- Home ›
- Themen ›
- Landwirtschaft ›
- Ernährung und Landwirtschaft
Vom Acker zum Teller: Impulse für eine nachhaltige Landwirtschaft
Wollen wir Rückstände von Ackergiften und Medikamenten auf dem Teller? Wollen wir mit unserer Ernährung uns selbst, den Nutztieren und der Umwelt schaden? Nein! Zum Glück liegt es auch in unserer Hand, wie die Landwirtschaft der Zukunft aussieht. Wir wählen mit dem Einkaufskorb.
Wie wir uns ernähren, beeinflusst das Klima
Unsere Ernährung verursacht etwa 25 Prozent der in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgase. Etwa die Hälfte davon stammt aus der Landwirtschaft, vor allem aus der Tierhaltung; knapp ein Drittel entsteht bei den Verbraucher*innen, zum Beispiel durch Erhitzen oder Kühlen von Lebensmitteln. Oft entscheidet der Transportweg, wie klimafreundlich oder -schädlich ein Lebensmittel ist. Heimische Lebensmittel sind deshalb ein umweltfreundliche Wahl.
Tierische Nahrungsmittel belasten die Umwelt stärker
Man braucht viel mehr Land, Wasser und Energie, um Fleisch herzustellen als bei pflanzlichen Lebensmitteln. So benötigt man für die Produktion von einem Kilo Weizen circa 1,2 bis 1,5 Quadratmeter Boden und rund 1.400 Liter Wasser. Für ein Kilo Rindfleisch sind es im Schnitt 20 bis 50 Quadratmeter Boden und 15.000 Liter. In Deutschland gehen deshalb 69 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf das Konto der Fleischproduktion.
Tierprodukte verringern – Klima und Umwelt schützen
Wenn wir unseren Konsum tierischer Produkte um die Hälfte verringern, ist eine nachhaltige Ernährung für alle möglich. Das wäre auch gesünder, denn wir essen deutlich zu viel Fleisch: Empfohlen werden max. 16 Kilo pro Jahr - der tatsächliche Verbrauch liegt bei 51 Kilo. Voraussetzung für nachhaltige Lebensmittel sind faire Preise: Denn nur wenn Betriebe von ihrer Arbeit auch leben können, ist es in der Praxis möglich, Umwelt und Tiere zu schützen.
- document.getElementById('c230892').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">1 Ernährungsbereich heizt den Klimawandel an
- document.getElementById('c230887').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">2 Milch und Fleisch kosten besonders viel Energie
- document.getElementById('c256784').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">3 Pflanzliche Ernährung ist klimafreundlicher
- document.getElementById('c258552').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">4 Wie sieht ein nachhaltiger Speiseplan aus?
- document.getElementById('c230888').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">5 Nutztierhaltung: ethische und ökologische Probleme
- document.getElementById('c256786').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">6 Die Deutschen essen immer noch zu viel Fleisch
- document.getElementById('c230889').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">7 Besser zu Bio greifen
- document.getElementById('c258548').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">8 Der Transport spielt eine große Rolle
- document.getElementById('c230890').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">9 Faire Preise für die Bauern und Bäuerinnen
- document.getElementById('c231055').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">10 Was verstehen wir unter nachhaltiger Ernährung?
- document.getElementById('c230891').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">11 Für eine Ernährungswende: Lösungswege und Konsequenzen
Ernährungsbereich heizt den Klimawandel an
Die EU-Agrarpolitik und das Verhalten der Verbraucher*innen bestimmen die zukünftige Landwirtschaft:
- Für eine bessere, eine ökologische und tiergerechtere Landwirtschaft braucht es vor allem eine andere EU-Agrarpolitik.
- Doch auch wir Verbraucher*innen haben Macht: Wir bestimmen, was in unseren Einkaufswagen und auf den Tisch kommt. Mit unserem Konsumverhalten entscheiden wir, welcher Form der Landwirtschaft wir eine Zukunft geben wollen.
25%
der Treibhausgase
stammen aus dem Ernährungsbereich
50 %
davon
kommen aus der Landwirtschaft
30%
davon
stammen von den Verbraucher*innen
Ernährung hat großen Einfluss auf das Klima: Wir beeinflussen damit entscheidend, wie klimaschädlich oder -freundlich wir leben.
