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Alpenmurmeltier


Das Alpenmurmeltier (Marmota marmota)

 

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erdhörnchen (Xerinae)

Tribus:Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Gattung:
Murmeltiere (Marmota)

Körperbau und Merkmale

Die Murmeltiere sind die größten Vertreter der Familie der Hörnchen. Das Alpenmurmeltier wird auch als Mankei, Murmele oder Marmotte bezeichnet.

Seine Kopf-Rumpf-Länge beträgt zwischen 40 bis 60 cm, zuzüglich einer Schwanzlänge von 10 bis 20 cm.

Die Farbe des dichten rauen Fells ist grau-braun in unterschiedlichen Farb- und Helligkeitsvarianten. Die Bauchseite ist heller. Der Schwanz trägt zusätzlich eine schwarze Spitze.

Der Kopf der Tiere ist kurz mit einer ebenfalls kurzen, breiten und ein wenig zugespitzten Schnauze.

Die beiden Geschlechter dieser Art unterscheiden sich kaum voneinander. Meist sind die Männchen leicht dunkler gefärbt.

Der Bau des Körpers ist auf die grabende und nagende Lebensweise abgestimmt. Sie haben kräftige Füße mit kurzen Grabklauen. Die Vorderpfoten tragen vier, die Hinterpfoten fünf Zehen. Wie bei allen Nagetieren besitzt auch das Murmeltier vier lange Nagezähne, die ein Leben lang nachwachsen.

Das Seh- und Hörvermögen ist beim Murmeltier sehr gut, der Geruchssinn weniger gut ausgeprägt.

 

Verbreitung und Lebensraum

Die gesellig lebenden Alpenmurmeltiere kommen in Europa v.a. in den westlichen Alpen und dem westlichen Teil der Ostalpen vor. So erstreckt sich ihr natürlicher Lebensraum auf Teile Bayerns (Alpen), der Schweiz, Frankreichs, Italiens und des westlichen Österreichs. Auch in der Hohen Tatra kommen sie vor.

In z.B. den Freiburger Voralpen, dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alp wurden sie erfolgreich wieder angesiedelt.

Im Allgemeinen bevorzugen Alpenmurmeltiere sonnige Bergwiesen und Geröllfelder in Höhenlagen von ca. 800 bis 3.000 m.

Da Murmeltiere nicht hecheln können und nur wenige Schweißdrüsen haben, sind sie auf ein gemäßigtes bis arktisches Klima in ihrem Lebensraum angewiesen. Die niedrige Wärmetoleranz ist auch der Grund dafür, dass Murmeltiere sich nicht in Tälern ansiedeln und im Sommer die Mittagszeit in ihren Bauen verbringen.

 

Fortpflanzung

Die Paarung der Murmeltiere findet kurz nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf in ihrem Bau statt. Nach einer Tragzeit von 25-34 Tagen werden zwei bis fünf, seltener auch bis zu sieben, Junge geboren. Bei ihrer Geburt sind sie blind. Erst nach einigen Wochen öffnet der Nachwuchs die Augen und die Zähne brechen durch. Im Alter von ca. zwei Monaten verlässt er erstmalig den Bau, um auf Beobachtungsposten zu gehen oder zu spielen.

Da die Jungen zum ersten Winter erst die Hälfte des Gewichts der erwachsenen Murmeltiere erreicht haben, liegt die Mortalitätsrate (Sterberate) bei den Einjährigen bei etwa einem Drittel.

Die endgültige Geschlechtsreife erreichen Murmeltiere im Alter von zwei Jahren.

Lebensweise

Das Murmeltier ist ausschließlich tagaktiv, obwohl es einen großen Teil seines Lebens unter der Erde verbringt. Hält es sich außerhalb des Baues auf, so entfernt es sich nie mehr als 100 m. Wie auch andere Arten der Hörnchenfamilie zeigt das Murmeltier die typische Fress- und Beobachtungshaltung. Hierbei sitzt es auf den Hinterpfoten, der Schwanz ist ausgestreckt. Zum Ausruhen lässt es sich auch auf die Vorderpfoten nieder.

Murmeltiere leben meist in Familienverbünden, die zu lockeren Kolonien vereint sind. Sie legen verschiedene Arten von Bauen an. Sie haben Sommerbaue, die vor allem vor Fressfeinden schützen sollen sowie Winterbaue, in denen sie ihren Winterschlaf verbringen. Die Baue bestehen aus einem weitläufigen Gangsystem, das viele Meter in den Berghang hineinreicht. Es werden Fluchtwege, blindendende Gänge als „Toilette“ sowie weiträumige Nesthöhlen für den Winterschlaf angelegt.

Der Winterschlaf dauert etwa sechs Monate. Das Murmeltier muss sich also in den Sommermonaten ausreichende Fettdepots anfressen, um diese lange Zeit ohne Nahrungsaufnahme zu überstehen.

Während des Winterschlafes fällt die Körpertemperatur von ca. 37 Grad Celsius auf fünf bis sieben Grad ab. Die Atmung sinkt auf ungefähr zwei Züge pro Minute und der Herzschlag von 200 auf 20 Schläge pro Minute. Da so der Energieverbrauch auf unter 10 % sinkt, verliert das Murmeltier in dieser Zeit rund 1200 g Körperfett. Nur etwa alle zwei bis vier Wochen werden die Tiere wach, um in einer Nebenhöhle zu urinieren, schlafen aber im Anschluss sofort weiter. Sie liegen eng beieinander, um sich gegenseitig wärmen zu können.

Murmeltiere verständigen sich untereinander durch Pfeiftöne. Werden diese Pfiffe bei drohender Gefahr ausgestoßen, richtet sich die Reaktion der anderen Koloniebewohner nach dem sozialen Rang des Rufers. So kann es zur Flucht bis hin zur Reaktionslosigkeit kommen.

 

Nahrung

Die Hauptnahrung der Murmeltiere besteht aus Gräsern und Kräutern. Seltener nehmen sie auch Blüten, Früchte und Samen zu sich. Um den Nährwert der Pflanzen möglichst gut auszunutzen und Fettreserven für den Winter anzulegen, fressen sie die Pflanzen meist vollständig. Das Murmeltier ist in der Lage, seinen Flüssigkeitsbedarf ausschließlich über die Nahrung zu decken.

 

Gefährdung und Bestand in Europa

In der Roten Liste Deutschlands wird das Alpenmurmeltier als „extrem selten“ geführt. In Bayern steht das Alpenmurmeltier nicht in der Roten Liste.

Seine natürlichen Feinde sind der heute sehr seltene Steinadler, der Kolkrabe, der Uhu oder Raubsäuger (z.B. der Luchs).

Nachdem das Alpenmurmeltier früher stark bejagd wurde, sieht das Jagdgesetz heute nur noch einzelne Abschüsse unter besonderer Erlaubnis der Jagdbehörde vor.

Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) setzt sich durch seine umfangreichen Aktivitäten zum Schutz der Alpen auch für den Schutz der Lebensräume des Murmeltieres ein (link zur Alpen-Seite des BN)

 

Wissenswertes

Der Name „Murmeltier“ geht auf die lateinische Bezeichnung „mus alpinus“ („Alpenmaus“) zurück, die im Althochdeutschen als „murmunto“ Verwendung fand. So steht der Name nicht mit den Begriffen „Murmel“ oder „murmeln“ im Zusammenhang.

 

Quellen

Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.

www.wikipedia.de

www.natur-lexikon.com

www.world-of-animals.de