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Tiere und Pflanzen

Tiere im Wald – Generalisten und Spezialisten der Laub- und Nadelwälder

Der Wald in Bayern spielt eine essenzielle Rolle als Lebensraum für Wildtiere. Es gibt Generalisten, die keine besonderen Ansprüche an ihren Waldlebensraum stellen, andere sind Spezialisten, die auf bestimmte Waldtypen oder Habitate angewiesen sind. Einige von ihnen stellen wir ihnen hier vor.

Laubwaldspezialisten unter den Säugetieren

Die gefährdete Bechsteinfledermaus ist eine typische Bewohnerin alter Laubmischwälder. Im Sommer ziehen mehrere Weibchen gemeinsam ihre Jungen in verlassenen Spechthöhlen auf. Sie wechseln diese Wochenstubenquartiere alle paar Tage, wahrscheinlich um Parasiten oder Fressfeinde zu vermeiden. In ihrem Lebensraum müssen also viele alte Höhlenbäume und reichlich Totholz zur Verfügung stehen. Als langsame, aber wendige Flugkünstlerin steuert die Bechsteinfledermaus nachts durch die Laubblätter, um mittels Ultraschallortung fliegende Insekten zu fangen. Außerdem sammelt sie nach Gehör – auf der Stelle fliegend (Rüttelflug) – Raupen und Spinnen von Blättern und vom Boden auf.

Die Bechsteinfledermaus hat ihren Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland und dort in Unterfranken sowie im Nordsteigerwald. Sie gehört zu den europaweit gefährdeten Arten.

Auch die Haselmaus ist ein Bewohner totholzreicher Laubwälder: Neben dem Eichhörnchen gehört sie zu den besonders possierlichen Waldtieren. Sie hat durch die Umwandlung von Laubwäldern in Nadelholzforste viel an Lebensraum verloren. Die Haselmaus gehört zur Familie der Schlafmäuse oder Bilche. Den Tag verschläft sie gerne in einer Baumhöhle oder einem nur faustgroßen Kugelnest, das sie kunstvoll aus Gras, Blättern und Moos baut. Nachts huscht sie durch die Zweige auf der Suche nach Nahrung wie Früchten oder Haselnüssen. Die Haselmaus lebt in Laubmischwäldern mit reichem Unterwuchs und kleinen Lichtungen. Sie liebt insbesondere Haselsträucher. Im Spätherbst frisst sie sich einen Speckvorrat an, dann hält sie etwa sieben Monate lang Winterschlaf.

Laubwaldspezialisten unter den Amphibien

Der Feuersalamander braucht Laub- und Mischwälder und naturnahe Bäche: Auch Amphibien sind in den bayerischen Laubwäldern zuhause. Von den 19 heimischen Arten ist der Feuersalamander die am stärksten an den Wald gebundene. Er ist auf feuchte Laub- und Mischwälder mit naturnahen und fischfreien Bächen angewiesen. Die Weibchen gebären dort ihre Larven. Der auffällig gelb-schwarz gezeichnete Lurch schätzt liegendes Totholz, Reisig oder Steinhaufen als Versteckmöglichkeit. Tagsüber ist das nachtaktive Tier nur bei Regenwetter unterwegs. Mit seinen hohen Ansprüchen an den Lebensraum ist er auf eine naturnahe Art der Waldbewirtschaftung angewiesen. In Bayern beschäftigt sich gerade ein großes Artenhilfsprogramm mit ihm, weil er unter anderem durch einen eingeschleppten Hauptpilz stark gefährdet ist.

Ein echter „Waldler“ ist auch der Springfrosch. Er bevorzugt lichte und gewässerreiche Laubmischwälder und benötigt Wassergräben oder Tümpel, gerne mit besonnter Flachwasserzone. Hier legen die Springfrosch-Weibchen sehr zeitig im Frühjahr ihre Eiballen ab. Im Sommer entfernen sich die Frösche bis über einen Kilometer weit vom Laichgewässer. Nachts gehen sie auf Jagd nach Insekten, Spinnen, Würmern und Schnecken.

Der Springfrosch steht europaweit unter Schutz. Seine langen Beine unterscheiden ihn unter anderem vom sehr ähnlichen Grasfrosch. Will man wissen, welchen der beiden Frösche man vor sich hat, achte man auf die Sprünge: Springt der Frosch ein bis zwei Meter weit, dann war es ein Springfrosch, der Grasfrosch schafft nur etwa die Hälfte. Zu kämpfen hat der Springfrosch mit der Zerstörung seines Lebensraums und dem zunehmenden Straßenverkehr.

