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Jahresbericht 2020: Themen, Erfolge, Finanzen

Was unternimmt der BUND Naturschutz für Bayerns Natur? Welche Erfolge hat er erzielt? Wie finanziert er seine Arbeit? Antworten finden Sie im Jahresbericht.

Im Jahr 2020 ist der BUND Naturschutz auf ca. 255.000 Mitglieder angewachsen. Jedes Mitglied hilft uns, Bayerns Natur noch besser zu schützen - ob beim Einsatz für den Schutz von Luchs, Wolf, Biber und Fischotter, bei unserem Engagement für eine zukunftsfähige und naturschonende Landwirtschaft, der Wiedervernässung eines Moores, oder bei unserer konkreten Arbeit für Klimaschutz und Energiewende.


Themen und Erfolge für Bayerns Natur im Jahr 2020

Bayern ist reich an Naturschönheiten. Vom wilden Hochgebirge im Berchtesgadener Land über das Murnauer Moos bis zum letzten frei fließenden Abschnitt der Donau in Niederbayern und den uralten Buchenwäldern im Steigerwald – ein Schatz, auf den wir stolz sein können und den es für uns und unsere nachfolgenden Generationen zu erhalten gilt.

Trotz Corona-Pandemie konnten die Aktivitäten im Arten und Naturschutz auf vielfältige Weise fortgeführt werden: von der jährlichen Amphibienschutz-Aktion über die Einreichung einer Beschwerde bei der EU für besseren Feldhamsterschutz, die Klage gegen die erstmalige Tötung von Fischottern, Projektarbeit und Tagungen oder die Erstellung von Materialien für die BN-Arbeit.

Auch die Rückkehr des Wolfs nach Bayern und damit verbunden vermehrte Rufe nach Abschüssen beschäftigten die Artenschutzfachleute des BUND Naturschutz. Der Verband setzt sich für ein Miteinander von Wolf und Herdenviehhaltung ein und wirkte darauf hin, dass Herdenschutzmaßnahmen frühzeitig gefördert werden.

Weiterhin Schwerpunkt war die Arbeit für die Umsetzung des Volksbegehrens »Artenvielfalt«. Zum Jahrestag der Gültigkeit der neuen Regelungen konnten die Fachleute aber eine nur sehr gemischte Bilanz ziehen. Gegen die völlig unzureichende Umsetzung des Schutzes von Streuobstwiesen reichte der BUND Naturschutz zusammen mit dem LBV Klage ein. Die Ampel-Bewertung des BN steht noch in keinem Bereich auf »grün«.

Ein großer Erfolg waren die Mitmachaktionen des BN: ob Vogel-Phillip, Hummeltelefon oder Eichhörnchen-App. Viele Freundinnen und Freunde der Natur beteiligten sich daran.

Die immer weiter zunehmende Freizeitnutzung der Alpen, gerade auch wegen der pandemiebedingten Reiseeinschränkungen, war der Arbeitsschwerpunkt des Arbeitskreises Alpen. Nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema wurde unter der Überschrift »Von der Traumlandschaft zum übernutzten Berggebiet« eine Broschüre erstellt, veröffentlicht und der Presse vorgestellt.

Das vom BN initiierte Grüne Band hat mit dem Jubiläum »30 Jahre Wiedervereinigung« erneut ein hohes Medieninteresse gefunden. Der Fachbereich führte bundesweit umfassende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit durch. Ein schöner politischer Erfolg 2020 war eine gemeinsame Absichtserklärung im September. Darin bekannten sich alle beteiligten Bundesländer zum Schutz des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument (östliche Anrainer) und zur Förderung des Biotopverbundes (westliche Anrainer).

Das achtjährige erfolgreiche Projekt »Lückenschluss Grünes Band« endete: Hier wurden 319 Hektar Flächen (430 Fußballfelder) in Sachsen-Anhalt und Thüringen erworben und viele Maßnahmen zur Biotopvernetzung realisiert. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit erstellte das Grüne-Band-Team einen großformatigen Kalender »Faszination Grünes Band« für 2021.

Die Energie- und Klimaaktiven im BUND Naturschutz sahen sich 2020 vor der Herausforderung, das Thema Klimaschutz auch ohne große Demonstrationenim öffentlichen Bewusstsein zu halten. Auch der Ausstieg aus der Atomkraft und der Ausbau Erneuerbarer Energien beschäftigte die Fachleute des BN.

