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BUND Naturschutz holt Wildkatze zurück nach Bayern

Jahrzehntelang gab es keine Wildkatzen in Bayern. Der BN hat sich für ihre Rückkehr engagiert – mit großem Erfolg: Suchaktionen belegen, dass der scheue Jäger nicht nur in die Wälder Nordbayerns, sondern auch südlich der Donau zurückgekehrt ist! Mit dem Wildkatzenmonitoring verfolgt der BN nun ihre Ausbreitung und setzt sich weiter dafür ein, naturnahe Wälder zu erhalten, die Wildkatzen zum Überleben brauchen.

Aktuelle Untersuchungen belegen es: Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris)  – ein echter Ureinwohner Bayerns – erobert sich die alten Lebensräume im Freistaat zurück! In Nordbayern kommt sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in allen geeigneten Wäldern wieder vor – wenn auch noch in geringer Dichte. Lange galten Spessart, Rhön und die Haßberge als die einzig sicheren Vorkommen in Bayern. Mittlerweile sind die Samtpfoten auch im Steigerwald, im Nürnberger Reichswald, in der Fränkischen Schweiz und im Bayerischen Wald nachgewiesen. Zuletzt gelangen Neunachweise im Landkreis Eichstätt und in zahlreichen anderen Orten nördlich und sogar südlich der Donau in den Wäldern westlich von Augsburg. 

Nur entlaufene Hauskatzen?

Wildkatzen (Felis silvestris silvestris) sind keine verwilderten Hauskatzen sondern eine eigene Art (siehe Wildkatze-Steckbrief). Hauskatzen (Felis silvestris lybica) kamen mit den Römern nach Bayern.

Hauskatzen wurden seit Jahrtausenden gezüchtet und domestiziert. Ihre verwandten Ureinwohner hingegen lebten stets unauffällig und sehr zurückhaltend in möglichst undurchdringlichen Naturwäldern.

Die Wildkatze galt in Bayern noch Anfang des 20. Jahrhunderts als ausgestorben. 1984 hat der BN ein Wiederansiedlungsprojekt gestartet – mit großem Erfolg (siehe auch Verbreitung).

Wildkatze pirscht sich nach Südbayern vor

Gerade im Süden Bayerns handelt es sich mutmaßlich um viele junge Tiere, die auf der Suche nach eigenen Revieren durch die Wälder streifen. Sie müssen sich erst noch behaupten, einen Partner finden und Junge bekommen, bevor man von ersten Ansätzen für etablierte Vorkommen sprechen kann. Gerade für diese jungen Tiere ist es immens wichtig, dass wildkatzentaugliche Wälder untereinander mit grünen Korridoren aus schützenden Hecken, Bäumen und Sträuchern vernetzt werden. Nur so hat die Art eine Chance, sich weiter in Bayern und Deutschland auszubreiten. 

Mit seinem Engagement hat der BN die Wildkatze nach Bayern zurückgebracht. Ihre Ausbreitung wird vom BN und vielen ehrenamtlichen Helfern weiterhin begleitet, zum Beispiel mit Lockstock-Nachweisen. Die hiesige Wildkatzenforschung ist eines der größten „Citizen Science“-Projekte Bayerns. (Siehe auch Auswilderung und Forschung). Im Jahr 2020 gelang ein erster Nachweis der Wildkatze im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen – seit 2014 hatte der BN hier nach ihr gesucht.

Lebensraum und Lebensweise der Europäischen Wildkatze

Alte und strukturreiche Wälder – heute können wir nur ahnen, wie sie ausgesehen haben. Baumriesen, die erst nach Hunderten von Jahren eine besonders dicke Borke, Moosbewuchs, verwitterte Äste und Höhlen ausbilden, die unzähligen hoch spezialisierten Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bieten. Irgendwann bricht der Baum zusammen, es entsteht eine große Schneise, in der Licht liebende Bäume und Sträucher keimen.

Schmetterlinge, Käfer, Frösche, Eidechsen und natürlich auch Mäuse können das enge Nebeneinander von Licht und Schatten, von trockenen und nassen Nischen nutzen. In einem solchen Wald existieren Alt und Jung eng verzahnt und im ständigen, dynamischen Wechsel. Das war die ursprüngliche Heimat unserer Wildkatzen. Heute finden wir sie in strukturreichen Laub- und Mischwäldern mit kleinen Lichtungen und Windwurfflächen, alten Laubbäumen und Jungholz im engen Verbund.