Vögel in Laub- und Laubmischwäldern

Der Schwarzstorch lebt gerne in ausgedehnten, ruhigen Laub- und Mischwäldern. Viele würden wohl auf Anhieb nicht vermuten, dass in den Wäldern Störche brüten. Doch der weniger bekannte und deutlich scheuere Bruder des Weißstorchs baut große Horste in die Kronen alter Bäume und sucht in Gewässern nach Fröschen und Fischen.

Der Mittelspecht ist auf alte Laubwälder angewiesen und braucht weiches, von Pilzbefall geschädigtes Holz für den Bau seiner Höhlen. Früher hielt man ihn für einen „Eichenspecht“, weil er vor allem in höhlenreichen Eichenwäldern vorkam. Heute weiß man, dass er auch in alten Buchenwäldern anzutreffen ist. Zur Nahrungssuche stochert der Mittelspecht mit seinem spitzen Schnabel in grober Borke oder morschem Holz nach Insekten und Spinnen – er trommelt nicht wie andere Spechte. So kommt er häufig dort vor, wo solche Strukturen entstehen können, wo Bäume also richtig alt werden dürfen und nicht wie im Wirtschaftswald bereits im Alter von 100 oder 120 Jahren gefällt werden. Mittlerweile gilt der Mittelspecht als Charaktervogel für über 180 Jahre alte Buchenwälder, wie sie in Bayern hauptsächlich noch im Steigerwald und Spessart vorkommen.

Die Hohltaube ist als Höhlenbrüterin auf alte morsche Bäume mit natürlichen Höhlungen, vor allem aber auf den Schwarzspecht als „Zimmermann“ angewiesen. Sie liebt alte Wälder. Eine der bedeutendsten Brutpopulationen in Mitteleuropa liegt heute im Steigerwald.  Die Konkurrenz um Höhlen ist angesichts der Höhlenknappheit in den Wirtschaftswäldern groß. Viele Tiere wie Dohlen, Waldkäuze, Kleiber, Stare, Fledermäuse oder Hornissen reißen sich um diesen knappen „Wohnraum“. Die sanfte Hohltaube zieht im Kampf um die begehrten Höhlen oft den Kürzeren. 

Gefährdet ist sie nicht nur deshalb, sondern auch wegen des verschwindend geringen Anteils unbewirtschafteter alter Laubwälder. Da sie den Winter als Kurzstreckenzieherin meist im Mittelmeergebiet verbringt, hat sie auf ihrem Zug außerdem mit den Gefahren der Vogeljagd zu kämpfen.

Der Halsbandschnäpper nistet in Baumhöhlen und ist auf einen alten, höhlenreichen Baumbestand angewiesen. Wie der Name bereits verrät, besitzt das Halsbandschnäpper-Männchen ein besonders auffälliges weißes Halsband. Die Weibchen hingegen sind unauffälliger graubraun gefärbt. Der Halsbandschnäpper ist ein überaus eleganter Flugkünstler. Dass die Vögel Insekten gerne im vollen Flug in der Luft fangen, trägt ebenso zur Namensgebung dieser Art bei.

Er besiedelt alte, totholzreiche Laubwälder, die wenigstens acht als Brutnischen geeignete Specht- und Faulhöhlen pro Hektar aufweisen müssen. Aufgrund des Insektensterbens fehlt dem Halsbandschnäpper häufig ein ausreichendes Angebot an Insekten und Spinnentieren. 

Das große Krabbeln: Käfer im Laubmischwald

Der Große Rosenkäfer (Großer Goldkäfer) mag es gerne warm und bewohnt die besonnten Kronen alter Laubwälder. Er ist der große Verwandte des verbreiteten Gemeinen Rosenkäfers, den wir aus unseren Gärten kennen. Seine Larven entwickeln sich über drei Jahre hinweg in Baumhöhlen, bevorzugt in Eichen. Die erwachsenen Käfer verzehren Pollen, den Saft blutender Bäume und überreifes Obst. Wegen der glänzenden dunkelgrünen Flügeldecken sieht der Käfer beim Fliegen aus wie ein grüner Edelstein. 