Vor den bayerischen Kommunalwahlen im Frühjahr 2020 befragten viele BN-Ortsgruppen ihre Kandidat*innen nach deren Plänen für wirksamen Klimaschutz, um den Wählerinnen und Wählern zu zeigen, wer für welche Politik steht. Die Fachleute des Verbandes erstellten zu Beginn des Jahres eine umfangreiche Stellungnahme zum bayerischen Klimaschutzgesetz. Der BN-Landesbeauftragte Martin Geilhufe war zur Expertenanhörung im Landtag eingeladen, bei der fast alle Expert*innen der Gesetzesvorlage bescheinigten, völlig unzureichend zu sein. Auch wenn die Regierungsmehrheit von CSU und Freien Wählern wider besseren Rat der Fachleute das ungenügende Klimaschutzgesetz im Herbst verabschiedete, wird der BN hier am Ball bleiben und auf Nachbesserungen drängen.

Der Ausstieg aus der Atomkraft ist in Deutschland beschlossene Sache, aber: Es bleibt das Problem, einen sicheren Standort für den radioaktiven Müll zu finden. Im September wurde der Zwischenbericht für in Frage kommende Gebiete der Öffentlichkeit vorgestellt. Über die Hälfte der Fläche Bayerns findet sich darin wieder. Der BN brachte sich hier über den Bundesverband in die Debatte ein und pochte auf ein transparentes, an wissenschaftlichen Kriterien ausgerichtetes Verfahren.

Der BN klagte außerdem gegen die Genehmigungen der Art des »Abrisses« des AKW Isar 1 durch das Bayerische Umweltministerium vor dem Bundesverwaltungsgericht.

Der Arbeitskreis Energie und Klimaschutz beschäftigte sich unter anderem mit den Themen Freiflächen-Fotovoltaik und Wasserstoff.

Ein Schwerpunkt der politischen Arbeit des BN war die bayerische Kommunalwahl im März. Auch wenn große Demos fast das ganze Jahr über wegen der Pandemie nicht möglich waren, fand der Verband mit viel Kreativität und Herzblut Möglichkeiten, seine politischen Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen.

Zum Jahresauftakt machte der BUND Naturschutz vor der Wahl auf auf diejenigen Themen aufmerksam, die auf kommunaler Ebene entschieden werden. In Bereichen wie Klimaschutz, Mobilität oder Flächenverbrauch haben ein Bürgermeister, eine Landrätin oder die Mitglieder eines Gemeinderats viel Einfluss. Darüber informierte der Verband zum Beispiel in seinem Mitgliedermagazin, aber auch in Veranstaltungen vor Ort. Wegen des Lockdowns verlegten manche Kreisgruppen die Podiumsdiskussionen mit Kandidat*innen ins Internet. Ein weiterer Schwerpunkt war das bayerische Klimaschutzgesetz. Mit vielen öffentlichen Aktionen und intensiver Kommunikationsarbeit hat der BN versucht, den von CSU und FW vorgelegten Entwurf zu verbessern. Zusammen mit anderen Expert*innen hat der BUND Naturschutz bei einer Anhörung im Landtag nötige Verbesserungen eingebracht. Das völlig unzureichende Gesetz wurde leider trotzdem beschlossen.

Um die notwendige sozialökologische Transformation voranzubringen, hat der BN in einer breiten Allianz unter anderem mit Fridays for Future und kirchlichen Institutionen die Petition »Bayernplan für eine soziale und ökologische Transformation« auf den Weg gebracht. Zudem hat sich der BUND Naturschutz intensiv dafür eingesetzt, dass die milliardenschweren Corona-Hilfsmaßnahmen die Folgen der Pandemie und Klima und Biodiversitätskrise lösen.

Obwohl die Corona-Pandemie Bayerns Wirtschaft im Jahr 2020 in vielen Bereichen gebremst hat, hielt der hohe Flächenverbrauch an. Grund dafür sind zum einen die Ausweisung immer neuer Bau- und Gewerbegebiete in den Kommunen, zum anderen eine Verkehrspolitik, die immer noch auf das Auto fixiert ist und völlig überzogenen Straßenaus-und -neubau begünstigt.

