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Corona-Virus: Betreuung der Amphibienzäune

Wie im Lockdown im vergangenen Frühjahr, kann auch im Frühjahr 2021 die Amphibienschutzaktion durchgeführt werden.

Stand: 24. Februar 2021

Amphibienaktionen weiter zulässig

Der Aufbau und die tägliche Kontrolle der Amphibienzäune ist laut einer Auskunft der Bayerischen Staatsregierung gemäß der elften Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 15. Dezember 2020 grundsätzlich möglich. Zwei oder mehr Personen dürfen nur dann gemeinsam tätig werden, wenn es sich entweder (a) nur um Angehörige des eigenen Hausstandes und maximal einer weiteren Person handelt, oder (b) die Kontaktbeschränkungen des § 4 der Verordnung eingehalten werden, d.h. ein Abstand von mindestens 1,5 Metern eingehalten wird oder Schutzmasken getragen werden. Dies gilt auch für die Anfahrt, die getrennt erfolgen sollte.
Das Bayerische Umweltministerium hat in Abstimmung mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium dazu in einem Rundschreiben am 28. Januar u. a. folgendes geschrieben: "Ehrenamtliche Tätigkeiten können (...) einen ungeschriebenen triftigen Grund [für das Verlassen der Wohnung, Anmerkung Uwe Friedel] iSd. § 2 S. 1 der 11. BayIfSMV darstellen, wenn andernfalls nicht revisible Schäden für wichtige Rechtsgüter drohen. Dies umfasst auch nicht revisible Schäden an Naturgütern. Die Durchführung von Amphibienschutzmaßnahmen, auch im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeiten, kann hier als triftiger Grund angesehen werden, soweit diese mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt sind, da davon auszugehen ist, dass andernfalls der Tod zahlreicher Amphibien droht.
Es gelten aber auch hier die Kontaktbeschränkungen des § 4, d.h. dass ein Zusammenarbeiten nur dann zulässig ist, wenn dabei ein Abstand von mindestens 1,5 Metern eingehalten wird oder Schutzmasken getragen werden. Ein Zusammenarbeiten ohne Einhaltung des Mindestabstands bzw. ohne Schutzmasken ist nur zusammen mit Angehörigen des eigenen Hausstandes und maximal einer weiteren Person zulässig. Dies gilt auch für die Anfahrt, die getrennt erfolgen sollte."
Die 15-Kilometer-Regel bei erhöhter Inzidenz nach § 25 (1) ist für die Amphibienzaunbetreuung ohne Belang, da es sich dabei nicht um touristische Tagesausflüge handelt.

Zaunbetreuung trotz nächtlicher (22 - 5 Uhr) Ausgangssperre in Regionen mit Inzidenzen >100: Das bayerische Umweltministerium hat am 23. Februar in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium folgendes mitgeteilt:

Grundsätzlich sollten die (...) Amphibienschutzmaßnahmen in jedem Fall so organisiert werden, dass es alle Möglichkeiten, die Aktion bis 22 Uhr abzuschließen, ausgeschöpft werden. Sollte es in Ausnahmefällen aus zwingenden Gründen nicht möglich sein, die Maßnahmen bis 22 Uhr zu beenden, so stellt die Durchführung dieser schutzmaßnahmen einen "ähnlich gewichtigen, unabweisbaren Grund" iSv. § 3 S. 1 Nr. 7 der 11. Infektionsschutzverordnung dar, welcher den Aufenthalt außerhalb einer Wohnung nach 22 Uhr in dem mit einer nächtlichen Ausgangssperre belegten Gebiet rechtfertigt."

Erlläuterung: Wir waren zu diesem Thema in den letzten Wochen mit dem Umweltministerium im Austausch. Der zwingende Grund ist hier durch den Tierschutz gegeben. Der Ausnahmefall ist zum Beispiel dann anzunehmen, wenn bei für die Wanderung günstigen Witterungsbedingungen Tiere spät in der Nacht unterwegs sind, dass die Rückkehr der Betreuer zur Wohnung bis 22 Uhr dazu führen würde, dass Tiere überfahren werden (Übergänge ohne Amphibienzaun) bzw. über Nacht in den Eimern verbleiben würden. Der Verbleib in den Eimern bis in die Morgenstunden hätte erheblichen Stress (u. a. Kälte, Enge in den Eimern) für die betroffenen Tiere und ggf. auch eine eine erhöhte Sterblichkeit zur Folge

Um die Sicherheit, insbesondere bei Auf- und Abbau der Zäune, zu erhöhen, bitten wir Sie, als Alternative zur gemeinschaftlichen Aktion folgende Alternative in Erwägung zu ziehen: 
Überprüfen Sie, ob der Zaunaufbau und -abbau in mehreren Schritten statt wie bisher in einer gemeinsamen Aktion möglich ist. Dann kann ein und dieselbe Person oder unterschiedliche Personen nacheinander den Zaun sukzessive auf-/abbauen bzw. abtransportieren.

Sollten während der Zaunbetreuung unverhergesehene Schwierigkeiten auftraten und die tägliche Zaunbetreuung nicht mehr möglich sein, empfehlen wir folgendes Vorgehen:

  • Zudecken oder entfernen / beseitigen der Eimer / Löcher UND den Zaun für die erwachsenen Tiere und die Jungtiere auf der Rückwanderung durchgängig machen! Je nach System kann dies durch Niederlegen oder durch Hochheben des Zauns (Steine oder Stöcke unterlegen, Entfernen der Befestigung am Boden) erfolgen. Das Niederlegen oder Hochstellen muss nicht auf der gesamten Zaunlänge erfolgen. Es ist ausreichend, wenn in angemessenen Abstand Durchschlupfmöglichkeiten für die Tiere gegeben sind.
  • Dabei ist unbedingt zu beachten, dass der Zaun trotz des Durchgängigmachens stabil steht / liegt und nicht, z.B. durch Windböen, auf die Straße geweht werden kann.
  • Überprüfen Sie unbedingt regelmäßig bis zum Abbau die Verkehrssicherheit des Zaunes.

Es ist möglich, dass einzelne Straßenmeistereien eingeschränkt arbeiten. In diesem Fall könnte es zu einem verspäteten Aufbau bzw. zu einem verfrühten oder verspäteten Abbau von Zäunen kommen. Achten Sie im Fall eines verspäteten Abbaus bitte darauf, dass der Zaun rechtzeitig zur Rückwanderung der Hüpferlinge (junge Amphibien) durchgängig gemacht wird. Legen Sie dabei notfalls selbst Hand an (s. oben).

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an
Uwe Friedel
Tel. 0911/575294-12
E-Mail: uwe.friedel@bund-naturschutz.de