- So gehen laut dem Ernährungswissenschaftler Karl von Koerber etwa 20 Prozent der in Deutschland verbrauchten Primärenergie auf das Konto des Ernährungsbereichs.
- Außerdem ist er für 25 Prozent der gesamten in Deutschland emittierten Treibhausgase verantwortlich.
- Etwa die Hälfte davon stammen aus der Landwirtschaft – hauptsächlich aus der Tierhaltung.
- Mit knapp einem Drittel sind die Verbraucher*innen durch Erhitzen, Kühlen und Einkaufsfahrten mit dem Auto an den Treibhausgasen des Ernährungssystems beteiligt.
- Tierische Produkte (vor allem Rind- und Lammfleisch, aber auch Milchprodukte) verursachen im Durchschnitt deutlich mehr Treibhausgasemissionen als pflanzliche Lebensmittel.
Milch und Fleisch kosten besonders viel Energie
Die Frage, wie viele tierische Produkte wir konsumieren, ist im Sinne der Nachhaltigkeit zentral, denn Fleisch, Wurst und Eier verschlingen im Vergleich zu pflanzlichen Lebensmitteln ein Vielfaches an Energie und Ressourcen. Das liegt am "Veredelungsprozess": Statt die pflanzliche Nahrung direkt selbst zu essen, verfüttern wir sie an Tiere, um Fleisch, Wurst, Milch, Käse oder Eier zu erhalten. Der "Input" an Kalorien ist dabei immer höher als der "Output".
1 Kalorie
Rindfleisch
benötigt 6 bis 21 pflanzliche Kalorien
1 Kalorie
Milch oder Eier
zu produzieren, verbraucht 6 pflanzliche Kalorien
1 Kalorie
Geflügelfleisch
verbraucht 4 pflanzliche Kalorien
Tierische Produkte verbrauchen viel Energie, Land und Wasser:
- Um eine Kalorie Rindfleisch zu erzeugen, verbrauchen wir sechs bis 21 pflanzliche Kalorien, für eine Kalorie Geflügelfleisch sind es immer noch etwa vier. Bei Eiern und Milch liegt das Verhältnis bei ungefähr sechs zu eins.
- Man braucht auch viel mehr Land, Wasser und Energie, um Fleisch herzustellen als bei pflanzlichen Lebensmitteln. So benötigt man für die Produktion von einem Kilo Weizen circa 1,2 bis 1,5 Quadratmeter Boden und rund 1.400 Liter Wasser. Für ein Kilo Rindfleisch sind es im Schnitt 20 bis 50 Quadratmeter Boden und 15.000 Liter.
- Kein Wunder also, dass mittlerweile ein Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche für Tierfutter oder die Haltung von Tieren verwendet wird. In Deutschland sind es 69, weltweit sogar 78 Prozent.
Die Tierfütterung ist entscheidend: Wurden die Rinder bei der Fleisch- oder Milchproduktion mit viel Getreide und Eiweißfutter aus dem Regenwald auf Hochleistung getrimmt? Oder haben sie viel Futter von heimischen Wiesen und Weiden erhalten? Das macht einen großen Unterschied: Für Intensivfutter abgeholzter Regenwald kurbelt die Klimaerhitzung an. Heimische Wiesen und Weiden (Grünland) tragen hingegen dazu bei, Kohlenstoff im Boden zu speichern. Ohne die Rinder könnte das klimaschützende Grünland – immerhin rund ein Drittel unserer landwirtschaftlichen Nutzfläche – kaum sinnvoll genutzt werden.
Pflanzliche Ernährung ist klimafreundlicher
Durchschnittlicher CO2-Ausstoß verschiedener Ernährungsweisen in Kilogramm pro Person* und Jahr:
*Männliche Person zwischen 30 und 59 Jahre, alle Ernährungsformen basieren zum Teil auf regionalen, saisonalen und ökologischen Produkten und gelegentliche Nutzung von Tiefkühlprodukten. (Quelle: statista)
In Zahlen liest sich der Vergleich einer tierischen mit einer pflanzlichen Ernährungsweise in Kilogramm CO2 pro Person und Jahr so:
- Fleischesser: 1.730
- Vegetarier: 1.280
- Veganer: 1.040
Die Erzeugung tierischer Lebensmittel ist in der Regel klimaschädlicher als jene von pflanzlichen Lebensmitteln, weil dabei mehrere emissionsintensive Prozesse zusammenkommen:
- Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen) produzieren bei der Verdauung das sehr schädliche Treibhausgas Methan. Die Tierhaltung ist eine der größten Methanquellen weltweit.
