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Naturnahe Waldwirtschaft

Der BN unterstützt eine naturnahe, naturgemäße Waldwirtschaft. Dabei werden die Wälder so genutzt, dass sie nachhaltig den Rohstoff Holz liefern, gleichzeitig aber auch die immer wichtiger werdenden Ökosystemleistungen für das Gemeinwohl erbringen.

Intensive Nutzung schwächt die Wälder

Momentan werden fast alle unsere Wälder intensiv bewirtschaftet, sodass oft gleichförmige, anfällige Fichten- oder Kiefernwälder entstehen. Darunter leiden die Waldböden und die Artenvielfalt und der Wald kann seine Ökosystemleistungen nicht mehr ausreichend erfüllen.

BN fordert naturnahe Waldwirtschaft

Eine Waldwirtschaft, wie sie der BN unterstützt, arbeitet naturnah, kennt keine Kahlschläge und erhält artenreiche, stabile Mischwälder mit viel Totholz. Solche Wälder können ihre Funktionen, etwa als Wasserspeicher, Erosionsschutz oder Kohlenstoffspeicher, erfüllen.

Doppelt so viele Naturwälder nötig

Das BN-Waldkonzept fußt neben Nutzwäldern auf zehn Prozent nutzungsfreien Naturwäldern in den öffentlichen Forsten. Im Durchschnitt (mit den Privatwäldern) wären dann fünf Prozent der bayerischen Wälder nutzungsfrei. Im Privatwald kann die Ausweisung von Naturwäldern mit einer entsprechenden staatlichen Förderung freiwillig erfolgen.

Für ein Verbot von Kahlschlägen

Kahlschläge zerstören Waldlebensräume im großen Stil und sind schädlich für Klima und Grundwasser. Weil in Bayern ein Kahlschlagsverbot fehlt, kommt es immer wieder zu großen Kahlschlägen in bayerischen Wäldern – auch in sehr wertvollen alten Wäldern wie dem Steigerwald. Der BN setzt sich für ein Verbot von Kahlschlägen ein.

Merkmale einer Naturnahen Waldwirtschaft

Totholz spielt eine große Rolle für die Artenvielfalt im Wald. Es ist Lebensraum für unzählige Vögel, Insekten, Säugetiere, Bakterien, Pilze, Moose und Flechten. In Urwäldern verbleibt alles Holz vor Ort. Abgestorbene Bäume werden von den oben genannten Arten besiedelt und im Laufe vieler Jahre schließlich zersetzt. So können in den verschiedenen Urwaldstadien riesige Mengen an Totholz vorkommen. Dies kann bis zu mehreren Hundert Kubikmeter pro Hektar reichen, die dann 30 bis über 50 Prozent der gesamten Holzbiomasse ausmachen. Im Wirtschaftswald in Deutschland sind es derzeit gerade einmal fünf Prozent (etwa 20 Kubikmeter). 

Biotopbäume sind lebende Bäume, die Lebensraum für viele Arten bieten. Sie weisen sogenannte „Schlüsselstrukturen“ auf wie Höhlen, Astabbrüche oder Pilzkonsolen. Besonders wertvoll sind Biotopbäume mit Teilen abgestorbener Biomasse sowie sehr alte Bäume, in denen sich über viele Jahrzehnte bis Jahrhunderte besondere Strukturen und Absterbeprozesse entwickeln können. Biotopbäume sind im Urwald häufig, in unseren Wirtschaftswäldern aber viel zu selten.

Lesen Sie mehr zu Totholz!

Von Natur aus würden in Bayern hauptsächlich Laubbäume wie Buchen, Eichen, Ahorn- und Lindenarten wachsen.Derzeit dominieren in den Wäldern aber Fichte und Kiefer, die durch die Klimakrise besonders häufig ausfallen. Deshalb muss die Forstwirtschaft dafür sorgen, dass wieder mehr klimastabile Laubbäume und Tannen in unseren Wäldern wachsen.

Wir brauchen alte Wälder und Bäume, weil sie Lebensraum für viele Arten bieten. Von Natur aus können Bäume oft mehrere Hundert Jahre alt werden, die Buche bis über 300, die Eiche über 500 Jahre. Derzeit erreichen sie im Forst maximal ein Drittel ihrer natürlichen Lebensspanne. Die allermeisten Bäume werden bereits früher Zug um Zug gefällt. Um diesen großen Mangel an alten Bäumen und das riesige Defizit an Ur- und Naturwäldern auszugleichen, müssen wir zulassen, dass viel mehr Bäume, viel mehr Wälder deutlich älter werden – auch im Wirtschaftswald.

Pestizideinsätze sind schädlich und unnötig. Noch immer bekämpft die Forstverwaltung die Schmetterlingsraupen von Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner mit Pestiziden, teilweise flächig per Helikopter. Das schädigt das ganze Waldökosystem, tötet andere blattfressende Insekten und ist außerdem überflüssig. Wie sich 2019 gezeigt hat, stirbt der Wald auch nach einem Kahlfraß nicht auf ganzer Fläche ab, sondern immer nur einzelne Bäume.

