Ja zum Nationalpark Steigerwald

Mitteleuropa wäre von Natur aus Buchenwald-Land. Von der einstigen Pracht alter, mächtiger Buchenwälder sind aber nur wenige Reste erhalten. Einer dieser Naturschätze liegt im Herzen Frankens, im Steigerwald. Hier bietet sich die einmalige Chance, die letzten alten Buchenmischwälder Bayerns als Nationalpark zu schützen.
Bayern war ein Buchenland
Buchenwälder würden natürlicherweise 80 Prozent der Landfläche Bayerns bedecken. Heute sind es weniger als sieben Prozent. Unsere einheimischen Buchenwälder zählen inzwischen zu den weltweit am stärksten bedrohten Waldökosystemen. In Deutschland befindet sich ein Viertel der weltweiten Buchenwaldfläche. Daher hat das Flächenland Bayern eine weltweite Verantwortung dafür, dieses Ökosystem zu erhalten. Vor allem alte Buchenwälder sind wertvoll. So beheimaten Buchenmischwälder ab 200 Jahren etwa 11.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten.
Schutz für alte Buchenwälder nötig
Buchen werden im Wirtschaftswald mit 100 bis 140 Jahren gefällt, ihr natürliches Alter von 350 Jahren und mehr erreichen die wenigsten. Buchen über 140 Jahre wachsen nur noch auf 1,1 Prozent der Waldfläche Bayerns. Uralte Buchen, wie es sie im Steigerwald noch gibt, sind deswegen besonders wertvoll. 11.000 Hektar Laubwälder könnten sich dort innerhalb kurzer Zeit in alten Naturwald entwickeln. Nur ein Nationalpark schützt diesen wertvollen Wald ausreichend, denn 90 Prozent der alten Buchen im ehemaligen Waldschutzgebiet Hoher Buchener Wald im Steigerwald droht die Fällung.
Steigerwald eignet sich als Nationalpark
Die Laubwälder des nördlichen Steigerwalds sind auf über 11.000 Hektar mehrheitlich in einem ökologisch hochwertigen Zustand. Dort könnte sich in relativ kurzer Zeit wieder ein wunderschöner, alter Naturwald entwickeln. Das sind ideale Voraussetzungen für einen Nationalpark, in dem natürliche Prozesse erhalten und erforscht werden – auch Anpassungsprozesse an den Klimawandel. Außerdem fördert ein Nationalpark den Tourismus und sorgt für wirtschaftliche Impulse in der Region.
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- document.getElementById('c239852').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">2 Bayern trägt Verantwortung für Rotbuchenwälder
- document.getElementById('c239853').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">3 Alte Buchenwälder sind wichtiger Lebensraum
- document.getElementById('c241451').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">4 Ungenutzte Wälder: Mehr Schutz von Ökosystemleistungen und Klima
- document.getElementById('c239854').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">5 Nationalparks: Fördern Tourismus, stärken die Wirtschaft
- document.getElementById('c239855').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">6 Naturschutzskandal im Hohen Buchenen Wald
- document.getElementById('c239857').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">7 Das Nationalparkbündnis
Beste Voraussetzungen für einen Nationalpark
Der Steigerwald ist einer der letzten großflächigen Buchenmischwälder Deutschlands: 2007 gelangte er bei der Suche nach Wäldern für das deutsche Unesco-Weltnaturerbe Buchenwälder auf den ersten Platz in Bayern, bundesweit auf Platz fünf. Die Unesco setzt ein nutzungsfreies Schutzgebiet voraus, damit das Ökosystem sich ungestört regenerieren und frei entfalten kann. Die Auszeichnung als Nationalpark ist also eine Bedingung und so begann die Nationalpark-Diskussion. 2011 wurden fünf deutsche Buchenwaldgebiete zum Weltnaturerbe gewählt, drei davon waren schlechter bewertet als der Steigerwald.