- Bei der Lagerung und Ausbringung von Gülle und Mist entstehen die Klimagase Methan und Lachgas.
- Für Futtermittelanbau im Ausland werden Wälder gerodet, dadurch gehen wichtige CO2-Speicher verloren. Durch Brandrodung entstehen zusätzliche Emissionen.
- Stallhaltung, Kühlung, Transport und Verarbeitung bedingen einen hohen Energieaufwand.
Wie sieht ein nachhaltiger Speiseplan aus

Eine klima- und umweltfreundliche Kost besteht zur Hälfte aus Gemüse, Früchten und Salat. Es folgen der Menge nach Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, ungesättigte Pflanzenöle, Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, zugesetzter Zucker und Kartoffeln.
Nutztierhaltung: ethische und ökologische Probleme
Weil der Ressourcen- und Energieverbrauch bei der Erzeugung so hoch ist, sollten tierische Produkte nur einen kleinen Teil unserer Ernährung ausmachen, zumal vor allem die industrielle Tierhaltung zusätzlich eine ganze Reihe von ethischen und ökologischen Problemen verursacht:
Düngerüberschuss verursacht Gewässerverschmutzung und Artenschwund: Die Massentierhaltung, also die industrielle Haltung sehr vieler Tiere in einem Betrieb, produziert große Güllemengen, die oftmals nicht umweltverträglich auf den Feldern des jeweiligen Hofes ausgebracht werden können. Nitrat im Grundwasser ist eine der Folgen des Düngerüberschusses. Eine andere ist der Artenschwund auf dem Grünland. Auf stark gedüngten Wiesen und Weiden haben viele reichblühende und für Insekten wichtige Wildkräuter keine Chance, es dominiert nährstoffliebendes Einheitsgrün, das für Biene & Co. wenig zu bieten hat.
Billigmentalität fördert Massentierhaltung: Wer viel Fleisch isst, greift vermutlich eher zu billiger Ware. Doch Hackfleisch zu 5,98 Euro pro Kilogramm oder ein Grillhähnchen zu 4,39 Euro das Kilo kann nicht in artgerechter Tierhaltung erzeugt werden. Wer Fleisch zu Schleuderpreisen kauft, unterstützt tierunwürdige Haltungsbedingungen und ein nicht nachhaltiges Landwirtschaftssystem.
Der Kraftfutteranbau findet in großen Monkulturen statt: Dieser großflächige Anbau von Mais für die „Hochleistungsmaschine“ Kuh ist ein weiteres Problem unseres Fleisch- und Milchkonsums. Lebte die Kuh früher vorwiegend „umweltfreundlich“ von Gras und Heu, werden ihr heute große Mengen Kraftfutter vorgesetzt, damit sie ein Vielfaches der Fleisch- oder Milchleistung von vor wenigen Jahrzehnten erbringt. Häufiger Maisanbau laugt die Böden aus und macht sie anfällig für Erosion. Zwei Drittel des in Bayern angebauten Maises landen im Futtertrog, ein Drittel in der Biogasanlage.
Der Sojaanbau für Tierfutter schädigt Mensch und Natur in den Anbauländern: In Bayern und ganz Deutschland reicht das im Inland produzierte Kraftfutter für die Tierhaltung nicht aus. Deshalb führt die Landwirtschaft große Mengen an Soja ein, das ein Eiweißlieferant für die Hochleistungstiere ist und vor allem bei Schweinen und Geflügel zum Einsatz kommt.