Mit diesen beiden Dauerbrennerthemen waren die Verkehrsfachleute des BUND Naturschutz auch im Jahr 2020 beschäftigt. Unter anderem setzten sie sich intensiv mit der geplanten Fortschreibung des Staatsstraßenneubauplans auseinander. Als Antwort darauf entwickelte der BN einen »Zukunftsfähigen Mobilitätsentwicklungsplan« und diskutierte diesen mit Politiker*innen. Der BN konnte auch erreichen, dass das Pilotprojekt »Verkehrsberuhigung in Ortsdurchfahrten statt Umgehungsstraßenbau« gemeinsam mit dem Bayerischen Verkehrsministerium weiter vorangetrieben wurde. Gerade Ortsumgehungen werden oft sehr flächenverschwenderisch und durch ökologisch sensible Gebiete geplant. In vielen Gemeinden machten die BN-Aktiven gegen solche Pläne mobil. Auch bei geplanten Ausbauten von Bundesstraßen wie der B 26 neu oder der B 15 neu kritisierte der BN die rückwärtsgerichtete Verkehrspolitik der Staatsregierung.

Die Alternative sieht der BUND Naturschutz in einer deutlichen Verbesserung des ÖPNV und einem Ausbau des Gütertransports auf der Schiene. Um diese Themen voranzubringen, beschäftigten sich die Verkehrsexpert*innen des BN 2020 mit Themen wie den Folgen der Pandemie für die Verkehrspolitik oder den Möglichkeiten einer zukunftsfähigen Finanzierung des ÖPNV. 

Im Einsatz gegen Flächenfraß engagierten sich viele Kreis- und Ortsgruppen des BN gegen die Ausweisung von Gewerbegebieten, so zum Beispiel in Weiden in der Oberpfalz, wo 65 Hektar Staatswald gerodet werden sollen, oder im Landkreis Lindau, wo das interkommunale Gewerbegebiet Argental ohne jede Siedlungsanbindung auf der grünen Wiese entstehen soll.

Kein Bereich erhält mehr EU-Gelder als die Landwirtschaft. So haben die Fachleute des BN hier immer viel zu tun, um die Belange der Natur und der Nutztiere zu vertreten. Durch viele Aktivitäten machte sich der Verband auch 2020 für eine Landwirtschaft stark, die Menschen, Tieren und Umwelt gerecht wird und zukunftsfähig ist.

Nach dem erfolgreichen Volksbegehren »Rettet die Bienen« begleitete der BUND Naturschutz im vergangenen Jahr kritisch dessen Umsetzung. In den Kreisgruppen gab es Infovorträge dazu – in der ersten Jahreshälfte noch persönlich, dann per Video. Der Einsatz gegen gentechnisch veränderte Organismen auf unseren Äckern und Tellern ist ein Dauerbrenner im Verband. Die BN-Fachleute diskutierten intensiv über die neuen Methoden der Gentechnik wie die »Genschere« CRIPR. In der Anhörung des Umweltausschusses im Landtag wies der BN auf die mit den neuen Verfahren verbundenen Risiken hin. Der BN setzt sich dafür ein, dass die EU sich hier weiterhin zum Vorsorgeprinzip bekennt.

Auch die agrarpolitische »Großwetterlage « behielt der BN im Auge. So nahmen die Expert*innen Stellung zu den in 2020 geführten Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union. Der Verband sprach sich hier klar für eine Umverteilung der EU-Agrarmilliarden aus, um eine nachhaltige, bäuerlich-ökologische Landwirtschaft zu fördern. Zudem ist der BUND Naturschutz auch selbst aktiv, um den Ökolandbau voranzubringen. So brachte der BN eine Broschüre heraus, die Hilfestellung gibt für die Verwendung von Bio-Lebensmitteln in der Außer-Haus-Verpflegung. Auch eine 13-teilige Ausstellung, die die Vorteile des Ökolandbaus für Verbraucher*innen und Umwelt erläutert, wurde geschaffen und kann nun von den Kreisgruppen in ganz Bayern verwendet werden.

Mehr Naturwälder für Bayern – das war 2020 eine gute Nachricht. Doch es gab auch Grund zur Sorge: Die Wälder im Freistaat sind durch Trockenheit, starke Eingriffe und Wildverbiss sehr belastet. Der BN setzte sich für schonende Nutzung und eine waldgerechte Bejagung ein.