Die Laubwälder des nördlichen Steigerwalds sind auf über 11.000 Hektar überwiegend in einem ökologisch hochwertigen Zustand. Dies bestätigen zahlreiche fachliche Gutachten. Das heißt nicht, dass diese Wälder ökologisch bereits auf einer Stufe mit Buchenurwäldern stehen. Es bedeutet aber, dass sie sich in relativ kurzer Zeit wieder in einen wunderschönen alten Naturwald entwickeln können. Außerdem sind sie ausschließlich im Staatsbesitz und weitgehend unzerschnitten. Beste Voraussetzungen also für einen Nationalpark, der zum Zweck hat, natürliche Prozesse zu erhalten – auch Anpassungsprozesse an den Klimawandel.
Der BN unterstützt die regionalen Initiativen für einen Nationalpark Steigerwald. Der Nationalpark ist eine großartige Chance für den Naturschutz in Deutschland und ein wichtiges Signal Bayerns zur Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie: Zwei Prozent der Landfläche sollen sich wieder nutzungsfrei entfalten können – bisher liegt Bayern bei den Wildnisgebieten mit 0,52 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt. Auch zur Erfüllung internationaler Verpflichtungen ist der Nationalpark wichtig: Die UN-Generalversammlung hat die Jahre 2021 bis 2030 als „Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen“ ausgerufen.
Bayern trägt Verantwortung für Rotbuchenwälder
Rotbuchenwälder gibt es nur in Europa. Ursprünglich waren etwa drei Viertel der Landfläche mit Buchenwald bedeckt, heute sind es unter fünf Prozent. Unsere einheimischen Buchenwälder zählen inzwischen zu den weltweit am stärksten bedrohten Waldökosystemen überhaupt. In Deutschland befindet sich ein Viertel der weltweiten Buchenwaldfläche. Daher hat das Flächenland Bayern eine weltweite Verantwortung dafür, dieses Ökosystem zu erhalten.
Alte Buchenwälder besonders selten
Vom ursprünglichen Anteil der Buchen in Bayerns Wäldern ist heute kaum mehr etwas übrig. Die Buche wächst nur noch auf weniger als sieben Prozent der Landesfläche; Buchen mit einem Alter von über 140 Jahren sogar nur noch auf 1,1 Prozent. Dabei werden Buchen natürlicherweise 350 Jahre und älter. Uralte Buchen, wie es sie im Steigerwald noch gibt, sind heute extrem selten
Stärker bedroht als der Regenwald
Von der ursprünglichen Fläche unserer heimischen Rotbuchenwälder ist prozentual weniger übrig geblieben als vom tropischen Regenwald.
In Deutschland haben wir zwar keinen Urwald mehr, aber seit Jahrzehnten nicht mehr bewirtschaftete Naturwaldreservate. Einige davon liegen im Steigerwald. Deswegen eignet sich der Steigerwald besonders gut, um hier in einem Nationalpark die "Wildnis von morgen" entstehen zu lassen.
Nur mit einem Nationalpark lassen sich die unersetzlichen Wälder des Steigerwalds dauerhaft schützen. Ein Nationalpark wäre deshalb von größter Bedeutung dafür, dass Bayern seiner weltweiten Verantwortung für den Erhalt der Rotbuchenwälder nachkommen kann. Zudem fördert ein Nationalpark den Tourismus und gibt wirtschaftliche Impulse für die Region.
Alte Buchenwälder sind wichtiger Lebensraum
Buchenmischwälder sind wichtiger Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Pilze: Etwa 11.000 Arten sind dort nachgewiesen. Jede dritte davon ist auf Buchenwälder mit alten Bäumen und viel Totholz angewiesen. Es sind Tiere, Pflanzen und Pilze, die unser Land schon zu Urzeiten besiedelten. Im Steigerwald finden diese Ur-Bayern bis heute einen Lebensraum, vor allem dort, wo sich der Wald auf kleiner Fläche bereits natürlich entwickeln darf.
