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Almwirtschaft in Bayern

Die Almen (auch: Alpen) zählen zu den ältesten Kulturlandschaften in Bayern, entstanden durch jahrhundertelange Beweidung alpiner Wiesen. Heute steht die Almwirtschaft an einem Scheideweg: Nutzungsaufgabe oder Intensivierung? Der BN setzt sich für einen dritten, zukunftsfähigen Weg für die Berglandwirtschaft in Bayern ein.

Die Alpen wurden vom Menschen frühzeitig besiedelt und kultiviert. Durch Alm- und Alpwirtschaft (Oberbayern: Alm; Allgäu: Alp), die vielfach noch traditionell erfolgt, sind artenreiche Wiesen und Weiden entstanden. Die Grünlandnutzung in über 30 Prozent der bayerischen Alpen ist der alpenweite Schwerpunkt der Rinderhaltung. Dabei ist der Flächenanteil von Biobetrieben deutlich höher als im bayerischen Durchschnitt.

Neben den Wiesen und Weiden der Täler prägen 1.384 Almen und Alpen mit mehr als 40.000 Hektar Weidefläche das Landschaftsbild. Seit rund 40 Jahren wurde so gut wie keine Alm aufgegeben. 2008 weideten auf den Almen in Bayern rund 50.000 Rinder, 3.360 Schafe und 1.000 Pferde, in den Alpenlandkreisen wurden zudem rund 820.000 Rinder gehalten. Daneben gibt es Mähflächen, auf denen Heu für den Winter oder die im Tal verbliebenen Tiere geerntet wird.

Almwirtschaft: Landwirtschaft am Scheideweg

Doch auch die Entwicklung der Landwirtschaft in den Alpen ist nicht frei von Risiken. Sie treibt immer weiter in den Spagat zwischen Intensivnutzung auf ertragreichen, gut zu bewirtschaftenden Standorten und Nutzungsauflassung auf weniger ertragsfähigen oder schwerer nutzbaren Wiesen und Weiden. Die Intensivierung hat in den vergangenen Jahren besonders auf den Talflächen stattgefunden. Die entstandene Intensivgrünlandwirtschaft ist sehr artenarm und bietet zum Beispiel für Insekten kaum noch eine Heimat. Während bei Intensivnutzung die Besonderheiten der Wiesen und Weiden sehr schnell verloren gehen, bleiben nach Nutzungsaufgabe wertvolle Arten häufig lange erhalten. Übernutzte Weiden hingegen führen zu den folgenden Problemen:

  • Die Vegetation kann sich in Nutzungspausen nicht ausreichend erholen, außerdem bedrohen zu hohe Nährstoffeinträge das empfindliche Gleichgewicht der Artenvielfalt.
  • Es besteht eine größere Gefahr von Erosion, zum einen durch die Tiere selbst, zum anderen durch fehlendes Wurzelwerk der angegriffenen Vegetation.
  • Der Verkehr in der Region nimmt allgemein zu, zum Beispiel aufgrund der nötigen Tierpflege. Gebaute Wege zerschneiden die Landschaft und können zusätzlich die Erosion verstärken, weil das Wasser auf ihnen zu Tal rauscht anstatt im Boden zurückgehalten zu werden.

Der BN setzt sich auf verschiedene Weise für die naturverträgliche Landwirtschaft in den Alpen ein, etwa bei den Verhandlungen zur EU-Agrarreform, durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Weiterführung von Vertragsnaturschutz- und Landschaftspflegeprogramm, im Bündnis Bayern für gentechnikfreie Natur und Landwirtschaft sowie bei der Regionalvermarktung.

Unser Leitbild für eine zukunftsfähige Almwirtschaft

  • Subventionen für die landwirtschaftliche Produktion werden schrittweise durch die gezielte Finanzierung von gesellschaftlichen Leistungen der Berglandwirtschaft ersetzt.
  • Bergbauern werden für Landschaftspflegemaßnahmen und Naturschutzbeiträge gerecht entlohnt.
  • Es werden alternative Transportmöglichkeiten (Materialseilbahnen, Tragtiere) genutzt, anstatt neue Erschließungsstraßen zu bauen.
  • Der ökologische Landbau wächst stark. Auch die konventionellen Landwirte setzen kein gentechnisch verändertes Material ein.
  • Urlaub auf dem Bauernhof bildet ein weiteres wichtiges Standbein vieler Betriebe.
  • Bei der Ausweisung und Bewirtschaftung von Naturschutz- und Natura-2000-Gebieten arbeiten Naturschützer, Landwirte und Touristiker eng zusammen.

Das fordert der BN für die bayerische Almwirtschaft

  • Zahlungen an die Landwirtschaft sind konsequent am Gemeinwohlprinzip nach dem Grundsatz „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ auszurichten. Dafür sind finanzielle Mittel in ausreichender Höhe bereitzustellen.
  • Definition von Mindeststandards der Guten fachlichen Praxis (GfP) und Förderung regionaler, auf der Primärproduktion aufbauende Wertschöpfungsketten
  • Deutliche Ausweitung der Definition von „umweltsensiblem“ Dauergrünland, um einen besseren Schutz wertvoller Dauergrünlandbestände zu erreichen: Sie muss mindestens die gesamte Natura 2000-Gebietskulisse sowie die organischen Böden und alle gefährdeten und gesetzlich geschützten Grünlandbiotoptypen sowie Grünlandflächen mit hohem Naturwert umfassen. Erforderlich ist darüber hinaus ein vollständiges Umbruchverbot von Dauergrünland.
  • Almen und Alpen dürfen im Vergleich zu Gaststätten im Tal nicht zu gleichwertigen Gastronomiebetrieben mit entsprechenden Erschließungsnotwendigkeiten umfunktioniert werden, etwa im Rahmen des Sennereiausbaus zu „Genussalpen/-almen“ (vgl. Alpenstrategie der Staatsregierung).