Nürnberger Reichswald – Grünes Wunder im Ballungsraum

Eines der größten Waldgebiete Bayerns liegt direkt im Speckgürtel von Nürnberg: der Reichswald. Seit langem widersetzt er sich dem Flächenhunger der Großstadt. Baulöwen und Verkehrsplaner beißen sich an ihm immer wieder die Zähne aus und erleben dabei – ein grünes Wunder.
Grüne Lunge im Ballungsraum
Der Reichswald ist ein 36.000 Hektar großes Waldgebiet im Ballungsraum Erlangen-Nürnberg-Fürth. Er ist der älteste Kunstforst der Welt, das heißt, er ist aus Pflanzung hervorgegangen. Noch heute wachsen dort überwiegend standortsferne Kiefern. Der Reichswald hat große Bedeutung als Klimaregulator, Garant für saubere Luft und Trinkwasser, Erholungsgebiet für mehr als eine Million Menschen und Heimat für seltene Tiere und Pflanzen.
Bedroht durch die Bauwut
Der zunehmende Flächenhunger kostete den Reichswald allein zwischen 1950 und 1980 etwa 3.000 Hektar. 1972 veröffentlichte der BN einen Rettungsplan für den Reichswald, 1979 wurde dieser als Bannwald geschützt. Seither muss jede Rodung durch eine Ersatzpflanzung ausgeglichen werden. Trotzdem werden immer wieder Bauvorhaben durchgesetzt. So wurden zwischen 2005 und 2011 rund 22 Hektar Reichswald gerodet.
Umbau zum naturnahen Wald läuft
Das Werben für eine naturnahe Waldwirtschaft hatte Erfolg. Die Forstverwaltungen hat im Reichswald den Kahlschlag abgeschafft und baut den reinen Kiefernwald in einen ökologisch stabileren Mischwald um. In den feuchten Talbereichen entwickeln sich Erlenwälder, auf mäßig trockenen Standorten wachsen Buchen- und Eichenmischwälder, und in trockenen Sanddünenlandschaften prägt der Flechtenkiefernwald das Bild.
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- document.getElementById('c241718').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">4 Zurück zur Vielfalt
- document.getElementById('c241719').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">5 Streifzug durch die Biotope
Reichswald: Geliebt und bedroht
Trotz vieler Einbußen ist der Reichswald nach wie vor ein großes und wichtiges Waldgebiet. Wie ein grüner Halbkreis umschließt er im Osten den Ballungsraum Erlangen-Nürnberg-Fürth. Der rund 36.000 Hektar große Wald ist der älteste Kulturwald der Welt und hat heute große Bedeutung als grüne Lunge, Naherholungsgebiet, Klimaregulator, europäisches Vogelschutzgebiet und Biotop für seltene Tiere und Pflanzen. Dass es ihn heute noch gibt, grenzt an ein Wunder, denn bereits im Mittelalter machten ihm Übernutzung und Ausplünderung zu schaffen. Mit Nadelhölzern monokulturell wieder aufgeforstet, setzten ihm in den folgenden Jahrhunderten Schädlinge und schließlich der wachsende Flächenhunger des Ballungsraums zu. Allein zwischen 1950 und 1980 gingen 3.000 Hektar Reichswald verloren.
Heute ist der Reichswald als Bannwald geschützt. Die Wende kam 1979: Der BUND Naturschutz und viele Mitstreiter*innen erreichten, dass große Teile des Reichswalds unter Schutz gestellt wurden. Seither muss jede Rodung durch eine Ersatzpflanzung ausgeglichen werden. Gleichzeitig bauen die Forstbehörden die ausgedehnten Kiefern-Monokulturen in einen ökologisch stabileren Mischwald um.
Doch nach wie vor muss für den Erhalt des Reichswalds gekämpft werden. Zwar beweist der Reichswald: Wald und Großstadt können miteinander. Ein Selbstläufer ist das grüne Wunder aber immer noch nicht. Jahr für Jahr muss der Reichswald aufs Neue gegen zahlreiche Bauvorhaben verteidigt werden. Menschen, die sich in diesem Ringen und für den ökologischen Waldumbau besonders verdient gemacht haben, ehrt der Verband mit der Reichswaldmedaille.
