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Lech

DER LECH IM HISTORISCHEN VERGLEICH

Noch vor rund 100 Jahren konnte der Lech auch im Gebiet südlich von Augsburg frei fließen (Bild links, ca.1911). Heute bestimmen gerade Linien und Stauwehre das Landschaftsbild, denn der Fluss wurde auf bayerischer Seite fast komplett kanalisiert (Bilder: Wasserwirtschaftsamt Donauwörth).


Forderungen der Lechallianz zum Projekt Licca liber

Leitziel ist, dass der Lech wieder ausreichend Raum erhält, so dass er sich durch Eigendynamik möglichst frei entwickeln kann. Der sich ergebende Spielraum für die Breite der revitalisierten Flussaue ist maximal auszunutzen.

1.      Einleiten dynamischer Prozesse:

  • Veränderung an der Laufentwicklung durch Auslenkung: Schaffung von Mäandern mit Prall- und Gleithangstrukturen.
  • Verbesserung des Geschiebehaushaltes: Behebung des Geschiebedefizits durch Aktivierung von Geschiebedepots (z.B. durch gelenkte Seitenerosion, Ausbaggern von Geschiebematerial aus Stauwurzelbereichen), gezielte Sohlanhebung um die Eintiefungstendenz aufzuhalten. 
  • Natürliche Querschnittsgestaltung:   Gewässeraufweitung (teilweise Entfernung von Ufersicherungen, Duldung von Uferabbrüchen), Förderung von Auskolkungen und Anlandungen.

2.      Wiederherstellung der Durchgängigkeit:

  • Beseitigung von Querbauwerken.
  • Sicherung gegen Tiefenerosion durch Raue Rampen – Offenes Deckwerk.
  • Schaffung von naturnahen Umgehungsgerinnen an den Staustufen.
  • Endgültige Aufgabe der Pläne zum Bau eines neuen Wasserkraftwerks an Flusskilometer 50,4.

3.      Auenvitalisierung:·        

  • Rückverlegung der Deiche und Schaffung neuer Retentionsräume für Hochwasserereignisse.
  • Gezielter und regelbarer Anschluss der Auwaldbereiche an die Flusswasserdynamik (gezielte lokale und temporäre Überflutungen bei Hochwasser ermöglichen).
  • Anbindung der Stadtwaldbäche an den Lech zwischen der Sohlschwelle bei Fkm 50,4 und Hochablass.
  • Verbesserung der Gewässerstruktur in den Stadtwaldbächen durch die Einbringung von Totholz und Kies.
  • Dynamisierung der Stadtwaldbäche durch die Simulierung von Hochwasserereignissen. Dazu soll während Hochwasserphasen im Lech über den Lochbach mehr Wasser in die Stadtwaldbäche eingeleitet werden.
  • Naturnahe Gestaltung der Uferbereiche (Schaffung ökologischer Reliefstrukturen: periodisch überflutete Tümpel, Grundwasserblänken).
  • Wiederherstellung einer naturnahen Weichholzaue.

4.      Rückverlegung von Deichen:

  • Grundsätzlich sollen Deiche nur dort bestehen bleiben oder bei Rückversetzung neu geschaffen werden, wo Menschen und Sachgüter vor den Auswirkungen von Hochwasserereignissen geschützt werden müssen
  • Deiche sollten so gestaltet werden, dass Sekundärlebensräume (Trockenrasen, Halbtrockenrasen) entstehen. Außerdem muss die Pflege der Dämme die Belange von gefährdeten Pflanzen- und Tierarten berücksichtigen.

Diese Forderungen wurde von der Lechallianz als Resolution verabschiedet. Hier die Lechresolution als PDF zum Download.

Lech: Renaturierung statt Kraftwerksbau!

Der Energieriese E.ON plant den Bau eines Wasserkraftwerks am Lech mitten im Naturschutzgebiet des Augsburger Stadtwalds. Der Bund Naturschutz setzt sich zusammen mit zahleichen anderen Verbänden und der Stadt Augsburg für eine Renaturierung des Lechs und gegen das neue Kraftwerk ein.

