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Klimawandel und Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist beides – Mitverantwortliche und Leidtragende des Klimawandels. Wir Verbraucher sitzen mit unseren Ernährungsgewohnheiten und Ansprüchen mit im Boot. Doch ein klimafreundlicherer Landbau ist möglich.

Die Bauern spüren den Klimawandel als Erste: Frühjahrstrockenheit und sommerliche Dürren verursachen magere Ernten, Stürme und Starkregen verwüsten Felder, zu milde Winter bieten beste Bedingungen für Schädlinge und Krankheiten.

Aber die Landwirtschaft ist nicht nur Opfer, sie ist auch ein wichtiger Treiber des Klimawandels. 7,4 Prozent der von Deutschland verursachten Treibhausgase stammen aus der Landwirtschaft (Stand: 2018). Neben Kohlendioxid (CO2) verursacht sie vor allem große Mengen der Treibhausgase Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Die Landwirtschaft ist verantwortlich für 62 Prozent der Methan- und 79 Prozent der Lachgas-Emissionen in Deutschland. Kein anderer Sektor produziert mehr dieser hochwirksamen Klimagase. Beide wirken um ein Vielfaches klimaschädlicher als Kohlendioxid, Lachgas etwa 300-mal, Methan etwa 25-mal.

62

Prozent

der Methan-Emissionen

79

Prozent

der Lachgas-Emissionen

Indirekt verursacht die Landwirtschaft weitere Treibhausgasemissionen, etwa durch ihren Energiebedarf für Maschinen und Gebäude und vor allem durch die Herstellung von synthetischen Düngern (Kunstdünger). Diese ist sehr energieintensiv und dadurch entsprechend klimaschädlich. Sie wird aber nicht dem Sektor Landwirtschaft zugeordnet.


Welches Treibhausgas entsteht wo in der Landwirtschaft?

Kohlendioxid stammt vor allem aus landwirtschaftlich genutzten Böden. Es entweicht zum Beispiel vermehrt, wenn Moorböden entwässert und dann beackert werden. Ebenso nachteilig wirkt es sich aus, wenn Grünland in Ackerland umgewandelt wird. Auch bei der Düngung mit Harnstoff und bei der Kalkung von Böden entsteht Kohlendioxid.

Lachgas entsteht vor allem durch den hohen Einsatz von Düngemitteln. Sowohl Gülle und Mist (sogenannter Wirtschaftsdünger oder organischer Dünger) als auch mineralischer Dünger (industriell hergestellt) enthalten Stickstoff. Wenn dieser auf dem Feld abgebaut wird, entsteht unter anderem Lachgas. Eine weitere Lachgasquelle sind Ernterückstände und Gärreste aus Biogasanlagen. Außerdem werden auf Moorflächen, die landwirtschaftlich genutzt werden, große Mengen an Lachgas freigesetzt.

Methan entwickelt sich vor allem in der Tierhaltung und bei der Lagerung von Gärresten aus nachwachsenden Rohstoffen (Biogasanlagen). Es entsteht, wenn sich organisches Material unter Luftabschluss abbaut. Das passiert beispielsweise in den Mägen von Wiederkäuern und wird während der Verdauung freigesetzt. Auch Mist und Gülle enthalten Methan. Wenn sie gelagert oder auf die Felder ausgebracht werden, gelangt es in die Atmosphäre.

Wo wir ansetzen müssen:

Laut der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) war die Viehzucht im Jahr 2013 für 56 bis 58 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen des Nahrungsmittelsektors verantwortlich. Und das, obwohl die Viehwirtschaft nur 37 Prozent des Proteins und 18 Prozent der Kalorienversorgung der Weltbevölkerung bereitstellt.

Was tun?

Eine der wichtigsten Antworten auf dieses Problem: Die Ernährung umstellen! Weniger Fleisch, Butter, Milch, Käse und Eier heißt die Devise und dafür mehr Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte und Obst auf den Tisch – möglichst aus Biolandwirtschaft in Bayern. Unseren Kalorien- und Eiweißbedarf können wir mit diesen Lebensmitteln zum größten Teil decken und dabei jede Menge Ressourcen wie Wasser und Energie einsparen und zusätzlich Treibausgase vermeiden.

