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Mufflon

 

Klasse:Säugetiere (Mammalia)

Ordnung: Paarhufer(Artiodactyla)

Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)

Familie: Hornträger (Bovidae)

Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)

Gattung: Schafe (Ovis)

Art: Wildschaf (Ovis gmelini)

Unterart: Mufflon (Ovis ammon musimon oder Ovis gmelini musimon)

 

Körperbau und Merkmale

Das auch als Muffelwild bekannte Mufflon ist die kleinste Unterart des Europäischen Wildschafs.

Seine Körperlänge kann bis zu 120 cm betragen, die Schulterhöhe bis zu 80 cm. Das Gewicht beträgt bei den Weibchen 25–40 kg, bei den Widdern (männlichen Mufflons) 35-50 kg.

Das glatte Fell ist im Sommer bei den Widdern rotbraun und bei den Weibchen bräunlich gefärbt. Im Winter ist es bei beiden Geschlechtern dunkler. Nur das Winterfell der  Widder zieren meistens zusätzlich zwei weiße seitlich auf dem Rücken liegende Flecken. Aufgrund ihrer Lage und ihres Aussehens werden sie als Sattelflecken bezeichnet.

Die unteren Teile der Beine aber auch der Bauch sind bei beiden Geschlechtern weiß gefärbt.

Das Gehörn ist bei den Weibchen nur sehr klein oder gar nicht ausgebildet. Bei den Widdern prägt es sich auf eine charakteristische Weise aus. Die auch als „Schnecken“ bezeichneten Hörner wachsen ein Leben lang in zunächst Kreis- bis hin zur Schneckenform. Insgesamt kann ein eingedrehtes Horn eine Länge von bis zu 80 cm erreichen.     

 

Verbreitung und Lebensraum

Die ursprüngliche Heimat dieser Wildschafart sind die Inseln Korsika und Sardinien. Doch bereits vor über 200 Jahren ist sie auch im übrigen Europa als Jagd- und Parkwild an verschiedenen Stellen ausgesetzt worden.

Einer der Beweggründe Mufflons auch in anderen Gebieten Europas einzuführen war die Annahme, sie würden im Gegensatz zu den heimischen Hirscharten keine Schälschäden (Abziehen und Fressen von Baumrinde) verursachen. Es stellte sich jedoch im Nachhinein heraus, dass sie bei hohem Besatz ebenfalls schälen.

In seinen neuen mitteleuropäischen Habitaten (Lebensräumen) lebt das Mufflon in Laub- und Mischwaldbeständen des Flachlandes wie auch der Mittelgebirge. Seinem natürlichen Verbreitungsgebiet entsprechend, bevorzugt es jedoch offene Gebirgslandschaften mit steinigen, trockenen Böden. Da es an dieses Leben angepasst ist, leidet das Mufflon auf Waldböden unter zu geringer Abnutzung seiner stark wachsenden Klauen. Dies und ungünstige, feuchte Bodenverhältnisse können leicht zu Schalenerkrankungen (Moderhinke) kommen.  

 

Fortpflanzung und Lebensweise

Mufflons leben meist in kleinen Rudeln, die im Allgemeinen von einem alten Muttertier angeführt werden. Außerhalb der Brunftzeit leben die Weibchen von den Widdern getrennt.

Die Brunft findet zwischen Oktober und November statt. In dieser Zeit kämpfen die Böcke um die Weibchen, indem sie sich mit gegenseitigen Rammstößen attackieren. Im Normalfall kommt keines der beteiligten Tiere zu schaden, da der Unterlegene rechtzeitig aufgibt.

Die Tragzeit beträgt bei den Mufflons etwa fünf Monate. Die Geburt (Setzzeit) findet im März bis April statt. Meistens wird ein einzelnes Lamm zur Welt gebracht. Die Säugezeit beträgt etwa fünf Monate. Weibchen und Männchen erreichen die Geschlechtsreife mit ungefähr eineinhalb Jahren.

Auch das Fluchtverhalten ist voll und ganz auf die natürliche Umgebung des Hochgebirges abgestimmt. Die im Flachland lebenden Individuen fliehen bei Bedrohung nur kurze Strecken und fallen somit ihren Fraßfeinden (z.B. Wolf) sehr leicht zum Opfer. So kann sich eine Mufflonpopulation im Flachland nur ohne natürliche Feinde entwickeln und halten.    

 

Nahrung

Mufflons sind Wiederkäuer und dementsprechend Herbivoren (Pflanzenfresser). Ihr Nahrungsspektrum ist breit. Neben Gräsern, Kräutern und Knospen fressen sie auch grünes Laub, Eicheln, Bucheckern und Kastanien.

 

Zur Geschichte

Die Geschichte des Mufflons betreffend herrscht Uneinigkeit unter den Wissenschaftlern. Einerseits könnte das Mufflon durch Einschränkungen seines Lebensraumes und Bejagung vor etwa 3000-4000 Jahren bis auf die Populationen auf Korsika und Sardinien ausgerottet worden sein. Andererseits könnte es auch in frühgeschichtlicher Zeit von Menschen auf diese Inseln verbracht worden sein.

Die ersten Spuren des Mufflons auf den beiden Inseln sind etwa 7000 Jahre alt. Diese Tatsache legt die Vermutung nahe, dass es erst mit den frühsteinzeitlichen Einwanderern dorthin gelangte. Manche Zoologen gehen somit davon aus, dass es sich bei dem Mufflon um kein echtes Wildschaf, sondern vielmehr um einen ursprünglichen Nachfahren einer Hausschafrasse handelt.  

 

Gefährdung und Bestand in Europa

Durch Bejagung und Wilderei sind die Bestände des Mufflons auf Korsika und Sardinien stark gefährdet. Diese Situation steht im starken Kontrast zu den übrigen europäischen Populationen. 

Eines der Hauptvorkommen Europas befindet sich heute in Deutschland. Hier wird der Bestand auf etwa 8000 Tiere geschätzt. Nur die Auswilderung im kontinentalen Europa hat das Mufflon vor dem Aussterben bewahrt.

 

Wissenswertes

Mufflons können hervorragend riechen und sehen. Feinde können auch bei schwachem Wind bis zu einer Distanz von 300 m erwittert sowie optisch wahrgenommen werden.

 

Quellen

Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.

www.wikipedia.de

www.natur-lexikon.com