Der Begriff "Naturpark" klingt zwar gut, bietet aber tatsächlich so gut wie keinen Schutz. Auch im Steigerwald wurden alte Buchen abgeholzt und vor ein paar Jahren sogar bis nach China verkauft. Nur wenn der Steigerwald Nationalpark wird, bleiben die großen alten Buchen für die Nachwelt erhalten.
| Kategorie | Schutzstatus | Größe |
|---|---|---|
| Nationalpark | Hoch | Ca. 10.000–50.000 Hektar |
| Naturschutzgebiet | Hoch | Ca. 50–150 Hektar |
| Biosphärenreservat | Mittel | Ca. 50.000–150.000 Hektar |
| Naturdenkmal | Mittel | Punktuell, z. B. einzelner Baum |
| Naturpark | Niedrig | Größer als 100.000 Hektar |
| Geschützter Landschaftsbestandteil | Niedrig | Punktuell, z. B. einzelner Baum |
Nein, der Nationalpark ist kostenfrei zugänglich.
Nein, der Nationalpark hat praktisch "rund um die Uhr" geöffnet. Man darf sich jederzeit im Nationalpark aufhalten.
Ja! Im Nationalpark darf man für den Eigengebrauch Pilze sammeln.
Ungenutzte Wälder: Mehr Schutz von Ökosystemleistungen und Klima
Gemeinwohlaufgaben haben im Staatswald Vorrang vor der Holznutzung. Dazu gehören die „Ökosystemleistungen“, wie sauberes Trinkwasser, Wasser- und Kohlenstoffspeicherung, Luftreinhaltung, Sauerstoffproduktion, Humusbildung und Lebensraumfunktion. Nutzungsfreie Wälder erbringen diese Leistungen besser als Forste, die aufgrund der Holznutzung stark verändert und durch Maschinenwege zerschnitten sind.
Aktuelle Studien zeigen, dass aus der Nutzung genommene Buchenwälder in den ersten 50 Jahren große Mengen Kohlenstoff speichern – genau das, was wir im Kampf gegen die Klimakrise sofort brauchen! Alte artenreiche Wälder sind außerdem im Klimawandel resilienter, anpassungs- und widerstandsfähiger als junge Forste. Sie kühlen ihre gesamte Umgebung bis in die Städte hinein: Ihr Kronendach wird nicht durch Baumfällungen aufgerissen, sondern bleibt geschlossen und sorgt für ein feucht-kühles Waldinnenklima. Sie speichern große Wassermengen, da sie nicht durch ein dichtes Netz von Maschinenwegen für die Holzernte durchzogen sind, das im bayerischen Staatsforst 15 bis 20 Prozent der Fläche ausmacht. Dort ist der Boden verdichtet und dadurch der Wasserspeicher geschädigt. Bei Starkregen wird Wasser über dieses Netz schnell aus dem Wald geleitet, was im Tal zu Überschwemmungen führen kann.
Nationalparks: Fördern Tourismus, stärken die Wirtschaft
Nationalparke bringen starke wirtschaftliche Impulse für eine Region. Das hat eine Studie der Universität Würzburg belegt. Sie locken mit ihrer wilden Natur Gäste aus Nah und Fern an. Das zeigt beispielsweise der Nationalpark Bayerischer Wald. Dort spülen 760.000 Besucher*innen jährlich 27 Millionen Euro in die Kassen. Das ist mehr als doppelt so viel, wie der Staat in den Nationalpark investiert. Umgerechnet finanzieren die Touristen im Nationalpark Bayerischer Wald fast 1.000 Arbeitsplätze.
Ein Nationalpark ist eine Investition in die Zukunft: Steigende Spritpreise und der Klimawandel sorgen dafür, dass Urlaub in der näheren Umgebung wieder attraktiv ist. Als Nationalpark kann sich der Steigerwald als besonders attraktive bayerische Urlaubsregion einen Namen machen. Dabei könnte er besonders von seiner Nähe zu den Weltkulturerbe-Städten Würzburg und Bamberg profitieren.
760.000
Besucher*innen pro Jahr
Nationalpark Bayerischer Wald
27.000.000
Euro Einnahmen jährlich
Nationalpark Bayerischer Wald
Ein Nationalpark schafft Arbeitsplätze im Tourismus und in vielen weiteren Branchen. Ob Gastronomie, Ferienwohnungen, Brauereien, Einzelhandel, Dienstleister*innen oder Handwerk – viele verschiedene Berufsgruppen profitieren vom zunehmenden sanften Tourismus in Nationalparkregionen. Erfahrungen aus anderen deutschen und europäischen Nationalparken bestätigen den Nationalpark als "Jobmotor", vor allem für strukturschwache Regionen.