Was sich dadurch ändert? Die Nachfrage regelt das Angebot: Wenn viele Menschen auf billiges Fleisch, billige Milch, Butter und Eier aus Massentierhaltung verzichten, werden die Tierbestände in der Landwirtschaft abnehmen. Die Politik muss diese Entwicklung unterstützen, indem sie klimaschonende Landwirtschaft belohnt und „ehrliche“ Preise für landwirtschaftliche Produkte fördert: Wenn ein Stück Fleisch aus Massentierhaltung an der Theke das kostet, was es tatsächlich an Umweltkosten verursacht, wird automatisch weniger davon gekauft.

BN-Infos zu artgerechter Tierhaltung und zu einer umweltfreundlichen Ernährung (PDF)

Moorböden sind wichtige Kohlenstoffspeicher und damit echte Klimaschützer. Werden sie aber entwässert und landwirtschaftlich genutzt, kehrt sich das ins Gegenteil um: Der Torf zersetzt sich und wird in klimaschädliches CO2 umgewandelt. Düngung und Kalkung beschleunigen diesen Vorgang.

In Deutschland werden etwa 80 Prozent der Moore landwirtschaftliche genutzt. Damit verursacht die Bundesrepublik die meisten klimaschädlichen Emissionen aus Mooren im europäischen Vergleich. Und das, obwohl es beim Flächenanteil der Moore nur auf Platz sieben rangiert. Etwa vier Prozent tragen diese Emissionen zu den jährlichen Treibhausgasemissionen Deutschlands bei und machen etwa ein Drittel der klimaschädlichen Emissionen aus der Landwirtschaft aus.

Was tun?

Obwohl der Moorschutz in den vergangenen Jahren mehr staatliche Unterstützung erfahren hat, hat sich vor allem der Zustand vieler Niedermoore in Bayern weiter verschlechtert. Der BUND Naturschutz fordert deshalb, noch mehr Anreize für Landwirte zu schaffen, den Wasserstand auf genutzten Moorböden anzuheben, sie nicht mehr oder noch schonender zu bewirtschaften, etwa mit extensivem Grünland, Beweidung oder sogenannten Paludikulturen. Darunter versteht man land- und forstwirtschaftlichen Anbau, der auf wiedervernässten Mooren stattfinden kann. „Normale“ Äcker sollten auf Moorböden gar nicht mehr möglich sein, auch keine ökologisch bewirtschafteten.

Mehr zu Mooren in Bayern!

Böden unter langjährig genutzten Wiesen und Weiden (Grünland) sind bedeutende Kohlenstoffspeicher und dienen damit dem Klimaschutz. Das Problem: Sobald sie umgebrochen, also beackert werden, dreht sich der Effekt ins Gegenteil um: Der Humus im Boden wird abgebaut und große Mengen an klimaschädlichem CO2 entweichen dadurch in die Atmosphäre.

Am negativsten wirkt sich aus, wenn „altes“ Grünland umgebrochen wird. In den ersten Jahren nach dem Umbruch werden sehr viel mehr Humus abgebaut und CO2 emittiert, als in einem neu eingesäten Grünland im selben Zeitraum gebunden werden kann. Ein Ausgleich im Sinne von „eine Fläche hier umbrechen und dort neu einsäen“ funktioniert als nicht.

Erschreckenderweise hat das Grünland in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten drastisch abgenommen. Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) gingen zwischen 1990 und 2009 etwa 875.000 Hektar Wiesen und Weiden verloren. Das entspricht ungefähr der halben Fläche Thüringens. In Bayern verschwanden zwischen 2003 und 2012 mehr als fünf Prozent Grünland.

Was tun?

