der BN freut sich über Erfolge dem Schutz des Riedberger Horns, für das auch die oberfränkischen Aktiven intensiv gekämpft haben. Mit einem überwältigend gewonnenen Bürgerentscheid konnten die Bamberger NaturschützerInnen zusammen mit Bündnispartnern den Hauptsmoorwald vor einem 46 Hektar großen Gewerbegebiet bewahren. Im Fichtelgebirge gelang es zusammen mit betroffenen Landwirten ein Industriegebiet bei Thiersheim auf 70 Hektar Fläche zu vereiteln.

Die Mia ham´s satt!-Demo in München mit 18.000 Menschen - eine Woche vor der Landtagswahl - zeigte, dass vor allem Themen wie naturverträgliche Landwirtschaft, Flächenschutz und die Bewahrung der Artenvielfalt die Menschen bewegen. Aus Oberfranken waren mehrere Busse zur Demo gefahren.

Weitere große Erfolge sind die Verhinderung eines Feriendorfes im Landschaftsschutzgebiet bei Steinwiesen und die Verhinderung eines Großeinkaufszentrums der Fa. Rewe bei Hallerndorf, jeweils gemeinsam mit Bürgerinitiativen. Der Vergabestopp an der geplant vierspurigen Umfahrung von Schirnding (B 303) ist ebenfalls ein toller Erfolg.

Die neun oberfränkischen Kreisgruppen tragen durch konkrete Naturschutzprojekte, durch Aufklärungsarbeit und durch ihren Einsatz zum Schutz wertvoller Landschaften vor Zerstörungen seit Jahrzehnten zum Erhalt der Natur und Artenvielfalt in Oberfranken bei. Bayernweit laufen derzeit über 40 Modellprojekte mit einem Finanzumfang von mehr als einer Million Euro für bedrohte Tier- und Pflanzenarten im BN. Dazu gehören die Nachzucht der Flussperlmuschel im Landkreis Hof, der Fledermausschutz in Forchheim oder die Tagfaltererfassung in Frankenwaldtälern bei Kronach.

Besonders freut sich der BN über einen großen Mitgliederzuwachs im Jahr 2018. Mit zum Jahresende rund 235.000 Mitgliedern und Förderern erreicht der BUND Naturschutz (BN) den bisher größten Mitgliederstand seiner 105‐jährigen Geschichte (+ 2,8% gegenüber 2017). In Oberfranken verzeichnet der BN einen Mitgliederzuwachs auf 17.760 (+ 0,2%).

Rückschlag 2018

Ein herber Rückschlag für den Naturschutz ist das kategorische Nein zu einem 3. Nationalpark im neuen Koalitionsvertrag, trotz einer Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger Bayerns, die sich einen dritten Nationalpark wünschen. An der Erfüllung dieser zentralen Forderung aller bayerischen Naturschutzverbände wird der BUND Naturschutz besonders im Steigerwald arbeiten.

Schwerpunkte 2019

Wir wollen bessere Bedingungen für die Natur mit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" durchsetzen.

Wir wollen erreichen, dass die Pariser Klimaschutzziele in Bayern umgesetzt werden mit einem Klimaschutzgesetz, der Aufnahme des Klimaschutzes in die Verfassung und der Abschaffung der 10H-Regel, die die Windkraft behindert.

Wir wollen das 5-Hektar-Ziel als Höchstgrenze des Flächenverbrauches verankern, um vom Flächendumping zum Flächenrecycling zu kommen.

Wir wollen mehr Waldwildnis durch 10 Prozent Naturwälder und einen 3. Nationalpark.

Wir werben für Europa und seine sozial-ökologische Weiterentwicklung im Rahmen der Europawahl am 26. Mai 2019 und wir werden politisch aktiver.

Für Rückfragen:

Tom Konopka, Regionalreferent für Mittelfranken Tel.: 0911/8187814 Mail: tom.konopka@bund-naturschutz.de