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Zehn Jahre bayerische Biodiversitätsstrategie: Verluste in der Fläche überwiegen Einzelerfolge

Die 2008 vom bayerischen Kabinett verabschiedete Biodiversitätsstrategie Bayern hat nach Ansicht des BUND Naturschutz (BN) in Bayern den Rückgang der Arten- und Lebensraumvielfalt auf der Fläche nicht aufhalten können. Der BN fordert deshalb eine Verbindlichkeit und substantielle Beiträge für den Erhalt des biologischen Reichtums Bayerns in allen Wirtschaftsbereichen, insbesondere bei der Landwirtschaft und beim Flächenverbrauch in Bayern.

Diskussionsrunde anlässlich "10 Jahre Biodivesitätsstrategie": im Bild v.l. Ludwig Sothmann (LBV), Norbert Schäffer (LBV), die Moderatorin, Hubert Weiger (BN), Einhard Bezzel (ehem. Vogelwarte Garmisch), Frau Arndt (Botschafterin Biodiesel).

09.04.2018

„Wir sehen durchaus Erfolge und Fortschritte beim Schutz einzelner Arten und in zahlreichen Naturschutzprojekten.“ bilanziert Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN). „Das zeigt: Die Strategie ist wichtig und dringend nötig. Naturschutz kann erfolgreich sein. Es kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass nach wie vor auf großer Fläche durch eine verfehlte Agrarpolitik, Straßenbau und Flächenverbrauch die Verluste überwiegen und keine Trendwende geschafft ist.“

Eine der zentralen Ursachen für die geringen Fortschritte ist die viel zu schwache Verankerung der bayerischen Biodiversitätsstrategie in den Fachressorts Landwirtschaft, Heimat und Verkehr. Auch in den letzten 10 Jahren sind die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung und der Flächenverbrauch als zentrale Ursachen für den weiteren Rückgang von Arten und Lebensräumen weiter vorangeschritten. Arten wie Kiebitz, Brachvogel oder Feldhamster werden unvermindert seltener, früher weit verbreitete Arten der Agrarlandschaft gehen immer weiter zurück, die Dimension des Insektensterbens mit all seinen dramatischen Folgen für die Leistungen der Ökosysteme auch für uns Menschen hat sich in den letzten 10 Jahren noch einmal verschärft.

Eine weitere zentrale Ursache für die schwache Wirkung der Strategie und des 2014 ergänzend aufgestellten „Bayerischen Biodiversitätsprogrammes 2030“ ist aber auch die weitgehende Unverbindlichkeit der Zielsetzungen, der bayerische Weg der Freiwilligkeit und die komplett fehlenden Angaben zur nötigen finanziellen Ausstattung. Damit ist sie auch deutlich schwächer als die Biodiversitätsstrategie des Bundes.„Der bayerische Weg der Freiwilligkeit hat sich ganz klar nicht bewährt. Die Staatsregierung muss endlich verbindliche und auch rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, um den Verlust an Natur zu stoppen.“ fordert Richard Mergner, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN). Auch muss klar benannt werden, in welchen Bereichen welche Kosten damit anfallen. „Einen Bundesverkehrswegeplan würde niemand ohne Kostenangaben aufstellen, was aber der Erhalt des biologischen Reichtums in Bayern kostet, bleibt unklar.“ Dabei bringen die Investitionen in die Natur aber einen wesentlichen höheren volkswirtschaftlichen Gewinn und würden in der Gesellschaft hohe Akzeptanz finden.

Es gibt auch keine regelmäßige und umfassende Kontrolle der Zielerfüllung über eine regelmäßige Datenerfassung von Indikatoren. Eines der ganz wenigen konkreten Ziele der bayerischen Biodiversitätsstrategie von 2008 ist im Biodiversitätsprogramm 2030 gar nicht mehr enthalten: „bis 2020 sollte sich bei 50% der Rote-Liste-Arten die Gefährdungsstufe um 1 Stufe verbessern“ – an diesem sehr anspruchsvollen und guten, aber völlig unerreichbaren Ziel ist die gesamte Bayerische Staatsregierung immer wieder zu messen.

Vom neuen Umweltminister Marcel Huber und vom neuen Ministerpräsidenten Söder - gerade auch als ehemaligem Umweltminister – erwartet der BN daher, dass sie den Erhalt der Lebensgrundlagen in allen Ressorts zum Zukunftsthema machen.

Um der Bayerischen Biodiversitätsstrategie zur dringend nötigen Trendwende gegen den weiteren Naturverlust zu verhelfen, zählt der BN zehn vordringliche Bereiche auf:

  • Schutz der biologischen Vielfalt in den Agrarlandschaften. Das bedeutet insbesondere auch eine Ausrichtung aller finanziellen Förderungen an einem Beitrag zum Erhalt der Natur und anderer natürlicher Ressourcen (sauberes Wasser, saubere Luft u.a.),
  • ein dritter bayerischer Nationalpark und die Erfüllung des 2%-Wildnis-Zieles der Bundes-Biodiversitätsstrategie (v.a. in Flüssen mit ihren Auen und in 10% der Staatswälder),
  • ein konsequenterer Schutz der bestehenden Schutzgebiete (v.a. Natura 2000 und Naturschutzgebiete),
  • Aufbau eines landesweiten Biotopverbundes - Korridore für ein Netz des Lebens
  • Schutz der Böden vor Überbauung, besserer Schutz der Natur vor weiterer Zerstörung durch Eingriffe
  • eine leistungsfähige Personal- und Finanzausstattung der Naturschutzverwaltung,
  • Konsequentere Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und von Natura 2000 an allen Gewässern Bayerns, Entwicklung der Fließgewässer und ihrer Auen zu zentralen lebendigen Biotopverbund-Achsen (v.a. Renaturierung, Waldwildnis in den Auwäldern, Deichrückverlegungen, in Ausleitungsstrecken Erhöhung der Mindestwassermengen nach ökologischen Kriterien, verpflichtende Pufferstreifen), kein Neubau von Wasserkraftwerken.
  • interdisziplinäres wildbiologisches Kompetenzzentrum und bestens ausgestattete Förderprogramme für Weidetierhalter und Landnutzer.
  • solide Grundfinanzierung aller bayerischen Umweltstationen und Naturschutzzentren für eine bessere direkte Naturerfahrung für alle Bürger.
  • konsequenter Klimaschutz.

Für Rückfragen

Dr. Christine Margraf
Leiterin BN-Fachabteilung München
BUND Naturschutz in Bayern e.V.
Tel. 089 / 54 82 98 89
christine.margraf@bund-naturschutz.de