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Flüsse in Bayern: Blaugrüne Lebensadern

Bäche, Flüsse und Auen sind das Rückgrat der Biodiversität, gleichermaßen wichtig für Mensch und Natur. Sie sind aber auch Konfliktlinien, an denen widerstreitende Interessen aufeinandertreffen: Natur- und Artenschutz, Erholung, Schiffahrt, Hochwasserschutz, Energieerzeugung, Landwirtschaft, Wohn- und Gewerberaum – Kontroversen sind hier vorprogrammiert. Der BUND Naturschutz (BN) sorgt dafür, dass die bayerischen Bäche, Flüsse und Auen eine starke Stimme haben.

Rund 100.000 Kilometer ist das Netz der Bäche und Flüsse in Bayern lang. Wo der Fluss bei Hochwasser über seine Ufer tritt und das Grundwasser ansteigen lässt, wo Wasser und Land eins werden, dort ist die Aue. Sieben Prozent der Fläche Bayerns bedecken sie. Sie wurden vom Fluss geschaffen und immer wieder umgestaltet. Wo dies heute noch stattfinden kann, spricht man von „rezenter Aue“, die vom Fluss getrennten Auen sind die „Alt-Auen“.

Auen sind enorm reich an unterschiedlichsten Lebensräumen: trockene Sand- und Kiesinseln, feuchte Auwiesen, Auwälder, Tümpel, alte Flussarme und Altwasser. Rund zwei Drittel der Lebensgemeinschaften Mitteleuropas und etwa zwei Drittel der außeralpinen Biotoptypen Bayerns kommen hier vor – die Auen sind also ein Schatzkästchen der Natur. Fast alle Amphibienarten, ein Großteil der Mollusken (Schnecken und Muscheln), mehr als 70 Prozent aller Libellen- und 60 Prozent aller Brutvogelarten haben dort ihren primären Lebensraum. Für Fische sind die Auegewässer unersetzliche Kinderstuben.

Flüsse begradigt – Auen verschwunden

Wie sehr Fließgewässer auch die Menschen und ihr Naturerleben geprägt haben, zeigen die Sagen und Legenden, die sich um Quellen, Bäche und Flüsse ranken. Doch nach der Legendenzeit kam die Technik und mit ihr das Ende zahlloser Flusslebensräume. Viele Jahrzehnte lang wurde begradigt, betoniert und gestaut, was das Zeug hielt. Nur in wenigen Abschnitten können die bayerischen Flüsse heute noch frei und unverbaut fließen und die Auen sind größtenteils verschwunden. Erst ganz allmählich setzt nun ein Umdenken ein: Die Erkenntnis, dass wir auf Dauer nicht gegen die Natur arbeiten können, sondern nur mit ihr. Jahrhunderthochwasser und Artensterben haben den Denkprozess beschleunigt.

Heute haben wir die historische Chance, ein Zeitalter der Wiedergutmachung an Bayerns Fließgewässern und Auen einzuläuten. Nutzen wir sie!