Der BUND Naturschutz wirkt dem Grünland-Schwund entgegen: Jedes Jahr zeichnet er bayerische Landwirtinnen und Landwirte aus, die besonders schöne Blumenwiesen hervorgebracht haben. Prämiert werden die schönsten und artenreichsten landwirtschaftlich genutzten Wiesen und Weiden. Diese Wiesenmeisterschaft schafft ein Bewusstsein für die Leistungen der Bäuerinnen und Bauern. Diese erhalten mit ihrer wichtigen Arbeit Kulturlandschaft, schützen das Klima und fördern den Artenreichtum.

Was Politik und Gesellschaft für den Erhalt unserer Wiesen und Weiden tun können? Lesen Sie auf unserer Wiesen-und-Weiden-Seiten weiter!

Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft

Der Klimawandel ist bereits eine Tatsache, das haben die vergangenen Jahre gezeigt. Laut Bayerischem Landesamt für Umwelt (LfU) lag die Jahresmitteltemperatur in Bayern im Jahr 2010 im Schnitt um 1,1 Grad Celsius höher als noch 1931und acht der zehn wärmsten Jahre in Bayern wurden nach 2000 verzeichnet. Die Landwirtschaft kann zwar durch die steigenden Temperaturen auf längere Vegetationszeiten hoffen, gleichzeitig muss sie sich aber auf mehr extreme Wetterereignisse (z. B. Hitze, Kälte, Trockenheit, Starkregen) neue Krankheiten und Schädlinge einstellen.

Trockenstress und zerstörte Böden setzen unseren Ökosystemen und auch der Landwirtschaft zu. Denn nicht nur die Temperaturen, auch die Niederschläge haben sich stark verändert. So kommt es beispielsweise immer öfter zu trockenen Böden oder starken Niederschläge. Letztere fließen oberflächlich ab und spülen wertvollen Boden mit sich fort (Erosion).

Diese Auswirkungen des Klimawandels stellen nicht nur die Landwirtschaft, sondern die ganze Gesellschaft vor eine große Herausforderung, denn letztlich ist es unsere Ernährung, die mit einer gesicherten Landwirtschaft steht und fällt.


Wie sieht eine klimafreundlichere Landwirtschaft aus?

  • Mehr ökologischen Landbau betreiben: Der Ökolandbau verursacht weniger Treibhausgase und das gesamte Bewirtschaftungssystem ist anpassungsfähiger und robuster gegenüber den Folgen der Erderwärmung.
  • Neue beziehungsweise vergessene Formen der Landnutzung (wieder) umsetzen, beispielsweise die Agroforstwirtschaft. Wie schon die traditionellen Haglandschaften in Bayern kombiniert sie Forst- und Landwirtschaft, was viele positive Effekte haben kann (z. B. höhere Kohlenstoffbindung, Wasserrückhaltung, Erosionsschutz, geringerer Düngebedarf).
  • Ausstieg aus der industriellen Massentierhaltung, Reduzierung des Tierbestands auf ein klimaverträgliches Maß und angepasst an die landwirtschaftliche Nutzfläche eines Betriebes.
  • Keine Sojaimporte mehr für Tierfutter: Mit dem Import von Soja für unsere Mastanlagen unterstützt die deutsche Landwirtschaft die Zerstörung von Wäldern weltweit. Wälder gehören zu den wichtigsten CO2-Speichern der Welt. Landwirte sollten deshalb möglichst ihren Viehbestand dem eigenen Nutzland (eigene Futterproduktion) anpassen sowie auf im Inland produziertes Futter und kraftfutterreduzierte Viehhaltungssysteme, wie sie beispielsweise im Ökolandbau oft vorkommen, setzen.
  • Äcker auf Moorstandorten möglichst in Grünland beziehungsweise Paludikultur umwandeln.
  • Ackerflächen wenn möglich in Dauergrünland umwandeln.

Naturgemäß Gärtnern

Garten und Balkon bieten vielfältige Möglichkeiten, die Artenvielfalt zu fördern, sind Augenweide und bieten angenehme Düfte.

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