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Boden in Gefahr: Erosion und Verdichtung in der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist weltweit der größte Bodennutzer. Dass sie immer intensiver arbeitet, hinterlässt Spuren: Schwere Maschinen verdichten die Böden, baum- und heckenlose Agrarsteppen verlieren durch Erosion an fruchtbarer Substanz. Dabei geht es auch anders!

„Die Bodenerosion gilt in Bayern als die derzeit größte Gefährdung der Böden und ihrer Funktion.“ Das schreibt nicht etwa ein Umweltverband, sondern die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft. Im bundesweiten Maßstab sieht es nicht besser aus: Ein Viertel der Ackerflächen Deutschlands ist heute durch Winderosion gefährdet, ein Drittel weist eine mittlere bis sehr hohe Gefährdung durch Wassererosion auf.

Bei der Bodenerosion verlagern sich Bodenbestandteile durch Wasser und Wind. Sie ist damit zunächst ein natürlicher Prozess. Dass sie unseren Böden heute aber deutlich stärker zusetzt als früher, hängt mit der intensiven Landwirtschaft zusammen. So bleiben Böden in der Natur nie lange ohne Pflanzendecke. Wenn der Pflanzenbewuchs durch Naturereignisse flächig verschwindet, sorgen robuste „Pionierpflanzen“ sehr schnell für neuen Bewuchs. So schützt die Natur eine ihrer wichtigsten Ressourcen, den fruchtbaren Boden.

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fruchtbarer Boden wächst in 100 bis 300 Jahren

Anders in der intensiven Landwirtschaft. Hier waren Ackerflächen ohne Bewuchs (nach der Ernte, im Winter) lange Zeit ein gewohnter Anblick. Sie sind besonders durch Erosion gefährdet. Dass durch die „Flurbereinigung“ und das Höfesterben in den letzten Jahrzehnten immer größere Äcker entstanden sind, hat das Problem noch verschärft. „Störende“ Feldgehölze, Bäume und Hecken wurden vielerorts entfernt, sodass der Wind heute ungehindert über riesige Landflächen hinwegfegen kann. Extreme Wetterlagen wie lange Trockenheit, große Regenmengen innerhalb kurzer Zeit und starke Winde verstärken die Bodenerosion.

Wenn Erosion flächenhaft stattfindet, passiert sie eher schleichend und ist schwierig zu erkennen. Dagegen ist die „linienhafte“ Bodenerosion – beispielsweise nach starken Regenfällen – oft eindrucksvoll und kann große Schäden anrichten.

Wenn Wind oder Wasser fruchtbaren Ackerboden abtragen, ist dieser unwiederbringlich verloren. Humus und Nährstoffe gehen verloren, der verbleibende Boden ist dadurch weniger fruchtbar und kann seine ökologischen Funktionen (Grundwasserschutz, Schadstofffilter, Pflanzenernährung) schlechter erfüllen (Bodendegradation).

Darüber hinaus schadet die Bodenerosion Gewässern, Fischen und Weichtieren. Wenn Ackerboden durch Wind und Wasser abgetragen wird, landen feine Teilchen davon (sog. Bodensedimente) und Nährstoffe über Gräben und Bäche in Flüssen und Seen. Die Nährstoffe „überdüngen“ Gewässer und Sedimente verschlammen den Gewässerboden. Jungmuscheln, die sich im Gewässerboden entwickeln, und Fische, die dort ihren Laich ablegen, kommen mit diesen Veränderungen nicht zurecht. Auch deswegen sind derzeit 44 Prozent aller Süßwasserweichtiere und 37 Prozent der Süßwasserfischarten in Europa gefährdet.

Um den Wasserabfluss in erosionsgefährdeten Lagen (etwa Hanglagen) zu verringern beziehungsweise zu verlangsamen, muss dort vor allem der Anteil dauerhaft bodendeckender Kulturen (Grünpflanzen) erhöht und der Anteil von erosionsanfälligen Kulturen, wie Mais, Kartoffeln oder Rüben (Hackfrüchte) reduziert werden. Mulchsaaten (pflugloses Saatverfahren) müssen – auch bei Kartoffelanbau – auf erosionsgefährdeten Standorten zum Standard werden.

Der beste Erosionsschutz auf landwirtschaftlichen Böden sind Wiesen und Weiden (Dauergrünland): Der dauerhafte Bewuchs schützt den fruchtbaren Boden. Doch Wiesen und Weiden haben in Bayern dramatisch abgenommen. Seit den 1970er-Jahren gingen 500.000 Hektar verloren. Die Ursachen liegen in der Intensivierung der Landwirtschaft. Statt Gras, Heu und Grassilage wird heute überwiegend Maissilage verfüttert. Deshalb haben die Landwirte unzählige Wiesen ümgepflügt und in (erosionsanfällige) Maisäcker umgewandelt. Das hat der Bodenerosion großen Vorschub geleistet. Es kommt also auch darauf an Wiesen und Weiden besser zu schützen und zu erhalten.

