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Autobahn und Meindl-Ziegel

Gerade in Zeiten der Globalisierung seien Autobahnen die Lebensadern der Wirtschaft. Wer das nicht einsehe - so wird immer wieder gewarnt - setze Arbeitsplätze aufs Spiel.

A 94 Isental (Foto: Klaus Leidorf)

Das Totschlagargument: Für unseren Betrieb brauchen wir dringend die Autobahn

Jahrzehntelang erklärte die alteingesessene Firma „Meindl-Ziegel“ im oberbayerischen Dorfen, Landkreis Erding, sie müsse demnächst schließen oder ins Ausland verlagern, wenn nicht endlich die A 94 käme. Nur durch einen Autobahnanschluss könnten die Transportkosten so gesenkt werden, dass man den Standort Dorfen halten könne.

Die Wirklichkeit: Als die Autobahn kommt, geht die Firma weg

Im November 2015 wird der ÖPP-Vertrag zum Bau der A 94 rechtsgültig geschlossen. Die  A94 muss somit definitiv im Jahr 2019 fertig gestellt sein . Die jahrzehntelange Forderung des Unternehmens wurde also erfüllt. Vier (!) Tage später, am 28. 11. 2015, meldet die Creaton AG (seit längerem Eigentümer von Meindl), dass sie leider ihr Werk schließen müsste, es sei nicht mehr rentabel. Der wirkliche Grund ist unübersehbar: Das über 27 ha großes Betriebsgelände liegt direkt an der Auffahrt zur künftigen A 94 – es ist offensichtlich, dass die Fa. Creaton hier durch einen Verkauf eine wesentlich höhere Rendite erzielen kann, als durch das Brennen von Dachplatten. Dorfen verliert also jetzt, wegen der Autobahn, einen seit mehr als 100 Jahren ansässigen Produktionsbetrieb mit rund 90 Arbeitsplätzen für unterschiedlichste Qualifikationen.

Firmenpropaganda führt zu falscher Trassenentscheidung

Seit den 70er Jahren gab es einen hartnäckigen Kampf der Menschen im Isental gegen diese Planung. Anstatt eine zusätzliche Autobahn durch ein unzerschnittenes Gebiet zu bauen, forderten sie den Ausbau der bestehenden B 12. Leider konnte dieser beispielhafte Kampf von Bürgerinitiative und BN nicht gewonnen werden. Ein wesentlicher Grund für diese schmerzliche Niederlage war die permanente Propaganda von Seiten der Wirtschaft und der Verbände. Unzählige Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel, es ginge um die Zukunft einer ganzen Region. Wenn die Autobahn nicht endlich käme, wären Betriebsverlagerungen oder -schließungen, wie beispielsweise bei „Meindl-Ziegel“ unvermeidlich. Dieses propagandistische Dauerfeuer führte dazu, dass schließlich die SPD umfiel und sich dem Autobahnkurs der CSU anschloss.

Auch in den jahrelangen, gerichtlichen Auseinandersetzungen wurden Arbeitsplätze immer wieder ins Spiel gebracht. Obwohl bis dato keine einzige Firma genannt werden konnte, die während des mehr als 30 jährigen Streits um die Autobahn abgewandert wäre, unterlagen die Kläger auch in allen Gerichtsprozessen.

Fazit: Umweltschützer vernichten keine Arbeitsplätze

Die jahrzehntelange Drohung des Unternehmens - "Ohne Autobahn müsse man demnächst abwandern" - hat sich als reine Propaganda entlarvt. Die Schließung des Dorfener Werkes wurde genau dann beschlossen, als durch den ÖPP-Vertrag Bau und Fertigstellung der A 94 unumstößlich verankert wurden. Die 90 Arbeitsplätze wurden also nicht - wie generell so gern behauptet wird - von Autobahngegnern und Umweltschützern vernichtet.

Im Gegenteil: Jahrzehntelang funktionierte der Ziegeleibetrieb ohne Autobahn. Geschlossen wird er nun, weil die Autobahn kommt. Denn das Kapital, also das 27 Hektar große Betriebsgelände direkt neben der Autobahnausfahrt, verspricht nun in einer anderen Verwendung eine wesentlich höhere Rendite. Mittlerweile ist das gesamte Gelände für einen unbekannten Betrag an einen großen Bauträger verkauft worden.

Die große Tragik ist: Durch die jahrzehntelange Propaganda, wurde die falsche Trassenentscheidung unterstützt. Es wurde eine einmalige Landschaft zerstört. Und die Isental-Autobahn kostet - verglichen mit dem Ausbau der B 12 - den Steuerzahler mehrere Hundert Millionen Euro zusätzlich. Wir müssen solche Beispiele überall dort anführen, wo unsinnige Straßenprojekte unsere Heimat bedrohen. Siehe dazu auch im Werkzeugkasten: „Autobahn und Arbeitsplätze“ sowie „Initiativen für Straßenbau“.