Weil in den Wäldern zu wenige Bäume alt werden dürfen, gibt es kaum mehr geeignete Kinderstuben für diesen prachtvollen Käfer. Er ist daher nicht nur der größte, sondern mittlerweile auch der seltenste Rosenkäfer Mitteleuropas und nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt.

Die Larven des Eremits (Juchtenkäfer) leben in den Höhlen alter, dicker Laubbäume. Drei bis vier Jahre lang ernähren sie sich dort von zersetztem Holz (Mulm) und Pilzfäden. Gute Brutbäume beherbergen viele Käfergenerationen über Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte. Im Sommer sitzen die Männchen im Ausgangsloch und locken die Weibchen mit ihrem nach Juchtenleder oder Aprikosen duftenden Sexuallockstoff an.

Früher waren Eremiten weit verbreitet. Alte Höhlenbäume und vor allem Großhöhlen sind im Wirtschaftswald jedoch kaum noch vorhanden, weshalb der Eremit inzwischen ein sehr seltener und europaweit streng geschützter Käfer ist.  In Süddeutschland gelang der erste Fund eines Eremiten 2006 in einer Buche in einem Naturwaldreservat im Steigerwald. 

Der Berliner Prachtkäfer (Goldener Prachtkäfer) bewohnt die Wipfelregion sehr alter Buchen. Dort findet der licht- und wärmehungrige Käfer zwischen abgestorbenen Ästen und Sonnenglut, was er zum Leben braucht. Erst vor wenigen Jahren entdeckten Forscher*innen, dass dieser seltene Prachtkäfer auch in den alten Buchenwäldern des Steigerwaldes vorkommt: In Bayern gilt er als „vom Aussterben bedroht“ (Rote Liste Kategorie 1). Der Goldene Prachtkäfer ist nur lokal in Regionen mit wärmerem, trockenem Kleinklima in der Fränkischen und Schwäbischen Alb oder an der Donau nachgewiesen, sowie im Spessart und Steigerwald. Hauptursache für seine Gefährdung ist der Mangel an absterbenden, anbrüchigen Altbuchen.

Schmetterlinge der Laub- und Buchenwälder

Der Buchenrotschwanz fliegt nachts von Mai bis Juni und verbringt den Tag gut getarnt an Baumstämmen. Seine Raupen sind auffallend behaart und tragen einen roten Haarpinsel am Hinterleib. Wie bei allen Nachtfaltern sind die Sinnesorgane der erwachsenen Tiere hoch entwickelt. Die Männchen nehmen über Antennen die Sexuallockstoffe der Weibchen kilometerweit wahr. Die erwachsenen Falter sind unscheinbar hellgrau. In Ruhestellung streckt der Buchenrotschwanz das erste Beinpaar geradeaus nach vorne, was ihm auch den Namen „Buchen-Streckfuß“ eintrug. Der Falter ist in Laubwäldern weit verbreitet. Seine schönen, am „roten Schwanz“ gut erkennbaren Larven ernähren sich von Blättern verschiedener Laubbäume, bevorzugt aber von Buchen.

Die Raupen des Nagelflecks ernähren sich unter anderem von Laubblättern der Salweide, Birke oder Eiche, vor allem aber der Buche. Fertig entwickelt zum Falter, kann man sie Mitte April bis Mai, wenn die Bäume austreiben, beobachten. Die Männchen des orange-braunen Falters gaukeln in dieser Zeit auf der Suche nach einem Weibchen in hektischem Zickzackflug dicht über dem Boden durch den Buchenwald. Es gelingt fast nie, diese Tiere in Ruhe zu betrachten. Die erwachsenen Falter nehmen keine Nahrung auf, da ihnen die Mundwerkzeuge fehlen – sie leben nur wenige Tage. 

Der Große Schillerfalter lebt ausschließlich an breitblättrigen Weiden, vor allem Salweiden. Seine Flügel schillern je nach Lichteinfall in herrlichem Blau. Er steht tropischen Schmetterlingen an Schönheit in nichts nach. Da er sich vorwiegend im Kronenbereich aufhält, bekommt man ihn selten zu Gesicht. Anlocken kann man ihn skurilerweise mit stinkendem Käse: Schillerfalter trinken nämlich nicht an Blüten, sondern sie saugen an Kot, Tierleichen und feuchten Bodenstellen. Ihre grünen Raupen tragen ab dem zweiten Entwicklungsstadium zwei Kopfhörner. Diese sind an schattigen, etwas feuchten Waldwegen zu finden.

