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Wiesenmeisterschaft 2018 - Donau-Isar-Hügelland

Jury unterwegs zu den Siegerwiesen

Jurymitglieder v.l.n.r.: Thomas Vaas, Regierung von Niederbayern, Höhere Naturschutzbehörde, Dr. Sabine Heinz, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Dr. Gisbert Kuhn, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Freising, Marion Ruppaner, BUND Naturschutz in Bayern, Agrarreferentin, Nürnberg, Inge Steidl, Landschaftsplanerin, Freising, Stephan Kreppold, Landwirt aus dem Landkreis Aichach, Markus Grundner, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Straubing, Fachzentrum Agrarökologie

14.06.2018

Bei der diesjährigen, der zehnten Wiesenmeisterschaft in Bayern, haben sich in den Landkreisen Kelheim und Landshut 25 Landwirte mit ihren Wiesen angemeldet. Der Wettbewerb wird von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und dem BUND Naturschutz (BN) seit 2009 jährlich in einer anderen Region Bayerns ausgerichtet.

Alle Wiesen sind ab Anfang Mai von der Landschaftsplanerin Inge Steidl im Auftrag der Veranstalter begangen und mittels eines Punktesystems bewertet worden. Nicht nur die Artenvielfalt auf der Wiese, sondern auch Futterertrag und der kulturlandschaftliche Wert wurden dazu vor Ort erfasst. Aus der erreichten Punktezahl wurden jetzt die besten sechs Betriebe ermittelt. Bei der Juryrundfahrt besucht eine Fachjury diese Flächen und legt die Preisverteilung der ersten sechs Plätze fest. Die übrigen Plätze werden nach der in der Vorkartierung ermittelten Punktezahl vergeben.

Jurybegehung und Preisverleihung

In der Jury wirken Expertinnen und Experten aus Naturschutz und Landwirtschaft mit. Es sind dies: Herr Thomas Vaas, Regierung von Niederbayern, Höhere Naturschutzbehörde, Herr Markus Grundner, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Straubing, Fachzentrum Agrarökologie, Herr Stephan Kreppold, Landwirt aus dem Landkreis Aichach, Herr Dr. Gisbert Kuhn und Frau Dr. Sabine Heinz, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Freising, Frau Inge Steidl, Landschaftsplanerin, Freising und Frau Marion Ruppaner, BUND Naturschutz in Bayern, Agrarreferentin, Nürnberg.

Die Platzierung der Betriebe wird erst bei einer Festveranstaltung am 12.7. von 10.00 bis 13.30 Uhr im Salzstadel in Landshut bekanntgegeben. Dort wird voraussichtlich auch Staatsministerin Michaela Kaniber ein Grußwort sprechen, sowie der Präsident der LfL, Jakob Opperer und der Vorsitzende des BUND Naturschutz Bayern, Richard Mergner Kurzvorträge halten.

Die zwei bestplazierten Betriebe gewinnen Gutscheine für einen Aufenthalt im Bio-Hotel im Wert von 500 € bzw. 300 €, der dritte bis 6 Platz sind Geldpreise. Alle weiteren beteiligten Betriebe erhalten attraktive Sachpreise, die von den zahlreichen Unterstützerverbänden bereitgestellt wurden.

Ziele des Wettbewerbs und Gefährdungssituation von Wiesen

Mit dem Wettbewerb sollen die Leistungen der Landwirte für die Erhaltung der Artenvielfalt durch die extensive und besonders umweltgerechte Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden gewürdigt werden.

