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Massentierhaltung in Bayern – Problem für Tier, Mensch und Umwelt

Hühner und Schweine leben auch in Bayern oft zu Hunderten oder Tausenden in einem Stall. Für sie ist diese Massentierhaltung eine Qual, für die Umwelt ein Riesenproblem und für uns Menschen nicht nur eine Schande, sondern auch eine gesundheitliche Gefahr.

Unser Wohlstand bringt es mit sich – wir essen sehr viel Fleisch, Eier und Milchprodukte. Und das absurderweise am liebsten für wenig Geld. Dieser Lebensstil, eine verfehlte europäische Agrarpolitik und der große Preisdruck in der Lebensmittelbranche haben letztlich zur Massentierhaltung geführt – auch in Bayern: Nutztiere wie Hühner, Schweine und Puten müssen in riesigen Ställen leben, wo es ihnen an Platz, Tageslicht, frischer Luft, Bewegung und Beschäftigung sowie einem natürlichen Kontakt mit ihren Artgenossen fehlt.

50 Prozent

weniger Bauern

20 Prozent

weniger Kühe

Am bekanntesten sind zwar die deutschen Zentren der Massentierhaltung in Niedersachsen und Teilen Nordrhein-Westfalens. Doch in Bayern hat sich die Tierhaltung ebenso grundlegend verändert. Den typisch bayerischen Vollerwerbsbauernhof mit verschiedenen Tierarten und das Idyll à la "In Bayern ist die Welt noch in Ordnung" – wie es gerne von der bayerischen Landwirtschaftspolitik bemüht wird – gibt es nicht mehr. Wenn Ministerpräsident Markus Söder von Agrarökologie statt Agrarkapitalismus spricht, so geschehen im Juli 2020 in Nürnberg, dann wird der Zwang der Landwirte, immer mehr Fleisch, Eier oder Milch zu Niedrigpreisen zu produzieren, ausgeblendet.

Viele kleine Bauern konnten bei der Vergrößerungs- und Intensivierungswelle der letzten Jahrzehnte nicht mehr mithalten. Sie gaben auf und die großen Höfe wurden noch größer. So haben wir heute rund 50 Prozent weniger kuhhaltende Bauern in Bayern als vor zwei Jahrzehnten – aber nur 20 Prozent weniger Kühe. Das heißt, immer weniger Bauern halten Vieh in immer größeren Beständen. Viele Höfe sind heute hochspezialisiert und haben nur noch eine Tierart in hoher Zahl.


Sechs Fragen und Antworten zur Massentierhaltung

Für den Begriff Massentierhaltung (auch industrielle Tierhaltung oder Intensivhaltung) gibt es keine allgemeingültige Definition. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) spricht davon, wenn Nutztiere gleicher Art und Altersgruppe in großen Beständen auf begrenztem Raum gehalten werden und ein geringstmöglicher Einsatz von Arbeitskräften zur Versorgung und Fütterung angestrebt wird (…).

Der Tierschutzverein Provieh spricht von Massentierhaltung, wenn eine Fachkraft so viele Tiere zu betreuen hat, dass die Tiere nicht mehr jeden Tag einzeln und sorgfältig in Augenschein genommen werden können und der Halter seine Tiere als reine „Produktionsfaktoren“ zur Erwirtschaftung eines Deckungsbeitrages sieht, statt als Lebewesen mit arteigenen Bedürfnissen und angeborenen Verhaltensweisen.

Heute stehen mehr als 18 Prozent der bayerischen Milchkühe in Ställen mit mehr als 100 Tieren. 2009 galt dies noch nicht einmal für ein Prozent.

2019 lebten schon rund 27 Prozent der bayerischen Mastschweine in Beständen von mehr als 1.000 Tieren.

Big is beautiful heißt es auch in der Hühnerhaltung: In Bayern gibt es schon Betriebe mit mehr als 100.000 Mastplätzen. Gegen Anlagen dieser Größenordnung wehrt sich der BN, teils auch mit Gerichtsverfahren (z. B. Mastanlage Eschelbach).

(Stand: Agrarbericht 2020)

  • 0,75 m2 pro Mastschwein
  • 2,5 m2 pro Zuchtsau in der Gruppenbucht. Fast die Hälfte des Jahres leben Zuchtsauen aber in körperengen „Kastenständen“, in denen sie sich nicht einmal umdrehen können. Die umstrittene Praxis soll jetzt eingedämmt werden. Laut einer Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung dürfen die Landwirte mit einer Übergangsfrist von acht Jahren (ab 2020) keine Kastenstände mehr in den sogenannten Deckzentren verwenden. Im "Abferkelbereich" gilt aber eine sehr lange Übergangsfrist von 15 Jahren.
  • 800 cm² pro Legehenne in der Käfig-Kleingruppenhaltung
  • 1.111 cm² pro Legehenne in der konventionellen Bodenhaltung
  • 384 cm² pro Masthuhn bei Kurzmast. Zum Vergleich: Ein DIN-A5-Blatt ist 311,1 cm² groß. Das ist klar zu wenig, um die arteigenen Bedürfnisse auszuleben.

In den „Tierfabriken“ fallen große Mengen an Gülle auf relativ kleiner Fläche an. Landet zu viel davon auf den landwirtschaftlichen Flächen, können Boden und Pflanzen den Dünger nicht mehr aufnehmen. Er sickert ins Grundwasser, was in vielen Gebieten Bayerns, Deutschlands und Europas zu deutlich erhöhten Nitratkonzentrationen im Grundwasser führt – die dann wiederum in unserem Trinkwasser landen. Das birgt Gesundheitsrisiken: Wird Nitrat im Organismus zu Nitrit umgewandelt, kann das vor allem bei Säuglingen die Sauerstoffversorgung über das Blut einschränken.

