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Karl Gayer-Medaille für Bernhard Rückert

BUND Naturschutz ehrt Leiter der Forstverwaltung Lohr

Verleihung der Karl Gayer-Medaille im Stadtwald Lohr; v.l.n.r.: Hans Kornprobst, Sprecher des BN-Arbeitskreises Wald; Richard Mergner, BN-Landesvorsitzender; Preisträger Bernhard Rückert; Ralf Straußberger, BN-Waldreferent; Sebastian Schönauer, stellv. BN-Landesvorsitzender ; Foto: BN

23.09.2019

Im Rahmen einer Festveranstaltung in Lohr am Main ehrte der BUND Naturschutz in Bayern (BN) Bernhard Rückert mit der Karl Gayer-Medaille für seine herausragenden Verdienste bei der naturgemäßen Waldbewirtschaftung und beim Waldnaturschutz. Rückert ist langjähriger Leiter der Forstverwaltung der Stadt Lohr a. Main. In seiner Laudatio lobte Richard Mergner, Landesvorsitzender des BN: "Wir ehren Bernhard Rückert, weil er im Stadtwald Lohr sehr eindrucksvoll beweist, dass eine naturnahe Waldnutzung, Waldnaturschutz auf sehr hohem Niveau und der Schutz von Naturwäldern zusammenpassen, ja zusammengehören". Die Karl Gayer-Medaille wurde vom BN zur Erinnerung an den im ausgehenden 19. Jahrhundert wirkenden Münchner Waldbauprofessor Karl Gayer geschaffen, der ein Vordenker und Vorkämpfer für den naturgemäßen Waldbau in Europa war. Sie wird seit 1977 vom BN in unregelmäßigen Abständen an Forstleute oder Waldbesitzer verliehen, die sich vorbildhaft für den naturgemäßen Waldbau eingesetzt haben. Rückert ist der 35. Preisträger.

Seit Jahrzehnten vorbildlicher Einsatz für das Gemeinwohl

Im Rahmen eines Waldbegangs, bei dem die Karl Gayer-Medaille überreicht wurden, zeigte Bernhard Rückert eindrucksvolle Wälder des Stadtwaldes. In seiner Laudatio lobte Richard Mergner die erfolgreiche Arbeit im Stadtwald Lohr: "Hier kann man heute sehr gut sehen, wie kleinflächig und schonend Wälder bewirtschaftet werden können, naturgemäß eben." Durch eine kleinflächige und schonende, einzelbaumweise Waldnutzung wurde hier ein gemischter, gestufter Wald im Sinne Karl Gayers verwirklicht. "Wir begrüßen es sehr, dass Rückert z.B. auch Rückepferde einsetzt, weil so die verbleibenden Bäume und der Waldboden geschont und weniger Rückegassen gebraucht werden", so Mergner. Der BN begrüßt, dass die Stadt Lohr in Zeiten der Klimakrise in ihrem Stadtwald einen vorratsreichen Wald aus klimastabilen, heimischen Baumarten anstrebt, in dem auch viel Kohlenstoff gespeichert wird. Dies bedeute aber auch, dass dies schon heute bei der Menge des einzuschlagenden Holzes berücksichtigt werden muss, appellierte Mergner an den Stadtrat. Eine intensive Bejagung ermöglicht es, dass sich viele Baumarten natürlich verjüngen können. "Wir sehen aber auch an den Zäunen, dass es eine langfristige Aufgabe ist den Grundsatz Wald vor Wild umzusetzen", so Mergner. Dies heißt, dass das Waldökosystem vor den Jagdinteressen stehen muss.

Engagierte Förster als vorbildhafte Naturschützer

Bernhard Rückert ist ein Forstmann, der es sich groß auf die Fahnen geschrieben hat, dass im öffentlichen Wald der Artenschutz vorbildlich umgesetzt werden muss. So wurden ca. 90 Feuchtbiotope angelegt, von denen auch der zurückgekehrte Schwarzstorch profitiert. Auch die Wildkatze ist in den Stadtwald zurückgekehrt. Auf Basis des von Rückert entwickelten Biotopbaum- und Totholzkonzeptes hat sich die Menge der Biotopbäume und des Totholzes deutlich erhöht. Heute findet man über 13.000 Biotopbäume und 50.000 Festmeter Totholz im Stadtwald. "Wir begrüßen es auch sehr, dass sich über 200 Hektar des Stadtwaldes zu einen "Urwald von morgen" vor der Haustüre der Stadt Lohr entwickeln dürfen", stellte Mergner heraus. Der Stadtwald Lohr ist sicher in vielerlei Hinsicht als vorbildhaft zu bezeichnen und hat insbesondere beim Schutz der Biodiversität und der Naturwaldflächen eine Vorbildfunktion für andere öffentliche Waldbesitzer. Konsequenterweise ist der Stadtwald Lohr auch seit 2000 für seine vorbildliche Pflege nach den anspruchsvollen Richtlinien des FSC zertifiziert, das auch der BN unterstützt.

Dank an die Stadt Lohr

Mergner dankte Bürgermeister Mario Paul und den Mitgliedern des Stadtrates für die politische Unterstützung für Rückerts Arbeit im Stadtwald. "Wir freuen uns, dass der Stadtwald bei Ihnen und Ihren Vorgängern eine so große Bedeutung hat und in guten Händen ist", so Mergner. Die hohe Wertschätzung für den Stadtwald manifestiert sich in etlichen Stadtratsbeschlüssen, z.B. zur naturgemäßen Waldbewirtschaftung, zur FSC-Zertifizierung oder zum Schutz der Naturwälder. Der BN ehrte schon Altbürgermeister Siegfried Selinger 2008 mit der BN-Waldmedaille. "Wir möchten Sie darin bestärken, Ihren Lohrer Stadtwald als Perle im Spessart weiterhin so intakt, so vorbildlich zu erhalten und weiter zu entwickeln, z.B. im Rahmen des Projektes "Kommunale Biodiversität"", so Mergner. Er dankte auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Forstverwaltung der Stadt Lohr für ihre engagierte Arbeit.

Für Rückfragen: Ralf Straußberger, BN Waldreferent, Tel 0171/738 17 24

Hintergrund: Waldbauprofessor Karl Gayer als Vorbild

Die Karl Gayer-Medaille geht auf den Münchner Waldbauprofessor Karl Gayer zurück, der als Vordenker für den naturnahen Wald gilt. Bereits im 19. Jahrhundert hat er als Gegenbewegung zu Altersklassen- und Kahlschlagswald die Vorteile des gemischten, ungleichaltrigen Waldes und des Femelschlags als kleinflächige Nutzungsform herausgestellt. Karl Gayer wollte die Standortskräfte erhalten und die Holzproduktion mit stabilen, ungleichartigen Mischbeständen sicherer gegenüber den Risiken aus Sturmwurf, Schneebruch, Insektenfraß und Pilzschäden machen. In Zeiten der Klimakrise sind Gayers Ideen aktueller denn je.