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Das Reh

 

Das Reh (Capreolus capreolus)

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Trughirsche (Capreolinae)
Gattung: Rehe (Capreolus)

 

Körperbau und Merkmale

Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 95-135 cm und einer Schulterhöhe von 60-90 cm ist das Reh die kleinste in Europa heimische Hirschart. Die männlichen Tiere tragen ein meist sechsendiges Geweih, das bis zu 30 cm lang werden kann. Auch das Gewicht des Geweihs ist mit 100 bis 500 g im Vergleich zu anderen Hirscharten gering. Es wird jährlich im Spätherbst abgeworfen, wächst aber sofort unter einer schützenden Nährhaut nach. Durch das Fegen (Reiben an Bäumen) entledigt sich der Bock nach Abschluss der Geweihbildung im Frühling der dann abgestorbenen Basthaut. Das Fegen dient auch der Reviermarkierung.

Das Fell der erwachsenen, geschlechtsreifen Rehe ist im Sommer rotbraun und im Winter graubraun. Die Analregion ist im Sommer gelblich und im Winter weiß gefärbt. Das Fell der Kitze ist ebenfalls rotbraun. Zusätzlich ist es auch auf dem Rücken und an den Flanken mit weißen Punkten durchsetzt. Im Norden Deutschlands kommen recht häufig auch schwarze Rehe vor.

Durch ihre Lebensweise in hauptsächlich deckungsreichen Gebieten sind bei den Rehen vor allem der Geruchssinn und das Gehör sehr gut ausgebildet. Mit ihren Augen nehmen sie vor allem Bewegungen sowie hell-dunkel-Kontraste wahr.

 

Verbreitung und Lebensraum

Das Reh kommt in ganz Europa mit Ausnahme von Irland, Island, dem nördlichen Skandinavien und Russland vor. Auch fehlt es auf den Mittelmeerinseln.

Da sie auf eine ausreichende Deckung und Äsungsvielfalt angewiesen sind, besiedeln Rehe vorzugsweise unterholzreiche Wälder, Waldränder und Feldgehölze. Als Kulturfolger sind sie aber auch beispielsweise in Stadtwäldern zu finden. Im Höhenbereich wird ihr Verbreitungsgebiet durch die Baumgrenze abgeschlossen.

 

Fortpflanzung und Lebensweise

Vorwiegend in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv, leben Rehe hauptsächlich in kleinen Familienverbänden. Nur die erwachsenen Böcke leben außerhalb der Brunft einzeln. Im Winter kann man große Gruppen von bis zu 50 Tieren auf den zwar deckungslosen aber äsungsreichen Feldern beobachten.

Die Brunft des in Mitteleuropa heimischen Rehs findet zwischen Ende Juli und August statt. Das befruchtete Ei entwickelt sich jedoch erst ab Dezember (Keimruhe), so dass der Wurf mit einem bis maximal vier Kitzen im Mai des darauffolgenden Jahres geboren wird. Die Jungtiere werden zwei bis drei Monate lang gesäugt. Die weiße Fleckung des Fells der Kitze dient der Tarnung. Außerdem sind sie geruchlos, um nicht von Beutegreifern aufgestöbert werden zu können. Die Muttertiere legen die Kitze in dichter Vegetation ab und suchen diesen Ort nur auf, um den Nachwuchs zu säugen oder zu säubern. Erst im Alter von einigen Wochen können sie der Mutter folgen, bei der sie bis zum nächsten Frühjahr bleiben.

Rehe werden im zweiten Lebensjahr geschlechtsreif.

 

Nahrung

Rehe sind Pflanzenfresser und sind auf hochwertige Nahrung wie Kräuter, Triebe, Blätter, Gräser, Eicheln, im Kulturland auch Getreide, Raps, Klee und Gemüse, angewiesen. Durch Verbiss von Laubbäumen und Tannen tragen sie zu einem übermäßig hohen Anteil an Fichten im Baumbestand des Waldes bei.

 

Bestand in Europa

Aufgrund ihrer Lebensweise in dichtbewachsenen Waldgebieten, ist der Bestand des Rehs nur schwer abzuschätzen. So verzichtet man heutzutage weitgehend auf die Angabe von Bestandszahlen und leitet die relative Bestandsdichte von Verbissaktivitäten auf sogenannten Weiserflächen ab.

 

Bejagung

Als sogenanntes Schalenwild unterliegt das Reh auch in Deutschland dem Jagdrecht. Da in weiten Teilen Europas die natürlichen Beutegreifer der Rehe (Wolf, Luchs, etc.) sehr selten geworden oder ausgestorben sind, wird die Populationsdichte vor allem durch die Bejagung bestimmt. Durch die Verminderung von Schäl- und Verbissschäden soll sie eine natürliche Verjüngung der Wälder gewährleisten. Andererseits soll der Rehbestand auch auf Dauer gesichert bleiben. In Deutschland wird der Bejagungsplan in Zusammenarbeit von der Unteren Jagdbehörde, Sachverständigen, Jägern und Grundeigentümern erstellt und überwacht. Die Planung bezieht sich in der Regel auf eine Zeitspanne von drei Jahren.

 

Wissenswertes

Abgelegte Kitze wurden nicht von ihren Müttern verlassen! Sie dürfen nicht berührt werden, da das Muttertier den menschlichen Geruch wahrnehmen und das Kitz nicht mehr als ihr eigenes betrachten würde. Gleiches gilt auch für alle anderen Hirscharten!

 

Quellen

Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.

www.wikipedia.de

www.natur-lexikon.com

www.world-of-animals.de