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Unsere Forderungen für den Fischotter (Lutra lutra) in Bayern

Der Fischotter könnte sich längst weiter über Bayern hinweg ausgebreitet haben, doch Vorurteile, Unwissenheit und suboptimale Lebensräume bremsen ihn aus. Was zu tun ist, lesen Sie hier.

Ein Fischotter (Lutra lutra) schaut in die Kamera. Fischotter brauchen saubere und fischreiche Gewässer.
Hohe Ansprüche: Lutra lutra braucht saubere und fischreiche Gewässer. (Foto: Ralph Frank)

Wo der Fischotter lebt, da ist die Welt in Ordnung – so könnte man es auf einen kurzen Nenner bringen. Der flinke Jäger braucht saubere, fischreiche Gewässer und eine „natürliche Unordnung“ darin und drumherum: Umgestürzte Bäume, überhängende Vegetation, Steine, Höhlen im Ufer – all das schätzt und braucht der Fischotter um zu jagen, sich zu verstecken und auszuruhen. Zu wenige Gewässer in Ostbayern bieten ihm bisher diese Qualitäten und zu allem Überfluss setzen ihm Straßen und die illegale Jagd zu. Was würde dem Fischotter helfen?

Forderung 1: Management- und Artenhilfsplan endlich umsetzen

Ein guter Managementplan ist die beste Grundlage für die konfliktarme Rückkehr eines Wildtieres in seinen angestammten Lebensraum. Das bayerische Landwirtschaftsministerium muss unverzüglich den seit Juni 2013 fertigen „Fischottermanagementplan Bayern“ umsetzen. Über mehrere Jahre hinweg hatten Teichwirte, Angler, Fachbehörden, Otterexperten und BUND Naturschutz in vielen Arbeitsgruppensitzungen diese Strategie entwickelt. Daraufhin passierte jahrelang gar nichts. Erst im November 2015 gab es in der Presse eine Ankündigung des zuständigen Beamten, dass man den Plan nun 2016 angehen würde. Offiziell bestätigt wurde die Meldung noch nicht. Warum der Managementplan jahrelang liegen blieb oder blockiert wurde, ist dem BUND Naturschutz unverständlich. Dieses Vorgehen hat zu Ärger und „Selbsthilfe“ bei den betroffenen Teichwirten geführt und damit sicher einigen Ottern das Leben gekostet.

Forderung 2: Ausgleichszahlungen bei Otterschäden und Beratungsstelle für Teichwirte einrichten, Akzeptanz fördern

Viele Teichwirte stehen der Rückkehr des Fischotters kritisch gegenüber, weil sie Angst vor Verlusten durch den Fischjäger haben. Die Landesregierung muss ihr Bekenntnis zur Rückkehr ehemals in Bayern beheimateter Wildtiere unter Beweis stellen und gerade bei dieser Zielgruppe mehr Informations- und Öffentlichkeitsarbeit leisten. Viele potenzielle Konflikte lassen sich mit einer guten, individuellen Beratung von vornherein vermeiden. Der BUND Naturschutz fordert die Staatsregierung auf, eine Otterberatungsstelle aufzubauen, Abwehrmaßnahmen an Fischteichen finanziell zu fördern und in nachgewiesenen Fällen Ausgleich für Fischverluste durch den Otter zu zahlen.

Forderung 3: Neue Forschungsergebnisse bei Schadensmeldungen beachten

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass dem Otter angelastete Fischverluste oft auf Fuchs, Mink, Katze und Iltis zurückzuführen sind. Das haben Videobeobachtungen an Forellenteichen gezeigt.Eine gründliche und zweifelsfreie Dokumentation und Überprüfung vor Ort ist damit neben vorherigen Präventionsmaßnahmen Voraussetzung für staatliche Ausgleichszahlungen. Wichtig wäre es auch, die Anzahl der Otter in Bayern lebenden Fischotter mittels Genanalysen an Losung und Markierungssekret genauer zu bestimmen. Dann könnte auch der Nahrungsbedarf besser hochgerechnet werden.

