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Feldhase

Typisch für den Feldhasen sind die langen Hinterbeine und die sehr langen Ohren, anhand derer man ihn auch gut vom deutlich kleineren Wildkaninchen unterscheiden kann. Der Feldhase kann über 50 km/h schnell rennen, sieben Meter weit und drei Meter hoch springen.

Typisch für den Feldhasen sind die langen Hinterbeine und die sehr langen Ohren. Er erreicht eine Gesamtkörperlänge von 76 Zentimetern  und ein Gewicht zwischen vier bis fünf Kilogramm. In Ausnahmen erreicht er acht Kilogramm. Die Häsin ist circa Drittel größer als das Männchen. Das braune bis rotbraune Fell bietet eine gute Tarnung. Die schwarze Spitze der Ohren unterscheidet den Feldhasen vom Wildkaninchen. Im Gegensatz zu seinem sehr guten Gehör ist der Gesichtssinn des Feldhasen nicht besonders ausgeprägt. Durch die seitliche Anordnung der Augen hat er zwar ein Gesichtsfeld von 360°, doch liegt die Vordersicht so bei unbewegtem Kopf in den Randbereichen der Augen, außerdem ist er deutlich kurzsichtig.

Verbreitung und Lebensraum

Der Feldhase kommt in Europa, dem westlichen Asien sowie Nordafrika vor. Im nördlichen Skandinavien und im Hochgebirge wird das Vorkommen durch klimatische Faktoren begrenzt. In diesen Regionen ist der Schneehase konkurrenzstärker. Der Feldhase bevorzugt als ursprünglicher Steppenbewohner warm-trockene Gebiete. Er ist ein Kulturfolger. Die kleinräumige, vergleichsweise extensive Landwirtschaft der vergangenen Jahrhunderte lieferte Biotope mit ausreichend Deckung und Nahrung.

Entwicklung, Fortpflanzung und Lebensweise

Im Gegensatz zum Kaninchen legt der Feldhase keine Baue an, sondern lebt ausschließlich oberirdisch. Er ist sehr scheu und lebt meistens nachtaktiv als Einzelgänger. Deshalb hockt er tagsüber zur Deckung und Ruhe meist regungslos immer in einer Mulde (Sasse) mit dem Kopf gegen den Wind, so dass er auch mit seinem guten Geruchssinn auf eventuelle Gefahren aufmerksam werden kann. Er ist sehr standorttreu, ein Meister der Tarnung und flüchtet vor seinen Feinden wie Fuchs, Marder, verschiedene Greifvögel und auch dem Menschen in der Regel erst im allerletzten Moment. Der Hase ist durch seine langen Hinterbeine generell sehr flink, macht häufig hohe Sprünge, schlägt Haken und stellt sich zur Beobachtung der Lage auch öfter auf die Hinterbeine. Auf der Flucht erreicht er Geschwindigkeiten von etwa 50 km/h, kurzzeitig sogar bis zu 70 km/h, schlägt dabei 90-Grad-Haken und kann selbst bis zu drei Meter hoch und sieben Meter weit springen.

Die Wahl des Partners liegt bei der körperlich überlegenen Häsin. Sie entscheidet sich für den Rammler mit dem vermeintlich besten Erbgut. Und der muss seine Ausdauer und Kraft in spektakulären Wettläufen und Boxkämpfen unter Beweis stellen. Von Januar bis September ist die Häsin etwa alle 38 Tage empfängnisbereit. Dann sammeln sich die männlichen Hasen um sie und es kommt zu einem langwierigen Paarungsspiel mit wetteifernden Verfolgungsjagden und herumtollenden Rangeleien, bei welcher der anhaltend flüchtenden Häsin von einer langsam abnehmenden Zahl von Rammlern nachgestellt wird. Hierbei hat zunächst nur das schnellste und ausdauernste Männchen die Chance einer nur wenige Sekunden dauernden Begattung. Nach kurzer Erholungsphase für alle Beteiligten geht das Spiel von vorne los und es kommt dadurch mehrfach zur Begattung der Häsin, in der Regel auch durch verschiedene Rammler. Die anschließende Tragezeit beträgt etwa 42 Tage. Bis zur nächsten Empfängnisbereitschaft hat sie dann oft einen einzelnen männlichen Hasen als Begleiter, mit dem es auch zur Begattung kommen kann.

