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Straßenbau in Bayern: Keine Wende beim Flächenverbrauch für den Verkehr

Deutlich mehr als zehn Prozent des hiesigen Flächenverbrauchs gingen in den Jahren 2016 bis 2025 auf das Konto des Verkehrs, ob Autobahn, Staats- oder Zufahrtsstraße. Dabei erhöht sich die negative Auswirkung neuer Verkehrswege durch die Zerschneidung von Lebensräumen zusätzlich, und steigt die Zahl gefahrener Kilometer mit neuen Straßen regelmäßig an: nur eine echte Verkehrswende bietet hier Entlastung.

Flächenverbrauch und Verkehrszunahme gehören eng zusammen. Von Gewerbe- oder Wohngebiet über Einkaufs- und Freizeitparks bis hin zur Ortsumfahrung: Werden neue Flächen erschlossen, wächst regelmäßig zugleich die Zahl der zurückgelegten Kilometer, die meisten sind dem motorisierten Verkehr zuzurechnen. Dabei handelt es sich insbesondere um

  • Pendelverkehr aus Wohngebieten, zu Arbeitsstätten, Freizeit- oder Einkaufsmöglichkeiten,
  • Lieferverkehr in Gewerbegebiete,
  • Zulieferverkehr von Logistikunternehmen und Paketdiensten,
  • Lkw-Verkehr auf Transitstrecken.

Dabei sind nicht nur die Straßen selbst ein Problem, vielmehr wird die Natur auch im Umfeld der genutzten Fläche stark beeinträchtigt:

  • neue Flächen werden versiegelt, der Landschaft werden Freiflächen entzogen,
  • Abflussrinnen und Überlaufbecken kosten zusätzliche Flächen, 
  • es entsteht Lärm- und Luftbelastung, und nicht zuletzt 
  • werden Lebensräume zerschnitten.

Obwohl der motorisierte Verkehr bekanntermaßen mit dem Klimawandel verbunden ist und der Begriff Verkehrswende in aller Munde ist, steht der Straßenbau im Bereich neuer Projekte in Bayern ganz oben:

  • 2013 meldete der Freistaat Bayern im aktuellen Bundesverkehrswegeplan 2030 insgesamt 184 Straßenprojekte (in 398 Teilprojekte untergliedert) an, mit einer Baulänge von insgesamt 2.000 Kilometern. 
  • Hinzu kamen auf Länderebene 666 Projekte, die Bayern im Staatsstraßenausbauplan 2011 formuliert hatte. 2026 waren davon etwa 40 Prozent verwirklicht, die übrigen wurden auf 149 Vorhaben begrenzt – ein Erfolg für Naturschützer wie den BN. Das Verkehrsministerium nennt als Grund ein neues Bewertungssystem, in dem Klima-, Natur- und Flächenschutz stärker zählen sollen. Eine wichtige Rolle wird jedoch auch die Finanzierbarkeit der Projekte gespielt haben.

Entscheidung des Koalitionsausschusses des Bundes April 2023

23 Projekte für beschleunigten Autobahnausbau in Bayern: A3, A8, A92, A94 und A99

Umgehungsstraßen erhöhen Flächenverbrauch

Städte und Gemeinden ächzen unter dem Verkehrsaufkommen, vielerorts werden Umgehungsstraßen gebaut, um die Anwohner an Hauptstraßen zu entlasten. Das kostet Fläche, löst aber das Problem nicht dauerhaft: Denn die Knotenpunkte bleiben bestehen, schon bald kommt es wieder zu Staus an Einmündungen und Ausfahrten – und die effektive Entlastungswirkung bleibt vielerorts hinter den Vorstellungen zurück.

Positivbeispiel Immenstadt: Spange statt Umfahrung

mehrere Hektar Fläche gerettet

ca. 45 Mio. Euro gespart

größere Entlastungswirkung

Ein positives Gegenbeispiel bietet hier die Gemeinde Immenstadt im Allgäu. Anstelle einer Ortsumfahrung, die das Landschaftsbild rund um den benachbarten Alpsee massiv beeinträchtigt hätte, genügte eine sogenannte Stadtspange als innerstädtische Entlastungsstraße. Auch der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) hat sich intensiv für die Alternative eingesetzt, den Ausschlag gab letztlich ein Bürgerentscheid im Jahr 2010. Die Vorteile sprechen für sich, denn durch die Spange wurden:

  • mehrere Hektar Fläche gerettet,
  • statt mindestens 80 Mio. Euro für die Umgehung nur 35 Mio. Euro für die Entlastungsstraße investiert,
  • eine höhere Entlastungswirkung erzielt, die Umgehung hätte nur eine Verkehrsreduktion von unter 20 Prozent bedeutet.

