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Tiere und Pflanzen

„Einzigartiger Naturschatz, für den sich Einsatz lohnt“

Interview mit Peter Zach. Als ornithologischer Betreuer der Regentalaue und BN-Mitglied engagiert er sich seit Jahrzehnten für den Schutz der Natur.

Seit mehr als 40 Jahren setzen Sie sich für die Regentalaue ein, was ist das Besondere an diesem Gebiet?

Die Regentalaue und die Rötelseeweiher sind ein Gebiet mit einer außergewöhnlichen biologischen Vielfalt. Auf engstem Raum kommt hier eine hohe Anzahl seltener Tier- und Pflanzenarten vor. Vor allem die Vogelwelt macht das Gebiet einzigartig. Im neuen bayerischen Brutvogelatlas wird das Gebiet neben dem oberbayerischen Ammersee als der artenreichste Vogellebensraum Bayerns aufgeführt.

Was hat sich dort in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Durch die Flurbereinigung in den 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre wurde das Gebiet mit einem dichten Wegenetz erschlossen. Die zeitgleiche Anlage von zahlreichen Entwässerungsgräben und die damit verbundene Absenkung des Grundwasserspiegels sowie die teilweise Nivellierung des ausgeprägten Bodenreliefs aus Buckeln und Seigen schufen die Voraussetzung für eine Intensivierung der  Landwirtschaft und führten zum Verlust besonders anspruchsvoller Arten wie Birkhuhn oder Sumpfohreule. Das dichte Wegenetz führte ab Mitte der 1980er-Jahre zu einer starken Zunahme von Freizeitaktivitäten mit vielen negativen Auswirkungen auf störungsanfällige Arten, wie den Großen Brachvogel. Der Landkreis Cham versuchte daher in den 1990er-Jahren die vorprogrammierten Konflikte durch ein Lenkungskonzept zu entschärfen. In der neuen Verordnung des Naturschutzgebietes ist die Benutzung der Wege räumlich und jahreszeitlich detailliert geregelt.

Als ornithologischer Betreuer kennen sie nahezu jede Vogelart der Regentalaue – welche ist Ihnen besonders ans Herz gewachsen?

Besonders am Herzen liegen mir die Wiesen- und Wasservogelarten, insbesondere die hochbedrohten Arten Knäkente, Schwarzhalstaucher, Kiebitz, Großer Brachvogel und Uferschnepfe. Mir geht es aber auch um weniger auffällige und bekannte Arten, wie den Moorfrosch, die Sumpfschrecke oder auch um besonders gefährdete Pflanzenarten wie den Wasserschlauch und das Sumpf-Herzblatt. Moorfrosch, Sumpfschrecke, Wasserschlauch und Sumpf-Herzblatt kommen übrigens in guten Beständen auf den Eigentumsflächen des Bundes Naturschutz vor. Für alle diese Arten haben wir eine hohe moralische Verantwortung. Als christlich erzogener und motivierter Mensch ist mir die Bewahrung der ganzen Schöpfung ein übergeordnetes Ziel.

Bis zur Ausweisung der Regentalaue als Naturschutzgebiet war es ein langer Weg – an welche Stationen erinnern Sie sich besonders?

Ein Meilenstein in der Naturschutzgeschichte der Regentalaue war 1989 der „Startschuss“ zu dem von Bund und Freistaat Bayern geförderten Naturschutzprojekt. Dabei übernahm der Landkreis Cham als Träger des Projektes eine herausragende Verantwortung. Der damalige Chamer Landrat Ernst Girmindl erkannte frühzeitig die besondere Schutzwürdigkeit der Regentalaue und gilt damit als „politischer Vater“ des Naturschutzprojekts. 1992 ging mit dem Kauf der Rötelseeweiher durch den Landkreis Cham schließlich ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Ich selbst habe beim Ankauf entscheidend mitgewirkt, da ich den Vorbesitzer persönlich sehr gut kannte.

Was wünschen sie sich für die Zukunft?

Erstens, dass sich das Naturschutzprojekt Regentalaue weiterhin zu einem Vorzeigeprojekt für eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit zwischen behördlichem und ehrenamtlichem Naturschutz und der Landwirtschaft entwickelt, und zweitens, dass wir wieder lernen, nachhaltig und respektvoll mit der Schöpfung umzugehen, und dass uns allen bewusst wird, dass wir es hier mit einem einzigartigen Naturschatz zu tun haben, für den es sich lohnt, sich einzusetzen. Ich bin mir sicher, dass uns nachfolgende Generationen dafür dankbar sein werden.

Das Interview wurde 2012 geführt.