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Nein zum Gumpen-Stausee

"Falkenberg am See" - mit solchen Schlagworten versuchten die Vertreter der Wasserwirtschaft der Bevölkerung im Landkreis Tirschenreuth und insbesondere in Falkenberg ihr Großprojekt "Gumpener Niedrigwasserspeicher" zu versüßen.

Den Falkenbergern wurde weis gemacht, mit dem Bau des Stausees würden sie ein herrliches, touristisch wertvolles Freizeitgebiet bekommen. Eines Tages würden auf diesem Stausee - der doppelt so groß wie der Schliersee werden sollte – weiße Segel von Booten schon von Weitem zu sehen sein und Touristen in Scharen anziehen. Es war von zwei Campingplätzen, Hotels in Falkenberg und Freizeiteinrichtungen für einen Urlaub am See die Rede. Der Stausee sollte 470 Hektar Wasserfläche bei Maximalstau, 370 Hektar bei Normalstau und sage und schreibe nur 19 Hektar bei Minimalstau erreichen. Diese gewaltigen Wasserstandsschwankungen führten von vorneherein die Versprechungen der Regierungsbeauftragten ad absurdum.

Dafür wollten die Planer der Bayerischen Staatsregierung eine schutzwürdige Weiher- und Flusslandschaft im zentralen Teil der Waldnaab-Senke überfluten. Dieses Stausee-Projekt sollte in den 70er Jahren im Rahmen einer Serie von geplanten Wasserspeichern in ganz Bayern für einen geregelten Wasserausgleich sorgen.

Kette von 30 Stauseen geplant

Das Projekt „Gumpen-Speicher“ war Teil des ungebremsten Fortschrittsglaubens in den 60er und 70er Jahren, der in ganz Deutschland viel gewachsene Kultur und Natur rigoros zerstörte. Man beabsichtigte, in großem Umfang Wasser aus dem wasserreichen Südbayern über den Rhein-Main-Donau-Kanal, der damals ebenfalls heiß umstritten war, in den Ballungsraum Nürnberg zu pumpen, für den sein Wassermangel eine Wachstumsgrenze darstellte.

So sollten in Zusammenhang mit dem Rhein-Main-Donau-Kanalbau große Wassermengen aus dem süddeutschen Raum in das an Wassermangel leidende Mittelfranken mit dem Ballungszentrum Nürnberg gepumpt werden. Besonders das Einzugsgebiet der Naab sollte in Regensburg das fehlende Wasser in Trockenzeiten nachliefern.

Dazu waren circa 30 Speicher geplant. Als man Gumpen in Angriff nehmen wollte, waren der Liebensteiner Stausee im Landkreis Tirschenreuth sowie der Silber- und Perlsee bei Waldmünchen und der Eixendorf-Stausee bei Neunburg vorm Wald schon fertig gestellt. Um die Pläne ohne großen Widerstand aus der ländlichen Bevölkerung verwirklichen zu können, wurden von den Planern "landwirtschaftlich minderwertige Flächen" in ganz Bayern gesucht. Dass diese für den Naturhaushalt umso wertvoller waren, sah man damals nicht.

Eines der wertvollsten Naturreservate Bayerns

In Gumpen fand man eine Landschaft, die sich scheinbar hervorragend für einen Speicher eignete. Grund war eine Engstelle am Beginn des Durchbruchtales der Waldnaab durch die Falkenberger Schwelle etwas unterhalb von Gumpen, die als Standort der Staumauer günstig schien. Zudem bot sich die flache Naabsenke von Gumpen bis Tirschenreuth als extensiv genutzter Raum scheinbar regelrecht an. Die Zerstörung eines der wertvollsten Naturreservate Bayerns hinderte die Macher des Wasserwirtschaftsamtes nicht.

