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Nun laufen sie wieder ... - Frösche und Molche auf der Frühjahrswanderung! Spenden erbeten

Landkreis und Bund Naturschutz starten jährliche Schutzaktion

01.03.2007

Die warmen Tage locken die Amphibien bereits jetzt aus ihren Winterverstecken und nun machen sich Molche, Frösche und Kröten auf die Frühjahrswanderung. Wo sie Straßen queren müssen, helfen ehrenamtliche AmphibienschützerInnen des BN. Auch der Landkreis Erlangen-Höchstadt wird wie in den Vorjahren mit seinen Bauhofmitarbeitern Krötenzäune an insgesamt elf Übergängen an Kreisstraßen aufstellen und dabei erhebliche Leistungen erbringen.

 

Der Bund Naturschutz appelliert an die AutofahrerInnen, bei nächtlichen Fahrten auf die aktiven Tiere zu achten. Insbesondere während der Dämmerung und in den ersten zwei Dunkelheitsstunden ist mit wandernden Tieren zu rechnen. Schwerpunkte der Wanderung sind Talräume, in denen der Wald an Tümpel oder Weiher grenzt. „Ohne Rücksicht und Hilfe haben viele Amphibien kaum eine Chance, zahlreiche Populationen sind bereits ausgerottet worden. Achten Sie nun auf wandernde Amphibien, damit der Laichzug der Lurche nicht zum Leichenzug wird!“, so Tom Konopka, Regionalreferent des BN.

 

Allein im Landkreis wurden zwischen 2000 und 2006 mit finanzieller Unterstützung aus dem Landschaftspflegeprogramm des Freistaates 44.443 Amphibien von ca. 40 BN-Aktiven gerettet und dabei 1.458 Stunden ehrenamtlicher Arbeit aufgebracht. "Für diese Aktivitäten sind wir dringend auf zusätzliche Gelder angewiesen und erbitten Spenden bei der Haus- und Straßensammlung des BN ab 12. März", so Konopka.

 

Bei der Präsentation eines Krötenzaunes zwischen Aurach-Münchaurach und Oberreichenbach hob der Vertreter der Kreisgruppe Höchstadt-Herzogenaurach, Jörg Straßburger, die Leistungen des Landkreises und der Mitarbeiter des Landkreis-Bauhofes hervor. Insbesondere die hohen Aufwendungen in dem mit Laichgewässern besonders gut versorgten Landkreis wurden dabei sind ein wichtiger Beitrag für den Naturschutz. Auch die Geschwindigkeitsbegrenzungen an etlichen Übergängen sind eine große Unterstützung zur Sicherheit der SammlerInnen. Hier ist es v. a. Monika Beck, die die Tiere während ihrer Wanderung ehrenamtlich betreut und sie vor dem Tod durch Überfahren schützt.

 

 

Tausende ehrenamtlicher Mitglieder des Bundes Naturschutz (BN) retten an über 400 Wanderwegen in diesen Tagen fast eine halbe Million Amphibien in Bayern – eine der größten Arten- und Tierschutzaktionen Deutschlands!

 

Wenn die ersehnte Frühlingssonne die gerade noch gefrorenen obersten Bodenschichten erwärmt, verlassen die Erdkröten und Frösche ihre Winterquartiere unter Laub und in Erdhöhlen. Vor allem in feuchtwarmen Abend- und Nachtstunden wie sie jetzt beginnen, vorzugsweise bei leichtem Regen und einer Temperatur von über 5 °C, überqueren die Amphibien scharenweise die Straßen, um in Teichen und Feuchtgebieten abzulaichen. Deutlich später als sonst, aber mit um so mehr Macht wandern dieses Jahr wieder Hunderttausende von Erdkröten, Fröschen und Molchen.Wenn die Amphibien die Straßen kreuzen müssen, droht ihnen massenhafter Tod durch Überfahren. Wenn sie Glück haben und nicht direkt von einem Auto getötet werden, werden sie häufig ab ca. 40 km/h vom Luftwirbel der Autos erfasst, hochgewirbelt und getötet.

 

Der BN bittet die Autofahrer bei nächtlichen Fahrten jetzt um besondere Vorsicht:

  • Achten Sie vor allem entlang von Wäldern und in der Nähe von Gewässern auf Warnschilder und befolgen Sie die aktuellen Geschwindigkeitsbegrenzungen (Tempo 30) an den Wanderbereichen– auch im eigenen Interesse, denn zerquetschte Amphibien wirken auf Asphalt wie Schmierseife.
  • An den Stellen, an denen ehrenamtliche Mitarbeiter Krötenzäune errichtet haben, sollten Sie auf Helfer (Warnweste) achten, die abends und morgens am Straßenrand die Tiere einsammeln.
  • Denken Sie daran, dass vor allem warme, regnerische Abende die fortpflanzungsbereiten Amphibien massenweise zur Laichwanderung locken und fahren Sie dann besonders achtsam.

 

Informationen zu den Wanderwegen und Kontakte für die dringend erwünschte Mithilfe bei den Sammelaktionen sind unter www.amphibien.bund-naturschutz.de, bei den BN-Kreisgruppen oder bei den Naturschutzbehörden der Landratsämter zu erhalten!

 

Das ist auch dringend notwendig: Die Amphibienbestände Bayerns sind anhaltend rückläufig, immer mehr Arten müssen in die Rote Liste gefährdeter Tiere aufgenommen werden. 14 der 19 heimischen Amphibienarten müssen als gefährdet eingestuft werden. Der Gefährdungsgrad hat sich in den letzten Jahren erhöht z.B. bei Teichmolch, Kleiner Wasserfrosch, Gelbbauchunke, Kreuzkröte und in großen

Landschaftsteilen beim Laubfrosch. In der offenen Agrarlandschaft, vor allem in ausgeräumten Ackerlagen, scheinen selbst Bestände früher häufiger Arten wie Erdkröte oder Grasfrosch wegzubrechen! Es drohen Amphibien-freie Landschaften als Ergebnis viel zu intensiver Landwirtschaft und der immer weiter zunehmenden Landschaftszerschneidung mit neuen Straßen.

 

Jährlich abgesammelte Amphibienzäune sind Notbehelfe und Übergangslösungen, aber keine Dauerlösung. Verhandlungen und Forschungsvorhaben des BN mit der Obersten Baubehörde haben dazu geführt, dass sich die Zahl von Amphibientunneln und festen Leitsystemen deutlich erhöht hat. 1992 erhielt der BN außerdem die Zusage der Obersten Baubehörde, einer Forderung des BN, dass für die ca. 200 wichtigsten Übergänge Bayerns erstmals auch an bereits bestehenden Bundes- und Staatsstraßen ein nachträglicher Einbau von Tunneln möglich ist, nachzukommen. Leider läuft die Umsetzung sehr schleppend.

 

Ein zweites zentrales Element im zukünftigen Amphibienschutz ist die Renaturierung der bayerischen Talauen. Dies würde nicht nur Hochwasserprobleme lösen, sondern auch zahlreichen Amphibienarten wieder natürliche, dynamische Lebensräume schaffen.

Amphibien sind wichtige Helfer der Landwirtschaft bei Schadfraß von Insekten, sie sind die Nahrungsgrundlage für viele andere Tierarten wie z.B. für den Weißstorch und sie sind wichtige Bioindikatoren. Amphibienschutz bietet zudem auch vielen Kindern und Jugendlichen spannendes Naturerleben und die Möglichkeit, gefährdeten Arten mit persönlichem Einsatz direkt zu helfen.