Der Bergwald in den bayerischen Alpen – eine Lebensversicherung
Ein intakter Bergwald schützt vor Lawinen, Steinschlag und Erosion, speichert Wasser und ist ein Hort der Artenvielfalt. Diese Funktionen kann er nur erfüllen, wenn wir ihn besser schützen als bisher.
Bergwald ist überwiegend Schutzwald
Die bayerischen Alpen sind zur Hälfte mit Wald bedeckt. 56 Prozent davon sind offiziell als Schutzwald ausgewiesen. Viele Wälder, die diesen Status nicht haben, erfüllen jedoch die gleichen Schutzfunktionen: Sie bewahren Mensch, Tier, Infrastruktur und Waldboden vor Steinschlag, Muren, Lawinen, Trockenheit, Hochwasser und Erosion.
Naturwald schützt am besten
Ein naturnaher Bergwald mit Buche, Fichte und Tanne bietet den stärksten Schutz. In idealen Schutzwäldern wachsen bis 1.400 Meter die natürlichen Hauptbaumarten Buche, Fichte und Tanne, darüber Fichten und Lärchen. Neben den Schutzfunktionen speichern gesunde Bergwälder auch Wasser und CO₂ und filtern die Luft. Außerdem sind sie ein wichtiger Lebensraum für Tier-, Pflanzen- und Pilzarten.
Der Schutzwald braucht Hilfe
In den bayerischen Alpen sind mehr als 13.000 Hektar gesetzlicher Schutzwald so in ihrer Funktionsfähigkeit beeinträchtigt, dass sie saniert werden müssen. Der Bergwald leidet unter Monokultur, Schadstoffen, Klimawandel, hohem Wildverbiss, zu starkem Holzeinschlag und exzessivem Straßenbau. Der Bergwald muss besser geschützt und schneller als bisher in stabilen Wald umgebaut werden.
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- document.getElementById('c258788').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">2 Wie muss ein intakter Schutzwald beschaffen sein?
- document.getElementById('c258789').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">3 Bayerischer Bergwald unter Druck
- document.getElementById('c258790').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">4 Bergwald im Klimawandel
- document.getElementById('c258791').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">5 Unsere Forderungen
Bergwald in den Alpen: Ein Wald mit vielen Aufgaben
Etwa die Hälfte der bayerischen Alpen sind mit Wald bedeckt (260.000 ha), 56 Prozent davon sind Schutzwald, denn ein naturnaher, gesunder Bergmischwald erfüllt viele Aufgaben. Er
- schützt vor Lawinen, Steinschlag, Muren und Hochwasser,
- verhindert Erosion,
- fördert die Neubildung von Grundwasser,
- liefert sauberes Trinkwasser,
- reinigt die Luft,
- speichert große Mengen des Treibhausgases CO2 und
- ist ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
Für zahlreiche Tiere wie Weißrückenspecht, Haselhuhn und Alpenbock (siehe auch Alpentiere) sind die Bergwälder die letzten Rückzugsgebiete in Deutschland.

Wie muss ein intakter Schutzwald beschaffen sein?
Ein intakter Schutzwald ist idealerweise stufig aufgebaut mit Bäumen aller Altersstufen. Nach dem Absterben oder Fällen alter Bäume können jüngere Bäume in der Umgebung deren Funktion übernehmen, sodass keine größeren Lücken entstehen und der Waldboden dauerhaft mit Wald bedeckt und so geschützt ist. Unter den Bäumen wächst eine vielfältige Krautschicht.
Bis etwa 1.400 Meter Meereshöhe ist der Schutzwald ein stabiler und anpassungsfähiger Mischwald mit den Hauptbaumarten Fichte, Buche und Tanne zu denen sich einzelne Bergahorne, Bergulmen, Eschen, Linden, Kiefern sowie Mehl- und Vogelbeeren gesellen. Die drei Hauptbaumarten kommen mit recht unterschiedlichen Böden und Klimabedingungen zurecht.
Oberhalb von 1.400 Metern wachsen Fichten und Lärchen gruppenweise, um sich gegenseitig vor Sturm und Schnee zu schützen. In den Räumen zwischen den Gruppen können sich Schneemassen ablagern, ohne Schäden an den Einzelbäumen anzurichten.
Die Tanne sorgt für ein geschlossenes Kronendach und kann mehr Trockenheit als die Fichte ertragen: Sie ist sehr schattenertragend und kann deshalb jahrzehntelang unter größeren Bäumen überleben. Tun sich Lücken auf, schließt sie diese sehr schnell, was den Wald stabiler macht. Der Tiefwurzler Tanne gewinnt auch deshalb immer mehr an Bedeutung, weil der Flachwurzler Fichte wegen Trockenheit auf den Südhängen bereits zu kränkeln beginnt. Und generell gilt: Wintergrüne Nadelbäume verbessern den Lawinenschutz, weil bei Wind der darauf abgelagerte Schnee herunterfällt und die Schneedecke verfestigt.
53 Prozent des Bergwaldes gehören dem Freistaat Bayern, 43 Prozent sind Privatwald und vier Prozent Kommunalwald.
Bayerischer Bergwald unter Druck
Über 13.000 Hektar (9 Prozent) Schutzwald in den bayerischen Alpen sind in ihrer Funktionsfähigkeit so beeinträchtigt, dass sie saniert werden müssen. Durch das jahrhundertelange Wirken des Menschen sind die Mischwälder stark zurückgegangen und die Fichte ist jetzt die dominierende Baumart. Die Wälder haben dadurch an Stabilität verloren und die Belastung mit Schadstoffen, die Folgen der Klimakrise und der gebietsweise immer noch zu hohe Wildverbiss setzen ihnen zusätzlich zu.