Im Naturschutzgebiet des Augsburger Stadtwalds kann man eine Vielzahl wertvoller Biotope und Pflanzenarten antreffen, die sich dort im Laufe der Jahrtausende angesiedelt haben. Auf den Lechheiden finden sich heute noch 28 Orchideen- und zahlreiche Enzianarten. Doch viele Biotope sind schon verlorengegangen, seitdem der Lech auch in diesem Abschnitt kanalisiert wurde. Der Bund Naturschutz setzt sich deshalb gemeinsam mit den Verbänden der Lechallianz für eine Renaturierung des Lechs südlich von Augsburg und gegen den Bau eines neuen Wasserkraftwerks von E.ON ein. Während der Lech auf Tiroler Seite noch zu den wenigen naturnahen alpinen Wildflusslandschaften gehört, gleicht er auf bayerischer Seite eher einer Aneinanderreihung von Stauseen. Auf etwa zehn Kilometern im Naturschutzgebiet Augsburger Stadtwald darf er zwar noch fließen, ist aber kanalisiert. Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth will nun mit dem Projekt Licca liber klären, inwieweit hier eine Renaturierung möglich ist. »Ein renaturierter Lech wäre ein Gewinn für Mensch und Natur«, erklärte der Umweltreferent Rainer Schaal bei der Pressekonferenz der Stadt Augsburg zu den Renaturierungsvorhaben. Mit den Plänen zum Bau des neuen Kraftwerks bedroht E.ON jedoch diese Vorhaben.
Der BN befürchtet, dass mit der Genehmigung des Kraftwerks ein Präzedenzfall für ganz Bayern entstehen könnte. E.ON hat bereits eine Potenzialanalyse für die wenigen noch frei fließenden Flussabschnitte in Bayern vorgelegt. Um gegen die Baupläne zu protestieren, hat der BN eine Unterschriftenaktion gestartet und im Juli 2011 ca. 10.000 Unterschriften an Umweltminister Söder übergeben.

Das Projekt Licca Liber ist die Chance, den Lech im Bereich Stadtwald Augsburg wieder einen kleinen Teil seiner ursprünglichen Dynamik zurückzugeben. Damit das Projekt seinem Namen gerecht wird, müssen folgende Kriterien erfüllt werden:

  • Rückverlegung der Deiche
    Eine Deichrückverlegung ermöglicht die Anbindung der Aue an den Lech.
  • Deutliche Aufweitung des Flusses
    Wird die Seitenverbauung entfernt, bekommt der Fluss wieder mehr Platz.
  • Abbau aller Querverbauungen
    Nur dann können Fische wieder frei wandern und eine natürliche Population aufbauen.
  • Kein neues Wasserkraftwerk
    Ein neues Wasserkraftwerk ist immer mit einer Begrenzung des Flusslaufes verbunden und beschränkt massiv die Renaturierungsmöglichkeiten des Lech.

 

 

Weitere Informationen:

Flyer: "Welchen Lech wollen Sie?" mit umfangreichen Informationen zur Lechrenaturierung.

Auf der Internetseite der Lechallianz, einem Verbändebündnis zum Schutz des Lechs: www.lechallianz.de

Pressemitteilung "Gutachten belegt dringende Notwendigkeit für Renaturierung" vom November 2012

Pressemitteilung "5 vor 12 für den Lech - Renaturierung jetzt" von der Lechkundgebung vom September 2012

Pressemitteilung zur Unterschriftenübergabe an Umweltminister Söder vom Juli 2011

Unterschriftenliste „Mehr Leben für den Lech“

BN-Stellungnahme zum Scoping-Termin für das E.ON-Kraftwerk vom Dezember 2010

Pressemitteilung Renaturierung statt Kraftwerksbau am Augsburger Lech vom Juli 2010


Beschluss des Augsburger Stadtrates zum Lech vom April 2010

Resolution der Schwäbischen BN Kreisgruppen zum Wasserkraftausbau in Schwaben vom November 2009