Auch im Nationalpark werden die Bestände an Rehen und Wildschweinen reguliert, um junge Bäume vor Verbiss zu schützen und Schäden in angrenzenden Feldern einzuschränken. An der Bejagung können auch private Jäger verstärkt beteiligt werden.
Nationalparke führen nicht zu einer massiven Verknappung des Brennholzangebotes. In Nationalparkgebieten werden heutzutage Konzepte zur Versorgung regionaler Brennholzkund*innen und holzverarbeitender Betriebe gemacht. Dies hat die Bayerische Staatsregierung auch 2016 bei der Diskussion um den Dritten bayerischen Nationalpark in Aussicht gestellt. Nationalparkemachen außerdem meist nur geringe Anteile an der regionalen Waldfläche aus. So besteht der Steigerwald aus 51.200 Hektar Waldfläche, davon sollen nur 11.000 Hektar Nationalpark werden. Von diesen 11.000 Hektar werden zunächst nur 5.000 Hektar aus der Holznutzung genommen, nach einer Übergangszeit von 30 Jahren werden es dann 7.500 sein.
Nein! In Buchenwäldern spielen Borkenkäfer eine untergeordnete Rolle. Es gibt weltweit keinen einzigen Fall, bei dem Buchenwälder flächig von einem Borkenkäfer zum Absterben gebracht wurden. Die deutlich anfälligere Fichte spielt in den Staatswäldern des Steigerwalds eine völlig untergeordnete Rolle. Aktuell beträgt ihr Anteil etwa fünf Prozent und sie dürfte laut Auskunft des Forstbetriebes Ebrach in wenigen Jahren verschwunden sein – auch ohne Nationalpark.
Anders war das in den Fichtenwäldern des Nationalparks Bayerischer Wald. Dort hat sich der Fichtenborkenkäfer als natürlicher Gegenspieler der Fichte ausgebreitet. Allerdings waren die empfindlichen Fichten bereits geschwächt durch Klimaerwärmung, Trockenheit und sauren Regen. Dadurch wurden sie sehr anfällig für den Fichtenborkenkäfer. Das Leitbild "Natur Natur sein lassen" wird zwar auch im Nationalpark Steigerwald gelten, trotzdem stellen Schädlinge aus zwei Gründen hier keine Gefahr dar: Zum einen gibt es weltweit keinen einzigen Fall, bei dem Buchenwälder flächig von einem Borkenkäfer zum Absterben gebracht wurden. Zum anderen spielt die Fichte in den Staatswäldern des Steigerwalds eine völlig untergeordnete Rolle. Aktuell beträgt ihr Anteil etwa fünf Prozent und sie dürfte laut Auskunft des Forstbetriebes Ebrach in wenigen Jahren verschwunden sein – auch ohne Nationalpark.
Nein! Der diskutierte Nationalpark betrifft nur Waldflächen. Auf die Landwirtschaft kommen durch den Nationalpark keine weiteren Einschränkungen zu. Die an den Nationalpark angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Flächen stehen schon heute überwiegend als Schutzzone des Naturparks Steigerwald unter Landschaftsschutz und sind zudem als Flora-Fauna-Habitate und Vogelschutzgebiete nach EU-Recht geschützt. Zwei im Wald liegende größere Wiesentäler sind seit längerem als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Für alle anderen forstwirtschaftlich und landwirtschaftlich genutzten Flächen außerhalb des Nationalparks wird es deshalb keine weiteren Einschränkungen geben.
Die Region profitiert von Fördermitteln und Naturtourismus: Die wichtigen Aufgaben eines Nationalparks – der Schutz und die Erforschung natürlicher Prozesse und damit unserer Lebensgrundlagen – zahlt sich für die Region auch finanziell aus, in Form von Fördermitteln aus EU-Strukturfonds und EU-Förderprogrammen, aus Bundesprogrammen (Bundesprogramm "chance.natur – Bundesförderung Naturschutz") (Naturschutzgroßprojekte) und aus Landesmitteln. Von den Fördermitteln und den Geldern aus dem Naturtourismus profitieren auch die Infrastruktureinrichtungen in der Region (z. B. verbesserter öffentlicher Nahverkehr, Bau von Informationseinrichtungen, Ausbau der Wander-, Rad-, Reit-, Kutschenwege).
