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Großes Wiesel (Hermelin)

 

Steckbrief der Woche: Großes Wiesel, Hermelin

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)

Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)

Familie: Marder (Mustelidae)

Unterfamilie: Mustelinae

Gattung: Mustela

Art: Hermelin (Mustela erminea)

 

Körperbau

Der Körper des Hermelins ist lang gestreckt und schlank und erreicht eine Länge von bis zu 32 cm. Der Schwanz misst 5 bis 12 cm. Die Weibchen sind meist etwas kleiner und leichter (Gewicht bis zu 200 Gramm) als die Männchen (bis zu 350 Gramm).

Das Sommerfell des Großen Wiesels ist auf der Oberseite hell- bis zimtbraun, der Bauch dagegen weiß. Das in der Fellindustrie sehr beliebte Winterfell der Tiere ist dagegen schneeweiß. Ganzjährig schwarz ist die Schwanzspitze. In Hinblick auf den jahreszeitlich bedingten Fellwechsel gibt es regionale Unterschiede. In südlichen Gebieten trägt das Hermelin dauerhaft sein Sommerkleid, wogegen in kalten Gegenden die Tiere permanent weiß sind.

 

Verbreitung und Vorkommen

Das Große Wiesel kann man überall im gemäßigten und subarktischen Europa finden, bis auf Verbreitungslücken in Island und im Mittelmeerraum. Ferner gibt es Vorkommen in Asien und Nordamerika. Die Tiere leben in Tundren-, Steppen- und Waldgebieten, aber auch in Parklandschaften, Siedlungen und Gärten. In Höhenlagen über 3000 m sind sie nicht mehr anzutreffen.

 

Lebensweise

Die überwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Tiere leben als Einzelgänger oder im Familienverband. Aber auch am Tag kann man ihnen begegnen. Ihre Quartiere beziehen sie in hohlen Baumstümpfen, Erdhöhlen, Reisig- und Steinhaufen oder Felsspalten. Gerne werden die verlassenen Bauten anderer Tiere weiter genutzt. Oft haben sie in ihrem Revier mehrere Schlupfwinkel. Die Reviergrenzen werden mit einem speziellen Drüsensekret markiert.

 

Fortpflanzung

Paarungszeit bei den Hermelinen ist im späten Frühling oder im Sommer. Allerdings nistet sich die befruchtete Eizelle erst im März des Folgejahres ein. Die durchschnittlich 6 bis 9 Jungen kommen nach einer Tragzeit von nur einem Monat im April oder Mai zur Welt. Allein die Weibchen kümmern sich um die zunächst winzigen blinden Jungen, die zu Beginn nur 2 bis 3 Gramm wiegen. 6 Wochen lang werden sie vom Muttertier gesäugt.

 

Nahrung

Die Tiere haben aufgrund ihrer schnellen Bewegung und ihres geringen Körperfettanteils einen hohen Energiebedarf. Aus diesem Grund verbringen sie einen großen Teil des Tages mit Nahrungssuche. Dabei erbeuten sie hauptsächlich kleine Säuger wie Mäuse, Ratten, Kaninchen und Maulwürfe. Daneben ernähren sie sich auch von Lurche, Kriechtieren, Fischen, kleinen Vögeln sowie deren Eiern und deren Brut.

Bei seiner Jagd verlässt sich das Hermelin auf seinen ausgeprägten Geruchs- und Gehörsinn. Es stellt sich witternd auf die Hinterbeine und schleicht sich dann an die Beute heran, ehe es mit einem Satz zuschlägt.

Wegen ihrer Vorliebe für kleine Nager wurden die Tiere früher, vor dem großflächigen Einzug der Hauskatze, auf Bauernhöfen gehalten um den Bestand an Mäusen und Ratten gering zuhalten.

 

Bedrohung

Das Große Wiesel muss stets auf der Hut sein vor einer Vielzahl von Fressfeinden. Zu ihnen zählen Eulen, Füchse, Dachse und Greifvögel. So kommt es, dass die Tiere in der Natur meist nur eine Lebenserwartung von ein bis zwei Jahren haben, während sie theoretisch bis zu sieben Jahren alt werden können.

Das Fell des Hermelins gilt als besonders wertvoll, weshalb er in der Vergangenheit bei uns stark bejagt wurde. Pelzmäntel aus dem weißen Winterhaar galten lange Zeit als Privileg des Adels. Heute noch werden die Tiere zur Fellgewinnung in Pelzfarmen gezüchtet und in Osteuropa stark bejagt.

 

Quellen

Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.

www.wikipedia.de

www.natur-lexikon.com