Die Raupen des Kleinen Schillerfalters ernähren sich vorwiegend von Zitterpappeln (Aspen). Der Falter ist wärmebedürftiger als sein großer Bruder. Zitterpappeln zusammen mit Weiden an Waldrändern und -wegen stehen zu lassen, kommt nicht nur den Schillerfaltern, sondern auch vielen anderen Arten, wie etwa Bienen und Hummeln zugute. Im Gegensatz zum Großen Schillerfalter hat der Kleine Schillerfalter auch auf den Vorderflügeln einen orangen Punkt.

Vögel: Spezialisten im Nadelwald

Sommer- und Wintergoldhähnchen brüten in den Baumkronen der heimischen Fichten- und Mischwälder in kleinen kugelförmigen Nestern und ernähren sich dort von Insekten und Spinnentieren. Lediglich vier bis sieben Gramm bringen die winzigen Vögel auf die Waage. Dabei unterscheidet sich das Wintergoldhähnchen vom Sommergoldhähnchen nur durch eine andere Gesichtszeichnung, ansonsten gleichen sich beide fast auf die Feder. Besonders durch den namensgebenden, goldgelben Federschopf am Kopf sind die Goldhähnchen leicht zu erkennen.

Dreizehenspecht ernährt sich bevorzugt von Käferlarven und ist auf totholzreiche Nadelwälder angewiesen. In Fichten- und Mischwäldern kann man ihn trommeln hören. Wie der Name sagt, unterscheidet sich der Dreizehenspecht von anderen Spechtarten dadurch, dass er nur drei statt vier Zehen hat. Außerdem ist er schwarz-weiß gefiedert und besitzt im Gegensatz zu Buntspechten keinerlei rötliche Färbung.

Der Fichtenkreuzschnabel brütet gerne in Fichten. Er fällt durch seinen kräftigen, an der Spitze überkreuzenden Schnabel auf. Dieser eignet sich perfekt zum Öffnen von Fichtenzapfen. Durch seine kompakte Statur und die kräftige ziegelrote Färbung der Männchen erinnert der Fichtenkreuzschnabel fast an einen Papagei. 

Der Baumpieper liebt lichte Kiefernwälder. Der früher häufige Vogel ist dort mit etwas Glück bei seinem Singflug zu beobachten. Unter anderem durch die Intensivierung der Forstwirtschaft sowie die Trockenlegung von Mooren hat sich sein Bestand inzwischen um rund 80 Prozent reduziert.

Die Tannenmeise ist in Fichten- und Kiefernwäldern mit altem dichten Baumbestand zuhause. Als Brutpplatz nutzt sie häufig Astlöcher und verlassene Spechthöhlen. In Regionen, in denen die Nadelwälder vom Waldsterben betroffen sind, gehen die Bestände zurück.

Insekten: Spezialisten im Nadelwald

Buchdrucker und Kupferstecher sind typische Fichtenbewohner und befallen geschwächte Bäume. Die beiden Borkenkäferarten orientieren sich dabei an Duftstoffen, die durch Trockenheit gestresste Fichten verströmen. Da Hitze und Trockenheit in Folge des Klimawandels zunehmen, sorgen die Käfer regelmäßig für das Absterben von Fichten, was fichtendominierte Waldlandschaften großflächig treffen kann.

Der Blaue Kiefernprachtkäfer legt seine Eier auf der Rinde von Kiefern ab. Er profitiert von den zunehmend trockenen Sommern, weil ein warmes Klima seine Entwicklung beschleunigt. In der Regel können die Käfer nur geschwächte und geschädigte Bäume erfolgreich befallen. Die Larven durchbohren die Rinde und ernähren sich dann von der darunter liegenden Baumschicht, was zum Absterben der weiter oben am Stamm liegenden Teile der Baumkrone führen kann. Während früher nur nach Süden ausgerichtete Waldränder betroffen waren, da sie wärmer sind, ist dieser Prachtkäfer heute auch innerhalb von Kiefernbeständen anzutreffen. 

Die Raupe des Kiefernspanners ist ebenfalls ein typischer „Kiefernschädling“. Tritt sie in Massen auf, kann das zum Kahlfraß und Absterben ganzer Kiefernbestände geführt.