Extensiv genutzte Wiesen gehören zu den artenreichsten Biotoptypen. Über ein Drittel der in Deutschland heimischen Farn-und Blüten haben ihr Hauptvorkommen auf Wiesen und Weiden. In Bayern sind es sogar 50%. Leider hat sich jedoch deren Situation massiv verschlechtert, gerade extensive artenreiche Grünlandgesellschaften sind stark im Rückgang begriffen. Die aktuelle Gefährdungseinschätzung der Roten Liste gefährdeter Biotoptypen Deutschlands 2017 weist für 78 % der eher feuchten Grünlandbiotope (wie z.B. artenreiches Feuchtgrünland) und für 85 % der eher trockenen Grünlandbiotope (wie z.B. viele Halbtrocken- und Trockenrasen) eine Gefährdung aus. Von den Wiesenblumen abhängig sind eine Vielzahl von Insekten, deren Biomasse und Vielfalt ebenfalls stark zurückgegangen ist. Eine überdurchschnittlich stark gefährdete Tiergruppe sind z. B. Tagfalter, aber auch Wildbienen sind stark gefährdet.

Forderungen

"Landwirte benötigen eine attraktive Förderung für die extensive Nutzung ihrer Wiesen und Weiden, denn sie verzichten auch auf Ertrag und haben häufig auch einen hohen Aufwand für die Nutzung, wie z.B. bei Feuchtwiesen. Außerdem ist die Möglichkeit zur Verwertung des Aufwuchses entscheidend für die dauerhafte extensive Bewirtschaftung", so Marion Ruppaner, BN Agrarreferentin. Der BN fordert deshalb einen weiteren Ausbau der Förderung extensiver Wiesen und Weidebewirtschaftung.

Grünlandmonitoring in Bayern

"Das Grünlandmonitoring der LfL hat eine mittlere Anzahl von 20 Pflanzenarten pro 25 m² ergeben. 23% des Grünlands wird mit mindestens 25 Arten pro 25 m² als artenreich eingestuft. Die Artenzahlen auf Flächen mit Agrarumweltmaßnahmen liegen eindeutig höher bzw. können durch Neuaufnahme bzw. Beibehaltung von Agrarumweltmaßnahmen gesteigert werden, wie die Weiterführung des Monitorings in den letzten Jahren zeigen konnte. Umgekehrt bedeutet der Ausstieg aus Agrarumweltmaßnahmen einen Artenverlust, v.a. bei ursprünglich artenreichen Standorten. Wenn öfter gemäht wird geht auch die Zahl der für Bestäuber attraktiven Blüten zurück", erläutert Dr. Sabine Heinz von der LfL.

Ergebnisse der Erhebungen bei der diesjährigen Wiesenmeisterschaft

Bei den beteiligten 25 Betrieben, 13 aus Stadt und Landkreis Landshut und 12 aus dem Landkreis Kelheim, handelt es sich um 8 teilweise viehlose Ackerbaubetriebe, 5 Betriebe, die Pferdeheu produzieren oder eine Pferdepension betreiben. Hinzu kommen 3 Milchvieh-, 2 Mutterkuh-und 3 Ochsen-/Bullenmastbetriebe, im weiteren Imker und Streuobstbauern, Schafhalter und ein Hähnchenmäster. 11 Haupterwerbsbetriebe stehen 14 Nebenerwerbsbauern gegenüber, mehr als die Hälfte (13) sind ökologisch wirtschaftende Betriebe.

Das Altbayerische Hügelland zwischen Donau, Isar und Inn ist ein in weiten Teilen intensiv landwirtschaftlich genutzter Raum, in dem die Ackernutzung weit in die vormals fast ausschließlich grünlandgenutzen Tallagen vorgedrungen ist. Einen besonderen Stellenwert für die Arten- und Lebensraumvielfalt haben die feuchten Wiesenauen im Tal der Großen und Kleinen Laaber sowie im Vilstal mit den oft an Wiesenknöterich reichen Ausbildungen der Kohldistelwiesen.

Vor allem in den Randbereichen zum Isartal und in den asymmetrischen Seitentälchen haben sich kleinflächig isolierte Magerrasen und Extensivwiesen mit dem Arteninventar von Salbei-Glatthaferwiesen und Pechnelkenrasen erhalten.

