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Baummarder/Edelmarder (Martes martes)

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Mustelinae
Gattung: Echte Marder (Martes)

 

Körperbau und Merkmale

Der Baummarder trägt ein kastanien- bis dunkelbraunes Fell, das im Winter lang und seidig, im Sommer kürzer und rauer ist. Die Tiere sind leicht mit dem Steinmarder zu verwechseln, insbesondere deswegen weil sie ähnliche Gebiete besiedeln. Es gibt aber auch markante Unterschiede: So ist der Baummarder größer als der Steinmarder, obwohl er erstaunlicherweise leichter ist. Sein Kehlfleck ist dottergelb bis gelblich braun und nach unten hin abgerundet. Beim Steinmarder hingegen ist er weiß und gegabelt. Auch ist die Nase des Baummarders im Gegensatz zu der des Steinmarders dunkel und höher gebaut. An seiner Oberlippe befinden sich lange Tasthaare, die sensibel auf jede Berührung reagieren und sich daher zur Orientierung in der Dunkelheit gut eignen. Der Kopf sowie die Ohren sind von dreieckiger Form. Die Ohrenränder sind als besonderes Charakteristikum gelbgerändert.

 

Die Männchen sind etwas größer als die Weibchen und werden im Durchschnitt ein Drittel schwerer. Der Baummarder weist eine Körperlänge von ungefähr 60-80 cm auf, inklusive des sehr langen und buschigen Schwanzes. Diese dient der Gleichgewichtsstabilisierung beim Klettern und Springen. Im Gegensatz zum Steinmarder sind die Fußsohlen des Baummarders stark behaart. Dies ist der Grund, dass seine Spuren im Schnee leicht verwischt scheinen.

 

 

Verbreitung und Lebensraum

Baummarder bewohnen weite Teile Europas mit Ausnahme von Island, dem polaren Skandinavien, großen Teilen der iberischen Halbinsel und Griechenlands. Im Osten kommen sie bis ins westliche Sibirien, aber auch in Klein- und Vorderasien vor. Sie sind an den Lebensraum Wald gebunden und angepasst. Im Gebirge kann man sie bis an die Baumgrenze heran antreffen. Offene Flächen werden von den Tieren gemieden. Innerhalb des Waldes sind sie vor allem in dem oberen Geäst sowie den Baumwipfeln zu finden.

 

Prinzipiell vermag der Baummarder unterschiedlichste Waldformationen zu besiedeln, doch stellt er gewisse Ansprüche an ihre Beschaffenheit. So sollte sein Habitat deckungs- und höhlenreich sein, aber auch ein ausreichendes Nahrungsvorkommen ist essentiell.

 

 

Fortpflanzung und Entwicklung

Im Frühsommer beginnt die Paarungszeit, während der das Weibchen für gewöhnlich nur zwei Tage befruchtungsfähig ist. Nach ungefähr neun Monaten Tragzeit werden im Frühling zwei bis sechs Junge, meistens drei, geboren. Die lange Tragzeit ergibt sich aus der Tatsache, dass sich das befruchtete Ei erst im Winter einnistet.

 

Der Nachwuchs ist zunächst zahnlos, und sowohl seine Gehörgänge als auch Augen sind noch geschlossen. Junge Baummarder können erst mit fünf Wochen sehen. Obwohl sie mit ungefähr 12 bis 16 Wochen selbständig sind, bleiben sie manchmal noch bis zum nächsten Frühling in der Nähe der Mutter.

Erst im zweiten Lebensjahr, mit ungefähr 14 Monaten, werden die jungen Marder geschlechtsreif.

 

 

Lebensweise

Baummarder sind hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktive Tiere. Sie sind sehr gewandte Kletterer und können sehr gut springen. So können sie Distanzen von bis zu vier Metern überspringen. Zur Ruhe sucht der Baummarder geschützte Plätze auf den Bäumen auf. Dies können auch leere Baumhöhlen oder verlassene Krähen- oder Greifvogelnester sein. Im Winter zieht er wärmere Eichhörnchenkobel oder Erdhöhlen vor.

 

Außerhalb der Paarungszeit sind Baummarder Einzelgänger. Aus diesem Grund sind ihre Mimik und Kommunikationstechniken wenig entwickelt. Ihr Revier kennzeichnen sie durch Duftmarken, die sie an regelmäßig genutzten Wegen, den sogenannten „Marderpässen“, setzten.

 

 

Nahrung

Der Baummarder sind Allesfresser. Sie jagen bevorzugt Eichhörnchen und andere Kleinsäuger. Ferner ernähren sie sich von Waldvögeln, deren Eiern, Reptilien, Fröschen, Schnecken, Insekten und Regenwürmern. Auch Aas zählt zu ihrer Nahrung. Im Spätsommer sowie Herbst kommen Früchte, Beeren und Nüsse hinzu. Zu dieser Zeit legen die Tiere auch Nahrungsvorräte für den Winter an.

 

Baummarder halten keine Winterruhe. Während der kalten Jahreszeit sind sie durch ein dickes Fell vor der Kälte geschützt. Zu dieser Zeit sind auch ihre Beutetiere besonders gut zu jagen, da sie wegen der Kälte eine reduzierte Fluchtgeschwindigkeit haben.

 

 

Gefährdung/ Bestand in Europa

Die weniger gebräuchliche Bezeichnung „Edelmarder“ stammt daher, dass der Pelz des Baummarders früher weitaus begehrter war als das des Steinmarders. Durch diese Pelzjagd, aber auch durch den Verlust großer, zusammenhängender, gut strukturierter Waldgebiete, ist diese Art gebietsweise selten geworden oder gar ganz verschwunden.

 

Da die Bedrohung durch natürliche Feinde, wie Adler, Uhu oder Luchs (mit Ausnahme des Fuchses) kaum mehr existent ist, sind ein Großteil der Baummarderverluste der Bejagung (Fallenjagd), dem Verkehr und verschiedenen Krankheiten zuzuschreiben. Ob der Baummarder in Deutschland derzeit in seinem Bestand gefährdet ist, ist umstritten. Er wurde aber in die Vorwarnstufe der "Roten Liste" aufgenommen.In Bayern ist der Baummarder sogar "gefährdet" (Rote Liste "3").

 

Übrigens

Pro Nacht legen Baummarder im Schnitt Strecken von 5 bis 7 km zurück, wobei sie sich vorwiegend am Boden fortbewegen, Bäume dienen eher als Deckung bzw. zur Nahrungssuche.

 

 

Quellen

Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.

www.wikipedia.org

www.natur-lexikon.com

www.tierenzyklopaedie.de

 

 

Baummarder