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Aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung stammt ein beträchtlicher Teil der schädlichen Klimagase, die in Deutschland ausgestoßen werden. Dafür verantwortlich sind vor allem Lachgasemissionen aus der Überdüngung der Böden und Methanemissionen aus der Tierhaltung und Güllelagerung.

Die landwirtschaftliche Tierhaltung ist auch verantwortlich für fast 95 Prozent aller Ammoniakemissionen. Diese tragen zur Versauerung der Böden bei und erhöhen den Stickstoffgehalt der Niederschläge, was indirekt wieder zur Stickstoffanreicherung und Nährstoffüberschüssen in den Böden führt und die Bildung von Lachgas fördert. Lachgas ist 230-mal so klimaschädlich wie CO2.

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Bayern importierte 2018 etwa 500.000 Tonnen Soja für die Landwirtschaft. Ein Großteil davon geht in die Tierfütterung. Weltweit größter Sojaproduzent ist mit 133 Millionen Tonnen Brasilien. Dort sind 97 Prozent der angebauten Sorten genverändert (Fleischatlas, 2021). Wir belegen also riesige Anbauflächen in Südamerika, um unseren hohen Tierfutterbedarf zu decken. Flächen, auf denen früher größtenteils Regenwald wuchs und die nun für die Selbstversorgung der südamerikanischen Bevölkerung fehlen. Viele davon wurden illegal abgeholzt.

Lesen Sie auch unsere Broschüre: Regenwald und Glyphosat. Was Sie schon immer über Futtermittel wissen w(s)ollten.

Massentierhaltung: Leistung und Schnelligkeit zählt

Möglichst billig heißt möglichst schnell. Dementsprechend wurden Masttierrassen in den vergangenen Jahrzehnten daraufhin gezüchtet, in einem Bruchteil der früher üblichen Zeit ihr Schlachtgewicht zu erreichen. So gehen heute Schweine mit nur sechs bis sieben Monaten und einem Endgewicht von 110 bis 125 Kilogramm zum Schlachter. Bei Hühnern haben die Züchter die Wachstumsrate inzwischen vervierfacht.

1.000 kg

mehr Milch/Jahr

Kühe

290 Eier

pro Jahr

Hühner

7 Monate

bis zur Schlachtreife

Schweine

Der ausbeuterische Umgang mit Nutztieren fängt also schon mit der Hochleistungszüchtung an. Im Durchschnitt gibt eine bayerische Kuh heute 1.000 Kilogramm mehr Milch pro Jahr als noch vor zehn Jahren. Diese hohe Leistung hat aber auch einen Preis: Je nach Rasse lebt eine Milchkuh heute 5,2 bis sechs Jahre und damit etwa 200 Tage kürzer als noch 1977. Die männlichen Kälber solcher Hochleistungsmilchkühe sind nicht mehr für die Mast geeignet und werden zu Niedrigstpreisen verkauft. Im November 2019 lag der Durchschnittspreis für ein solches Kalb bei 8,49 Euro.

Zweinutzungshühner statt Kükenschreddern

Noch deutlicher wird dieses Züchtungsproblem bei Hühnern: Seit vielen Jahren werden getrennte Rassen entweder zum Turbo-Eierlegen oder -Mästen gezüchtet. Und so legen Hochleistungshühner heute etwa 290 Eier pro Jahr. Das schaffen sie etwa ein Jahr lang, dann werden sie in der Regel geschlachtet.

Kükenzüchter schreddern (töten) heute Abertausende von männlichen Eintagsküken, da diese nicht als Masthähnchen taugen. Ab 2023 ist das Kükenschreddern zwar endlich verboten, alternativ soll nun aber das Geschlecht des Kükens bereits im Ei bestimmt und nur "weibliche Eier" weiter bebrütet werden. Der BN hält auch das nicht für den richtigen Weg und plädiert stattdessen für die Zucht von Zweinutzungshühner. Das sind Rassen, die sowohl zur Eier-, als auch zur Fleischproduktion geeignet sind.

Antibiotika in der Massentierhaltung

Die hohen Leistungen und die Massentierhaltung haben Folgen: Hochleistungstiere sind krankheitsanfälliger. Deshalb kommen heute in der Nutztierhaltung immer noch zu viele Antibiotika zum Einsatz. Dadurch nehmen antibiotikaresistente Keime zu, mit denen dann auch wir Menschen zu kämpfen haben. Besonders bedenklich: Immer mehr Reserveantibiotika kommen in der Nutztierhaltung zum Einsatz. Diese sollten eigentlich als „letztes Mittel“ gegen antibiotikaresistente Erreger in der Humanmedizin dienen.

Das fordert der BN: Massentierhaltung in Bayern stoppen!

  • Verbindliche Vorgabe im Immissionschutzgesetz/Baurecht, dass viehhaltende Betriebe das Futter zur Hälfte selbst anbauen müssen. So können große Tierhaltungsanlagen verhindert werden,
  • Verbot von Vollspaltenböden,
  • Liegeflächen auf Stroh,
  • Auslauf ins Freie,
  • keine Amputationen (z.B. Ringelschwänze, Schnäbel),
  • artgerechte Fütterung statt Turbomast,
  • tiergerechte Züchtung,
  • nur noch den Bau artgerechter Ställe fördern,
  • verpflichtende Kennzeichnung der Haltungsform auf Produkten, ähnlich wie bei der Eierkennzeichnung.

Agrarpolitik

Der BN setzt sich ein für eine Agrarpolitik weg von agrarindustrieller Massenproduktion und Agrogentechnik, hin zu einer bäuerlichen und umweltgerechten Landwirtschaft.

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