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Reichswaldbilanz im Waldnaturschutzjahr 2015

Den Reichswald naturnah weiterentwickeln

03.07.2015

Reichswaldfest am Schmausenbuck in Nürnberg 18./19.07.2015

Bürgerentscheid zum Gewerbegebiet bei Feucht kommt 2015 ist Waldnaturschutzjahr. Und wie jedes Jahr feiert der Bund Naturschutz zusammen mit vielen befreundeten Organisationen am 18. und 19. Juli 2015 das Reichswaldfest am Schmausenbuck oberhalb des Nürnberger Tiergartens als Kundgebung für den Walderhalt.

Die Bilanz des Waldschutzes im vergangenen Jahr fällt dabei nicht positiv aus und große Herausforderungen durch überzogenen Planungen stehen bevor.

"Vor allem durch den weiteren Ausbau der Autobahnen und Staatsstraßen sind erhebliche Waldverluste entstanden. Die großflächigen Rodungen an der Autobahn A6 zwischen den Kreuzen Nürnberg-Süd und Nürnberg-Ost haben wir machtlos mitansehen müssen. Auch die Rodungen für den Ausbau der Staatsstraße 2239 zwischen Feucht und Penzenhofen sind gigantisch, dabei hatten wir sogar durch Proteste und Stellungnahmen eine bescheidene Korrektur erreicht, es wäre sonst noch schlimmer geworden. Dazu kamen die Rodungen für den großen Kreisverkehr am Hafen und die Genehmigung für einen Sandabbau bei Ochenbruck", so der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger. "Und es drohen noch immer der Ausbau der A 73 im Nürnberger Süden, die Nordspange zum Flughafen, ein großer Sandabbau am Birkensee bei Röthenbach/P. und das Gewerbegebiet Moser Brücke bei Feucht. Es muss deshalb der Waldschutz in der Region verstärkt werden, um Bannwälder auch tatsächlich zu erhalten. Positiv ist aber auch die Erkenntnis, dass gerade aus Klimaschutzgründen der Reichswald unverzichtbar ist", so Hubert Weiger weiter.

"Wir freuen uns sehr, dass der Nürnberger Stadtrat das Verfahren eingeleitet hat, das geplante Hafen-Industriegebiet Süd ad acta zu legen. 300.000 Quadratmeter Wald werden dadurch gerettet werden. Der Wald ist und bleibt für den globalen und für den lokalen Klimaschutz unverzichtbar. Das wird immer noch zu wenig gesehen. Es gibt eben nur wenige Kohlenstoffsenken, die das CO2 aus der Atmosphäre zurückholen. Moore und Wälder sind am besten. Und auf lokaler Ebene ist der Reichswald die natürliche Klimaanlage der Städte, die sonst zu überhitzen drohen. Mindestens drei Grad Celsius lägen die Temperaturen an den heißen Sommertagen höher, wenn wir den Reichswald nicht hätten, und das vor allem auch nachts. Ersatzaufforstungen weit weg in der Oberpfalz wie für einige Eingriffe geplant nutzen da wenig."

"Wir müssen wachsam bleiben. Die Nordspange muss aus dem Bundesverkehrswegeplan raus, sonst geht es da weiter wie bei der dritten Startbahn in München. In Feucht setzen wir auf die Vernunft der Bürger", so Richard Mergner, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz. Das Reichswaldfest ist ein Beitrag des BN - der auch Mitglied der Bay. Klimaallianz ist - zur Klimaschutzwoche des Umweltministeriums.

Obwohl der Reichswald Bannwaldschutz genießt, obwohl er europäisches Vogelschutzgebiet ist, ist er noch immer nicht vor Eingriffen bewahrt. Hier versagt noch zu oft die verantwortliche Politik. Sie muss anerkennen, dass Bannwaldschutz heißt: Der Walderhalt hat Vorrang vor allen anderen Interessen. Ohne BürgerInnen, die sich schützend vor den Wald stellen, wird es auch zukünftig keinen absoluten Schutz geben.

Otto Heimbucher, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Nürnberg-Stadt: "Wir hoffen, dass wir mit der Umnutzung des ehemaligen Bahngewerbegebietes an der Brunecker Straße endlich weiterkommen. Dort geht es um ein großes Flächenpotential auch für Gewerbe. Das kann den Druck auf den Wald mindern. Eine Erweiterung des Gewerbegebietes Nürnberg-Feucht, wie zuletzt von Oberbürgermeister Maly und Bürgermeister Rupprecht aus Feucht angedacht, wollen wir nicht."

Aktuell kämpft der BN im Reichswald ...

... gegen ein 15 Hektar großes neues Gewerbegebiet "Moser Brücke" mitten im Wald bei Feucht. Nachdem der benachbarte Markt Wendelstein überraschend seine Zustimmung zum Bebauungsplan verweigert hat, will der Markt Feucht nun entgegenkommen und das Gewerbegebiet in gemeinsamer Regie mit Nürnberg und Wendelstein betreiben. Für den Wald käme das Gleiche heraus. Erfreulich ist, dass der Widerstand in Feucht deutlich an Fahrt aufgenommen hat. Anfang 2015 hat ein Feuchter Bündnis ein Bürgerbegehren eingeleitet mit dem Ziel, dass das geplante Waldgebiet weder als Feuchter Gewerbegebiet ausgewiesen werden kann noch als gemeinsames mit Nürnberg und Wendelstein. Und die notwendigen Unterschriften waren bereits in wenigen Tagen gesammelt. Nun kommt es am Sonntag, 26.07.15 zum Bürgerentscheid. Eine deutlich geschrumpfte Mehrheit der GemeinderätInnen hat ein Ratsbegehren dagegen beschlossen.