Forderung 4: Striktes Ahnden von illegaler Bejagung

Fischotter im Grünen: Lutra lutra ist immer wieder Opfer von Wilderei
Der Fischotter: Streng geschützt und doch gewildert (Foto: Wolfgang Willner)

Der Fischotter ist eine streng geschützte Tierart. Er unterliegt gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 1 des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) dem Jagdrecht, für dessen Vollzug die Jagdbehörden zuständig sind. Da für den Fischotter keine Jagdzeit festgelegt ist, ist er während des gesamten Jahres mit der Jagd zu verschonen (vgl. § 22 Abs. 2 S. 1 BJagdG). Jagdverschonung bedeutet dabei ein Verbot der Jagdausübung im Sinne des § 1 Abs. 4 BJagdG. Das heißt, der Jagdausübungsberechtigte darf Fischotter weder aufsuchen, ihnen nachstellen noch sie erlegen oder fangen.

Gemäß § 38 BJagdG ist das vorsätzliche wie auch das fahrlässige Erlegen eines Fischotters mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bewehrt. Das Töten und Fangen eines Fischotters kann ferner den Tatbestand der Jagdwilderei in einem besonders schweren Fall (§ 292 Abs. 2 Nr. 2 StGB) erfüllen, der eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren vorsieht. Bei einer Verurteilung wegen einer der genannten Straftaten kommt die Entziehung des Jagdscheins durch das Gericht bei gleichzeitiger Anordnung einer Sperre von bis zu fünf Jahren in Betracht, für deren Dauer kein neuer Jagdschein erteilt werden darf (§ 41 Abs. 1 und 2 BJagdG). Darüber hinaus kann eine strafrechtliche Verurteilung zur Folge haben, dass der Täter als unzuverlässig anzusehen ist und infolgedessen die Untere Jagdbehörde den Jagdschein zu entziehen hat (vgl. §§ 17, 18 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 BJagdG).

Das Töten von Ottern ist damit nicht nur ein Naturfrevel, sondern eine schwere Straftat. Der BN setzt sich dafür ein, die illegale Verfolgung streng geschützter Tiere zu unterbinden und energisch zu ahnden.

Forderung 5: Weitere Zerschneidung von Lebensräumen verhindern

Für den Fischotter taugliche Lebensräume dürfen nicht noch stärker durch Straßen zerschnitten werden. Straßen wirken wie „Todesstreifen“ für die Bestände und bremsen die weitere Ausbreitung der Fischotter in Richtung Westen.

Forderung 6: Brücken an Fließgewässern ottergerecht ausbauen

Fischotter unterqueren Brücken niemals schwimmend. Wenn sie kein begehbares Ufer darunter vorfinden, weichen sie auf die Straße aus – oft mit tödlichen Folgen. Schmale Erdstreifen, die unter Brücken aufgeschüttet werden, reichen bereits aus, damit Fischotter die Straße sicher zu Fuß unterqueren können. Der BN fordert deshalb, beim Neu- oder Ausbau von Brücken solche sicheren Otterwege anzulegen und bei besonders kritischen bestehenden Brücken entsprechend nachzubessern. Bei überregionalen Straßen ist hierfür die Oberste Baubehörde im Innenministerium zuständig, bei Kreis- und Gemeindestraßen sind es die Gemeinden und Landkreise.

Forderung 7: Mehr Forschung

Obwohl die Population im angrenzenden Tschechien wächst und ein entsprechender Abwanderungsdruck Richtung Westen besteht, stagnieren die Fischotterbestände in Ostbayern und breiten sich nicht weiter Richtung Westen aus. Wissenschaftliche Untersuchungen müssen zeigen, welche Hindernisse die Fischotter aufhalten. Dafür fehlen bisher die entsprechenden Forschungsaufträge und Mittel. 

Forderung 8: Internationale Zusammenarbeit

Fischotterpopulationen sind langfristig nur überlebensfähig, wenn Genaustausch mit anderen Populationen möglich ist. Vor allem im Hinblick auf die Verbreitungslücke inmitten Europas muss beim Fischotterschutz über Grenzen hinweg, insbesondere mit Tschechien, zusammengearbeitet werden.