Es klang erst einmal sehr erfreulich: Gleich zweimal hat die Bayerische Staatsregierung 2020 eine stattliche Fläche von Staatswäldern zu Naturwäldern umgewidmet. Doch bei näherem Hinsehen war die Freude der BN-Waldfachleute getrübt, denn ein erheblicher Teil der Flächen sind Latschenkiefernfelder in den Alpen, die noch nie forstwirtschaftlich genutzt wurden. Zudem sind die meisten Flächen außerhalb der Alpen sehr klein. Der BN hat darauf hingewiesen, dass so kein wirksamer, landesweiter Biotopverbund von Naturwäldern entstehen kann.

Zudem haben die Expertinnen und Experten weiter Überzeugungsarbeit geleistet für große Laubwaldschutzgebiete, vor allem im Steigerwald und im Spessart. Dass die Klimakrise dem Wald schwer zu schaffen macht, beobachtet der BN schon länger. Im Fokus stand deshalb auch 2020 der Einsatz für einen Umbau der bayerischen Wälder zu stabilen Laubmischwäldern, die den künftigen Klimabedingungen gewachsen sind. Weil aber nachwachsende Bäumchen oft von einer sehr hohen Rehpopulation verbissen werden, ist dies in vielen Wäldern nichtmöglich. Der BN hat sich daher bei der im vergangenen Jahr gestarteten Novellierung des Bundesjagdgesetzes eingebracht mit der Forderung, dass Jäger nicht länger überhöhte Wildbestände im Wald halten dürfen.

Auf Positivbeispiele einer guten »Wald vor Wild«-Praxis mit angepassten Wildbeständen haben die BN-Fachleute mit Öffentlichkeitsarbeit hingewiesen. Mehrfach hat der BN im vergangenen Jahr starke Eingriffe in Wälder kritisiert, zum Beispiel massive Einschläge in alten, für die Vielfalt des Waldes so wichtigen Laubbaumbeständen oder auch die großflächige Begiftung von Eichenwäldern gegen den Schwammspinner. Kommunen, die die Raupen mechanisch und ohne Gift bekämpft haben, hat der BN positiv herausgestellt.

Für die Wasserfachleute des BUND Naturschutz gibt es immer viel zu tun. Im vergangenen Jahr behielten sie die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im Blick, kümmerten sich aber auch um die Renaturierung von Gewässern, um Abwasserbeseitigung oder den zunehmenden Wassermangel in Folge der Klimakrise. 

Saubere Gewässer mit hohem ökologischen Wert, und das in fast ganz Europa. Dieses hehre Ziel verfolgt die EU mit der WRRL. Doch gerade in Deutschland hapert es mit deren Umsetzung. Der BN-Arbeitskreis Wasser hat dazu die Kreisgruppen informiert und unterstützt, damit diese sich in die mittlerweile gestarteten öffentlichen Anhörungen einbringen können. In Teilen Bayerns war 2020 ein weiteres Jahr mit viel zu wenig Niederschlägen, was verdorrende Bäume, trockenfallende Bäche und sinkende Grundwasserspiegel zur Folge hatte. Gemeinsam mit dem Bundesverband überlegten die Fachleute im BN, welche Prioritäten im Wasserverbrauch gelten, wie der Zunahme der Bewässerung begegnet werden kann und wie der Landschaftswasserhaushalt in Synergie mit dem Schutz der Biodiversität wieder verbessert werden kann. 

Freie Bahn für Fisch und Kiesel – das war ein Motto der Gewässerschutzarbeit des BN im Jahr 2020. Der Verband setzt sich bereits seit Längerem gegen den Neubau von Querbauwerken in Flüssen und Bächen ein, denn diese unterbinden die natürliche Dynamik von Fließgewässern. 

Schöne Erfolge: An der Salzach wurde mit Renaturierungsmaßnahmen begonnen, und an der niederbayerischen Donau startete der in jahrzehntelangem Einsatz errungene sanfte Ausbau ohne Kanal und Staustufe. 

Auch den ehrenamtlich Aktiven ist das Thema Wasser ein großes Anliegen. So gründeten sich im Arbeitskreis Wasser 2020 gleich zwei neue Arbeitsgruppen: für Abwasser sowie für Trink- und Grundwasser. 

