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Fischotter in Bayern: Brückenbauer zwischen Ost- und Westeuropa

Nur im bayerischen Wald waren einige Fischottervorkommen der Ausrottung im 19. Jahrhundert entgangen. Dank Schutzprojekten breitet sich die Art nun langsam wieder von Ost nach West aus. Eine flächendeckende Besiedlung durch den beeindruckenden Schwimmer in Bayern wäre nicht nur für die hiesige Artenvielfalt ein Erfolg: Es gilt auch die Lücke zwischen westeuropäischen und osteuropäischen Fischotterpopulationen zu schließen.

Der Fischotter (Lutra lutra) ist eine hoch bedrohte Tierart. Er gilt in weiten Teilen Deutschlands als vollständig ausgerottet, dabei gehört er zu den heimischen Marderarten. In Bayern entkam der „Fischmarder“ oder „Wassermarder“ wie er umgangssprachlich genannt wurde, der staatlich verordneten Verfolgung im 19. Jahrhundert nur am äußersten Rand des Freistaates. Ganz im Osten, im Bayerischen Wald, überlebten vereinzelte Populationen. Nach Oberfranken wanderten die Tiere in den letzten Jahren gespeist aus tschechischen und thüringischen Populationen wieder ein. Auch im restlichen Europa erging es der Art nicht viel besser, so dass sie Ende der 1960er-Jahre fast ausgelöscht war. Flächenversiegelung, Begradigung von Gewässern und Trockenlegung von Feuchtgebieten machten ihr weiterhin das Überleben schwer. Heute klafft eine riesige Lücke zwischen dem verbliebenen westlichen Vorkommen (Zentralfrankreich, französische Westküste, westlicher und nördlicher Teil der Iberischen Halbinsel) und dem östlichen Vorkommen in Mitteleuropa.


Fischmarder? Wassermarder? Otter? Bayerische Vorkommen mit Bedeutung für ganz Europa

Experten setzen große Hoffnungen auf Bayern, das hier eine wichtige Brückenfunktion einnehmen könnte. Doch die wenigen bayerischen Fischotter kommen in Richtung Westen kaum voran. Es bleibt bei dem relativ kleinen Vorkommen entlang der tschechischen Grenze. Und das, obwohl die Bestände im Nachbarland dank eines sehr guten Ottermanagements prächtig gedeihen. Der Zuwanderungsdruck ist entsprechend groß. Nicht zuletzt gilt der Fischotter außerdem als hochmobile Tierart, die in einer Nacht bis zu 40 km zurücklegen kann.

Warum es so wichtig ist, dass Bayern seine Brückenfunktion für die Verbindung der Fischotter-Populationen wahrnimmt, zeigt sich bei der Verbreitung des Fischotters.


Merkmale und Besonderheiten des Fischotters

Der Eurasische Fischotter (Lutra lutra) ist der längste und nach dem Dachs der zweitschwerste Marder in Deutschland. Nicht zuletzt wegen seines dichten und wasserabweisenden Fells wurde er lange Zeit intensiv bejagt. Seine Schwimm- und Tauchkünste sind legendär: Bis zu acht Minuten kann er unter Wasser bleiben und dabei Tiefen von 18 Metern erreichen. Lesen Sie mehr über den Fischotter im Steckbrief.

Steckbrief
Fischotter
Die Grafik zeigt einen Fischotter – umgangssprachlich von manchen Fischmarder genannt –, bei dem die wichtigsten Merkmale wie Körperlänge, Felldichte oder sein Beutegreifer-Gebiss erläutert sind (Copyright: BUND Naturschutz (BN))

Die Fischotterexpertin Katrin Heuer hat das Projekt „Otterbahnen nach Oberfranken“ geleitet. Für die Stagnation der Fischotterpopulation an der tschechischen Grenze sieht die Biologin zwei wesentliche Ursachen: Einerseits fehlten intakte, fischreiche Lebensräume in Bayern. In den teilweise stark versauerten und wenig naturnahen Gewässern des Bayerischen Waldes finde das Tier nur wenig Nahrung und zu wenig Unterschlupf- und Versteckmöglichkeiten. Als zweiten Grund tippt sie auf illegale Tötung von „Fischmardern“, wie die Tiere auch genannt werden. „Wie hoch die Zahl ist, kann keiner belegen“, sagt sie, und es sei bis auf Ausnahmefälle schwer zu beweisen: Anfang 2014 wurden im Landkreis Cham zwei tote Fischotter in einem beschwerten Leinensack gefunden – eindeutig eine illegale Tötung.


Darf man Fischotter fangen? BN-Forderungen für besseren Schutz

Der Fischotter könnte sich längst weiter über Bayern hinweg ausgebreitet haben, doch Vorurteile, Unwissenheit und suboptimale Lebensräume bremsen ihn aus. Weitere Informationen dazu, was den Fischotter bedroht, finden Sie unter Feinde des Fischotters.