Geschichte des Reichswalds

Der Reichswald diente Nürnberg im Mittelalter als riesiges Rohstoffreservoir – und war schon im 14. Jahrhundert übernutzt. Ohne den Reichswald wäre Nürnberg im Mittelalter der Aufstieg zu einer florierenden Metropole nicht gelungen: Mit seinem Holz wurden Häuser gebaut und Herdstellen befeuert, das Vieh weidete zwischen den Bäumen, Nadeln und Laub dienten als Einstreu für die Ställe. Doch unerschöpflich war die Rohstoffquelle eben nicht und so waren schließlich weite Flächen gerodet, die Böden ausgelaugt, der Mischwald aus Buchen, Eichen, Birken und Kiefern hatte keine Chance auf natürliche Verjüngung.
14. Jhdt.
Der Reichswald ist stark übernutzt. Ab 1386 lässt der Patrizier Peter Stromer Kiefern säen und legt damit den Grundstein für die heute vorherrschende Monokultur.
19. und 20. Jhdt.
Schädlinge setzen den Monokulturen stark zu und große Waldflächen fallen dem wachsenden Ballungsraum zum Opfer.
1979
Der Reichswald wird als erster Bannwald Bayerns ausgewiesen.
Der Nürnberger Patrizier und Montanunternehmer Peter Stromer ließ ab 1368 Kiefern aussähen und rettete so den Reichswald. Das geschah übrigens aus purem Eigennutz: Er brauchte Holz für sein Gewerbe und wollte nicht tatenlos zusehen, wie sein Lieferant immer weiter schrumpfte. Nach zahlreichen Versuchen zur Saatgutgewinnung und Aufforstung erfand Stromer mit dem Sähen der Kiefer die moderne Forstwirtschaft und legte gleichzeitig den Grundstein für die Monokulturen, die bis heute das Bild des Reichswalds prägen.

Dokumentarfilm "Der Nürnberger Reichswald" von Dieter Wieland
Sehen Sie die Geschichte von Lorenzer und Sebalder ReichswaldNach anfänglicher Erholung setzten Schädlinge und der zunehmende Flächenhunger dem Reichswald ab dem 19. Jahrhundert zu: 1894 fiel rund ein Drittel aller Bäume den Raupen des Kiefernspanners zum Opfer. Gleichzeitig mussten im 19. und 20. Jahrhundert weite Waldflächen dem wachsenden Ballungsraum weichen. Zu Beginn der 1970er-Jahre wurden jährlich etwa 300 Hektar – das entspricht 420 Fußballfeldern – für Straßen, Gewerbegebiete und Wohnhäuser gerodet.
Rettung mit Programm
In dieser Zeit wuchs aber auch der Widerstand und der BN entwickelte einen Waldrettungsplan und feierte das erste Reichswaldfest: Viele Nürnberger*innen und vor allem die Waldschützer*innen des BUND Naturschutz wollten ihren Reichswald nicht aufgeben: Einer von ihnen war der frisch examinierte Forstwirt Hubert Weiger. Kaum dem Zivildienst beim BN entwachsen, setzte er sich für das Reichswald-Programm ein. Kernforderungen des 1972 vom BUND Naturschutz veröffentlichten Waldrettungsplans waren strengster Schutz und eine naturnahe Waldwirtschaft. Im Jahr darauf lud der BN mit anderen Initiativen zum ersten Reichswaldfest am Schmausenbuck. Mit der Feier wollte man damals wie heute auf das Schicksal des Reichswalds aufmerksam machen, gegen Abholzungen protestieren und Naturschutzerfolge feiern.
1979 wurde der Reichswald als erster Bannwald Bayerns ausgewiesen. So martialisch das Wort klingt, so begrenzt ist übrigens der Schutzstatus. Im Vordergrund stehen nicht Arten- und Biotopschutz, sondern die ökologische Ausgleichsfunktion im Ballungsraum. Wer Bannwald rodet, muss flächengleich an anderer Stelle aufforsten. Dennoch ging seither der Aderlass im Reichswald zurück und Tausende von Hektar konnten gerettet werden. Darüber hinaus hatte das Werben für eine naturnahe Waldwirtschaft Erfolg. Die Forstverwaltungen schafften im Reichswald den Kahlschlag ab, säten Laubhölzer und begannen so den Umbau in einen standortgerechten und ökologisch stabileren Mischwald.
Neue Bedrohungen
Auch heute noch muss der Reichswald Jahr für Jahr gegen zahleiche Bauvorhaben verteidigt werden. Verhindert werden konnte beispielsweise ein Autobahnkreuz am Tiergarten, ebenso wie das Großkraftwerk Franken III bei Erlangen oder die Ostspange zum Flughafen Nürnberg.
