Pilze im Wald – wichtig für die Waldökologie
Wälder sind komplexe Lebensräume, die natürlich nicht nur aus Bäumen bestehen. Vielfältige Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Organismen prägen das Ökosystem Wald. Auch Pilze spielen hier eine wichtige Rolle. Zum einen führen Bäume und Pilze oft eine besonders innige Partnerschaft und zum anderen sind Pilze als Teil des Nährstoffkreislaufs unverzichtbar für die Stabilität und Gesundheit des Waldökosystems.
Pilze sind alt und artenreich
Pilze zählen zu den ältesten Lebewesen der Erde. Und sie sind sehr vielfältig: Allein in Bayern gibt es circa 18.000 verschiedene Arten. Zu ihnen gehören fast 5.000 Großpilze, zu denen die beliebten Speisepilze zählen. Das sind mehr Großpilzarten als in jedem anderen Bundesland.
Was wir sehen, ist nur der Fruchtkörper
Großpilze bilden ein Geflecht aus Pilzfäden im Boden, das Myzel. Die oberirdisch sichtbaren Teile sind nur Fruchtkörper, also die Fortpflanzungsorgane des Pilzes. Das Pilzgeflecht kann sich über weite Flächen erstrecken und sehr alt werden.
Pilze und Bäume brauchen einander
Viele Pilze gehen über die Feinwurzeln ihres Myzels eine Symbiose mit Waldbäumen ein, es entsteht die sogenannte Mykorrhiza. Bäume und Pilze tauschen darüber Kohlenhydrate, Wasser und Mineralstoffe aus und stärken sich so gegenseitig.
Auch Pilze auf der Roten Liste
Pilze sind empfindlich gegenüber Störungen, beispielsweise die Bodenverdichtung durch intensive Forstwirtschaft. Viele reagieren außerdem stark auf Schadstoffe. Sie sind daher zuverlässige Indikatoren für Umweltbelastungen. Etwa 1.500 der 5.000 bayerischen Großpilzarten sind gefährdet.
Manche Pilze "essen" Holz
Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere: Sie betreiben keine Photosynthese sondern verwerten organische Stoffe. Zahlreiche Pilze ernähren sich von abgestorbenen Pflanzenresten oder auch Holz – sie führen dessen Inhaltsstoffe wieder in den Nährstoffkreislauf zurück. Sie sind deshalb wichtig für das Waldökosystem.
Wie Waldbesitzer*innen Pilze fördern können
Waldbesitzer*innen können durch waldbauliche Maßnahmen die Vielfalt und Entwicklung der Pilzflora stärken, etwa indem sie zu dicht stehende Bestände lichten, Mischwälder mit verschiedenen Baumarten fördern und die Bäume wieder alt werden lassen, denn Pilze leben vor allem an alten Bäumen. Flächiges Befahren und Kahlschläge sollten tabu sein.
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- document.getElementById('c246390').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">2 Bäume und Pilze leben in Symbiose
- document.getElementById('c246392').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">3 Wie ernähren sich Pilze?
- document.getElementById('c246394').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">4 30 Prozent der Pilze in Bayern sind gefährdet
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Pilze: Wichtige Fakten in Kürze
- Pilze sind sehr alt: Es gibt sie nachweislich seit über 450 Millionen Jahren.
- Pilze bilden ein eigenes Reich: Sie wurden lange zu den Pflanzen gerechnet, doch sie sind zwar “sesshaft” wie Pflanzen, können aber keine Photosynthese betreiben.
- Großpilze bestehen aus Fruchtkörper und Myzel. Der Fruchtkörper ist das, was wir gewöhnlich als Pilz bezeichnen, das oberirdisch sichtbare Fortpflanzungsorgan. Unterirdisch wächst das Myzel – der eigentliche Pilz – ein weit verzweigtes, fadenartiges Geflecht.
- In Bayern gibt es mehr Großpilze als in jedem anderen Bundesland. Zu ihnen gehören beispielsweise Steinpilz, Pfifferling und Champignon. Weitere rund 5.000 der in Bayern etwa 18.000 vorkommenden Pilzarten zählen dazu. Laut Landesamt für Umwelt gehören alle Pilzarten zu den Großpilzen, deren Fruchtkörper größer als ein Millimeter ist (vgl. LfU: Rote Liste gefährdeter Großpilze Bayerns).
- Der wichtigste Lebensraum der Großpilze ist der Wald. Sie kommen aber auch andernorts vor, etwa auf Wiesen.
Bäume und Pilze leben in Symbiose
Unsere Wälder sind komplexe Lebensräume, in denen zahlreiche Lebewesen in vielfältiger Weise miteinander vernetzt sind. Dazu zählt auch die faszinierende Beziehung zwischen vielen Pilzen und Bäumen – die sogenannte Mykorrhiza.

- Die Mykorrhiza ist eine Lebensgemeinschaft zu beiderseitigem Nutzen: Die Pilze erhalten von den Bäumen Kohlenhydrate in Form von Zucker, weil sie selbst keine Photosynthese betreiben können. Die Bäume bekommen dafür Wasser und Mineralstoffe wie Phosphor oder Stickstoff von den Pilzen. Mykorrhizapilze können Mineralstoffe und Wasser deutlich besser aus dem Boden lösen als Bäume.
