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Weckruf zum Überdenken der Globalisierung

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Erstmals wendet sich heute Richard Mergner, der Vorsitzende des BUND Naturschutz (BN), mit einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit. Er ruft dazu auf, mit den geplanten Wirtschaftshilfen die Weichen für eine nachhaltige Ökonomie der Zukunft zu stellen.

Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz (Foto: Peter Roggenthin)

24.03.2020

Die Corona-Krise verursache derzeit Einschnitte in das öffentliche Leben, wie es sie bei uns seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben habe, so Mergner in seiner Videobotschaft. „Für die meisten von uns ist das eine völlig neue Erfahrung, die auch ängstigen kann.” Der BN-Vorsitzende spricht  Ärztinnen und Ärzten, dem Pflegepersonal und all denen, die in Betrieben und Lebensmittelgeschäften im Moment „bis zum Umfallen arbeiten”, seinen aufrichtigen Dank aus.

Die Situation erinnert Richard Mergner an die Zeit nach den AKW-Unfällen in Tschernobyl und Fukushima: Auch damals hätte er diese Angst vor einer unsichtbaren Gefahr erlebt. Die gegenwärtige Krise ist für den BN-Vorsitzenden aber vor allem ein „Weckruf zum Überdenken der Globalisierung”: „Auf der Suche nach dem letzten Quäntchen Rendite werden Produktionsstandorte ins Ausland verlegt. Dadurch werden Lieferketten anfällig und die Versorgung der heimischen Bevölkerung im Krisenfall gefährdet”, so Mergner. Jetzt sei es an der Zeit, Gemeinwohl und Daseinsvorsorge den Vorzug geben vor Profitmaximierung und Privatisierung. „Konzerne sollten sich an der Daseinsvorsorge und dem Gemeinwohl beteiligen statt Steuern zu vermeiden und in der Krise nach dem Staat zu rufen. Es muss auch wieder diskutiert werden über die zumindest Teilverstaatlichung und Kommunalisierung von wirklich systemrelevanten Versorgungseinrichtungen wie zum Beispiel den Krankenhäusern in unserem Land.”

Die auf den Weg gebrachten Wirtschaftshilfen von rund 156 Milliarden Euro müssten genutzt werden, um die Weichen für die Zukunft zu stellen, so Mergner: „Wir brauchen einen Green Deal für Deutschland, der Menschen sozial absichert, in der Krise neue Arbeitsplätze schafft und den Weg in eine klimafreundliche Zukunft mit starken regionalen Kreisläufen weist. Wir müssen die Fehler früherer Krisen vermeiden. Alle Gelder, insbesondere die Gelder an große Unternehmen, müssen darauf geprüft werden, ob sie neben ihrer kurzfristigen Wirkung auch langfristigen gesellschaftlichen Nachhaltigkeits-zielen wie Klima- und Artenschutz dienen. Das heißt auch wieder mehr Läden innerorts statt Supermärkte auf der grünen Wiese, mehr Ökolandwirte in der Region und erneuerbare Energie vor der Haustür. Dezentral ist krisensichererer”, so der Appell des BN-Vorsitzenden an die Politik. 

Die aktuelle Krisensituation wirkt sich auch auf den BUND Naturschutz aus: „Wir nehmen die Entwicklungen der Coronavirus-Pandemie sehr ernst und stellen uns unserer Verantwortung als Arbeitgeber, die Ausbreitung des Virus so weit wie möglich zu verhindern. Aus diesem Grund arbeiten viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter derzeit von zu Hause aus. Doch wir sind weiter für Sie da, ob telefonisch oder per Mail.” Die für Mai geplante Delegiertenversammlung müsse der Verband aber leider absagen.

Es erscheine geradezu paradox, so Mergner, „dass ausgerechnet jetzt bei bestem Wetter und Sonnenschein der Frühling voll in Fahrt kommt, aber wir nur allein oder mit unseren Partnern oder Kindern in die freie Natur dürfen. Für den Moment kann ich Ihnen nur raten: Meiden Sie den Kontakt zu anderen Menschen, aber genießen Sie trotzdem den Frühling!“