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GRÜNES BAND – BAYERN MUSS EINZIGARTIGES NATUR- UND KULTURERBE BESSER SCHÜTZEN!

Der BN fordert das Bayerische Umweltministerium auf, den Biotopverbund entlang des Grünen Bandes Bayern-Tschechien für gefährdete Arten und deren Lebensräume im Rahmen des Biodiversitätsprogramms Bayern 2030 „Natur Vielfalt Bayern“ besser zu schützen.

Das Grüne Band Bayern-Tschechien bei Waldsassen/Egerteich. Foto: Klaus Leidorf

Grünes Band Bayern-Tschechien: Die Feuchtflächen des BN Wunsiedel bei Fischern sind Bestandteil der wertvollen Auenlandschaft, die den Übergang des Fichtelgebirges in das Egerer Becken bildet. Foto: Karl Paulus

Grünes Band Bayern-Tschechien: Die bereits 2002/2003 durch den BN Wunsiedel bei Fischern angekauften Biotope an der Eger sind mit Schutzgebieten auf tschechischer Seite vernetzt. Foto: Karl Paulus

Baumeister Biber trägt zum Erhalt der Artenvielfalt entlang des Grünen Bandes Bayern-Tschechien bei: Wie im grenzübergreifenden Biberrevier an der Eger bei Fischern. Foto: Gerhard Schwab

Das Grüne Band im Dreiländereck Bayern-Sachsen-Tschechien beheimatet letzte Vorkommen des stark gefährdeten Goldenen Scheckenfalters. Foto: Nora Sichardt

26.07.2016

Bislang sind gut zwei Drittel der bayerischen Seite ohne Schutz. Das 346 Kilometer lange Grüne Band entlang der Grenze Bayern-Tschechien ist ein zentraler Teil des längsten Lebensraumverbundes der Welt, des über 12.500 Kilometer langen „Grünen Bandes Europa“. Ein einzigartiges Natur- und Kulturerbe findet sich auch in Oberfranken: Der Kreuzungspunkt von Egertal und Grünem Band ist Drehscheibe für die Artenvielfalt, das Dreiländereck Bayern-Sachsen-Tschechien einer der letzten Rückzugsräume für hochgradig gefährdete Arten wie Goldener Scheckenfalter und Flussperlmuschel. 

Die Bedeutung des Grünen Bandes als europäisches Natur- und Kulturerbe unterstreicht eine Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) hinsichtlich einer möglichen Nominierung als UNESCO-Welterbestätte: Der ehemalige Eiserne Vorhang sei die komplexeste und am stärksten entwickelte aller relikthaften Grenzlandschaften des Kalten Krieges. Es habe sich in ein Biotopnetzwerk von globaler Bedeutung gewandelt und sei daher für die langfristige Bewahrung Europas einzigartiger Ökosysteme und biologischer Vielfalt von essenzieller Bedeutung.   

„Doch die Bilanz zur Sicherung der bayerischen Seite entlang des Natur- und Kulturerbes Grünes Band ist absolut defizitär. Gerade mal 32 % stehen von Hof bis ins Dreiländereck Bayern-Tschechien-Oberösterreich unter Schutz. Auf tschechischer Seite sind die naturnahen Flächen des Grünen Bandes mit 94 % geschützt. Welche große Bedeutung der Naturschutz für UNESCO-Welterbestätten hat, zeigt die kürzlich durch den BUND veröffentlichte Studie „Natur schützt Kultur“ mit dem Ergebnis, dass das europäische Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 entscheidende Beiträge zur Bewahrung wertvoller Kulturgüter leistet. Eine Ausweisung des Grünen Bandes als UNESCO-Welterbe würde zur nachhaltigen, touristischen Entwicklung der Grenzregionen beitragen. Daher muss auch Bayern die Ausweisung weiterer Schutzgebiete sowie eine umfassende aktuelle Kartierung der Lebensräume und Arten umsetzen. Zudem muss hierfür in den Naturschutzbehörden vor Ort ausreichend Personal aufgestockt werden“, so Hubert Weiger, 1. Vorsitzender des BN. 

Das Grüne Band Europa wurde 2013 durch die EU Kommission als Vorbild für die Umsetzung europäischer, grenzübergreifender sogenannter „Grüner Infrastruktur“ benannt. Liana Geidezis, Leiterin des BUND-Projektes Grünes Band, betont: „Das Biodiversitätsprogramm Bayern 2030 der Staatsregierung fordert eine Verbesserung des Biotopverbunds unter anderem durch Initiierung grenzüberschreitender Biotopverbundprojekte und die Bayerische Biodiversitätsstrategie nennt den Biotopverbund als Handlungsschwerpunkt für die Zukunft. Bayern muss daher seine Bemühungen zum Erhalt und zur Verbesserung des Biotopverbundes am Grünen Band auch gemeinsam mit den angrenzenden Ländern umgehend verstärken. Dies sollte durch geeignete Öffentlichkeitsmaßnahmen begleitet werden.“