Von Februar bis Oktober bekommt die Häsin drei oder vier Tage nach der Paarung die Jungen der vorangegangenen Paarungszeit, die verschiedene Väter haben können. Allerdings kann das Weibchen gleichzeitig Embryonen in zwei verschiedenen Entwicklungsstadien austragen (Superfötation). Ein Wurf besteht in der Regel aus zwei oder drei Jungen. Die neu geborenen Hasen haben schon ein Fell, können sofort sehen und sich bewegen, weshalb sie man sie auch als Nestflüchter bezeichnet. Die Jungen werden drei bis fünf Wochen lang täglich abends nach Sonnenuntergang und manchmal noch mal morgens gesäugt. Die Häsin bleibt dabei nur etwa zwei bis drei Minuten bei ihnen aus Angst, ihr stärkerer Geruch könne Fressfeinde anlocken. In dieser relativ kurzen Zeitspanne können die Jungen von bis etwa einem Zehntel ihres eigenen Körpergewichts an Muttermilch aufnehmen, die viermal fetthaltiger ist als Kuhmilch. Während der Säugezeit lebt die Häsin allein und wehrt sich gegen gelegentliche Annäherungen von männlichen Hasen. Die Lebenserwartung des Feldhasen beträgt etwa zwölf Jahre.

In Situationen höchster Gefahr, etwa wenn der Hase von einem Beutegreifer gefangen wurde, hört man das „Klagen“, ein durchdringender, quäkender Laut.

Nahrung

Der Feldhase nimmt als Pflanzenfresser ein vielfältiges Nahrungsspektrum zu sich: Süßgräser, Kräuter, Hackfrüchte, junges Getreide, Raps, Knospen von Bäumen und Sträuchern, im Winter bei Schneelage auch Rinde von Obstbäumen oder Triebe junger Laubbäume. Er hat scharfe Nagezähne; die gespaltene Oberlippe erleichtert das Nagen. Grobe Nahrung wird mit den Backenzähnen fein zerrieben. Eine Besonderheit der Familie der Echten Hasen ist die Coekotrophie: die Aufnahme der Blinddarmlosung zur besseren Verwertung der Nährstoffe.

Gefährdung und Bestand in Europa

In den 1970er und 1980er Jahren brachen die Feldhasenbestände deutschlandweit massiv ein. Bis Mitte der 1990er Jahre setzte sich dieser negative Bestandestrend weiter fort. Seit etwa fünf Jahren wird in Deutschland wieder ein leichter Anstieg der Populationen beobachtet. Über die Ursachen der ursprünglichen Bestandsabnahme herrscht noch keine endgültige Klarheit; weitgehend sicher ist jedoch, dass nicht ein einzelner Faktor sondern eine Kombination aus verschiedenen Faktoren zum Rückgang dieser ehemals häufigen Art geführt hat. Dazu gehören die Intensivierung der Landwirtschaft mit einer Vergrößerung der Ackerschläge, der steigende Einfluss seiner Fressfeinde und gestiegene Verluste durch Straßenverkehr. Zu einem bedeutenden Bestandeseinbruch kam es aufgrund des extrem schneereichen Winters im Jahre 1978, Krankheiten führen zudem regelmäßig zum Verlust vieler Jungtiere. Zum Schutz des Feldhasen müssen in erster Linie agrarstrukturelle und agrarpolitische Maßnahmen ergriffen werden, u.a. Brachlandflächen geschaffen und erhalten werden sowie extensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen, Ackerrandstreifen und Feldgehölze.

Feldhase (Lepus europaeus)  
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Gattung: Echte Hasen (Lepus)