Der BN fordert, Maßnahmen zur Verringerung der Erosion umzusetzen. Das sind zum Beispiel ganzjährige Bodenbedeckung, Anbau abfrierender Zwischenfrüchte und Humusaufbau. Außerdem müssen künftig die Verursacher die Kosten für die Reinigung öffentlicher Wege nach Abschwemmungen durch Bodenerosion übernehmen. Bisher tragen die Gemeinden diese Kosten. Auch für Nährstoff- und Pestizideinträge in die Umwelt und in Gewässer muss endlich das Verursacherprinzip Anwendung finden.

Darüber hinaus favorisiert der BN die sogenannte reduzierte Bodenbearbeitung wenn sie durch eine geeignete Fruchtfolge und mechanische Unkrautregulierung so gestaltet ist, dass der Einsatz von Herbiziden reduziert und mittelfristig ganz eingestellt werden kann.

In den letzten Jahren hat sich glücklicherweise das Wissen um die schützende Funktion von Zwischenfrüchten oder mehrjährigem Anbau (etwa Kleegras) vielerorts durchgesetzt und blanke landwirtschaftliche Böden sind seltener zu sehen. Allerdings nimmt teilweise auch der Anbau besonders erosionsgefährdeter Kulturen (z. B. Mais) zu. So wird bei sogenannten Hackfrüchten (z. B. Mais, Rüben oder Kartoffeln) der Boden während des Wachstums mehrmals bearbeitet (gehackt), damit er nicht verkrustet und Beikräuter zurückgedrängt werden. Das trägt dazu bei, dass der Boden leichter von Wind und Wasser fortgetragen werden kann.


Bodenverdichtung durch die Landwirtschaft

Auch in der Landwirtschaft werden die Maschinen immer leistungsfähiger und damit meist größer und schwerer. So wiegt ein Mähdrescher bis zu 27 Tonnen, ein Rübenroder bis zu 60 Tonnen und der Erntetransporter bis zu 40 Tonnen. Teilweise müssen landwirtschaftliche Böden Fahrzeuggewichte von bis zu 60 Tonnen aushalten. Zum Vergleich: Die Straßenverkehrsordnung lässt auf deutschen Straßen nur Fahrzeuge bis 44 Tonnen zu.

Zwischen den Partikeln des Bodens befinden sich Hohlräume in Form von Poren, die mit Luft und Wasser gefüllt sind. Wenn nun ein Gerät mit zu hohem Gewicht über einen Boden fährt, wird dieser zusammengedrückt und die Hohlräume werden kleiner. Das beeinträchtigt den Wasser- und Lufttransport im Boden. Auch die Pflanzen können jetzt den Boden nicht mehr so tief durchwurzeln. Die Folge sind verschlechterte Wuchsbedingungen und weniger Erträge.

Auch das Regenwasser kann bei verdichtetem Boden schlechter versickern, es steht teilweise auf dem Acker. Bei starken Regenfällen kann das zu vermehrter Bodenerosion und auch zu Hochwasser führen. Auch der Gasaustausch im Boden wird erschwert, wodurch der Boden mehr klimaschädliches Methan und Lachgas emittiert.

Weil der Boden jetzt kompakter ist, wird die Bearbeitung schwieriger, sodass sich der Treibstoffverbrauch bei der Bearbeitung erhöht.

Je geringer der Humusgehalt der Böden ist, umso stärker ist die Gefahr durch Bodenverdichtung.

Um Bodenverdichtung zu vermeiden, müssen die Erntetechniken weiterentwickelt werden. Alternativ müssen wieder kleinere, leichtere Maschinen und Transportfahrzeuge zum Einsatz kommen. Die Landtechnik ist gefordert, Erntesysteme und Maschinen in dieser Richtung zu entwickeln.

Hohe Gewichte können – vor allem bei ungünstigen Bodenbedingungen (z. B. hohe Feuchte) – zu schwerwiegenden Verdichtungen des Unterbodens führen. Laut Umweltbundesamt (Stand: 2020) wird die Bodenverdichtung in Deutschland derzeit nicht einheitlich ermittelt. Schätzungen von Experten zufolge sind aber etwa zehn bis 20 Prozent der Ackerflächen durch die Bearbeitung verdichtet.


Machen es die Biobauern besser?

Die Biolandwirtschaft legt besonderen Wert auf einen fruchtbaren, gesunden Boden: Sie sieht die Bodenorganismen als „leistungsfähige Mitarbeiter“ an, die sie pflegen muss. Optimale Lebensbedingungen für die Bodenorganismen stehen daher im Mittelpunkt der ökologischen Landwirtschaft. Sie setzt auf vielfältige Fruchtfolgen und ganzjährigen Bewuchs, was der Artenarmut im und auf dem Boden entgegenwirkt und den Boden durch stärkere Durchwurzelung vor Verschlämmung und Erosion schützt.