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Der Schutz der Wildkatze: Eine Erfolgsgeschichte

50.000 Euro investiert der BUND Naturschutz (BN) jährlich in den Schutz der Wildkatze: mit großem Erfolg! Ein 2015 durchgeführtes Cititzen-Science-Projekt hat gezeigt, dass die Wildkatze nicht nur in Nordbayern, sondern inzwischen auch in Südbayern wieder zuhause ist.

Seit Ende 2015 ist es „amtlich“: Die Wildkatze hat mittlerweile auch in Südbayern Fuß gefasst. Als sich Ende 2014 durch Lockstockaktionen zeigte, dass die Wildkatze schon den Sprung über die Donau geschafft hat, beschloss der BUND Naturschutz, in einer konzertierten Aktion nun auch Südbayern näher unter die Lupe zu nehmen. Im Februar 2015 startete der Verband gemeinsam mit dem bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten und den Bayerischen Staatsforsten ein bundesweit einzigartiges Citizen-Science-Forschungsprojekt, also ein wissenschaftliches Projekt, das auf der Mitarbeit von Bürgern fußt.

Hunderte Förster, Jäger und Freiwillige des BN haben im südbayerischen Raum 1.000 Lockstöcke in potenziell geeigneten Wildkatzen-Wäldern verteilt, diese regelmäßig kontrolliert und die gefundenen Haare zur Genanalyse an das Bayerische Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht geschickt. Das schöne Ergebnis: 16 Wildkatzen konnten sicher nachgewiesen werden. Nun ist klar, dass die schöne Wilde nicht nur im Spessart, der Rhön und in den Haßbergen, sondern auch im Steigerwald, im Nürnberger Reichswald und eben auch in Südbayern vorkommt. Die BN-Experten gehen nach den neuesten Erkenntnissen von etwa 500 Wildkatzen in Bayern aus.  

Gelungene Wiedereinbürgerung

Das ist alles andere als selbstverständlich, denn nach 1940 galt die Art in Bayerns Wäldern als ausgestorben. 1984 startete der BN nach vielen „wildkatzenlosen“ Jahren im Freistaat eine Aktion zu Wiedereinbürgerung. Mehr als 600 der scheuen Schönheiten hat der Verband bis 2009 in eigenen Gehegen in Rothenbuch und Wiesenfelden gezüchtet und anschließend in die Freiheit entlassen. Am Anfang war noch völlig unklar, ob es gelingen würde, die Tiere auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten. Durch die Erfahrungen vor Ort, die Unterstützung der örtlichen Jäger und Förster, die Begleitung durch zahlreiche Forschungsarbeiten und den intensiven Kontakt mit internationalen Wildkatzenexperten stieg aber die Hoffnung auf einen Durchbruch.

Eine vermehrte Anzahl an Sichtungen ließ ab der Jahrtausendwende hoffen, dass die Wiedereinbürgerung gelingen könnte. Den Erfolg brachten dann zwei Weichenstellungen: Die Entwicklung der Lockstock-Methode (näheres hierzu unter dem Menüpunkt Forschung) und die bundesweite Zusammenarbeit mit den Wildkatzenfreunden vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Denn: Der Spessart ist für eine stabile bayerische Wildkatzenpopulation zu klein – auch im Verbund mit anderen nordbayerischen Mittelgebirgswäldern. Eine deutschlandweite Zusammenarbeit im Wildkatzenschutz war deshalb sinnvoll und nötig.

Neue Wege für die Wildkatze

Zwischen 2004 und 2009 arbeitete der BN deshalb mit Kollegen aus Hessen und Thüringen im bundesweiten Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“ zusammen. Dabei entstanden der Wildkatzenwegeplan und die Vision von 20.000 Kilometern bundesweitem Wildkatzenlebensraum und -wegeverbund. Dem Bundesverkehrswegeplan wurde ein grüner Waldverbund entgegengestellt. Planer und Biologen haben dafür eine Art Streckennetz für einen länderübergreifenden Biotopverbund entwickelt. Er zeigt, wo Wildkatzen leben und leben könnten und wo grüne Korridore eingerichtet werden müssen, damit die Samtpfote unbesiedelte Gebiete in Deutschland erobern kann. Inzwischen arbeiten im Projekt „Wildkatzensprung“ neun Landesverbände des BUND, darunter natürlich auch der BN, an der Realisierung dieser Vision: Wälder werden struktur- und artenreicher, ausgeräumte Landschaften mit „Waldkorridoren“ bepflanzt.

Wieder 5.000 bis 7.000 Wildkatzen in Deutschland

Im Jahr 2009 konnte der BUND Naturschutz sein Zucht- und Auswilderungsprojekt erfolgreich beenden: Die Wildkatze hat sich in Bayern etabliert. Jetzt ging es darum, ihr eine gute Zukunft zu sichern. 2011 startete der BUND deshalb gemeinsam mit dem BN und acht weiteren Landesverbänden das Projekt „Wildkatzensprung“. Es ist das größte Einzelprojekt in der Geschichte des Bundesverbandes und wird noch bis 2017 laufen. Das Fazit der bisherigen Wildkatzen-Projekte in Deutschland und Bayern: Inzwischen leben wieder 5.000 bis 7.000 Wildkatzen in Deutschland.

Rund 50.000 Bäume und Büsche sorgen für Verbindungen zwischen schon besiedelten und noch unbesiedelten Wäldern. Sie bilden 20 grüne Korridore und Trittsteine, die das heimliche Tier für seine Wanderungen nutzen kann. Zwölf weitere sind in Planung. Damit stehen der Wildkatze künftig mehr als 500.000 Quadratmeter Lebensraum zusätzlich zur Verfügung. Noch sind viele Korridore jung, aber Untersuchungen an bereits eingewachsenen Verbindungen zeigen: Die Wildkatze – und auch viele andere Tierarten der Wälder – nutzen die neuen Vernetzungswege.

Eine Gendatenbank für die Wildkatze

Parallel zu den Bemühungen um neue Wanderkorridore ermitteln Ehrenamtliche und die Experten des BN und BUND weiterhin die aktuellen Bestände der Wildkatze und beobachten die Wanderbewegungen der scheuen Waldbewohnerin. Dieses Monitoring ist wichtig, um auf Entwicklungen schnell reagieren zu können und den Wildkatzenschutz bestmöglich zu gestalten. Darüber hinaus lernen auch die Fachleute immer wieder Neues zu den Reviergrößen einzelner Tiere, den Streifgebieten oder Wanderhindernissen. Wir wissen noch lange nicht genug über das Leben unserer wilden Katze, um wirklich alle Gefährdungen ausschließen zu können.

In allen neun Bundesländern des Wildkatzensprungprojekts werden deshalb mit breiter ehrenamtlicher Unterstützung Haarproben gesammelt und vom Forschungsinstitut Senckenberg im hessischen Gelnhausen analysiert. Das Institut hat daraus gemeinsam mit dem BUND und seinen Landesverbänden sowie dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) eine bundesweite Gen-Datenbank zur Wildkatze aufgebaut, die erste dieser Art für ein Säugetier in Deutschland (siehe Link am Ende der Seite). Sie soll Aufschluss über Wanderbewegungen, Verwandtschaftsverhältnisse und den Grad der Isolierung der verschiedenen Populationen geben.