Umweltbildung gehört zu den zentralen Anliegen des BN – auch in Zeiten der Pandemie. Mit Online-Angeboten, Mitmachaktionen und Bildungsangeboten vor Ort ist es auch im schwierigen Jahr 2020 gelungen, die Begeisterung für die Natur immer wieder neu zu wecken und nachhaltiges Handeln voranzubringen. Denn nur wer die Schönheit und Vielfalt von Flora und Fauna kennt, wird sie auch schätzen und erhalten.  

Die Jahresthemen und Termine waren geplant, die Veranstaltungen standen fest. Die Veranstalter freuten sich auf ein Jahr mit vielen Bildungsangeboten drinnen und draußen, mit interessierten Ausstellungsbesuchern, motivierten Teilnehmern und neugierigen Schulklassen. Und dann kam Corona, und gerade im Bildungsbereich blieb kein Stein auf dem anderen. Treffen wurden abgesagt, Führungen waren nur wenige Wochen im Sommer möglich. Nach den ersten Schrecksekunden machten sich Landesverband und Kreisgruppen aber auf in die Welt des Digitalen – und standen vor der Frage, wie sich Natur und Nachhaltigkeit vom dreidimensionalen Erleben, Fühlen und Riechen ins Zweidimensionale Sehen und Hören übersetzen lassen. Erstaunlich schnell waren die ersten Hürden abgebaut und so konnte das Wildbienenseminar als vierteilige Onlinereihe stattfinden, der Runde Tisch Umweltbildung traf sich mit Hilfe von Zoom oder Webex und auch der Erfahrungsaustausch »Naturerfahrung online« lockte viele interessierte Akteure abends noch einmal an die Bildschirme.

Die Pandemie gab den Anstoß, neue Formate und Ideen auszuprobieren und so entstanden zum Beispiel in den Umweltstationen Wartaweil und im Naturerlebniszentrum Allgäu Kurzfilme und wöchentliche Naturtipps für Familien zum Naturerleben auf eigene Faust, das Umwelthaus in Würzburg fand einen begeisterten Filme, produzierte einen Schmetterlingsfilm und stellte ihn ins Netz, Kreisgruppen luden ein zu Diskussionsabenden oder boten Online-Beratungsstunden zum Energiesparen an. Und das Interesse war häufig höher als vermutet. Allein bei den Onlinekursen zu Hummeln tummelten sich über 100 Teilnehmer*innen. Eine der ersten Erkenntnisse aus diesem Umlernen für uns alle war, dass auch diese Form des Lernens und Bildens Spaß macht, dass sie niedrigschwellige Angebote erlaubt und dass wir damit auch Menschen erreichen können, denen sonst der Weg zu einer Veranstaltung zu aufwendig wäre. Letzteres kam vor allem bei den traditionellen Wartaweiler Gesprächen zum Tragen. Eingeladen war Dr. Michael Kopatz vom Wuppertal Institut. Zusammen mit dem Vorsitzenden Richard Mergner und Mitgliedern des Landesvorstandes ging er der Frage auf den Grund: »Wie wir den Planeten retten können, ohne ständig daran zu denken«. Und forderte das Ende der Ökomoral. Anstrengend für alle im Bildungsbereich war das Auf und Ab angesichts der sich immer wieder ändernden Bedingungen.

Die Sehnsucht nach »echten« Begegnungen und Naturerfahrungen war groß. Die meisten saßen also im Frühsommer schon in den Startlöchern, so zum Beispiel die Kreisgruppe Deggendorf, mit der Radltour entlang des Welterbes niederbayerische Donau. Die Kreisgruppe Main-Spessart lud ebenso wie das BN-Bildungswerk zu Multiplikatorenschulungen rund um die Themen Wildbiene, Gärten und Hecken ein und zwischen Weinbergwanderungen in Franken und der Erkundung der Voralpenlandschaft mit den Exkursionsleiter*innen der Kreisgruppe München war der Sommer gut gefüllt mit Angeboten in der Natur, wenn auch mit Abstand und Maske. Eines gilt auf jeden Fall nach diesem turbulenten Bildungsjahr: Wir haben alle viel gelernt.