Auch der immer weiter vorangetriebene Forststraßenbau und der in den letzten Jahren vor allem im Staatswald stark gestiegene Holzeinschlag schwächen den Bergwald. Durch verstärkte Holznutzung gibt es immer weniger Totholz, das ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Kreislaufes in Bergwäldern ist. Gleichzeitig wird zu wenig Geld für die Schutzwaldsanierung bereitgestellt.
Bergwald im Klimawandel
Der Bergwald in den Alpen soll die Menschen vor den Auswirkungen der Klimakrise schützen, leidet aber selbst massiv darunter. Die Gefahren für die Menschen in den Alpenregionen bekommen durch den Klimawandel eine neue Dimension: Hochwasser, Lawinen, Steinschlag und Murenabgänge werden wesentlich häufiger und gefährlicher. Die Trinkwasserversorgung nicht nur in den Gebirgstälern gerät in Gefahr. Umso dramatischer, dass der Bergwald, der die Menschen vor den beschriebenen Phänomenen schützen soll, durch die Klimakrise selbst massiv gefährdet ist. So reagiert die in den Bergen weit verbreitete Fichte (58 Prozent) sehr empfindlich auf Hitze und Trockenheit. Hinzu kommen Stürme und Borkenkäfer, die große Waldflächen innerhalb weniger Monate vernichten.
Die Politik hat sich zum Schutz des Bergwaldes verpflichtet, verstößt aber gegen die eigenen Vorgaben. Bereits vor Jahrzehnten hat auch sie erkannt, dass sich die Situation im bayerischen Bergwald nicht zum Positiven hin entwickelt. 1984 hat der Bayerische Landtag zum Schutz der bayerischen Alpenwälder den Bergwaldbeschluss erlassen. Danach sollte es grundsätzlich keine Rodungen mehr für Freizeiteinrichtungen geben. Leider wird diese Vorgabe kaum beachtet. So wird im Bergwald bei der Holznutzung das Kahlschlagverbot zwar eingehalten, für den Bau genehmigter Erschließungen wie etwa Skiabfahrten oder Seilbahnen aber de facto außer Kraft gesetzt.
Der BN ist Mitglied im WaldBündnisBayern und setzt sich umfassend dafür ein, den Bergwald naturschonend zu bewirtschaften und zu pflegen.

Unsere Forderungen
Alle standortheimischen Baumarten sowie die waldtypischen Kraut- und Straucharten sollen aufwachsen können.
Im Schutzwald müssen die ökologischen und gesamtgesellschaftlichen Leistungen (Artenvielfalt, Abwehr von Naturgefahren, Anpassen an den Klimawandel) des Bergwaldes Vorrang vor der Holznutzung haben. Die Holzentnahme darf nur erfolgen, wenn sichergestellt ist, dass junge Bäume aller standortheimischen Arten – insbesondere der Tanne – ohne besondere Schutzmaßnahmen aufwachsen können.
Reh-, Rot- und Gamswild muss im Gebirge so effektiv bejagt werden, dass ein voll funktionsfähiger Bergwald aufwachsen kann. Die Jagd muss sich dem Ziel, intakte Schutzwälder aufzubauen, unterordnen. Die Fütterung von Rotwild muss eingeschränkt werden, weil sei zum Beispiel zu unnatürlich hohen Beständen führt.
Wo es möglich ist, sollen Wald und Weide getrennt werden, um Schäden am Boden und der Vegetation zu vermeiden.
Die Schutzwaldsanierung muss so lange als Daueraufgabe anerkannt werden, bis alle Bergwälder ihre Schutzfunktionen wieder befriedigend erfüllen können. Die teure Schutzwaldsanierung soll sich dabei vorrangig auf Gebiete konzentrieren, in denen das rasche Aufwachsen aller Baumarten gesichert ist. Die Regierung muss ausreichend Mittel für die Schutzwaldsanierung zur Verfügung stellen.
Die Mittel für den Bergwald müssen vor allem für den notwendigen Waldumbau, für den Artenschutz sowie die Sanierung nicht mehr funktionstauglicher Bergwälder eingesetzt werden und nicht an erster Stelle für den Straßenbau, wie das bisher der Fall war. Der exzessive Bau von Forststraßen zerschneidet Bergwälder und die Lebensräume von Tieren.
Es dürfen keine neuen Forststraßen mehr gebaut werden. Statt das eingeschlagene Holz mit dem LkW aus den Wäldern zu holen, müssen schonendere Methoden, wie etwa die Holzbringung mit dem Pferd, stärker gefördert werden. Wo die Bewirtschaftung mit großen Eingriffen verbunden ist, ist diese zu unterlassen.
Um auch in privaten Wäldern mehr Naturschutz- und Gemeinwohlleistungen zu erreichen, müssen Leistungen der Privatwaldbesitzer*innen, die über die gesetzlichen Standards hinausgehen, ausreichend gefördert werden. Der Aufbau funktionsfähiger Bergwälder muss für die Waldbesitzer*innen finanziell attraktiver sein als etwa die jagdliche Verpachtung.




















