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Arbeitsplätze in der Autoindustrie

„Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland steht direkt oder indirekt mit dem Automobil in Verbindung.“ Wirklich? Stimmt nicht!

Arbeiter im Autowerk: Nur jeder 50. Arbeitsplatz hängt an der Autoindustrie (Foto: industrieblick/fotolia.com)
Nur jeder 50. Arbeitsplatz hängt an der Autoindustrie (Foto: industrieblick/fotolia.com)

„Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland steht direkt oder indirekt mit dem Automobil in Verbindung.“ Sagte Kanzlerin Merkel auf der IAA 2014. Sie wiederholte damit eine Behauptung, die die Automobilindustrie schon vor vielen Jahren erfolgreich in den Köpfen der Deutschen platziert hatte. Der tiefere Sinn dieser Kampagne: "Ihr Naturschützer! Lasst gefälligst die Finger von unserer Branche! Sonst ist jeder siebte Arbeitsplatz gefährdet."

Fakt: Nur jeder 50. Arbeitsplatz hängt an der Autoindustrie

In Deutschland gibt es mehr als 43 Mio. Beschäftigte. Wäre jeder siebte Beschäftigte in der Autobranche, so müssten das mehr als 6 Millionen sein. Tatsächlich jedoch arbeiten in der Automobilindustrie, einschließlich aller Zulieferfirmen, lediglich 801 000 Menschen. (Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie, Dez. 2015). Das wäre nur noch knapp jeder 50. Arbeitsplatz. Selbst wenn man das Kfz-Handwerk, also die Reparatur-Werkstätten mit 460 000 Beschäftigten dazu nimmt, ist man immer noch meilenweit von "jedem siebten" Arbeitsplatz entfernt. 

Wie konnte die Autolobby dennoch diese Märchenzahl so erfolgreich verbreiten? Der Trick ist ebenso einfach wie unseriös: Es wird einfach jeder Beruf als mit der Automobilherstellung verknüpfter Arbeitsplatz gewertet, der irgendwie und irgendwann mit dem Auto zu tun hat. Der Holzfäller, weil manches Armaturenbrett aus Holz ist. Textilarbeiter, weil Autositze mit Stoff überzogen werden. Stahlkocher und Aluminiumschmelzer, Spediteure und Softwarebüros und viele andere mehr, die irgendwo in der Vorleistungskette auch mit Autos zu tun haben. 

In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gibt es derartige "Mischkalkulationen" nicht. Dort werden die Arbeitsplätze der einzelnen Branchen gezählt und sonst nichts. Denn anders würde es zu Doppelzählungen und ständigen Abgrenzungsproblemen kommen. Hierzu einige Beispiele: Hängt der Arbeitsplatz der ambulanten Diakonieschwester von der Automobilindustrie ab, weil diese für sie das Dienstauto baut. Oder hängt der Arbeitsplatz des Autobauers von der Diakonie ab, weil diese das Auto nachfragt? Der Bauer liefert Kartoffeln an die BMW-Kantine - wer hängt von wem ab? Wie viele (und welche) Arbeitsplätze hängen von einem guten Lehrer oder Sozialarbeiter ab. Wieviele von einem Baggerfahrer, der Kabel für die Breitbandversorgung legt?

Fazit

Es macht nur Sinn, die jeweiligen Arbeitsplätze einer Branche zu zählen. Alles Andere führt zu Willkür und lässt sich - siehe Automobillobby - zu hemmungsloser Propaganda missbrauchen. Übrigens, allein im Gesundheitswesen sind in Deutschland mehr als 5.2 Mio Menschen beschäftigt. Und sie zahlen genauso ihre Steuern und Sozialabgaben wie Beschäftigte  der Automobilindustrie.  Ökologen sollten also nicht vor dem Fetisch "Arbeitsplätze in der Automobilindustrie" einknicken.