Das Projekt Wiesenmeisterschaft ist gefördert vom Bayerischen Naturschutzfonds aus Mitteln der GlücksSpirale

 

Für Rückfragen: Marion Ruppaner, BN-Agrarreferentin

Tel. 0911/81 87 8-20, am Veranstaltungstag mobil unter: 0173 44 66 55 3

E-Mail: marion.ruppaner@bund-naturschutz.de

http://www.bund-naturschutz.de/themen/landwirtschaft/wiesenmeisterschaft.html

Dr. Sabine Heinz, LfL, Institut für Agrarökologie,

Tel. 08161- 71-58 26/5, am veranstaltungstag mobil unter: 0174 1824996

sabine.heinz@lfl.bayern.dehttp://www.lfl.bayern.de/Wiesenmeisterschaft

Anlage1: Teilnahme- und Bewertungskriterien:

Teilnahmekriterien:

Teilnehmen konnten landwirtschaftliche Betriebe, die den Aufwuchs ihrer Wiesen und Weiden landwirtschaftlich verwerten, und deren Wiese mindestens einen halben Hektar Fläche umfasst.

Naturschutzfachliche Kriterien:

Artenvielfalt: Es wurde die Gesamtzahl an Wiesenblumen - keine Gräser- erhoben. Das Vorkommen seltener Pflanzen, die einen hohen Gefährdungsgrad aufweisen, wurde zusätzlich honoriert. Außerdem erbrachte die gleichmäßige Verteilung der Arten auf der Wiese einen Zusatzpunkt.

Im "Kulturlandschaftswert" spiegeln sich landschaftstypische Ausprägungen und Ensembles wieder, die für Identität und Unverwechselbarkeit stehen. Kennzeichnend für die Hangleiten und asymmetrischen Seitentälchen des Hügellandes sind alte Ackerterrassen, Böschungen und Steilranken, auf die sich heute fast sämtliche Reste magerer Grasfluren konzentrieren. Wiesen und Weiden in Hofnähe ("Anger") sind oft von wertvollen Baum- und Strauchhecken eingefasst. Alte Hofkapellen werden manchmal noch von prächtigen Solitärbäumen begleitet.

Landwirtschaftliche Kriterien:

Hier wurden der Ertrag und eine gute wirtschaftliche Verwertung des Aufwuchses, z.B. durch Verfütterung an den eigenen Viehbestand oder Verkauf positiv bewertet.

Das Vorkommen von für Weidetiere gefährlichen Giftpflanzen und lästigen Weideunkräutern (z.B. Ampfer oder Jakobs-Greiskraut) führte zu Punktabzügen.

Außerdem wurde mit dem Kriterium "Zukunftsfähigkeit" eingeschätzt, welche Chancen die Wiese oder Weide hat, auch in den nächsten Jahren in der vorliegenden artenreichen Ausprägung weiter genutzt zu werden.

Anlage 2: Kurze Charakterisierung der Betriebe:

1. Betrieb: Andreas Strasser, Stützenbruck 57, 84144 Geisenhausen,

Milchviehbetrieb im Vollerwerb, 65 ha, einer der letzten Milchviehbauern im Tal der Kleinen Vils (Lkr. Landshut).

Wiese: Zweischürig genutzte Extensivwiese "Buckel" (0,93 ha) in leichter Hanglange / Waldrand. VNP-Fläche mit Schnittzeitpunkt 15.6. Artenreicher Bestand mit zahlreichen Kennarten und randlich schön ausgebildetem Saum. Aufwuchs vollständig an eigenen Viehbestand verfüttert.

2. Betrieb: Robert Maier, Walzenöd 3, 84169 Altfraunhofen,

Viehloser Ackerbaubetrieb im NE (16 ha, davon 3,4 ha Grünland) in Kombination mit Handwerksbetrieb (Spenglerei). Seit 2017 biologisch bewirtschaftet (Naturland). Grünlandaufwuchs wird als Pferdeheu bzw. Grassilage verkauft. Seit Aufgabe der Milchviehhaltung vor ca. 10 Jahren wird das Grünland güllefrei bewirtschaftet.