Mit den Planungen begann der Freistaat Bayern 1961. Federführend für die Umsetzung des Speicherprojekts wurde von der Bayerischen Staatsregierung das Wasserwirtschaftsamt Weiden beauftragt. Als Finanzierung des Projekts veranschlagte die Regierung Investitionskosten in Höhe von 20 Millionen Mark. Der Speicherbau hätte das Zentrum eines etwa 100 Quadratkilomter großen, von Siedlungen und Verkehrswegen freien, ruhigen Gebiets als Rückzugsraum der Natur völlig entwertet.

Als Dr. Klaus Arbter Ende der 60er Jahre - und ab etwa 1973 der Bund Naturschutz in Bayern unter Leitung von Hubert Weinzierl - den Kampf gegen den Stausee aufnahmen, hatten die Planer bereits hinter den Kulissen viel Vorarbeit geleistet: 50 bis 60 Hektar Grundfläche waren schon Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre von der Regierung für den Stausee angekauft worden. Unter anderem wurden die ersten Landwirte ausgesiedelt, wie zum Beispiel die Inhaber der Troglauermühle, wo die Staumauer errichtet werden sollte. Ein Bauer zog um nach Pilmersreuth, wo er sich eine neue landwirtschaftliche Existenz aufbaute.

Bei Niedrigwasser ein Schlammloch

Was die Speicherplaner aus gutem Grund verschwiegen haben: Der Stausee wäre bei Niedrigwasser zu einem schmutzigen Schlammloch mutiert, da die Uferzonen bei Abzug des Speicherwassers – besonders während sommerlicher Hitzeperioden bei bestem Badewetter –  derart gesunken wären, dass ein natürliches Seeufer mit Schilfzonen und Pflanzenbewuchs sich gar nicht erst hätte entwickeln können. Stattdessen wären riesige Schlammflächen freigesetzt worden; ein Meter Absenkung des Wasserspiegels hätte die Seefläche in extrem flachem Gebiet um bis zu 100 Hektar verringert.

Eine touristische Nutzung des Gumpener Stausees wäre damit von vorneherein unmöglich gewesen. Den Falkenbergern und der gesamten Bevölkerung im Landkreis Tirschenreuth wurde jedoch mit Versprechungen von einem Freizeitzentrum zum Segeln und Urlaubmachen in "Falkenberg am See" ein großer touristischer Nutzen des Speichers vorgegaukelt, was nie Realität geworden wäre.

Stationen des Kampfs um die Waldnaab-Aue

  • 1961   Der Freistaat Bayern beginnt mit den Planungen zu einem Stausee in der Waldnaabaue.
  • 1968   Menschen aus der Region werden hellhörig und beginnen sich gegen das Projekt zu formieren.
  • 1969 / 1970   Gründung des Oberpfalzvereins, der den Grundstein für den lokalen Heimatschutz bildete.
  • 1971   Umfangreicher Schriftverkehr mit Behörden, Ministerien, Instituten, Politikern
  • 1973   Der Oberpfalzverein geht verstärkt an die Öffentlichkeit, erste Zeitungsberichte über das Stauseeprojekt und den Widerstand erscheinen. 
  • 1973   Der Bund Naturschutz wird um Hilfestellung gebeten und schaltet sich in die Auseinandersetzung ein. 
  • 1974   Erste Diskussionsrunde zwischen Befürwortern und Gegnern des Stausees auf Burg Falkenberg.
  • 1974   30 Journalisten besuchen das Gebiet.
  • 1976   Die Sensibilisierung und Mobilisierung der Bevölkerung gegen das Stauseeprojekt beginnt. Erfolgreiche Unterschriftenaktion gegen das Projekt
  • 1976   Die Sendung „Jetzt red i“ des Bayerischen Rundfunks greift das Thema auf. Die Argumente der Naturschützer werden von Innenminister Merk abgeschmettert; Umweltminister Streibl zeigt „Verständnis“.
  • 1981   Gerichtsprozess und Aus für den Speichersee: Die Richter stoppen das Projekt. Geklagt hatten Bauern, deren Existenz durch den Stauseebau gefährdet worden wäre, und der Bund Naturschutz.