Finanzen des BUND Naturschutz im Jahr 2020

Die Aufgaben des BN werden ständig mehr: Die Sicherung der Energiewende, das Engagement für Klimaschutz, die Bereitstellung von digitalen Angeboten während der beiden Lockdowns sowie die Unterstützung unserer Basisgruppen erfordern große Anstrengungen. Diese konnten nur bewältigt werden, weil sich immer mehr Menschen für eine Mitgliedschaft im BN entscheiden.  

Der BUND Naturschutz lässt seinen Jahresabschluss – über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus – von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer unter die Lupe nehmen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Dr. Küffner & Partner prüfte die Zahlen im Frühjahr 2020 und bestätigte sie uneingeschränkt.

Ohne Mitglieder und Förderer wäre die wichtige Arbeit des BUND Naturschutz nicht möglich. Deshalb war es auch 2020 eines der zentralen Anliegen des BN, weitere Menschen von einer Mitgliedschaft zu überzeugen. Mit großem Erfolg!

Zum 31. Dezember 2020 hatte der BUND Naturschutz rund 255 000 Mitglieder und Förderer – ein neuer Höchststand. Die Zahl unserer Unterstützer ist damit seit über zehn Jahren kontinuierlich angestiegen. Über die Internetseite des BN sowie über die Aktivitäten des Landesverbandes und der Kreisgruppen kamen rund 1 700 Menschen neu zum BN. Eine Aufforderung, Mitglieder zu werben, gestaltete das Referat für jede Ausgabe des BN-Magazins. Beitrittskarten finden Interessierte in nahezu allen Veröffentlichungen des Verbands.

Sehr erfolgreich war auch die professionelle Mitgliederwerbung: Die BUND Naturschutz Marketing GmbH (BNM) warb an Infoständen, an der Haustür und bei Veranstaltungen. Obwohl wegen Corona die Werbung über weite Strecken ruhen musste, fanden so etwa 3 000 Mitglieder ihren Weg zum BN. Unser langjähriger Partner HSP gewann über 5 500 Menschen für eine Mitgliedschaft. 2020 führte der BN Telefonaktionen durch, bei denen die Mitglieder gefragt wurden, ob sie ihren Beitrag freiwillig erhöhen bzw. Mitglied werden möchten. Bis Ende des Jahres kamen über 36 000 Euro zusätzliche Beiträge pro Jahr zusammen. Die Telefonaktionen werden 2021 fortgesetzt. 

Als größter Natur- und Umweltschutzverband Bayerns kann der BUND Naturschutz auf seine Mitglieder und Förderer zählen. Auch 2020 zeigten sich die Unterstützerinnen und Unterstützer wieder großzügig. Die Haus- und Straßensammlung konnte allerdings wegen Corona nicht stattfinden. 

Die Haus- und Straßensammlung, bei der Mitglieder und Schüler*innen eine Woche lang an der Haustür oder in den Innenstädten freundlich nach einer Spende für Bayerns Natur fragen, ist ein wichtiges Standbein der Einnahmen für den Verband. Weil die Sammlung pandemiebedingt nicht stattfinden konnte, wurden die Verantwortlichen kreativ und entwarfen einen Türhänger. Mit rund 160 000 Stück, die in der Nachbarschaft verteilt werden konnten, warb der BN kontaktlos um Spenden. Die Ergebnisse waren durchaus ermutigend.

Auf dem erfreulichen Niveau des Vorjahres blieben die allgemeinen sowie die zweckgebundenen Spenden. Die Einkünfte aus Geldauflagen sind 2020 auf niedrigem Niveau geblieben. Die Richterinnen und Richter lassen Einnahmen aus Geldauflagen eher bundesweit tätigen Verbänden zukommen. Eine gute und intensive Betreuung seiner Spender*innen liegt dem BUND Naturschutz besonders am Herzen. Die kompetente und freundliche Telefonkommunikation sowie die schnelle Bearbeitung der schriftlichen Anfragen rund um das Thema Spenden bilden das Herzstück des umfangreichen Service in der Landesgeschäftsstelle.

Allen Spenderinnen und Spendern sagt der BUND Naturschutz ein herzliches »Vergelt’s Gott«. 