Wiese: Zweischürig genutzte Extensivwiese "Anger" (2,7 ha) in leichter Hanglage. Am Rand Gräben, Erlengebüsch. VNP-Fläche "Artenreiches Grünland" (ohne Schnittzeitauflage). Erfolgreiche Teilnahme an "Transfer-Projekt" der LfL (2016 Streifeneinsaat artenreiches Grünland).

3. Betrieb: Edeltraud Melzl-Butz, Viehhausen 2, 84056 Rottenburg

Milchviehbetrieb im VE (64 ha, davon 30 ha Grünland). Bio-Pionier (seit 1990 bei Naturland/ Tagwerk). Sehr vielfältiger Betrieb (Familien- und Fremdarbeitskräfte) mit eigenem Hofladen und angegliederten Verarbeitungseinheiten (u.a. Käserei, Metzgerei, Bäckerei). Umweltbildung, Schulprojekte u.v.m.

Wiese: Zweischürig genutzte Kohldistel-Feuchtwiese "Ratzentümpel" (1,55 ha) im Laabertal. Langjährige VNP-Fläche mit Schnittzeitpunkt 15.6., die mit hohem Arbeitsaufwand instand gesetzt wurde (bei der Übernahme stark verschilft). Aufwuchs wird ans Jungvieh verfüttert, sehr nasse Teilbereiche als Einstreu.

4. Betrieb: Hans Georg Oswald, Kapellenweg 20, 84076 Pfeffenhausen, Ortsteil Oberlauterbach

Berufsimkerei mit bis zu 70 Völkern (erster ökolog. Berufsimker Niederbayerns seit 1997) und Streuobstanbau/-vermarktung im Biokreis Ostbayern. VE-Betrieb mit 3,7 ha (ausschließlich Grünland). 7-8 Mutterschafe zur Grünlandverwertung (Heu und 1-3 Weidegänge).

Wiese: Mähweide und Streuobstfläche "Schlachtfeld" (3,7 ha) als Salbei-Glatthaferwiese mit vielen kennzeichnenden Arten. Großes Obst-Sortiment, teilweise auch alte Sorten, Heckenpflanzungen. Historischer Bienenpavillon als Zuchtstation der "Hallertauer Biene". Wiederaufbau eines historischen Bauernhauses als Wohnhaus.

5. Betrieb: Maria Eichstetter, Kastanienstr. 3,84094 Elsendorf

Mutterkuhhaltung im NE (Schottische Hochlandrinder, ca. 100 Tiere mit Nachwuchs) auf 60 ha LN, ausschließlich Grünland. Naturland-Betrieb seit 2006. Kooperation mit Metzgerei-Betrieb in Rottenburg. Eingebunden in Beweidungsprojekt "Forstmoos" des VÖF.

Wiese: Zweischürig genutzte Kohldistel-Feuchtwiese "Rehmoosgraben" (ca. 3 ha) mit kennzeichnenden Arten. Grabenstrukturen, Kontakt zu Schilfflächen. VNP-Fläche mit Schnittzeitpunkt 1.7. Kleines, aber stabiles Vorkommen der im Naturraum äußerst selten gewordenen Trollblume.

6. Betrieb: Maria Berger, Weberstr.4, 84048 Ebrantshausen,

Kleiner NE-Betrieb (ca. 3 ha, ausschließlich Grünland) mit Streuobst und Bienenhaltung. Pferdeheuverkauf.

Wiese: Einschürig genutzte "Bergschneider-Wiese" (0,84 ha). Neuaufnahme ins VNP-Programm. Extensivwiese, Halbtrockenrasen mit kennzeichnenden Arten der bodensauren Magerrasen und Sandrasen (darunter Pechnelke). Sehr strukturreiche Hanglage (Terrassen, Waldrand, Säume) mit hohem Naturschutzwert.