Wildkatzen sind sehr scheu und sie bewegen sich äußerst vorsichtig. Baum- und Felshöhlen, Wurzeln und abgestorbenes Geäst dienen ihnen als Tagesversteck und sicherer Ort zur Aufzucht ihrer Jungen. Aber auch ruhige, heckenreiche Säume am Waldrand mit angrenzenden Wiesen sind Lieblingsplätze der Samtpfote. Hier kann sie auf den Wiesen Mäuse, ihre Hauptnahrungsquelle, erbeuten. Bisweilen stehen auch Vögel auf ihrem Speiseplan, außerdem Eidechsen oder Amphibien sowie größere Insekten. Gebüsche und Hecken bieten Deckung und sichern ihr einen Fluchtweg zurück in den Wald. 

Eine Übersicht über alle Merkmale gibt der Steckbrief Wildkatze.

Forscher haben die ursprüngliche Verbreitung der Wildkatze in Bayern und ihre Ansprüche an Lebensräume untersucht, um herauszufinden, wo die schöne Wilde im Freistaat überall leben kann. Das Ergebnis: Die Wildkatze könnte überall in Bayern in den nächsten Jahrzehnten wieder Fuß fassen – mit Ausnahme der wenigen Regionen, in denen der Schnee im Winter sehr lange liegen bleibt. Eine Voraussetzung für die weitere Ausbreitung sind Wanderkorridore zwischen bereits besetzten und noch unbesetzten Wäldern. Nur im Schutz von Bäumen, Sträuchern und Hecken wird die Wildkatze Wanderungen in neue Lebensräume wagen. Die Ausbreitung über ausgeräumte Ackerlandschaften hinweg ist hingegen fast nicht möglich.
Wie der BN alte und strukturreiche Wälder als Lebensraum für Wildkatzen schützt, erfahren Sie auf den Themenseiten Wald.

Die Europäische Wildkatze – ehemals unbarmherzig verfolgt

Doch warum war die Wildkatze fast ein Jahrhundert lang aus Bayern verschwunden? Tatsächlich wurde in früheren Jahrhunderten in Europa erbittert Jagd auf die „Wilde Katze“ gemacht. Dem harmlosen Mäusejäger wurde vorgeworfen, dass er Jägern Hasen und sogar Rehkitze abspenstig mache. Das traurige Ergebnis: Anfang des 20. Jahrhunderts war die Wildkatze in weiten Teilen Deutschlands ausgerottet. 

Erfreulicherweise war dies aber kein Abschied für immer. Anfang der 1980er-Jahre taten sich Naturschützer unter der Führung von Hubert Weinzierl, dem damaligen Vorsitzenden des BUND Naturschutz, und des populären Tierfilmers Bernhard Grzimek zusammen. Ihr Ziel: Die Europäische Wildkatze wieder in ihre bayerische Heimat zurückzuholen. 1984 starten sie ein Zucht- und Auswilderungsprojekt. Nach 25 Jahren Engagement, unzähligen Arbeitsstunden, Hoffen und Bangen, Rückschlägen und Erfolgen kann die Aktion im Jahr 2009 beendet werden – das Monitoring aber geht weiter. Die schöne Gewissheit: Im Spessart hat sich eine kleine, sich selbst reproduzierende Wildkatzen-Population etabliert. Gemeinsam mit zuwandernden Tieren aus Thüringen und Hessen breitet sie sich in angrenzende Waldgebiete aus.

Die „Waldkatze“: Felis silvestris

Dass es nicht bei diesem Teilerfolg geblieben ist, ist vielen weiteren Projekten des BUND Naturschutz (BN) und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie dem Engagement Tausender Ehrenamtlicher zu verdanken. Insgesamt ist die Rückkehr der Wildkatze die Geschichte eines wunderbaren Erfolges, der nur durch einen langen Atem, viel Geduld, ehrenamtliche Arbeit und großzügige Spenden möglich war. Aber auch heute braucht die Wildkatze viel Unterstützung: Es geht darum, dem Mäusejäger seine Lebensräume – naturnahe, unzerschnittene Wälder – zu sichern und Wege hin zu neuen Revieren zu öffnen.