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Rauhautfledermaus

Die Rauhhautfledermaus

Überordnung: Laurasiatheria

Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)

Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)

Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)

Gattung: Zwergfledermäuse (Pipistrellus)

Art:  Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusi)

 

Körperbau und Fell

Die kleinen Tiere wiegen nur etwa 6 bis 10 g und erreichen eine Körpergröße von 4,5 bis 5,5 cm. Ihre Flügelspannweite beträgt 23 bis 25 cm.

Ein typisches Merkmal ist der kurze, leicht nach innen gebogene Ohrdeckel, die Spitze ist stets abgerundet.

Ihre Farbe schwankt saisonal. Im Sommer ist die Oberseite rot- bis kastanienbraun, nach dem Haarwechsel eher dunkelbraun mit einem grauen Anflug. Ihre Unterseite ist hell- bis gelbbraun. Die Jungtiere tragen ein komplett dunkelbraunes Haarkleid.

 

Verbreitung

Ihr Hauptverbreitungsgebiet haben die Rauhautfledermäuse in Mittel- und Osteuropa, mit den Wochenstuben (Sommerquartieren) im Nordosten des Verbreitungsgebietes.

 

Lebensweise

Die Rauhautfledermaus ist eine Waldfledermaus, die in strukturreichen Landschaften mit hohem Wald- und Gewässeranteil vorkommt. Im Tiefland liegende Wälder von feuchten Laub- und bis zu trockenen Kiefernwäldern werden von ihr besiedelt. Auch in Parks ist sie anzutreffen, seltener in menschlichen Siedlungen.

Als Wochenstube nutzen die Fledermäuse Baumhöhlen oder Stammrisse. Auch flache Fledermauskästen dienen als Behausung. Selten findet man sie in engen Spalten und Gebäuden, in Rollladenkästen, hinter Fensterläden, Holzverschalungen oder gar in Ritzen zwischen Mauern und Fachwerkbalken. Gelegentlich teilen sie ihre Wochenstuben mit anderen Fledermausarten wie Zwerg- oder Bartfledermaus.

 

Fledermäuse haben, ähnlich unseren Zugvögeln, auch Sommer- und Winterquartiere. Ihre Winterquartiere suchen sie in Felsspalten, Mauerrissen oder Baumhöhlen. Die weiteste Flugstrecke von europäischen Fledermäusen wurde vom Bundesamt für Naturschutz und dem Museum Koenig für die Rauhautfledermaus ermittelt. Ein Tier wurde in Lettlland markiert und im südlichen Kroatien wieder gefunden. Das sind stolze 1.905 km!

 

Nahrung

Waldränder, Gewässerufer, Bachläufe und Feuchtgebiete in Wäldern dienen als Jagdrevier. Gelegentlich sieht man sie bei ihren Patrouilleflügen auch direkt über Wasserflächen fliegen. 10 bis 20 km2 nutzen die Tiere als individuellen Aktionsraum. Gleich nach Sonnenuntergang verlassen sie ihre Quartiere und begeben sich auf die Jagd nach Fluginsekten. Sie ernähren sich hauptsächlich von Fliegen, Zuckmücken, Käfern und Hautflüglern. Ihre Beute finden sie mit Echoortungslauten.

 

Fortpflanzung

Die Männchen besetzten Paarungsquartiere von denen aus sie mit zweisilbigen Balzrufen die Weibchen anlocken. Paarungszeit ist während des Durchzugs von August bis Oktober.

Die Jungen (meist zwei) werden dann im darauf folgenden Jahr Mitte Juni geboren. Vier Wochen lang versorgen die Weibchen ihre Jungen in den Wochenstuben. Im Nordosten Deutschlands findet man größere Wochenstuben der Rauhautfledermaus mit 50 bis 200 Tieren.

 

Gefährdung in Bayern:

Rote Liste Bayern (2005): 3 = gefährdet

Gefährdungsfaktoren: Zerstörung der Lebensräume, v.a. strukturreicher alt- und totholzreicher Wälder. 

 

Quellen:

Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.

www.wikipedia.de

Pressemitteilung des BfN (1.03.2006): BfN und Museum Koenig zu Fledermaus-Wanderungen: Die Rauhautfledermaus hält den Weltrekord