Der BN erkennt das Engagement vieler Forstleute und Waldbesitzer*innen für mehr Naturschutz im Wald ausdrücklich an. Seit 1977 zeichnet er Persönlichkeiten für ihre Verdienste um eine naturgemäße Waldwirtschaft und waldfreundliche Jagd mit der Karl Gayer-Medaille aus. Mit der BN-Waldmedaille ehrt er seit 2008 Persönlichkeiten und Organisationen, die sich um den Schutz und die naturnahe Bewirtschaftung des Waldes, insbesondere des Privat- und Kommunalwaldes verdient gemacht haben.

Monokulturen von Fichte und Kiefer sind anfällig und artenarm. Die beiden Baumarten kommen in unseren Wirtschaftswäldern oft in „Reinkultur“ daher. Diese unnatürlichen Nadelholzforste müssen möglichst schnell in stabilere Laubmischwälder umgewandelt werden („Waldumbau“).

Weil der Wildbestand zu hoch ist, kann der Wald nicht mehr natürlich nachwachsen. In vielen Wäldern Bayerns können sich die Bäume nicht natürlich verjüngen, so wie sie es seit Urzeiten getan haben, denn es gibt vielerorts zu viele Rehe und Gämsen sowie zu viel Rotwild. Die Tiere schälen die Rinde von den Bäumen oder verbeißen kleine Bäumchen so stark, dass diese nicht mehr wachsen können. Dabei steht im Bayerischen Waldgesetz, dass die Waldverjüngung ohne Zaun oder andere Schutzmaßnahmen möglich sein muss. In den betroffenen Wäldern muss die Jagd entsprechend intensiviert werden.

Lesen Sie mehr zu Wald und Jagd!

Die großen Maschinen, die in der Forstwirtschaft genutzt werden, schaden dem Waldboden. Der Harvester fällt die Bäume, entastet und schneidet sie in Abschnitte, der Forwarder transportiert das Holz dann ab. Für diese großen Maschinen werden Wege angelegt, momentan im Abstand von etwa 20 bis 30 Metern. In der Folge wird sehr viel Waldboden befahren, verdichtet und seine Struktur gestört, teilweise zerstört. Der Abstand muss hier auf 40 Meter erhöht werden und die Befahrung möglichst bodenschonend erfolgen, zum Beispiel, wenn der Boden gefroren ist.

Kahlschläge zerstören Waldlebensräume im großen Stil und sind schädlich für Klima und Grundwasser. Bei Kahlschläge werden Bäume auf großen Flächen entnommen. Diese Kahlflächen sind Sonne, Wind und Regen schutzlos ausgeliefert und in vielerlei Hinsicht sehr problematisch. Wälder verlieren etwa ihre Speicherfunktion für Kohlenstoff und wichtige Nährstoffe, wie beispielsweise Nitrat, das dann ins Grundwasser verlagert wird und unser Trinkwasser belastet. Es dauert viele Jahrzehnte bis sich wieder ein wertvoller Waldlebensraum enwickeln kann. Das innerhalb eines Waldes fein abgestimmte Lebensnetz zwischen Tieren und Pflanzen wird mit Kahlschlägen komplett außer Kraft gesetzt und entsprechend schwierig ist es, auf solchen Flächen wieder einen stabilen und naturnahen Wald zu begründen.

Das BN-Waldkonzept

Wichtig: Der BUND Naturschutz will die Forstwirtschaft nicht verbieten, sondern naturfreundlicher gestalten. Deshalb basiert das BN-Waldkonzept auf nutzungsfreien Naturwäldern im öffentlichen Wald. Dort sollen zehn Prozent Naturwälder ausgewiesen werden, sodass im Durchschnitt fünf Prozent der bayerischen Wälder nutzungsfrei sind. Im Privatwald kann die Ausweisung von Naturwäldern mit einer entsprechenden staatlichen Förderung freiwillig erfolgen.

95

Prozent

Holznutzung

5

Prozent

Naturwälder

Von zehn Prozent nutzungsfreier öffentlicher Wälder ist Bayern momentan noch weit entfernt. Zwar gibt das bayerische Landwirtschaftsministerium die Naturwaldfläche mit zehn Prozent an. Darin sind aber alle Latschenfelder der bayrischen Berge enthalten. Diese wurden aber noch nie forstlich genutzt. Mit diesem Trick will das Ministerium vom Mangel an nutzungsfreien Wäldern in Bayern ablenken. 

Auch eine naturverträgliche Holznutzung ist mit Eingriffen in das Waldökosystem verbunden, das ist dem BN bewusst. So wird ein Großteil der Holzbiomasse bei der Ernte aus dem Wald entnommen, die Baumartenzusammensetzung verändert, Waldböden werden mit Maschinen befahren und Bäume lange vor dem Erreichen ihrer eigentlichen Lebensspanne gefällt. Das führt zwangsläufig zu Verlusten, etwa was die waldtypische Artenvielfalt angeht.