Diese große Nachfrage hat dramatische Auswirkungen in den Anbauländern. Südamerika beispielsweise setzt vorwiegend auf gentechnisch veränderte Sojabohnen, die auf riesigen Flächen als alleinige Pflanze (Monokultur) angebaut werden. Weil diese immer anfälliger sind, werden große Mengen von Agrarchemikalien ausgebracht, etwa der Unkrautvernichter Glyphosat, der zum Teil mit Flugzeugen ausgebracht wird und Menschen in den umliegenden Dörfern schädigt.
Für die riesigen Sojaanbauflächen werden Urwälder unwiederbringlich zerstört und Menschen von ihrem Land vertrieben.
Überangebot führt zu sinkenden Preisen: Inzwischen erzeugt die deutsche Landwirtschaft deutlich mehr tierische Produkte, als wir brauchen. Fleisch- und Milchüberschüsse werden deshalb exportiert, was dazu führt, dass die Erzeugerpreise verfallen. Nicht nur bei uns, sondern auch bei den Kleinbauern in Entwicklungsländern.
Die massenhafte Haltung von Rindern heizt den Klimawandel an: Bei der Verdauung von Rindern entstehen große Mengen von Methan. Das ist ein hochwirksames Klimagas.
Durch den übermäßigen Antibiotikaeinsatz wirkt das Medikament zunehmend nicht mehr (Resistenz) – auch bei Menschen: Tiere in Massenhaltung sind besonders krankheitsanfällig und brauchen oft Medikamente wie Antibiotika. Rückstände davon sind in unseren Nahrungsmitteln und im Grundwasser zu finden und die Antibiotikaresistenz von Erregern nimmt zu. Besonders bedenklich: Es werden sogar sogenannte „Reserveantibiotika“ eingesetzt. Sie sollten eigentlich nur in der Humanmedizin und im Notfall verwendet werden, also wenn alle anderen Antibiotika gegen einen Erreger nicht mehr wirken. Die EU-Kommission geht von jährlich etwa 33.000 Todesfällen in der EU aus, die auf Antibiotikaresistenz durch den massenhaften Einsatz von Antibiotika bei Mensch und Tier zurückzuführen sind.
Die Deutschen essen immer noch zu viel Fleisch
Auch wenn der Verbrauch rückläufig ist: Wir Deutschen verzehren immer noch etwa 53,2 Kilogramm Fleisch pro Kopf und Jahr. Zum Vergleich: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt einen Fleischkonsum von sechs bis maximal knapp 16 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Die Deutschen essen pro Kopf und Woche 179 Gramm Rind, 262 Gramm Huhn und 546 Gramm Schwein. Pro Jahr sind das 9,3 Kilogramm Rind, 13,6 Gramm Huhn und 28,4 Gramm Schwein. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren nehmen die Deutschen im ganzen Leben 4 Rinder, 989 Hühner und 28 Schweine zu sich.
Auch der Milchverbrauch bleibt hierzulande hoch. Die Deutschen trinken zwar weniger Milch, essen dafür aber mehr Käse.
Besser zu Bio greifen
Wer Bio kauft, kauft umwelt- und tierfreundlicher. In puncto Umwelt- und Tierschutz liegt die Biolandwirtschaft meistens vorne.
Bio ist klima- und bodenfreundlicher und schützt die Artenvielfalt: Mit Bioprodukten können gegenüber konventionellen die CO2-Emissionen aus dem Lebensmittelkonsum um bis zu 15 Prozent reduziert werden. Außerdem schützt Ökoanbau vor Bodenerosion, führt zu hohen Humuswerten im Boden und bewahrt die Artenvielfalt.
Gesündere Inhaltsstoffe: Für Biolebensmittel spricht außerdem, dass sie wertvolle Inhaltsstoffe und deutlich weniger Schadstoffe beinhalten. Ökolandwirt*innen verzichten auf chemische Dünger und Gifte ebenso wie auf Agrogentechnik. Ein vielseitiger Anbau mit alten Gemüse-, Obst- und Getreidesorten trägt nicht nur zur Artenvielfalt bei, sondern verspricht auch neue Geschmackserlebnisse.