Mit der BUND Naturschutz Service GmbH (BNS) hat der BUND Naturschutz einen starken Service-Partner an seiner Seite. Als Tochtergesellschaft des BN übernimmt sie viele Aufgaben jenseits der praktischen Naturschutzarbeit und unterstützt den Verband so mit einem breit gefächerten Dienstleistungs- Portfolio. 

Die Arbeitsfelder der BNS waren im Coronajahr 2020 unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen: Sowohl der Druck von Info- und Werbematerial als auch die Veranstaltungsberatung für BN-Gruppen war durch abgesagte Veranstaltungen nur in geringem Umfang nötig. Auch die Betreuung der Kreisgruppen rund um die Hausund Straßensammlung war durch die Corona-konforme Umstrukturierung der Sammlung stark reduziert. Dafür war das hauseigene Telefonkampagnenteam eine wertvolle Ergänzung zur im Lockdown eingeschränkten Vor-Ort-Mitgliederwerbung. In insgesamt acht Kampagnen telefonierte das Team für den BN, den BUND und weitere Landesverbände und trug damit trotz Kontaktbeschränkungen zur wichtigen Bindung zwischen Verband und Mitgliedern bei.

Die Verlagsabteilung der BNS brachte 2020 für den BN und den BUND das Fachbuch »Handbuch Biotopverbund Deutschland« heraus. Auch der jährlich erscheinende BN-Wandkalender erfreute sich wieder großer Beliebtheit (Thema: »Faszination Stadtnatur«).

Das Hauptprojekt 2020 war der Relaunch des BN-Onlineshops. Eine intuitivere Menüstruktur und eine kundenfreundlichere Artikelpräsentation machen den Shop attraktiver für Kundinnen und Kunden, eine Shop-in-Shop-Struktur sorgt für mehr Überblick bei verbandsinternen Käufergruppen. Die Pandemie beeinflusste die nachgefragten Produkte merklich: Klare Schwerpunkte waren die Themenbereiche Garten, Naturerleben und Urlaub in Bayern. Der Newsletter informierte mehrfach über aktuelle und neue Produkte wie zum Beispiel regionales Saatgut für Bayern. 

Die Aufgabe der BUND Naturschutz Stiftung ist es, Zuwendungen dauerhaft zu erhalten und aus den Erträgen ihres Vermögens Projekte für Erhalt und Schutz unserer Umwelt zu finanzieren. Somit bietet die BUND Naturschutz Stiftung allen Naturfreundinnen und Naturfreunden die Sicherheit, dass Zuwendungen nicht kurzfristig ausgegeben werden, sondern langfristig zur Finanzierung wichtiger Projekte beitragen.

Stiftungen sind auf »ewig« angelegt. Dies bedeutet, dass das Stiftungskapital auf Dauer erhalten bleiben muss und der einmal festgelegte Stiftungszweck nicht mehr geändert werden darf. Der in der Satzung der BUND Naturschutz Stiftung festgelegte Stiftungszweck ist der Erhalt und die Wiederherstellung unserer Lebensgrundlagen auf vielfältige Weise und mit verschiedenen Schwerpunkten.

Die BUND Naturschutz Stiftung wurde im Jahr 2007 gegründet und startete im Jahr 2009 mit einem Stiftungskapital von 50 000 Euro. Seither wird ihr Bekanntheitsgrad durch gezielte Maßnahmen kontinuierlich erhöht. Hierzu zählen die Erstellung einer eigenen Homepage, einer ausführlichen Broschüre und eines Flyers. Broschüre und Flyer wurden bereits häufig angefordert und verschickt.

Auch konnte durch mehrere Zustiftungen das Gründungskapital auf rund 1,3 Millionen Euro erhöht werden. Seit dem Jahr 2012 sind nun auch Ausschüttungen erfolgt, wenn auch in noch überschaubarem Rahmen. Diese Ausschüttungen gingen zum Beispiel nach Wartaweil oder an Umweltprojekte in Nürnberg, Passau und Kulmbach, die alle mit dem BUND Naturschutz in Verbindung stehen. Mittlerweile wurden auch Unterstiftungen gegründet.

Wir hoffen, dass wir durch weitere Zustiftungen die Erträge und damit die Ausschüttungen in den nächsten Jahren deutlich erhöhen und damit sinnvolle Projekte für Natur und Umwelt unterstützen und die Ziele des BN auch auf diesem Wege umsetzen können.