Im Vergleich zur derzeitigen intensiven Forstwirtschaft hat eine naturnahe Waldbewirtschaftung wie sie der BN vorschlägt aber viel geringere Auswirkung auf das Ökosystem Wald und sorgt für eine tatsächlich nachhaltige Nutzung des umweltfreundlichen Rohstoffes Holz.

Lesen Sie mehr über Naturwälder für Bayern!


Warum eine naturnahe Waldwirtschaft?

Auch wenn viele Förster*innen und Waldbesitzer*innen sich engagiert für eine naturnahe Waldwirtschaft einsetzen, sind aus Naturschutzsicht noch auf großen Flächen Defizite zu verzeichnen, nicht zuletzt auch aufgrund historischer Fehlentwicklungen. Etwa zwei Drittel der Lebensaltersspanne von Bäumen kommen im Wirtschaftswald nicht vor, weil die Bäume „jung“ geerntet werden. So sind alte Laubbäume nur auf weniger als zwei Prozent der Fläche in Bayerns Wälder zu finden, dementsprechend selten sind die Bewohner alter Wälder.

Lesen Sie mehr über Tiere im Wald!

Defizite in Bayerns Wäldern

  • große Defizite bei Totholz, Biotopbäumen, alten Wäldern und Naturwäldern,
  • fehlende Naturnähe vieler Wälder hinsichtlich der Baumartenzusammensetzung,
  • massive Schäden durch Verbiss und Schälen von Reh, Hirsch und Gams (Jagd und Wald),
  • zunehmend Bodenschäden und immer neue Trassen und Forststraßen durch hochmechanisierte Holzernte,
  • großflächige Pestizideinsätze,
  • anhaltende Bedrohung der Wälder durch Stickstoffeinträge, Rodungen und Zerschneidung.

Waldfrevel in Bayern

Immer wieder kommt es zu großflächigen Einschlägen in bayrischen Privatwäldern: Kahlschläge, gefällte Biotopbäume, durch schwere Forstmaschinen tief zerfurchte Waldböden – oft sind es Spaziergänger*innen, die von derartigen Vorkommnissen berichten. Sicher das gravierendste Negativbeispiel der vergangenen Jahre sind die riesigen illegalen Kahlschläge im Fürstlich Löwenstein’schen Park im Europäischen Vogelschutzgebiet Spessart. Schon seit etlichen Jahren kämpft der BN immer wieder gegen Kahlschläge in diesem Privatwald. Wie ein Gutachten 2022 zeigte, belaufen sie sich mittlerweile auf mindestens 327 Hektar.

Den Kahlschlägen fielen schon viele uralte, dicke Buchen sowie Höhlen- und Biotopbäume zum Opfer. Die Kahlschläge liefen dabei immer nach dem gleichen Muster ab: Alte, ökologisch wertvolle Buchenwälder werden kahlgeschlagen und anschließend oft Douglasien gepflanzt. 

Behörden sind offenbar die Hände gebunden

Große Kahlschläge sind laut Gesetz möglich: So sind die Waldverwüstungen im Fürstlich Löwenstein’schen Park den zuständigen Ämtern längst bekannt, seit Jahren ist ein Gerichtsverfahren am Verwaltungsgericht Würzburg anhängig. Doch offenbar sind den Behörden die Hände gebunden, weil laut Bayerischem Waldgesetz über 300 Hektar große Kahlschläge möglich sind. Ein Skandal und Armutszeugnis für die Bayerische Staatsregierung!

Privatwaldbesitzer soll seine Buchenwälder endlich nachhaltig bewirtschaften: Der BN hat nun Ende 2022 beim Landratsamt Main-Spessart beantragt, weitere Kahlschläge zu untersagen, bis die vorgeschriebene Natura-2000-Verträglichkeitsprüfung unter Mitwirkung der anerkannten Naturschutzvereinigungen durchgeführt wurde. Der BN will, dass in Bayern Kahlschläge endlich per Gesetz verboten werden, das Fürstenhaus Löwenstein die rechtlichen Vorgaben beachtet, die Kahlschläge unterlässt und seine Buchenwälder naturverträglich und naturnah bewirtschaftet.


Zeit für eine neue Forstwirtschaft

Wir brauchen ein ganzheitliches, naturnahes und nachhaltiges Nutzungskonzept für den Lebensraum Wald. Der BN macht sich seit seiner Gründung vor mehr als 100 Jahren für lebendige Wälder stark, weg von der einzig an ökonomischen Zielen ausgerichteten Forstwirtschaft hin zu einer naturnahen Waldwirtschaft.

Ein stabiler Wald ist in Zeiten der Klimakrise wichtiger denn je: Der Wald ist nicht nur das Ökosystem, das am meisten unter dem Klimawandel leidet. Er hat gleichzeitig das Potenzial, große Mengen an Kohlenstoff zu binden. So kann er uns helfen, die Klimakrise zu bewältigen.

Lesen Sie mehr über den Wald im Klimawandel!