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Reichswaldbilanz 2018 - Große Verluste für den Reichswald

Kundgebung am Schmausenbuck, Nürnberg 21.07.18 um 15:00 Uhr

Reichswaldfest 21. und 22.07.2018

19.07.2018

Seit 1973 kämpft der BUND Naturschutz (BN) zusammen mit einer breiten Bürgerbewegung um den Erhalt des Reichswaldes. Zahlreiche aktuell agierende Bürgerinitiativen und befreundete Verbände ziehen hier mit dem BN an einem Strang. So hat der BN zusammen mit dem Fränkischen Albverein viele Jahre gegen den Plan der Fa. Zapf, Wald am Birkensee für Sandabbau zu roden, gekämpft. Ursprünglich sollten über 30 Hektar Wald verschwinden. Durch den Einsatz von BN und dem Fränkischen Albverein wurde schließlich nur noch der Abbau auf 7,5 Hektar genehmigt. Die Bilanz des Reichswaldschutzes im vergangenen Jahr fällt allerdings leider nicht nur positiv aus und große Herausforderungen, vor allem durch überzogene Planungen, stehen bevor.

Neubau einer Höchstspannungsleitung

Große Sorge macht dem BN der von der Fa. Tennet geplante Neubau einer 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung zwischen dem Umspannwerk Raitersaich (Lkr. Fürth) über Wolkersdorf (Stadt Schwabach), Kornburg, Katzwang (Stadt Nürnberg), Wendelstein (Lkr. Roth), Schwarzenbruck und Winkelhaid zum Umspannwerk Ludersheim (Lkr. Nürnberger Land) und weiter Richtung Süden über Postbauer-Heng (Lkr. Neumarkt). Die Trasse soll zwar dem Verlauf der bestehenden 220 kV-Leitung folgen und diese ersetzen, diese führt aber derzeit zum Teil mitten durch Wohngebiete.

Folgend dem Vorsorgeprinzip fordert der BUND Naturschutz in Bayern e.V., gemeinsam mit seinem Bundesverband BUND e.V., einen Abstand von ca. 600 Meter zu Wohnbebauung.

"Es ist zu befürchten, dass die neue Trasse nicht auf der bestehenden Trasse, sondern daneben errichtet werden soll. Das bedeutet, dass Wald gerodet werden müsste. In einigen Bereichen würde die Trasse wohl auch aus den Ortschaften verlegt werden. Das kostet dann noch mal Wald. Wir haben es abgeschätzt: Im Reichswald und bei Raitersaich müssten bei üblicher Bauweise etwa 135 Hektar gerodet werden" erklärt Richard Mergner, BN-Landesvorsitzender. "Das können wir auf keinen Fall zulassen."

Fällungen im Zuge von Verkehrsplanungen

"Wie auch schon in den letzten Jahren gehört die Autobahndirektion Nürnberg zu den schlimmsten Zerstörern im Reichswald. Zuletzt hatten wir großflächige Rodungen an der Autobahn A6 bei Langwasser und dem Autobahnkreuz Nürnberg-Ost. Und weitere sind geplant", so der BN-Regionalreferent Dr. Daniel Mühlleitner. "An der Regensburger Straße und durch den Ausbau des Knotens Wiener Straße-Marthweg hat die Stadt ebenfalls Bäume gefällt. Bei Letzterem wurde zudem in das ohnehin schon sehr kleine Naturschutzgebiet "Sandgruben am Föhrenbuck" eingegriffen und dieses noch weiter verkleinert."

"Auf dem Stadtgebiet von Nürnberg haben wir im Bannwald und im Vogel-schutzgebiet durch den sechsspurige Ausbau der A 73 im Nürnberger Süden im Bereich der Gartenstadt weitere Rodungen. Viele Bäume mussten dort schon fallen. Außerdem steht weiterhin der gigantische Ausbau der Anschlussstelle Fischbach an der A 9 an, der ebenfalls enorme Fällungen mit sich bringt. Natürlich ist auch die Nordspange zum Flughafen noch nicht vom Tisch. Hier überall kämpfen wir um jeden Quadratmeter Wald. Und wenn gefällt wird, muss mindestens Ausgleich und Ersatz an der richtigen Stelle her", so Dr. Otto Heimbucher, 1. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Nürnberg-Stadt.

"Leider sind auch im Nürnberger Land große Eingriffe geplant. Wir unterstützen die Bürgerinitiative Fischbach im Kampf gegen den Overfly am Autobahnkreuz Nürnberg-Ost und die BI Moosbach wegen der immer noch im Wald an der A 6 geplanten PWC-Anlage. In beiden Fällen ist die Autobahndirektion die planende Behörde. Das Schulholz bei Neunkirchen am Sand soll wieder als Industriegebiet ausgewiesen werden. Hier werden wir Widerstand leisten, so gut es geht", so Dr. Otto Heimbucher weiter.

