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Grüne Bilanz für die Oberpfalz 2015

Tolle Erfolge, aber es bleibt noch viel zu tun

04.03.2016

Es gab Grund zur Freude im vergangenen Jahr, aber für die Naturschützer in der Oberpfalz bleibt noch viel zu tun. So konnte zum Beispiel der Osser im Landkreis Cham vor dem Bau eines Pumpspeicherwerkes gerettet werden. Andernorts geht auch 2016 das Engagement gegen Flächenfraß und den Ausbau der Wasserkraft weiter.
Der BUND Naturschutz (BN) ist im Regierungsbezirk so stark wie nie zuvor: 15 930 Mitglieder und Förderer unterstützen die Anliegen von Bayerns größtem Umweltschutzverband.  

Eine der besten Nachrichten für den Naturschutz in der Region kam 2015 aus Lam im Oberpfälzer Wald: Der Gipfel des Osser bleibt, wie er ist – unverbaut und wunderschön. Das „Aktionsbündnis gegen das Pumpspeicherwerk am Osser“, dem auch der BN angehörte, hatte seinen Hausberg entschlossen verteidigt. In einem Ratsbegehren sprachen sich überwältigende 85 Prozent der Lamer Bürgerinnen und Bürger gegen das gigantomanische Projekt aus. Das Bistum Regensburg als Eigentümer einiger der fraglichen Grundstücke kündigte daraufhin an, nicht zu verkaufen. Gute Nachrichten also für die Auerhähne, Luchse und viele andere seltene Tier- und Pflanzenarten, die hier ein Rückzugsgebiet gefunden haben, aber auch für die erholungssuchenden Bürger. „Die Ablehnung des Pumpspeicherwerks am Osser zeigt, dass die Bürger nicht bereit sind, ihre Heimat für nicht begründete Investorenprojekte zu opfern“, so BN-Vorsitzender Hubert Weiger.

Aus der gleichen Region kamen aber auch schlechte Nachrichten für den Luchs. Gerade der Bayerische und Oberpfälzer Wald haben sich zu einem regelrechten Bermudadreieck für die streng geschützten Tiere entwickelt. Immer wieder werden hier Luchse erschossen oder vergiftet. Ein besonders abstoßender Fall von Wilderei ereignete sich 2015 im Lamer Winkel. Vier abgetrennte Luchs-Vorderbeine wurden provozierend an einer Stelle abgelegt, an der sie sicher gefunden werden. Der BN startete daraufhin die Kampagne „Stoppt die Wilderer – Rettet den Luchs“. Der Verband wirkt damit auf die Verantwortlichen in der Politik ein, endlich eine Sonderermittlungseinheit zu schaffen, wie es sie zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen bereits gibt. Die örtliche Polizei ist nicht entsprechend ausgebildet und oft befangen. Dementsprechend liegt die Aufklärungsquote für Wildereidelikte in Bayern bei 0 Prozent! Der BN hat sich 2015 auch mit einem entsprechenden offenen Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer gewandt. Schon über 24 000 Luchsfreunde haben den Aufruf den BUND Naturschutz unterzeichnet.

Viel zu tun gab es 2015 im Einsatz gegen einen weiteren Ausbau der Wasserkraft in der Oberpfalz. Der Zugewinn in der Stromproduktion wäre marginal, der ökologische Schaden aber groß. So setzt sich der BN weiterhin dafür ein, dass das Stauwehr bei Pielmühle im Landkreis Regensburg und der Eixendorfer Stausee im Landkreis Schwandorf von der Errichtung eines weiteren Kraftwerks verschont bleiben. Im Fall des Eixendorfer Stausees hat der BN gemeinsam mit dem örtlichen Fischereiverein gegen die Baugenehmigung geklagt. Ein Urteil steht noch aus.

Der Flächenverbrauch bleibt auch im Regierungsbezirk Oberpfalz ein Dauerthema. Bayernweit verschwindet Tag für Tag die Fläche von 25 Fußballfeldern unter Beton und Teer – damit ist der der Freistaat trauriger Spitzenreiter in Deutschland. In Weiden kämpft die BN-Kreisgruppe seit Jahren gegen ein geplantes Gewerbegebiet am Stadtrand. 75 Hektar Wald sollen dafür gerodet werden – und das, obwohl es im Umfeld der Stadt bereits 200 Hektar erschlossene Gewerbeflächen gibt! In einem geplanten Gewerbegebiet bei Teublitz (Landkreis Schwandorf) konnte verhindert werden, dass der Edeka-Konzern dort große Mengen Tiefenwasser fördert. In Regensburg kämpft die Kreisgruppe gegen die Überbauung von Schlämmteichen der ehemaligen Zuckerfabrik, die sich zu einem wahren Vogelparadies entwickelt haben.

Gute Nachrichten für die Natur und den Artenreichtum gab es zum Beispiel im Landkreis Amberg-Sulzbach: Hier ist der Biber im Auwald der Vilsecker Mulde, einem Natura 2000-Gebiet, aktiv. „Biber sind unsere wichtigsten Verbündeten, um den fortschreitenden Verlust bedrohter Tier- und Pflanzenarten zu verhindern“, betont der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner. „Keine zweite Tierart schafft an Gewässern und in Auen anderen Pflanzen- und Tierarten so viel Lebensraum. Vom Biber angelegte Feuchtgebiete sind wesentlich artenreicher als jedes vom Menschen angelegte Biotop“, so Mergner weiter. „Und der Biber macht das alles gratis.“   Erfolgreich fortgeführt hat die Kreisgruppe Regensburg ihr Engagement für ein konfliktfreies Nebeneinander von Naherholung und Naturschutz auf der letzten noch unbesiedelten Donauinsel bei Mariaort. Sie konnte dort im vergangenen Jahr schon das dritte Grundstück erwerben und als Lebensraum für seltene Arten umgestalten.

Sehr erfreulich aus BN-Sicht: Die Oberpfalz ist stark vertreten im neuen Ökopakt Bayern. Ziel des Ökopakts ist es, durch einen neuen Förderansatz mehr Erzeugung von regionalen Biolebensmitteln zu ermöglichen. Im Ökopakt vertreten sind die Landkreise Neumarkt, Amberg-Sulzbach/Stadt Amberg sowie der Naturpark Steinwald im Landkreis Tirschenreuth. Der BUND Naturschutz begrüßt die spezielle Förderung von Ökoregionen durch das bayerische Landwirtschaftsministerium als wegweisenden Ansatz. Durch das Angebot und den Kauf regional erzeugter Biolebensmittel kann die Identifikation der Verbraucher mit ihrer Heimat gestärkt werden. „Der gesellschaftliche Nutzen der ökologischen Landwirtschaft für den Klima-, Boden-, Arten- und Trinkwasserschutz muss noch stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankert werden“, so Hubert Weiger.

Weitere Highlights des Jahres 2015 aus der Oberpfalz:

  • Sehr gefragt sind die vielen tollen Angebote im Bereich Umweltbildung (49 Termine für das Umweltmobil Regensburg, Wandertage für Schulklassen im Landkreis Tirschenreuth u.v.m)
  • Jubiläen: Gleich zwei Kreisgruppen konnten ihr 40-jähriges Bestehen feiern, die Kreisgruppen Schwandorf und Neustadt/Waldnaab
  • Mitgliederrekord: Die Kreisgruppe Regensburg ist erstmals über 6000 Mitglieder und Förderer stark!

Für Rückfragen:
Richard Mergner
Landesbeauftragter des BUND Naturschutz
Tel. 09 11 / 8 18 78-25
E-Mail: richard.mergner@bund-naturschutz.de