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Naturerbe Buchenwälder - Biodiversität und Naturwälder

am 17. und 18. Juni 2016 in Ebrach

In Deutschland und in Bayern gibt es nur sehr wenige Naturwaldgebiete, in denen sich die Wälder ungestört entwickeln dürfen. In den letzten Jahren wird auf der einen Seite intensiv darüber diskutiert, diese Defizite im Waldnaturschutz zu beheben. Auf der anderen Seite wird die Notwendigkeit Naturwaldprozesse zu schützen bzw. deren Nutzen für den Schutz der Biodiversität bestritten. Da es bis heute kein Gesamtkonzept für holznutzungsfreie Wälder in Bayern gibt, haben BN und Greenpeace ein Konzept für ein Naturwaldver­bundsystem entwickelt und im Februar 2016 als Vorschlag zur Diskussion gestellt. Einen zentralen Baustein in diesem Verbundsystem stellt der vorgeschlagene Nationalpark Steigerwald dar.

Exkursion

Das traditionelle BN-Waldseminar in Ebrach startete am Freitag mit einer Führung des ehemaligen Ebracher Forstamtsleiter Dr. Georg Sperber und des BN-Waldreferenten Dr. Ralf Straußberger in das 2014 ausgewiesene und 2015 wieder aufgehobene Waldschutzgebiet. Auf 500 Hektar wurden über 6.000 Starkbäume kartiert, die Teilnehmer waren beeindruckt von den herrlichen alten Bäumen und Wäldern.

 

Freitag Abend

Abends referierte Dr. Ralf Straußberger zum Thema "Der Kampf um die dicken Bäume im Steigerwald".

Den Vortrag finden Sie hier

 

 

 

Der Abend klang aus mit einer Lesung des rheinland-pfälzischen Försters Dr. Claus-Andreas Lessander, der aus seinem Buch "Der Ruf nach Wildnis" las. Bei der Ausweisung des Nationalparks Hunsrück-Hochwald war er u.a. mit der Entwicklung eines Brennholzkonzeptes für die lokale Bevölkerung betraut.

Samstag

Grußworte eröffneten den eigentlichen Seminartag am Samstag:

Bürgermeister Max-Dieter Schneider aus Ebrach kündigte an, sich auf den bisherigen Erfolgen nicht auszuruhen. "Nach der Ausweisung des Waldschutzgebietes wurden wir überhäuft mit Anfragen von Gruppen, die ein unberührtes Stück Wald sehen wollten. Die Region braucht einen Nationalpark, um sich touristisch weiter zu entwickeln."

 

Martin Mößlein, Vorstand des Vereins Nationalpark Nordsteigerwald freute sich, dass der Bürgerverein inzwischen mit 1.100 Mitglieder der größte Nationalparkförderverein Deutschlands ist. Er forderte im Dialogprozess die genaue Aufklärung über alle Entwicklungsoptionen für die Region und bekräftigte das Festhalten am Nationalpark.

Den Vortragsreigen eröffnete der renommierte Waldökologe Dr. Wolfgang Scherzinger mit seinem Vortrag: "Warum braucht es eine enge Verzahnung von Natur- und Wirtschaftswald zur Sicherung des Naturerbes unserer Wälder?"

Den Vortrag finden Sie hier

Es folgte der Vortrag des Mykologen Dr. Claus Bässler: "Pilze und Waldnaturschutz".

Wegen fehlender Bildrechte können wir Ihnen den Vortrag leider noch nicht zugänglich machen.

Fazit der beiden Wissenschaftler:
Uraltbäume, Altbestände und ungestörte Waldböden sind auch mit aller Technik nicht herstellbar oder simulierbar. Mehr nutzungsfreie, darunter auch große Wald-Schutzgebiete, sind unverzichtbar. Gleichzeitig müssen im Wirtschaftswald mehr Totholz, Uralt- und Biotopbäume, Sonderstrukturen wie Wurzelteller und Störungsflächen belassen werden. Alte, sog. Klasse-1-Waldgebiete, sollten sofort aus der Holzproduktion genommen werden, um die letzten Reste wertvoller Altwaldreliktarten zu sichern.

Naturwaldverbundsystem für Bayern

Gesche Jürgens, Waldkampaignerin von Greenpeace und Dr. Ralf Straußberger, Waldreferent des BN stellten von beiden Vereinen erarbeitete Vorschläge für ein Naturwaldverbundsystem für Bayern vor.

Den Vortrag von Gesche Jürgens "Bayerns Verantwortung für den Schutz von Naturwäldern" finden Sie hier

Den Vortrag von Dr. Ralf Straußberger "Vorschläge für ein Naturwaldverbundsystem für Bayern" finden Sie hier

Die Studie "Mehr Naturwälder für Bayern" von BUND Naturschutz und Greenpeace lesen Sie hier

Podiumsdiskussion

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten die Landtagsabgeordneten Markus Ganserer (Bündnis 90/ die Grünen, li), Horst Arnold (SPD, 2.v.li.), Walter Nussel (CSU, 2.v.re.) sowie Prof. Dr. Hubert Weiger (BN, re.) unter der Moderation von Eva Lell vom Bayerischen Rundfunk über das vorgestellte Naturwaldverbundsystem für Bayern. Alle bis auf Walter Nussel forderten hierbei effektiveren Naturschutz im Wirtschaftswald sowie die Ausweisung von mehr Schutzgebieten und einen Nationalpark im Steigerwald.

Von allen Abgeordneten wurde aber die Diskussion des vorgestellten Waldverbundsystems in den entsprechenden Gremien der Parteien udn des Landtags in Aussicht gestellt.

Den Flyer zum Seminar Naturerbe Buchenwälder 2016 finden Sie hier