Der BN sieht mit großer Sorge, dass im Reichswald Zug um Zug Bäume immer wieder Bäume entlang von Straßen zurückgenommen werden. Der BN hat zwar Verständnis, dass entlang von Straßen und Wanderwegen im Zuge der Verkehrssicherung Bäume gefällt werden müssen, die drohen auf die Straße zu fallen, weil sie krank oder beschädigt sind oder zu schräg stehen. "Allerdings darf es keine Massenfällungen auch von gesunden, unproblematischen Bäumen unter Verweis auf die Verkehrssicherung geben", so Richard Mergner, "weil das vorsorgliche Fällen von gesunden Bäume nicht Gegenstand der Verkehrssicherungspflicht ist." Zuletzt hatte der BN im Frühjahr 2018 Fällungen entlang der Regensburger Straße kritisiert, bei denen in einem einmaligen Großeinsatz etwa 1.000 Bäume gefällt wurden.

Klimawandel

Schließlich bleiben auch die Wälder vom Klimawandel nicht verschont, wo immer mehr Kiefern an den Nachwirkungen des Hitzesommers 2015 absterben. Sichtbare Symptome des "Kiefernsterbens" sind rote und tote Kiefern, schüttere Kronen und Mistelbefall. Entscheidend ist die Schwächung der Kiefern durch die extreme Hitze, denn Prachtkäfer, Mistel oder Pilze bringen gesunde Kiefern nicht zum Absterben. Diese Phänomene sind im Reichswald zurzeit noch nicht so häufig zu beobachten wie andernorts, wo bis zu einem Drittel der Bäume betroffen sind. "Dieses "Kiefernsterben" kann aber mit fortschreitenden Klimawandel auch im Reichswald zunehmen und würde den Reichswald wegen der vorherrschenden Dominanz der Kiefern hart treffen", so Richard Mergner.

Aktuelle Planungen

Der schon laufende Ausbau der A 73 im Nürnberger Süden im Bereich der Gartenstadt auf sechs Spuren (AS Hafen-Ost bis AK Nürnberg-Süd) wird sehr kostspielig für den Reichswald. Der BN hatte zum Planfeststellungsverfahren eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben und forderte den Verzicht auf den Ausbau, weil dadurch auch weiterer Verkehr über den Frankenschnellweg in die Stadt gelenkt würde. Hier stehen bis zu 25 ha Reichswald auf dem Spiel.

Mit dem geplanten Umbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost (A6; Overfly) und Ausbau der Anschlussstelle Fischbach (A9) stehen etwa 20 Hektar Waldfläche zur Disposition. Der BN kämpft gegen den Ausbau und fordert stattdessen Tempobegrenzungen, um das hohe Verkehrsaufkommen mit den bestehenden Verkehrsflächen zu bewältigen.

Beim geplanten LKW-Parkplatz bei Moosbach an der A6 geht die Planung weiter, sie wurde 2016 wieder aufgenommen, es drohen fünf Hektar Rodung. Hier agiert der BN zusammen mit der BI Moosbach.

Die Nordspange zum Flughafen würde 40 Hektar Reichswald kosten. Wegen der unabsehbaren Dauer zur Beseitigung der Löschschaumrückstände im Grundwasser hat der VGH München angeordnet, das Verfahren ruhen zu lassen. Leider hält die Staatsregierung am Projekt fest und hat es wieder im neuen Bundesverkehrswegeplan untergebracht.

Mit der geplanten Bebauung großer Flächen westlich der Regensburger Straße in Nürnberg für Wohnungen würden ca. 3,9 ha Reichswaldflächen gerodet, die allerdings nicht unter Bannwaldschutz stehen.

In Langwasser, östlich der Poststraße müssen im Zuge neuer Gewerbeansiedlungen vermutlich über 20 Hektar Waldfläche weichen! Die Flächen sind zwar schon lange als Gewerbefläche ausgewiesen, doch handelt es sich hier um einen intakten Wald, der historisch zum Nürnberger Reichswald gehört.

Die Gemeinde Schwaig hat das Gewerbegebiet "Östliche Haimendorfer Straße" ausgewiesen. 1,5 Hektar Reichswald sollen hier gerodet werden.

Die Stadt Lauf plant ein neues Gewerbegebiet, das Waldrodungen erforderlich machen würde.

In Neunkirchen am Sand soll das bereits einmal vor Rodung gerettete "Schulholz" für eine Erweiterung der Kranbaufirma Tadano-Faun als Industriegebiet ausgewiesen und dafür 10 bis 15 Hektar Reichswald gerodet werden.

Sollte die geplante Gleichstrompassage Süd-Ost (HGÜ) weiterverfolgt werden, könnte dies ebenfalls den Reichswald betreffen, weil eine Trassenvariante hier entlangführen würde. Die mögliche Reichswaldtrasse ist zuletzt allerdings unwahrscheinlicher geworden. Der BN sieht die Trasse insgesamt als nicht notwendig und für die Energiewende sogar als kontraproduktiv an und unterstützt die vielen Bürgerinitiativen in ganz Nordbayern in ihrem Kampf gegen das Vorhaben.