Der Transport spielt eine große Rolle
Oft ist es der Transportweg, der entscheidet, wie klimafreundlich oder -schädlich ein Lebensmittel ist. So entstehen beim Transport von Lebensmitteln mit dem Flugzeug 1.000 Gramm CO2 pro Kilogramm und 1.000 Transportkilometer. Mit dem LKW sind es immer noch 200 und mit der Bahn 80 Gramm. Die beste Klimabilanz weist der Schiffstransport auf. Dabei entstehen 35 Gramm CO2 pro Kilogramm und 1.000 Transportkilometer.
CO2-Ausstoß für 1 Kilo Lebensmittel auf 1.000 Kilometer Transportweg
Heimische und saisonale Lebensmittel sind gut für Klima und Region: Anstatt zu Lebensmitteln zu greifen, die aus Übersee eingeflogen wurden, freut sich die Umwelt über kurze Lieferwege. So entsteht sogar bei der Beförderung von Lebensmitteln mit dem relativ klimafreundlichen Transportmittel Schiff elfmal so viel CO2 wie beim Kauf heimischer Produkte.
Es ist also schon viel gewonnen, wenn wir überwiegend Obst und Gemüse kaufen, das bei uns gerade Saison hat. Dann stammen die Waren oft automatisch aus der Region und wir unterstützen damit zusätzlich lokale Wirtschaftskreisläufe und die heimischen Landwirt*innen. Saisonale Lebensmittel sind zudem oft günstiger. Bewusste Ernährung muss also nicht teuer sein.
Faire Preise für die Bauern und Bäuerinnen
Faire Preise sichern gute Arbeitsbedingungen und ermöglichen eine nachhaltige Landwirtschaft: Natürlich gibt es auch beliebte Lebensmittel, die nicht bei uns wachsen: Kaffee, Bananen und Kakao zum Beispiel. Bei solchen importierten Produkten ist es ratsam, auf fair gehandelte Waren zu achten. Initiativen des fairen Handels bemühen sich um sozialverträgliche und gerechte Arbeitsbedingungen.
Fair sollten wir aber auch mit unseren heimischen Erzeuger*innen umgehen. Kleine, bäuerliche Familienbetriebe brauchen Preise, die eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft ermöglichen. Milch, Fleisch und Gemüse zu Schleuderpreisen, die nicht einmal die Herstellungskosten decken, zwingen unsere Bauern, mit wenig Kosten das Maximale aus ihrem Betrieb, aus den Äckern und Nutztieren herauszuholen. Das schadet Mensch, Tier und Umwelt und verhindert eine nachhaltige Landwirtschaft.
Was verstehen wir unter nachhaltiger Ernährung?
Bei nachhaltiger Ernährung geht es um den Schutz der Ökosysteme, das Menschenrecht auf Nahrung und artgerechte Tierhaltung.
In Bezug auf Ernährung soll im Sinne der internationalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable development Goals) Chancengleichheit für alle heute auf der Erde lebenden Menschen hergestellt werden.
- Die Bedürfnisse heutiger Generationen müssen befriedigt werden, ohne die Bedürfnisbefriedigung kommender Generationen zu gefährden.
- Die Ernährungssouveränität in den jeweiligen Lieferstaaten muss höchste Priorität haben.
- Ziel ist, dass in allen Teilen der Welt eine regionale Selbstversorgung mit Lebensmitteln aufgebaut werden kann.
- Erforderlich sind hierzu unter anderem der Zugang zu Land, Saatgut, Wissen und Bildung sowie der Aufbau regionaler Märkte.
Nachhaltige Lebensmittel sind:

Unter Nachhaltigkeitsaspekten sollen Lebensmittel auch bei uns möglichst regional und tiergerecht produziert und vermarktet werden, saisonale Lebensmittel Vorrang haben, biologisch produziert sein und möglichst unverpackt im Handel bereitgestellt werden. Direktvermarktungsmöglichkeiten sollen so weit wie möglich ausgebaut werden. Fairness, das heißt angemessene Erzeugerpreise und ein nachvollziehbarer Verarbeitungsprozess, sind anzustreben.
Für eine Ernährungswende: Lösungswege und Konsequenzen
Der Umbau zu einem nachhaltigen Ernährungssystem muss im eigenen Land beginnen und kann Beispielfunktion für die internationale Staatengemeinschaft haben.