Naturschutzskandal im Hohen Buchenen Wald

Im Kerngebiet der Fläche, die der BUND Naturschutz als künftigen Nationalpark vorschlägt, dem Hohen Buchenen Wald, gibt es mehr als 7.600 dicke alte Bäume. Das hat der BUND Naturschutz zusammen mit dem WWF in einem dreijährigen Kartierungsprojekt zwischen 2014 und 2017 herausgefunden. In den untersuchten Waldbereichen sind im Durchschnitt etwa zehn, in einigen Bereichen bis zu 45 Starkbäume pro Hektar zu finden – deutlich mehr als in vielen anderen Staatswäldern. Das unterstreicht die bayernweite Sonderstellung des Gebietes und dessen hervorragende Eignung als Kernzelle für einen Buchenwald-Nationalpark.
Mehrere Tausend dicker, alter Bäume im Hohen Buchenen Wald laufen Gefahr, für die Holznutzung gefällt zu werden. Grund dafür ist einer der größten Naturschutzskandale der letzten Jahre: Der Hohe Buchene Wald war als Nordbayerns größtes Waldschutzgebiet ausgewiesen. Im Jahr 2015 hob die Regierung den Status als „Geschützter Landschaftsbestandteil“ in einem skandalösen Vorgang einfach auf, um das Holz der Bäume dort nutzen zu können.
Im Hohen Buchenen Wald werden weiterhin Bäume gefällt: Der BUND Naturschutz hatte zwar gegen das Vorgehen der Regierung geklagt und war damit bis vors Bundesverwaltungsgericht gegangen. Doch obwohl die Gerichte feststellten, dass die betroffenen Wälder schutzwürdig sind, kam das Bundesverwaltungsgericht zu dem Schluss, dass ein „Geschützter Landschaftsbestandteil“ nicht das richtige Instrument sei. Der BUND Naturschutz appelliert deshalb seitdem an die Bayerische Staatsregierung, die Bäume im Hohen Buchenen Wald wirksamer zu schützen – bisher ohne Erfolg. Nach einem zeitweisen Einschlagstopp fällen die Bayerischen Staatsforsten seit Winter 2025 wieder Buchen im Hohen Buchenen Wald. Dies widerspricht dem Bayerischen Naturschutzgesetz, wonach es im Staatswald das vorrangige Ziel ist, die biologische Vielfalt des Waldes zu erhalten oder zu verbessern.
7600
alte, dicke Bäume
Hoher Buchener Wald
90 Prozent
droht die Fällung
Hoher Buchener Wald
Ohne entsprechenden Schutz drohen über 90 Prozent der Starkbäume im Hohen Buchenen Wald die Fällung. Der BN kritisiert, dass die Staatsregierung den Staatswäldern bei Ebrach bis heute einen konsequenten Schutz verweigert und sogar ein bestehendes Schutzgebiet wieder hat auflösen lassen.
Der BN appelliert an Ministerpräsident Söder, die dicken, alten Bäume im Steigerwald zu schützen. Die bayernweit herausragende Häufung großer, alter Buchen im Kerngebiet des diskutierten Nationalparks Steigerwald unterstreicht die sehr gute Eignung der dortigen Staatswälder für einen Nationalpark, für den sich der BN weiterhin engagieren wird.
Nein! Das gesamte Gebiet des geforderten Nationalparks befindet sich in Besitz der Bayerischen Staatsforsten. Kein einziger privater Waldbesitzer wäre vom Nationalpark betroffen.
