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Bartfledermaus

 

Steckbrief der Woche: Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus)

 

Klasse: Säugetier (Mammalia)

Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)

Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)

Gattung: Mausohren (Myotis)

Art: Kleine Bartfledermaus

 

Merkmale

Die Kleine Bartfledermaus ist eine der kleinsten Mausohr-Arten in Europa. Sie misst von Kopf bis Rumpf gerade einmal fünf Zentimeter, dagegen beträgt die Flügelspannbreite mehr als 20 Zentimeter. Entsprechend ihrer kleinen Größe wiegt diese Fledermaus nur vier bis acht Gramm.  Schnauze, Ohren und Flughäute sind schwarz. Die Oberseite des langen Fells variiert in der Farbe von Nussbraun bis dunklem Graubraun. Die Unterseite erscheint dunkel- bis hellgrau. Die Jungtiere sind wesentlich dunkler in der Färbung. Verglichen mit anderen Fledermausarten sind die Flughäute bei der Kleinen Bartfledermaus relativ schmal.

Aufgrund der Farbvariationen und der unterschiedlichen Größenausprägung ist es schwer die Art von möglichen Unterarten abzugrenzen. Ob bestimmte Populationen zu einer Art gehören oder doch Unterarten bilden, konnte immer noch nicht gänzlich geklärt. Frühen galten die Kleine und die Große Bartfledermaus als eine Art, da sie nur schwer voneinander zu unterscheiden sind. Letztere ist jedoch unwesentlich größer, heller in der Fellfärbung und die Basis der Ohrdeckel (Tragus), sowie die inneren Ohrränder sind aufgehellt. Außerdem kommt diese Art wesentlich seltener vor.

 

Verbreitung

In Europa ist die Kleine Bartfledermaus weit verbreitet. Ausnahmen bilden Island, der Norden Schottlands und Skandinaviens, sowie Teile der iberischen Halbinsel, Italiens, Griechenlands und Polens. Außerhalb von Europa erstreckt sich das Verbreitungsgebiet im Osten bis nach Japan und im Süden bis Nordafrika.

Die Kleine Bartfledermaus ist in Deutschland auf der Roten Liste als gefährdete Art eingestuft ("RL" 3). Gründe für die Gefährdung dieser Art sind u.a. die Vernichtung ihrer Wochenstuben, Vergiftungen durch Holzschutzmittel, der Verlust ihres Lebensraumes, Einsatz von Insektiziden. Bereits Störungen während ihrer Winterruhe können sich verheerend auf ganze Populationen auswirken.  

 

Lebensraum

Bezüglich ihres Lebensraumes ist die Kleine Bartfledermaus sehr anpassungsfähig. Man findet sie sowohl in den Randbereichen menschlicher Siedlungen wie Parks oder Gartenanlagen, als auch in Wald- und Feuchtgebieten oder in Gewässernähe. Wichtig sind ausreichende Bestände an Gehölz und Hecken. Tagsüber brauchen die Tiere geeignete Schlafquartiere, welche sich hinter Fensterläden, Holzverkleidungen, Baumrinden etc. befinden können. Jede Form von spaltenartigen Hohlräumen ist geeignet. Zur Überwinterung nutzen sie dagegen Höhlen, Stollen, alte Bunkeranlagen oder Keller.

 

Nahrung

Wie die meisten Fledermausarten ist auch die Kleine Bartfledermaus dämmerungsaktiv, obwohl sie im Frühjahr oder Herbst ab und zu auch tagsüber fliegt. Sie sind schnelle, wendige Flieger, die sich ihre Nahrung in geringer Flughöhe suchen. Dabei sind sie nicht auf ein bestimmtes Biotop angewiesen. Zu ihrem Nahrungsspektrum gehören flugfähige Insekten wie Mücken, Schnaken oder Nachtfalter als auch am Boden befindliche Tiere wie Käfer, Spinnen oder Raupen.

 

Fortpflanzung

Im Herbst findet die Paarung der Tiere statt. Die Männchen begatten mehrere Weibchen, wobei das Weibchen sich ebenfalls mit mehreren Männchen paart. Das Besondere bei Fledermäusen ist, dass die Weibchen den Samen über den Winter speichern. Das ist einmalig bei Säugtieren. Auf diese Weise verhindern sie, dass sie ihren Nachwuchs unter den weniger günstigen Bedingungen der kalten Jahreszeit bekommen. Steigen die Temperaturen kann das Weibchen bewusst den Zeitpunkt der eigentlichen Befruchtung des Eies bestimmen. In der Regel bekommen die Tiere nur ein Junges pro Jahr, selten Zwillinge. Die Weibchen finden sich für die Geburt und das Aufziehen ihres Nachwuchses in so genannten Wochenstuben zusammen. Meist beläuft sich die Gruppengröße auf 20 bis 60 Tieren. In Ausnahmefällen sind es auch mehrere Hundert. Diese Quartiere werden oft mit anderen Fledermausarten geteilt.

 

Wissenswertes

Für die Orientierung in der Nacht und das Aufspüren ihrer Nahrung nutzt die Kleine Bartfledermaus, wie alle Fledermausarten, die Echoortung. Das Prinzip dahinter ist relativ simpel. Ausgesandte Schallwellen treffen auf ein beliebiges Objekt. Eine Analyse der reflektierten Wellen geben Aufschluss über die Größe und die Form des Objektes. Fledermäuse nutzen dieses Prinzip, indem sie Schreie im Ultraschallbereich ausstoßen und deren Echo empfangen.

 

 

 

Quellen

  • Heiko Bellmann, Xaver Finkenzeller u.a „Steinbachs großer Tier- und Pflanzenführer“, 2006, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.
  • www.wikipedia.de
  • www.fledermausverband.de
  • www.lfa-fledermausschutz-mv.de