Doch es gab auch Niederlagen: Zwischen 2005 und 2011 wurden zahlreiche Bauprojekte durchgesetzt und rund 22 Hektar Bannwald gerodet – viele weitere Vorhaben sind in Planung. Für die Waldschützer*innen heißt es daher wachsam bleiben: Wo droht das nächste Bauprojekt? Lässt es sich abwenden oder lassen sich die Folgen mildern? Ein Großteil der Bevölkerung steht dabei auf Seiten des Naturschutzes. Das belegen Umfragen in Lokalzeitungen und die häufigen Unterschriftenaktionen.
Areal von unschätzbarem Wert

Weite Teile des Reichswaldes sind heute verschieden streng geschützt: Die Pegnitz teilt den Reichswald in den südlichen Lorenzer Reichswald und den nördlichen Sebalder Reichswald. Das Gebiet, das sich im Süden bis zum Rothsee erstreckt, wird Südlicher Reichswald genannt. Alle drei Teile sind heute nahezu komplett als Bannwald geschützt und als Vogelschutzgebiet im Rahmen von Natura 2000 gemeldet, Teilflächen sind als Landschaftsschutzgebiet und Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Für den Ballungsraum Nürnberg-Erlangen-Fürth ist das riesige Areal von unschätzbarer Bedeutung: Es ist Klimaregulator, Garant für saubere Luft und Trinkwasser, Erholungsgebiet für mehr als eine Million Menschen und Heimat seltener Tier- und Pflanzenarten. Hier stößt man noch auf Haselhuhn, Hohltaube, Sperlingskauz, Schwarzspecht und viele andere seltene Arten. 2011 wurde außerdem das verschwunden geglaubte Auerhuhn im Reichswald nachgewiesen, eine Art, die bundesweit auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten steht.
Zurück zur Vielfalt
Momentan dominiert im Reichswald noch die Kiefer, doch der Umbau zum stabileren Mischwald läuft bereits: Rund zwei Drittel des gesamten Baumbestandes nimmt heute die Kiefer ein. Ihren kahlen Stämmen verdankt der Reichswald seinen Spitznamen „Steckerlaswald“. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wird sich das Gesicht des Reichswalds allerdings ändern. Seit Ende der 1970er-Jahre und seit der Ausweisung des Reichswalds als Bannwald versucht man den Nadelwald Stück für Stück in einen standortgerechten, ökologisch stabileren Mischwald umzubauen. In sumpfigen Tälern entstehen Erlenwälder, auf mäßig trockenen Böden Buchen- und Eichenmischwälder und in den trockenen Sanddünengebieten bleibt der Flechtenkiefernwald erhalten.
Wer genau hinschaut, der entdeckt im Reichswald aber auch schon heute ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume: Hier findet man Binnendünen, Sandmagerrasen und Heiden sowie ein Netz aus Bächen und Kleingewässern. Neben den vorherrschenden sandig-trockenen Standorten stößt man auf lehmig-frische Biotope oder sumpfige Auen. Außer den Kieferwäldern gedeihen Hainsimsen-Eichen- und Buchenwälder oder Sumpfwälder mit Erle und Esche.
Streifzug durch die Biotope
An vielen Ecken haben sich einmalige Biotope entwickelt: Der Irrhain bei Kraftshof am Westrand des Sebalder Reichswalds wurde im 17. Jahrhundert als Park angelegt. Seine zum Teil mehr als 300 Jahre alten Eichen sind Lebensraum für seltene Tierarten, wie verschiedene Spechte oder den auch Eremit genannten Juchtenkäfer, der auf der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft wird. Daneben findet man auch richtige Moore im Reichswald: Bei Heroldsberg windet sich die Simmelbsberger Gründlach als eine der Lebensadern durch den Wald. In ihren sumpfigen Auen gedeihen Sonnentau und Wasserschlauch, zwei vom Aussterben bedrohte fleischfressende Pflanzen. Auch Ringelnatter, Erdkröte, Bitterling und Wollgras fühlen sich dort wohl.
Auch Sandlebensräume gibt es im Reichswald: Im Erlenstegener Forst nordöstlich von Nürnberg gibt es eine Sanddüne in einer Waldlichtung nördlich des Tierheims. Sie ist eine Hinterlassenschaft der letzten Eiszeit. Hier leben wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten wie Zauneidechse, Sand-Laufkäfer oder das seltene Silbergras. Die Keulenschrecke, ein kleiner Grashüpfer, veranstaltet hier gelegentlich ein Zirpkonzert – auch sie steht auf der Roten Liste.