Der Waldschutz in der Region muss wieder verstärkt werden, um vor allen die Bannwälder auch tatsächlich zu erhalten. Der Wald ist und bleibt für den globalen und für den lokalen Klimaschutz unverzichtbar. Ersatzaufforstungen sind nicht die Lösung, sondern nur der allerletzte Ausweg, wenn ein Eingriff unverzichtbar ist. Es gibt nur wenige Kohlenstoffsenken, die das CO2 aus der Atmosphäre zurückholen. Moore und Wälder wirken hier am stärksten. Und auf lokaler Ebene ist der Reichswald die natürliche Klimaanlage der Städte, die sonst zu überhitzen drohen. Mindestens drei Grad Celsius lägen die Temperaturen an den heißen Sommertagen höher, wenn wir den Reichswald nicht hätten, und das vor allem auch nachts. Ersatzaufforstungen weit weg in der Oberpfalz wie für einige Eingriffe geplant nutzen da wenig.

Zuletzt erfolgte Rodungen

  • Der sechsstreifige Ausbau der A6 ging auf Kosten des Reichswaldes. Trotz Klimakatastrophe baut der Freistaat und der Bund das Straßennetz munter aus. Die Verbreiterung der A 6 Kreuz Nürnberg-Süd bis Kreuz Nürnberg-Ost hat ca. 3 Hektar Wald gekostet. Die Rodungen erfolgten im ausgehenden Winter 2014/15.
  • Die Erneuerung einer Brücke an der A3 westlich des Autobahnkreuzes Nürnberg (Bauwerk BW 402e) wurde - wenig waldfreundlich - neben der bestehenden Fahrbahn und damit auf Kosten des Reichswaldes errichtet.
  • Für den überdimensionierten Ausbau des Knotens an der B 14 südöstlich von Neunkirchen am Sand wurden 0,8 Hektar Reichswald vernichtet.
  • 2015 wurde auch für den vom BN abgelehnten Ausbau der Staatsstraße 2239 Feucht - Penzenhofen gerodet. 4,4 Hektar Wald fielen.
  • An der Anschlussstelle Nürnberg-Nord an der A 3 wurde gerodet. Dort wird der Knoten aus Sicherheitsgründen umgebaut.
  • Für den umstrittenen Kreisverkehr am Nürnberger Hafen wurde ebenfalls ein Hektar Reichswald gerodet.
  • Im Zuge des Neubaues auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei im Nürnberger Süden wurde Wald für ein Regenrückhaltebecken gerodet.
  • Die Erweiterung des Sandabbaus bei Schwarzenbruck/Ochenbruck wurde 2014 leider genehmigt. Hier hat der BN bereits im Rahmen der Regionalplanung versucht, die Rodungen abzuwehren. Der Wald ist leider verloren.
  • Im Erlanger Südgelände gehen die Rodungen für weitere Universitätsgebäude unvermindert voran. Die stehen nicht unter Bannwaldschutz.

Kundgebung am 21.7.18 um 15.00 Uhr im Reichswald

Am Samstag, 21.7.18 demonstrieren wieder die vielen Waldschutz-Initiativen gegen geplante Eingriffe. Vier Bürgerinitiativen, elf Vereine, zwei Waldkindergärten und vier Behörden stellen ihre Arbeit vor.

Der Präsident des Europäischen Berufsimkerverbands Walter Haefeker und der BN-Ehrenvorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger werden zum Waldschutz reden.

Am Samstag und Sonntag werden auch die Erfolge im Reichswaldschutz beim 46. Reichswaldfest gefeiert. Am Sonntag-Vormittag gibt es sich die Vielfalt der Pilze im Reichswald erläutern und mitgebrachte Pilze bestimmen zu lassen. Außerdem gibt es ein Weißwurstfrühstück und einen Auftritt der "Speerspitze des fränkischen Frohsinns" Mäc Härder.

Nachmittags werden spannende Führungen zu den Themen "Wolf im Wald" und "Holzernte - Nachhaltigkeit im Reichswald" angeboten.

Für Kinder und Jugendliche gibt es die Möglichkeit, unter fachkundiger Betreuung der BN-Jugendbildungsstätte Wartaweil mit Helm und Seilen eine riesige Eiche zu erklettern. Es gibt mehrere Geocashing-Events - GPS-Schnitzeljagden für Jung und Alt. Wie in den Vorjahren ist ein lebender Biber beim Fest. Weil er aus Fürth stammt heißt er "Eddy".

Livemusik gibt es am Samstag mit Yellowbelly, einem musikalischer Mix aus walisischem Folk, vergnügtem Britpop und verträumten Balladen und am Sonntag mit der Irish Folk-Band O'Malley.

Für Rückfragen:

Dr. Daniel Mühlleitner, Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken Fon: 0911 81878-14 Mail: tom.konopka@bund-naturschutz.de