Beispiel für den gelungenen Einsatz für Erhalt und Entwicklung des Grünen Bandes sind die Feuchtflächen des BN bei Fischern, ganz im Osten des Landkreises Wunsiedel.  Der Übergang des Fichtelgebirges ins Egerer Becken bildet eine großartige Auenlandschaft. „Wir befinden uns hier an einem der interessantesten Punkte im Grünen Band des bayerisch-böhmischen Grenzstreifens und einem Kristallisationspunkt des Arten- und Biotopschutzes mit hoher Symbolkraft“, so Fred Terporten-Löhner, 1. Vorsitzender des BN Wunsiedel. Direkt verzahnt sind hier die Grundstücke des Bundes Naturschutz mit tschechischen Biotopen, gleichsam ein Symbol für die freundschaftliche Zusammenarbeit der BN-Kreisgruppe Wunsiedel mit dem tschechischen Nachbarverband des ČSOP in Eger/Cheb seit 1990. Der BN hat hier bereits 2002/2003 fünf Wiesengrundstücke mit 2,5 Hektar erworben, seit 2005 wurden unterschiedlichste Maßnahmen wie Beweidung und die Anlage von Tümpeln und Brachestreifen umgesetzt und so wertvolles Feuchtgrünland erhalten und entwickelt – hier haben der Fischotter, gefährdete Libellenarten, wie die Gemeine und die Grüne Keiljungfer, eine Heimat gefunden. Vogelarten wie Schlagschwirl, Eisvogel, Rohrweihe, Schwarzstorch, Braunkehlchen, Bekassine und Waldwasserläufer nutzen das Gebiet als Rückzugsraum.  In vorbildlicher Weise grenzübergreifend arbeitet hier auch Baumeister Biber und trägt nachhaltig zum Erhalt der Artenvielfalt und zum Hochwasserschutz bei.

Ein weiteres schutzwürdiges Areal des BN Wunsiedel befindet sich einen Kilometer egeraufwärts bei Hohenberg. Das 2,1 ha große Gebiet wurde bereits 1979 erworben und ist nur per Boot erreichbar. Von besonderer Bedeutung ist dort der Bestand der Buschnelke (Dianthus seguieri) – eine in ganz Zentraleuropa stark gefährdete Art, für die Deutschland eine besondere Erhaltungsverantwortung besitzt. 

Als zukunftsweisend erachtet der BN die Bestrebungen des Naturparks Fichtelgebirge und des tschechischen Landschaftsschutzgebietes Kaiserwald (Slavkovský les) einen gemeinsamen, grenzübergreifenden Pflege- und Entwicklungsplan zu erarbeiten, der auch das Grüne Band im Egertal einschließt.

Das Grüne Band im Dreiländereck Bayern-Sachsen-Tschechien beheimatet letzte Vorkommen des stark gefährdeten Goldenen Scheckenfalters (Euphydryas aurinia). Seit 2015 besteht ein länderübergreifendes trilaterales Schutz-Projekt des BN Hof und des Vogtlandkreises in enger Zusammenarbeit mit der Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik sowie der tschechischen Naturschutzorganisation Ametyst. Gefördert werden die konkreten Artenschutzmaßnahmen im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz und den Bayerischen Naturschutzfond sowie durch das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Ziel ist Erhalt und Entwicklung von schonend bewirtschafteten Feuchtwiesen, was nicht nur dem Scheckenfalter zugutekommt sondern auch einer Vielzahl an weiteren gefährdeten Arten wie der Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera).
„Das Beispiel der Flussperlmuschel unterstreicht die große Bedeutung des Grünen Bandes als Rückzugsraum: 1990 wurden 36.000 Muscheln in der Südlichen Regnitz gezählt, heute sind es weniger als 2.000 Muscheln“ so Ulrich Scharfenberg, 1. Vorsitzender des BN Hof. Der größte ökologische Schatz der Region wird seit 1987 intensiv von Behörden und vom BN Hof betreut, denn die Bestandszahlen sind rückläufig. Die Verschmutzung der Fließgewässer durch Einträge aus der intensiven Landwirtschaft ist eine der Hauptursachen. Deshalb bedarf es dringend weiterer, gemeinsamer und grenzübergreifender Anstrengungen des Naturschutzes, der Wasserwirtschaft und der Landwirtschaft.

Weitere Informationen

BUND Naturschutz Wunsiedel: www.wunsiedel.bund-naturschutz.de
BUND Naturschutz Hof: www.bund-naturschutz.com
Projekt Goldener Scheckenfalter: www.scheckenfalter.de
Bilder zum Projekt Goldener Scheckenfalter: www.scheckenfalter.de/index.php/bilder-downloads

FÜR RÜCKFRAGEN

Dr. Liana Geidezis, Melanie Kreutz
Projektbüro Grünes Band
BUND Naturschutz in Bayern e.V.
Tel. 0911 / 57 52 94 10
gruenes.band@bund-naturschutz.de