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Der Alpensteinbock (Capra ibex)

 

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)

Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)

Familie: Hornträger (Bovidae)

Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)

Gattung: Ziegen (Capra)

 

Körperbau

Etwa ziegengroß, jedoch kräftiger als diese, erreicht der Alpensteinbock eine Körper-Rumpflänge von 75 bis 170 cm. Die männlichen Tiere (Böcke) erreichen eine Schulterhöhe von 85 bis 94 cm und können bis zu stolzen 125 kg wiegen. Die Weibchen (Geißen) sind mit 70 bis 78 cm Schulterhöhe und bis zu 50 kg deutlich kleiner und leichter. Die Böcke tragen einen kurzen Bart. Ihre säbelförmigen nach hinten gekrümmten Hörner erreichen Längen von bis zu einem Meter. Ein Horn kann bis zu 15 kg auf die Waage bringen. Die Hörner derGeißen werden nur bis zu 35 cm lang und sind kaum gebogen. 

Im Sommer haben die Weibchen ein hell- bis rotbräunliches Fell, die Böcke ein dunkelbraunes mit gelblichweißen Flecken an Gesäß und Rücken. Das Winterfell beider Geschlechter ist gräulich.

 

Verbreitung und Lebensraum

Alpensteinböcke sind in den Alpen beheimatet, dabei bevorzugen sie den zentralen und südlichen Teil des Gebirges. Sie lieben reich gegliederte, steile und felsige Hänge in Höhen zwischen der Wald- und Eisgrenze.

 

Lebensweise

Außerhalb der Paarungszeit leben Alpensteinböcke in Verbänden. Die Geißen bilden Herden von 10 bis 20 Tieren gemeinsam mit den Jungtieren. Daneben wandern instabile Junggesellenherden noch nicht ausgewachsener Böcke durch das Gebirge. Die alten Böcke leben einzeln.  Zum Fressen steigen die Tiere gerne hinab zu den alpinen Wiesen, während sie die Nacht eher in höheren Lagen verbringen. Maximal kann man den Ziegen in Höhen bis zu  3.500 m begegnen. Im Winter bleiben allerdings in tieferen Lagen.

An das Hochgebirgsleben ist der Steinbock bestens angepasst. Seine große Körpermasse macht ihn kälteresistent, seine spreizbaren Hufen verleihen ihm Halt auf den kleinsten Unebenheiten im Gelände.

 

Nahrung

Alpensteinböcke suchen während des Tages nach Kräutern, Gräsern, Knospen, Trieben, Flechten und Moosen. Während es Winters begnügen sie sich mit zähem Gras. Allerdings haben sie wegen ihrer Größe und der geringen Huffläche im hohen Schnee oft Probleme. Aus diesem Grund suchen sie dann am liebsten Sonnen beschienene Südhänge auf. Auf der Suche nach geeigneten Wintergebieten wandern sie bis zu 50 km entlang von Graten.

 

Fortpflanzung

Paarungszeit der Alpensteinböcke ist von Dezember bis Januar. Die Böcke, die zuvor meist friedlich miteinander waren, ziehen nun zu den Geißen. Erbitterte Rangkämpfe beginnen. Die Männchen stellen sich auf ihre Hinterbeine und lassen sich mit voller Wucht nach vorne fallen. Dabei prallen die Hörner aufeinander. Sie versuchen eine ganze Geißherde für sich zu gewinnen. Ist einem Bock dies gelungen, bleibt er während es ganzen Winters bei der Herde und verlässt sie erst im Frühjahr.

Nach einer Tragzeit von 165 bis 170 Tagen gebären die Geißen meist im Juni ein, seltener zwei, Jungtiere. Bereits nach wenigen Stunden müssen die Kleinen ihrer Mutter folgen. Bis zum Herbst werden sie von ihr gesäugt.

 

Bedrohung

Früher galten fast alle verwertbaren Teile der Ziegen, von Blut über Haaren und Horn, als magisch. Heilende Wirkungen wurden ihnen nach gesagt. Apotheker zahlten hohe Preise für Rohstoffe der Steinböcke. Aus diesem Grund wurden die Tiere stark bejagt. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten lediglich noch 50 bis 100 Exemplare im Gran Paradiso (Aostatal/ Italien). Dem Förster Josef Zumstein und dem Naturkundler Albert Girtanner ist es zu verdanken, dass dortige Behörden 1816 die letzten Alpensteinböcke unter Schutz stellten. Aufgrund eines erfolgreichen Wiedereinbürgerungsprogramms zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ist die Art in etlichen Teilen ihres ursprünglichen Lebensraums, auch in den bayerischen Alpen, wieder heimisch. In der "Roten Liste" der Tierarten Bayerns und Deutschlands wird der Alpensteinbock als "R" = Art mit geographisch eingeschränkter Verteilung geführt.

 

Quellen

Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.

www.wikipedia.de

www.das-tierlexikon.de

 

 

 

Alpensteinbock