Die wichtigste Maßnahme ist die Verminderung des Konsums tierischer Produkte um 50 Prozent bis 2050. Um das Ziel einer pflanzenbetonten Ernährungsweise zu erreichen, muss der Verbrauch von Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst, Getreide, Kartoffeln und Nüssen noch deutlich steigen und der Verbrauch von tierischen Lebensmitteln stark sinken.
Viehhaltung an inländischer Futterproduktion ausrichten: Die Produktion von Lebensmitteln hängt überwiegend von den vorhandenen natürlichen Ressourcen ab. Das muss in Zukunft wieder mehr für die Erzeugung von tierischen Lebensmitteln gelten. Die Produktion von tierischen Lebensmitteln muss längerfristig an die im Inland vorhandenen Anbauflächen für Futter angepasst werden. Dadurch würde sich die Zahl der gehaltenen Tiere verringern, die Umwelt von Stickstoff und Phosphoreinträgen entlastet, und es stünde mehr Fläche für den Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln zur Verfügung.
Um artenreiches Grünland zu erhalten, empfiehlt der BUND Naturschutz, Initiativen für Fleisch aus naturschutzgerechter Grünfütterung, etwa mit Gras, zu unterstützen. Durch eine Beweidung, bei der die Zahl der Tiere an die vorhandene Fläche angepasst ist, kann die Artenvielfalt maßgeblich beeinflusst werden. Fraß und Tritt der Weidetiere erzeugen Muster in der Vegetation, die den Lebensraum vieler Insekten prägen. Weiden sind ein gesundes „Buffet“ für unsere Nutztiere. Je mehr Gras und Heu aufgenommen wird, umso weniger zusätzliches Kraftfutter ist nötig.
Armutsbekämpfung gilt in allen Ländern als Schlüssel für gesündere Ernährung. Der BN fordert, höhere Preise für qualitativ hochwertige Lebensmittel, insbesondere Bioprodukte, zu berücksichtigen und die Ernährungssätze für Sozialhilfeempfänger entsprechend zu erhöhen. Auch die schrittweise Einführung einer biobasierten, regionalen und beitragsfreien Kita- und Schulverpflegung ist überfällig.
In allen allgemeinbildenden Schulen und allen Ausbildungsberufen des lebensmittelverarbeitenden Handwerks braucht Ernährungsbildung und Kochunterricht einen höheren Stellenwert in den Lehrplänen. Inhaltlich muss gesunde Ernährung gemäß dem Leitbild der Vollwerternährung verankert und der Einsatz ökologisch erzeugter Lebensmittel sowie fleischreduzierte Portionen herausgestellt werden. Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) hat in seinem Ernährungsgutachten herausgestellt, dass bislang die Ernährungspolitik zu sehr auf die Ernährungsverantwortung der Einzelnen setzt.
Von einer überwiegend pflanzlichen Ernährung, die saisonal, ökologisch und regional ausgerichtet ist, kann sowohl die persönliche Gesundheit als auch die Umwelt profitieren. Den Trend zur veganen Lebensweise, insbesondere bei jungen Menschen, wertet der BN als guten Beitrag zu einer sinnvollen nachhaltigen Ernährung, soweit regionale und saisonale Aspekte berücksichtigt sind und der Ersatz von tierischen Komponenten nicht zum vermehrten Einsatz von hochverarbeiteten Importprodukten führt. Projekte der solidarischen Landwirtschaft, Urban-Gardening-Initiativen zur Lebensmittelversorgung oder Umweltbildung in der Stadt sind gute Ansätze zur Bewusstseinsbildung für eine nachhaltige Ernährung.
Es ist wichtig, Handel, End- und Großverbraucher darüber aufzuklären, wie sie Lebensmittelabfälle reduzieren können. Auf Erzeugerebene ist eine noch bessere Vernetzung sinnvoll. Initiativen zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen (Überarbeitung des Mindesthaltbarkeitsdatums, Begrenzung der Verfügbarkeit von Lebensmitteln am Abend) begrüßt der BN. Auch die Vorgaben für Handelsware müssen so gestaltet werden, dass nicht schon auf dem Acker oder in der Verarbeitung Lebensmittel untergepflügt oder aussortiert werden, die den Normen nicht entsprechen.