Ja und nein. Es wird weiterhin Waldpflege im Steigerwald geben, aber eben auch Waldgebiete, die sich natürlich entwickeln dürfen. Die Steigerwäldler bewirtschaften und pflegen ihren Wald vorbildlich. Das ist in einem Wirtschaftswald auch sehr wichtig. Momentan gibt es in ganz Deutschland aber nur etwa 0,5 Prozent Waldfläche, die "verwildern" darf. Dort greift man mit Absicht nicht in den Lauf der Natur ein: Umgestürzte Bäume bleiben liegen, Bäume altern, bis sie in einem ganz langsamen Prozess absterben und damit Lebensraum bieten für seltene Tiere und Pflanzen.
Vom ganzen Steigerwald sollen sich nur etwa 20 Prozent Waldfläche im Nationalpark – ausschließlich Staatswälder – natürlich entwickeln dürfen. Damit könnten wir für unsere Kinder den Urwald von morgen schaffen. Der Rest des Steigerwalds und damit alle privaten und gemeindlichen Wälder bleiben Wirtschaftswald und werden wie gewohnt gepflegt und aufgeräumt.
Es ist ganz normal, dass ein großes Projekt wie ein Nationalpark Bedenken bei den betroffenen Menschen hervorruft. Schon der weltberühmte Tierfilmer Bernhard Grzimek befürchtete, dass es leichter sei, in Afrika einen Nationalpark zu verwirklichen als im reichen Deutschland. Und er sollte recht behalten: Grzimek engagierte sich bei der Realisierung des ersten deutschen Nationalparks: Der Nationalpark Bayerischer Wald wurde 1969 gegründet und stieß bei seiner Erweiterung 1997 auf heftigen Widerstand, weil abgestorbene Fichten in den Hochlagen bei den Einwohner*innen Ängste um den Fortbestand des Waldes hervorriefen. Inzwischen ist für alle deutlich erkennbar, dass sich der Wald von selbst erneuert.
Auch im Steigerwald haben sich Gegner*innen formiert, die massiv gegen die Befürworter*innen des Nationalparks vorgehen. Dabei nehmen die Befürworter*innen die Sorgen und Befürchtungen der Bevölkerung sehr ernst. Deshalb sind umfassende Aufklärung und Gespräche vor Ort ein unerlässlicher Schritt auf dem Weg zum Nationalpark.
Oft sind die Diskussionen vor Ort aber geprägt von zahlreichen Falschaussagen über den Nationalpark: Die Gegner*innen behaupten, es komme zu Enteignung, Betretungsverbot oder flächigem Absterben der Wälder. Damit schüren sie massive Ängste bei der Bevölkerung. Darüber hinaus wird großer Druck auf die Nationalparkbefürworter*innen ausgeübt. Dies führt dazu, dass sich in vielen Orten kaum jemand traut, sich offen für den Nationalpark einzusetzen oder eine sachliche Diskussion darüber zu fordern.
Der Erhalt der Regenwälder ist für die Menschheit von überlebenswichtiger Bedeutung, aber genauso brauchen wir unsere grüne Lunge hier in Bayern. Die alten Buchenwälder des Steigerwaldes speichern weit mehr CO2 als junge Wirtschaftswälder. Gerade in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland müssen wir eine grüne Oase wie den Steigerwald für die Nachwelt erhalten. Wenn die 400 Jahre alten Buchen erst einmal abgeholzt sind, können sie für uns kein CO2 mehr binden.
Wir müssen uns also folgende Fragen stellen:
- Können wir es uns im reichen Deutschland wirklich nicht leisten, unsere alten Bäume stehen zu lassen?
- Mit welcher moralischen Glaubwürdigkeit können wir von armen Ländern wie Brasilien verlangen, Urwaldriesen nicht zu fällen, wenn wir hier im reichen Deutschland nicht einmal in der Lage sind, unsere alten Buchen zu retten?
Das Nationalparkbündnis

„Nationalpark Steigerwald – Bayerns Krone der Buchenwälder“: Das ist das Motto, unter dem sieben Naturschutzverbände eine Initiative für den dritten Nationalpark in Bayern gestartet haben.
Gedruckte Exemplare des Wanderführers und der BN-Broschüre können Sie im BN-Onlineshop bestellen. Darüber hinaus gibt es dort einen Sonderdruck der Zeitschrift Natur: Gute Aussichten für den Steigerwald





