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Heißt den Fischotter in Bayern willkommen!

Die Zeichen sind deutlich: Eigentlich will sich der Fischotter von Osten her kommend wieder in Bayern ausbreiten. Doch statt als Brücke zwischen den östlichen und westlichen Vorkommen in Europa zu fungieren, wirkt der Freistaat momentan als eine Art Eiserner Vorhang.

Der Fischotter (Lutra lutra) gehört zu den heimischen Marderarten. Er ist also ein echter Bayer. Trotzdem entkam er der staatlich verordneten Ausrottung im 19. Jahrhundert nur am äußersten Rand des Freistaates. Ganz im Osten, im Bayerischen Wald, überlebten vereinzelte Populationen. Auch im restlichen Europa erging es der Art nicht viel besser, sodass sie Ende der 1960er-Jahre fast ausgelöscht war. Dank Jagdverbot und Verbesserung der Wasserqualität fand die Ausrottung ein Ende. Doch Flächenversiegelung, Straßenbau , Begradigung und chemische Verschmutzung von Gewässern sowie Trockenlegung von Feuchtgebieten machen dem Otter weiterhin das Überleben schwer. Heute klafft immer noch eine riesige Lücke zwischen dem verbliebenen westlichen Vorkommen (Zentralfrankreich, französische Westküste, westlicher und nördlicher Teil der Iberischen Halbinsel) und dem östlichen Vorkommen in Mitteleuropa. 

Experten setzen große Hoffnung auf Bayern, das hier eine wichtige Brückenfunktion einnehmen könnte. Doch während es in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg heute wieder stabile Populationen gibt und sich der Fischotter in Niedersachsen und Schleswig-Holstein rasch ausbreitet, kommen die bayerischen Fischotter in Richtung Westen nur langsam voran. Umso wichtiger sind stabile Bestände in der Oberpfalz und entlang der bayerisch-österreichischen Grenze, damit junge Männchen von dort Richtung Westen abwandern müssen. Auch vom Nachbarland Tschechien geht dank eines sehr guten Ottermanagements ein großer Zuwanderungsdruck aus.

Alle EU-Mitgliedstaaten sind laut FFH-Richtlinie dazu verpflichtet, die Populationen von „streng zu schützenden Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse“ – und dazu gehört der Fischotter – zu stabilisieren oder zu verbessern.

Tschechien erfolgreicher beim Fischotterschutz

Die Frage liegt nahe, warum dem Fischotter in Tschechien offenbar deutlich weniger nachgestellt wird. „Dort gibt es Ausgleichszahlungen. Teichwirte bekommen auf Antrag einen Teil der Schäden ausgeglichen“, berichtet Katrin Heuer. „Das heißt, die Tschechen stecken aktiv Geld in die Fischotterpopulation.“ Dort gibt es große Teichgebiete, in denen mit großen Beständen des Fischotters geworben wird und die Teichwirte trotzdem vom Fang und den Einnahmen leben können.

Auch in Sachsen hat man sich früh mit den Möglichkeiten der Vermeidung und Reduzierung von Schäden in der Teichwirtschaft beschäftigt und das "Otter-Bonus-Modell" entwickelt.

In Bayern hat das Landwirtschaftsministerium zusammen mit Naturschützern, Teichwirten und anderen Interessenverbänden in einem gemeinsamen Kraftakt einen Fischotter-Managementplan erstellt und im Sommer 2013 veröffentlicht. Seit 2016 gibt es auch in Bayern Ausgleichszahlungen, Förderung für Zaunbau und Otterbeauftragte.

Fischottermanagement

Otterschutz ist nicht zum Nulltarif zu haben. Eine langjährige Forderung des Bund Naturschutz mündete 2017 in der Einrichtung eines Fischottermanagements, das aus den drei Säulen Beratung, Förderung der Errichtung von Schutzzäunen und Entschädigungszahlungen besteht. Dazu wurden in den Regierungsbezirken Oberpfalz und Niederbayern drei Fischotterberater eingestellt. Die Kontaktdaten der drei Berater sind auf der unten verlinkten Internetseite zu finden.

Strikt abgelehnt wird vom BUND Naturschutz der Abschuss und die Tötung von Fischotter, wie sie Teichbesitz- und Fischereivereine fordern. Deswegen klagt der BN auch gegen die 2020 erteilte Genehmigung der Regierung der Oberpfalz, in drei Teichgebieten je zwei Fischotter zu fangen und zu töten. Dieses sogenannte Pilotprojekt Phase 1 soll die Aufnahme einer 4. Säule "Entnahme" in den Fischottermanagementplan vorbereiten. Dabei ist völlig klar: wie auch beim Wolf werden bei Tötung einzelner Fischotter andere nachrücken und das Revier wieder besetzen. Um Schutzmaßnahmen kommt der Teichwirt also eh nicht herum - es sei denn, der Fischotter wird wieder ausgerottet.

Renaturierung für Fisch und Otter

Neben diesem direkten Management der Fischotterpräsenz in den Teichgebieten, wäre die langfristige Verbesserung von natürlichen Gewässern der wichtigste Schritt, um ein Nebeneinander von Teichwirtschaft und Otter möglichst konfliktarm zu gestalten. Je mehr geeignete natürliche Lebensräume der Otter findet, desto weniger frisst er in Fischteichen. Sind aber die Fließgewässer fischarm, sind die Teiche umso verlockender für den Otter. Doch während der Otter mehr als 100.000 Jahre sich gemeinsam mit Fischartenreichtum in Gewässern entwickelte, hat der Mensch durch gravierende Zerstörung in den letzten 150 Jahren einen massiven Rückgang der Fische in den Fließgewässern bewirkt. Untersuchungen zeigen, dass der Fischbestand mit und ohne Otter in naturnahen Fließgewässern ähnlich ist. Da der Fischotter ein Einzelgänger mit großem Revier ist, ist sein Einfluss gering. Zudem wirkt er als "Gesundheitspolizei", weil er meist alte oder schwache Fische erbeutet. Statt also den Fischotter zum Sündenbock abzustempeln, arbeiten wir an den eigentlichen Ursachen des Rückgangs von Fischarten und anderen Fließgewässerarten, nämlich dass unsere Flüsse wieder renaturiert, nicht weiter verbaut und damit wieder fisch- und artenreicher werden.

Illegale Tötung

Die Fischotterexpertin Katrin Heuer leitete von 2007 bis 2010 das Projekt „Otterbahnen nach Oberfranken“ Es wurde von der Ökologischen Bildungsstätte Oberfranken in Mitwitz getragen und vom BUND Naturschutz (BN) unterstützt. Die Initiative verbesserte Trittsteinbiotope, um der bayerischen Otterpopulation den Sprung nach Westen und Norden zu erleichtern. Es gibt zwei wesentliche Ursachen für die langsame Ausbreitung: Einerseits fehlten dem Fischotter intakte, fischreiche Lebensräume in Bayern für Nahrung und geeignete Unterschlupf- und Versteckmöglichkeiten. Der  zweite Grund liegt in illegaler Tötung von „Fischmardern“, wie die Tiere auch genannt werden. „Wie hoch die Zahl ist, kann keiner belegen“, sagt die Biologin. Und auch, dass es tatsächlich passiert, sei meist schwer zu beweisen. Die Situation sei eben nicht immer so offensichtlich, wie bei dem Fall im Landkreis Cham, wo Anfang 2014 zwei tote Fischotter in einem beschwerten Leinensack gefunden wurden oder wie bei dem Fund von einem Fischotter in einer Schlagfalle im Landkreis Passau 2020.