MenuBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Wildschweine

 

Das Wildschwein

 Steckbrief: Wildschwein

 Das Wildschwein ist die Stammform unseres Hausschweins. Vor 100 Jahren waren die Wildschweine durch starke Bejagung in vielen Gebieten verschwunden. Heute sind sie in viele Ursprungsgebiete zurückgekehrt und ihre Zahl ist bei uns ist stark angestiegen. Gründe dafür sind das gute Nahrungsangebot durch großflächigen Maisanbau und mehrere Eichen- und Buchenmastjahre in rascher Folge. So werden sie heute auch mit steigender Tendenz wieder bejagt.

 

Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)

Klasse: Säugetiere (Mammalia))

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)

Familie: Echte Schweine (Suidae)

Gattung: Sus

Art:  Schwein

 

Körperbau und Fell

Die Körpergröße von Wildschweinen variiert mit ihrer geographischen Verbreitung. In Mitteleuropa erreichen die Tiere ein Körperlänge von 110 bis 180 cm. Ausgewachsene Weibchen bringen 55 bis 70 kg auf die Waage, große Männchen können bis zu 90 kg wiegen. Aus den Karpaten gibt es Berichte von Tieren die bis zu 350 Kilogramm wiegen.

Das schwarz- bis graubraune, borstige Fell der Wildschweine besitzt lange Grannen. Im Winter bekommen sie dichtes Wollhaar, welches der Wärmeregulation dient. Auch ist das Haar dann länger und dunkler.

Die frisch geborenen Wildschweine (Frischlinge) haben ein hellgelbbraunes Fell mit meist vier bis fünf gelblichen, von den Schulterblättern bis zu den Hinterbeinen reichenden Längsstreifen. Nach drei bis vier Monaten wechseln sie dieses gegen das einfarbig bräunliche Jugendfell. Erst mit dem Wechsel zum Winterfell im Herbst bekommen sie die typische Färbung erwachsener Tiere.

 

Verbreitung

Wildschweine haben ihr Verbreitungsgebiet von Eurasien bis nach Indien und Japan. In Nordafrika sind sie heute nur noch vereinzelt zu finden.

 

Lebensweise

Die tag- und nachtaktiven Wildschweine leben bevorzugt in Laub- und Mischwäldern mit Sümpfen, in Schilfgebieten und anderen deckungsreichen Landschaften. Zur Nahrungsaufnahme begeben sie sich gerne auf Felder. Auch dringen die anpassungsfähigen Tiere heut zu Tage gelegentlich in den städtischen Lebensraum vor. Die Tiere nutzen dort die stadtnahen Wälder als Domizil und wühlen in Müll und Abfällen der Vorstädte nach Fressbarem. 

Die weiblichen Tiere (Bachen) leben mit den Jungtieren in Familienverbänden (Rotten) mit bis zu 50 Tieren. Geführt wird die Gruppe vom ältesten Weibchen. Mit eineinhalb Jahren müssen die männlichen Nachkommen die Rotte verlassen und leben ab dann als Einzelgänger.

 

Ernährung

Wildschweine sind Allesfresser. Bei ihrer Nahrungssuche durchwühlen sie den Boden nach essbaren Wurzeln, Würmern, Engerlingen, Mäusen, Schnecken und Pilzen. Ihre gute Nase hilft ihnen dabei. Neben Wasserpflanzen fressen sie auch Blätter, Triebe und Früchte zahlreicher Holzgewächse, Kräuter und Gräser. Auch Aas und Abfälle gehören zu ihrer Nahrung. Gelegentlich fallen ihnen Eier und Jungvögel bodenbrütender Vögel zum Opfer.

 

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Wildschweine im mittleren Europa beginnt im November und kann bis in denn Januar/ Februar dauern. Die Hierarchiekämpfe der Männchen, die um ein Weibchen konkurrieren, können sehr heftig sein. Die Gegner scharren dabei mit Hinterbeinen, sie Verspritzen Urin und wetzen ihre Kiefer. Kaubewegungen oder Kieferschlagen sollen den Gegenüber in die Flucht schlagen. Hilft dies alles nichts, kommt es zum echten Kampf, bei dem die Tiere ihre kräftigen, dreikantigen Unterkiefereckzähne einsetzen, um mit seitwärts - aufwärts gerichteten Hieben gegen Bauch und Körperseite des Konkurrenten zu schlagen. Der Kampf ist erst zu Ende, wenn eines der Tiere flieht.

Die Tragzeit der Bachen liegt bei 112 bis 130 Tagen. Im März bis Mai kommen pro Wurf 4 bis 8, manchmal auch bis zu 13 Junge zur Welt. Ihre Jungen bringt die Bache in einem Nest aus dürrem Gras, Farnkraut und Zweigen zur Welt. Lebt das Muttertier in einer Rotte, trennt es sich solange von der Gemeinschaft, bis die Jungen groß genug sind sich in die Gruppe zu integrieren.

Die jungen Wildschweine fallen oft Kälteeinbrüchen und Nässeperioden zum Opfer, da ihre Wärmeregulierung in den ersten Wochen noch nicht richtig funktioniert.

 

Verhalten

Da der Hals von Wildschweinen kurz und sehr unbeweglich ist, fällt es ihnen schwer sich mit dem Gebiss zu putzen und Schadinsekten von Haut und Haaren zu entfernen. Aus diesem Grund scheuern sie ihre Körper gern an Bäumen.

Auch das Suhlen in Schlammlöchern gehört zu den typischen Verhaltensweisen von Wildschweinen. Besonders im Sommer dient es der Wärmeregulation des Körpers. Hautparasiten werden durch die Schlammschicht auf dem Körper eingekapselt und auch Stechinsekten haben nur noch eine geringere Chance zu zustechen.

 

Gefährdung in Bayern: Rote Liste Bayern (2005): ungefährdet

 

Quellen:

Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.

http://www.wikipedia.de/