Lösungen statt Problemverlagerung gefragt

Obwohl es bereits immer mehr Staus gibt, nimmt der Verkehr weiter zu. 

  • Der Ausbau von Bahn und Öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) bleibt weiter hinter den Anforderungen zurück. 
  • Die durchschnittliche Pendeldistanz zum Arbeitsplatz erhöhte sich zwischen 2000 und 2025 von ca. acht auf 17,3 Kilometer – und damit um über 100 Prozent (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, 2026). 
  • Die Zahl der Sendungen von Kurier-, Express- und Paketdiensten (KEP) stieg von 2000 bis 2025 um über 150 Prozent (2000: 279 Mio. Sendungen, 2025: 721 Mio. Sendungen, Bundesverband Paket- und Expresslogistik BPEX). Treiber beim boomenden Paketgeschäft ist der Online-Handel, darin mit knapp einem Fünftel der Bereich Bekleidung, der auch noch die meisten Retouren verursacht. Für immer neue Logistikzentren in Gewerbegebieten werden dann Flächen verbraucht, für den Lieferverkehr neue Straßen gebaut. 
  • Anstieg Lkw-Verkehr auf deutschen Straßen laut aktuellen Schätzungen um weitere 40 Prozent bis 2030. Der Schienen-Güterverkehr dagegen sinkt, die Bahn fährt ihr Engagement im Güterbereich zurück, obwohl die Politik das Gegenteil verspricht. Deutschland und insbesondere Bayern sind Transitregionen Europas, ohne Ausbau des Schienennetzes und umfassende Lösungen droht der Verkehrsinfarkt (siehe auch Güterverkehr).

Mehr Verkehr führt auch zu mehr Parkplätzen

Und es sind nicht allein die Straßen, die zum hohen Flächenverbrauch beitragen: Die Zahl der Zulassungen von Pkw steigt in Bayern weiter, im Durchschnitt wird ein Auto weniger als eine Stunde pro Tag genutzt – der Platzbedarf für Parkplätze wächst also mit, dasselbe gilt für Lkw-Abstellmöglichkeiten auf Rastplätzen.

Im bayerischen Alpenraum ist auch der Tourismus einer der Treiber, auch hier kommen zum Aus- und Neubau von Verkehrswegen noch Flächen für die Parkplätze hinzu. Mehr Informationen dazu finden Sie unter Alpentourismus.



Ihre Ansprechpartner für das Thema Flächenschutz

Jonas Kaufmann
Tel. 09 11 / 8 18 78 14
mittelfranken@bund-naturschutz.de 

BUND Naturschutz in Bayern
Landesfachgeschäftsstelle Nürnberg
Bauernfeindstraße 23
90471 Nürnberg

Lena Maly-Wischhof
Tel. 01 70 / 3 56 96 47, erreichbar vormittags außer Mittwoch
lena.maly-wischhof@bund-naturschutz.de

BUND Naturschutz in Bayern
Landesfachgeschäftsstelle München
Pettenkoferstraße 10a
80336 München

Altötting, Bad Tölz - Wolfratshausen, Berchtesgadener Land, Eichstätt, Garmisch-Partenkirchen, Ingolstadt, Miesbach, Mühldorf am Inn, Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen a.d. Ilm, Rosenheim, Traunstein, Weilheim-Schongau

Annemarie Räder
Tel. 01 70 / 3 56 96 47 
oberbayern@bund-naturschutz.de 

BUND Naturschutz in Bayern
Landesfachgeschäftsstelle München
Pettenkoferstraße 10a
80336 München


Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, München - Stadt und Landkreis, Starnberg

Julika Schreiber
Tel. 01 70 / 3 56 96 47 
oberbayern@bund-naturschutz.de 

BUND Naturschutz in Bayern
Landesfachgeschäftsstelle München
Pettenkoferstraße 10a
80336 München

Jörg Hacker
Tel.  01 60 / 7 92 02 67
​​​​​​​joerg.hacker@bund-naturschutz.de

BUND Naturschutz in Bayern
Landesfachgeschäftsstelle Nürnberg
Bauernfeindstraße 23
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Reinhard Scheuerlein
Tel. 09 11 / 8 18 78 14
oberpfalz@bund-naturschutz.de 

BUND Naturschutz in Bayern
Landesfachgeschäftsstelle Nürnberg
Bauernfeindstraße 23
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Thomas Frey
Tel. 01 70 / 4 31 12 73
schwaben@bund-naturschutz.de 

BUND Naturschutz in Bayern
Landesfachgeschäftsstelle München
Pettenkoferstraße 10a
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Steffen Jodl
Tel. 09 11 / 8 18 78 25
unterfranken@bund-naturschutz.de 

BUND Naturschutz in Bayern
Landesfachgeschäftsstelle Nürnberg
Bauernfeindstraße 23
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