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Luchse brauchen vernetzte Lebensräume

Heute wurden die neuen Bestandszahlen zum Luchs durch das Bundesamt für Naturschutz veröffentlicht, wonach im Monitoringjahr 2017/18 85 Luchse durch Deutschlands Wälder streiften. Das sind einige Luchse mehr als im vorangegangenen Berichtszeitraum. Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) freut sich besonders über den ersten Luchsnachweis im Allgäu seit 150 Jahren, der im März im Bergwald bei Bad Hindelang mit einer Wildkamera gelang. „Wir freuen uns sehr über die leicht positive Entwicklung des Luchsbestandes. Doch die Situation ist weiterhin besorgniserregend: Es sind noch immer sehr wenige Tiere in kleinen, isolierten Teilpopulationen. Damit diese langfristig überlebensfähig sind, müssen die Luchsvorkommen in Deutschland besser vernetzt werden.“

05.06.2019

Erfreulich ist die Entwicklung im Umfeld des Bayerischen Waldes, wo nun mehr Luchse unterwegs sind. Einer der Gründe dafür könnte sein, dass die dort seit Jahren grassierenden illegalen Tötungen endlich zurückgehen. Dazu Mergner: "Die konsequente strafrechtliche Verfolgung der jüngsten Fälle von illegalen Luchstötungen durch die Staatsanwaltschaft Regensburg und die Polizei sowie deren engagierte Aufklärungsarbeit zeigt offenbar Wirkung."

Die Hauptbedrohung der Luchse ist die Zerstückelung ihrer Lebensräume durch Straßen, viele Luchse werden überfahren. Hinzu kommen illegale Tötungen und Krankheiten. Wie fragil die kleinen Luchsvorkommen sind, zeigt ein Beispiel in Hessen, wo ein Bestand von bis zu zehn Tieren mit regelmäßigem Nachwuchs durch die Räude, eine Hauterkrankung von Wild- und Haustieren, fast komplett verschwand. Wegen der geringen Zahl von Tieren muss zudem in allen Populationen mit genetischen Problemen gerechnet werden.

In Bayern gibt es viele geeignete Luchslebensräume (Spessart, Rhön, Frankenwald, Oberpfälzer Wald mit Steinwald, Fichtelgebirge, Bayerisch-Böhmisches Grenzgebirge sowie die bayerischen Alpen mit Anbindungsmöglichkeiten an Luchsvorkommen in den West- und Ostalpen). Doch Jungluchse wandern meist nur 50 km weit ab und viele werden bei ihren Wanderungen überfahren. Deswegen ist eine Etablierung von Luchsbeständen in diesen Lebensräumen durch abwandernde Tiere derzeit sehr unwahrscheinlich.

Mergner fordert deswegen die Freisetzung von Luchsen in geeigneten Lebensräumen in den bayerischen Mittelgebirgen und den Alpen. Nur so könne das 2008 von der Bayerischen Staatsregierung im "Managementplan Luchs" definierte Ziel einer "vitalen Luchspopulation, die alle geeigneten Lebensräume Bayerns besiedelt" erreicht werden. Auch andernorts in Deutschland, z.B. dem Luchs-Wiederansiedlungsprojekt im Pfälzerwald, wird dieser Weg gegangen. "Mit einer Wiederansiedlung könnten wir der Gefahr eines erneuten Aussterbens wirkungsvoll entgegen treten", so Mergner.

Für Rückfragen:

Prof. Dr. Kai Frobel, BN-Artenschutzreferent, Tel. 0911/8187818, E-Mail: kai.frobel@bund-naturschutz.de