- Ungefähr ein Drittel der Großpilze in unseren Wäldern sind Mykorrhizapilze: Unter diesen etwa 2.000 verschiedenen Arten sind bekannte Pilze wie Steinpilze, Trüffel oder Fliegenpilze. Dass besonders viele der für den Wald so wichtigen Mykorrhizapilze in Bayern gefährdet sind, ist besorgniserregend.
Was ist die Mykorrhiza?
Über ihr unterirdisches Geflecht verbinden sich Pilze mit den Feinwurzeln von Bäumen. So können Wasser und Nährstoffe ausgetauscht werden. Diese Lebensgemeinschaft nennt man Mykorrhiza.
- In unseren Wäldern sind alle Baumwurzeln von Mykorrhiza besetzt. Manche Mykorrhizapilze haben sich komplett auf eine bestimmte Baumart spezialisiert, etwa Birkenpilze, Lärchenröhrlinge oder Fichtenreizker. Andere wachsen ausschließlich in Laub- oder Nadelwäldern.
Pilze erhöhen die Stressresistenz von Bäumen
In Zeiten des Klimawandels erleichtert die Mykorrhiza den Bäumen das Überleben: Das dichte unterirdische Pilzgeflecht kann sich über große Flächen erstrecken und vervielfacht so die Oberfläche der Baumwurzeln. Dadurch verbessert sich die Nährstoff- und Wasseraufnahme der Bäume. Weil die Pilzfäden viel feiner sind als Baumwurzeln, können sie Bereiche im Boden erschließen, die für den Baum unerreichbar wären. So wachsen Bäume mithilfe ihrer “Pilzpartnerschaft” besser und überstehen Stresszeiten, also zum Beispiel Trockenperioden und anhaltende Hitze, leichter.
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Wie ernähren sich Pilze?
Bei den Pilzen unterscheidet man zersetzende, parasitäre und in Symbiose lebende Arten:
- Zersetzende Pilze (Saprobionten) ernähren sich von totem organischen Material und halten so den Nährstoffkreislauf in Gang. Sie zersetzen beispielsweise Holz, Blätter, Nadeln oder auch tote Tiere und tragen dazu bei, dass daraus nährstoffreicher Humus wird, der wiederum für andere Organismen die Nahrungsgrundlage darstellt. Neben den Bakterien gehören die zersetzenden Pilze zu den wichtigsten Stoffumwandlern in der Natur.
- Die Parasiten unter den Pilzen ernähren sich von lebenden Organismen ohne eine Gegenleistung dafür zu erbringen. Sie können Bäume schwächen oder sogar abtöten.

Der größte Pilz Europas
Ein Pilz der Sorte “Dunkler Hallimasch” (Armillaria ostoyae) gilt derzeit als der wahrscheinlich größte lebende Pilz Europas: Mit einem Alter von über 1.000 Jahren erstreckt er sich unterirdisch über etwa 500 Meter Breite und 800 Meter Länge. Der Pilz wächst im Schweizerischen Nationalpark. Leider macht er dem Wald dort zu schaffen: Zusammen mit dem Wurzelschwamm hat er für ein großes Bergföhrensterben gesorgt.
- Symbiotisch lebende Pilze ernähren sich, indem sie mit anderen Lebewesen Lebensgemeinschaften zum gegenseitigen Vorteil eingehen. Zu ihnen zählen die Mykorrhizapilze.
30 Prozent der Pilze in Bayern sind gefährdet
Etwa 1.500 der 5.000 in Bayern vorkommenden Großpilzarten gelten laut Roter Liste der Großpilzarten mindestens als gefährdet. Die intensive Forstwirtschaft, wie sie heute größtenteils praktiziert wird, beeinflusst auch unsere Pilze. So gibt es in stark genutzten Wäldern viel weniger Totholz als in Naturwäldern. Auf und von Totholz leben jedoch viele Pilze. Allein etwa 250 Arten finden sich auf toten Buchenstämmen. Oft brauchen am Holz lebende Pilze ganz bestimmte Holzarten und -stärken, so zum Beispiel der Eichenzungenporling, der altes, mächtiges Eichenholz zum Leben benötigt und in Bayern vom Aussterben bedroht ist.
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Waldbesitzer*innen können Pilze fördern
- Ein baumartenreicher, lichter Wald, der möglichst naturnah bewirtschaftet ist, fördert Pilze.
- Je mehr verschiedene Baumarten in einem Wald wachsen (z. B. auch Zitterpappel, Birke und Erle), desto mehr verschiedene Mykorrhizapilze können sich dort ansiedeln.
- Bäume müssen wieder alt werden dürfen, denn besonders alte Bäume werden von Pilzen besiedelt.
- Der Einsatz schwerer Holzerntemaschinen, die das Bodenleben massiv schädigen und den Boden stark verdichten, sollte vermieden werden.
- Auch flächiges Befahren des Waldbodens und chemische Mittel sind tabu, denn sie schaden unter anderem der Mykorrhiza.
- Freie Flächen, wie sie zum Beispiel durch Kahlschläge entstehen, sollten vermieden werden, denn sie beeinträchtigen die Mykkorhiza. Pilze können unter Umständen keine Fruchtkörper mehr ausbilden und sich vermehren, weil keine Bäume mehr da sind, die ihnen die dafür notwendigen Kohlenhydrate liefern.
- Viele Vorkommen bedrohter Pilzarten ließen sich durch eine naturnahe Waldwirtschaft oder den Verzicht auf wirtschaftliche Nutzung (Naturwaldreservat, Nationalpark) wirkungsvoll schützen.
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