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Heckrind

Das Heckrind

 

Zur Geschichte

Fälschlicherweise wird das Heckrind oftmals auch als Auerochse oder Ur bezeichnet. Das Heckrind ist vielmehr das Produkt des langjährigen Versuches, den 1627 ausgestorbenen Auerochsen (Bos taurus primigenius) rückzuzüchten.

Seinen Namen trägt das Heckrind, da die Gebrüder Heinz und Lutz Heck in den 1930er Jahren die ersten waren, die sich an der Rückzüchtung des Urs versuchten. Als Direktoren der Tierparke in Berlin und München kreuzten sie verschiedene Hausrinderrassen mit dem Ziel, möglichst viele Merkmale des ursprünglichen, ausgerotteten Auerochsen in einer neuen Rasse zu kombinieren. Im Zuge des zweiten Weltkrieges ging die Berliner Linie verloren, so dass es sich bei den heute existierenden Heckrindern um Nachkommen der Münchner Linie handelt.

Der Auerochse gilt gemeinhin als Stammvater aller heutigen Hausrinder. Und gäbe es das Ur heute noch, so wäre es mit dem Heckrind kreuzbar und die Nachkommen fruchtbar. So kann man bei dem heute lebenden Heckrind und dem ausgestorbenen Auerochsen von derselben Art sprechen.

 

Körperbau und Merkmale

Obwohl sie dem ursprünglichen Auerochsen sehr gleichen, sind die Heckrinder mit einer Widerristhöhe von mindestens 160 cm bei den Stieren und 140 cm bei den Kühen bedeutend kleiner. Auch das Ausbilden eines dichten Winterfells wurde bei den Heckrindern durch Rückzüchtung erreicht. Die langen, nach vorne gebogenen Hörner sind hell gefärbt und haben eine dunkle Spitze.

Die beiden Geschlechter des Heckrindes sind aufgrund ihrer Fellfärbung leicht voneinander zu unterscheiden. Zwar haben beide Geschlechter ein weißbehaartes Maul, doch sind die Stiere prinzipiell schwarz. Sie tragen einen hellgrauen Strich auf dem Rücken (Aalstrich). Die Kühe hingegen sind schwarz bis rotbraun mit einem dunkleren rotbraunen Aalstrich. Die Kälber sind bei der Geburt braun. Während der ersten Lebensmonate färben sie sich um.

 

Lebensraum und Nutzung

Das Verbreitungsgebiet des Ur erstreckte sich über weite Teile Europas, Asiens und Nordafrikas. Vermutlich zählten Flussniederungen und lichte Wälder zu seinen bevorzugten Lebensräumen.

Bis in die 1980er Jahre hinein war das Heckrind ausschließlich in deutschen Tierparks zu finden. Erst danach entdeckte man seinen Nutzen für den Bereich der Landschaftspflege. Durch sein weites, vegetarisches Nahrungsspektrum nutzt man das robuste Heckrind hauptsächlich zur Beweidung von ehemals durch den Menschen bewirtschaftete Flächen. Die erzielte Freihaltung der Landschaften und der damit einhergehende Strukturreichtum stellt somit als ökologische, extensive Grünlandbewirtschaftung eine Basis für eine vielfältige Fauna und Flora dar. Es gibt in Deutschland mittlerweile etliche Beweidungsprojekte des Naturschutzes mit Heckrindern.

 

Lebensweise

Heckrinder sind sehr anpassungsfähig. Ihre hohe Widerstandfähigkeit gegen Krankheiten und sehr niedrige sowie hohe Temperaturen ist jedoch nur gewährleistet, wenn schon der Nachwuchs im Freien geboren wird und somit von Anfang an den Gegebenheiten der verschiedenen Jahreszeiten ausgesetzt ist.

 

Nahrung

Das Heckrind ist ein anspruchsloser Vegetarier. Die Nahrung setzt sich vor allem aus Süß- und Sauergräsern sowie Gehölzen bis etwa Daumendicke zusammen.

 

Bestand in Europa

Der heutige europäische Gesamtbestand des Heckrindes wird auf etwa 2.000 bis 3.000 Tiere geschätzt.

 

Übrigens

·    Seit 2001 gibt es ein Beweidungsprojekt des BUND-Markdorf mit Heckrindern im Hepbacher-Leimbacher Ried.

·    Auch im BUND-Projekt Sudelandschaft, im Grenzbereich zwischen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, werden Heckrinder zur Landschaftspflege eingesetzt.

 

Quellen

www.wikipedia.de

www.bund.net