Wo der Fischotter lebt, da ist die Welt in Ordnung – so könnte man es auf einen kurzen Nenner bringen. Der flinke Jäger braucht saubere, fischreiche Gewässer und eine „natürliche Unordnung“ darin und drumherum: Umgestürzte Bäume, überhängende Vegetation, Steine, Höhlen im Ufer – all das schätzt und braucht der Fischotter um zu jagen, sich zu verstecken und auszuruhen. Zu wenige Gewässer in Ostbayern bieten ihm bisher diese Qualitäten und zu allem Überfluss setzen ihm Straßen und die illegale Jagd zu. 


Was kann dem Fischotter helfen?

Der Fischotter ist eine streng geschützte Tierart. Er unterliegt gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 1 des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) dem Jagdrecht, für dessen Vollzug die Jagdbehörden zuständig sind. Da für den Fischotter keine Jagdzeit festgelegt ist, ist er während des gesamten Jahres mit der Jagd zu verschonen (vgl. § 22 Abs. 2 S. 1 BJagdG). Jagdverschonung bedeutet dabei ein Verbot der Jagdausübung im Sinne des § 1 Abs. 4 BJagdG. Das heißt, der Jagdausübungsberechtigte darf Fischotter weder aufsuchen, ihnen nachstellen noch sie erlegen oder fangen. 

Gemäß § 38 BJagdG ist das vorsätzliche wie auch das fahrlässige Erlegen eines Fischotters mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bewehrt. Das Töten und Fangen eines Fischotters kann ferner den Tatbestand der Jagdwilderei in einem besonders schweren Fall (§ 292 Abs. 2 Nr. 2 StGB) erfüllen, der eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren vorsieht. Bei einer Verurteilung wegen einer der genannten Straftaten kommt die Entziehung des Jagdscheins durch das Gericht bei gleichzeitiger Anordnung einer Sperre von bis zu fünf Jahren in Betracht, für deren Dauer kein neuer Jagdschein erteilt werden darf (§ 41 Abs. 1 und 2 BJagdG). Darüber hinaus kann eine strafrechtliche Verurteilung zur Folge haben, dass der Täter als unzuverlässig anzusehen ist und infolgedessen die Untere Jagdbehörde den Jagdschein zu entziehen hat (vgl. §§ 17, 18 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 BJagdG). 

Das Töten von Ottern ist damit nicht nur ein Naturfrevel, sondern eine schwere Straftat. Der BN setzt sich dafür ein, die illegale Verfolgung streng geschützter Tiere zu unterbinden und energisch zu ahnden.

Für den Fischotter taugliche Lebensräume dürfen nicht noch stärker durch Straßen zerschnitten werden. Straßen wirken wie „Todesstreifen“ für die Bestände und bremsen die weitere Ausbreitung der Fischotter in Richtung Westen.

Fischotter unterqueren Brücken niemals schwimmend. Wenn sie kein begehbares Ufer darunter vorfinden, weichen sie auf die Straße aus – oft mit tödlichen Folgen. Schmale Erdstreifen, die unter Brücken aufgeschüttet werden, reichen bereits aus, damit Fischotter die Straße sicher zu Fuß unterqueren können. Der BN fordert deshalb, beim Neu- oder Ausbau von Brücken solche sicheren Otterwege anzulegen und bei besonders kritischen bestehenden Brücken entsprechend nachzubessern. Bei überregionalen Straßen ist hierfür die Oberste Baubehörde im Innenministerium zuständig, bei Kreis- und Gemeindestraßen sind es die Gemeinden und Landkreise.

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass dem Otter angelastete Fischverluste oft auf Fuchs, Mink, Katze und Iltis zurückzuführen sind. Das haben Videobeobachtungen an Forellenteichen gezeigt. Eine gründliche und zweifelsfreie Dokumentation und Überprüfung vor Ort ist damit neben vorherigen Präventionsmaßnahmen Voraussetzung für staatliche Ausgleichszahlungen. Wichtig wäre es auch, die Anzahl der Otter in Bayern lebenden Fischotter mittels Genanalysen an Losung und Markierungssekret genauer zu bestimmen. Dann könnte auch der Nahrungsbedarf besser hochgerechnet werden.

Obwohl die Population im angrenzenden Tschechien wächst und ein entsprechender Abwanderungsdruck Richtung Westen besteht, stagnieren die Fischotterbestände in Ostbayern und breiten sich nicht weiter Richtung Westen aus. Wissenschaftliche Untersuchungen müssen zeigen, welche Hindernisse die Fischotter aufhalten. Dafür fehlen bisher die entsprechenden Forschungsaufträge und Mittel. 

Fischotterpopulationen sind langfristig nur überlebensfähig, wenn Genaustausch mit anderen Populationen möglich ist. Vor allem im Hinblick auf die Verbreitungslücke inmitten Europas muss beim Fischotterschutz über Grenzen hinweg, insbesondere mit Tschechien, zusammengearbeitet werden.


Ausstellung zum Fischotter

Die Ausstellung des BN „Fischotter – Der König des Wassers kehrt zurück“ bietet in 14 Roll-Ups Wissenswertes über den Fischotter, seine Lebensräume, seine Gefährdung, das Management und Lösungen bei Konflikten mit der Teichwirtschaft. Willkommen daheim – der Fischotter ist eine Leitart für naturnahe Fließgewässer und ein Geschenk für uns alle.

Informationen zur Fischotter-Ausstellung und Ausleihbedingungen