Zusammen mit dem Bündnis gegen die geplante Nordspange zum Flughafen bleibt der BN auch im Reichswald bei Buchenbühl aktiv. Nachdem die Regierung von Mittelfranken den Bau unter Auflagen (Löschschaumrückstände) genehmigte, hat der BN 2012 Klage eingereicht. Wegen der unabsehbaren Dauer zur Beseitigung der Löschschaumrückstände im Grundwasser hat der VGH München angeordnet, das Verfahren ruhen zu lassen. Leider hält die Staatsregierung am Projekt fest und will es wieder im kommenden Bundesverkehrswegeplan unterbringen.

Seit 2013 kämpft der BN zusammen mit dem Fränkischen Albverein zum wiederholten Mal gegen den Versuch der Fa. Zapf, zehn Hektar Wald am Birkensee für Sandabbau roden zu können. Die Proteste bewirkten eine Ablehnung des Regionalen Planungsverbandes. Die Regierung von Mittelfranken hat jedoch einen verkleinerten Abbau in einer landesplanerischen Beurteilung (Raumordnungsverfahren) zugestimmt, obwohl es kein Vorranggebiet für Sandabbau ist. Nun kommt es entscheidend auf das Genehmigungsverfahren beim Bergamt Nordbayern an, ob die europäisch geschützten Flechtenkiefernwälder zerstört werden dürfen.

Mit dem geplanten Umbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost (Overfly) stehen ebenfalls weitere große Flächen zur Disposition.

Beim geplanten LKW-Parkplatz bei Moosbach an der A6 ist Zeit gewonnen, da die Planung zurückgestellt wurde. Hier agiert der BN zusammen mit der BI Moosbach.

Der sechsstreifige Ausbau der A 73 im Nürnberger Süden wird leider weiter vorangetrieben. Auch hier steht extrem viel Reichswald auf dem Spiel. Der BN klagt aktuell gegen den kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellweges in Nürnberg, der den Transitverkehr auf der A 73 auch in Richtung Hafen und Kreuz Nürnberg-Süd ansteigen lassen würde.

Der BN setzt sich auch nach dem ärgerlichen Ergebnis des Bürgerentscheides 2015 zur Stadt-Umlandbahn im Landkreis Erlangen-Höchstadt für dieses wald- und klimafreundliche Verkehrsmittel ein. Es ist die Alternative zur erfolgreich verhinderten Südumfahrung Buckenhof-Uttenreuth-Weiher und der Hoffnungsschimmer auch gegen Projekte wie die geplante Ortsumfahrung von Dormitz und Neunkirchen am Brand.

Sollte die geplante Gleichstrompassage Süd-Ost (HGÜ) weiterverfolgt werden, könnte dies ebenfalls den Reichswald betreffen, weil eine Trassenvariante hier entlangführen würde. Der BN sieht die Trasse als nicht notwendig und für die Energiewende sogar als kontraproduktiv an und unterstützt die vielen Bürgerinitiativen in ganz Nordbayern in ihrem Kampf gegen das Vorhaben.

Aktuell erfolgte Rodungen

Der sechsstreifige Ausbau der A6 geht ebenfalls auf Kosten des Reichswaldes. Trotz Klimakatastrophe baut der Freistaat und der Bund das Straßennetz munter aus. Die Verbreiterung der A 6 Kreuz Nürnberg-Süd bis Kreuz Nürnberg-Ost hat ca. 3 Hektar Wald gekostet. Die Rodungen erfolgten im ausgehenden Winter 2014/15.

Die Erneuerung einer Brücke an der A3 westlich des Autobahnkreuzes Nürnberg (Bauwerks BW 402e) wird - wenig waldfreundlich - neben der bestehenden Fahrbahn und damit auf Kosten des Reichswaldes errichtet.

2015 wurde auch für den vom BN abgelehnten Ausbau der Staatsstraße 2239 Feucht - Penzenhofen gerodet. 4,4 Hektar Wald fielen und erst da wurde den meisten Bürgerinnen und Bürgern aus Feucht und Umgebung klar, welch' großer Eingriff die "Begradigung" einiger Kurven für den Wald ist. Etliche Anrufe beim BN zeigten das Entsetzen.

In Kürze dürfte auch Wald an der Anschlussstelle Nürnberg-Nord an der A 3 gerodet werden. Dort soll der Knoten aus Sicherheitsgründen umgebaut werden. Für den umstrittenen Kreisverkehr am Nürnberger Hafen wurde ebenfalls ein Hektar Reichswald gerodet. Die Erweiterung des Sandabbaus bei Schwarzenbruck/Ochenbruck wurde 2014 leider genehmigt. Hier hat der BN bereits im Rahmen der Regionalplanung versucht, die Rodungen abzuwehren. Der Wald ist leider verloren.

In Röthenbach an der Pegnitz drohen weitere Rodungen südlich der Bahnlinie im Bereich der "Alten Hut". Die Firma Zapf bietet dort auf bewaldeten Flächen 3,6 Hektar Gewerbefläche an.

Aktuelle Erfolge

Das Verfahren, das geplante Hafen-Industriegebiet Süd im Eibacher Forst aus dem Flächennutzungsplan herauszunehmen wird endlich vorbereitet. 30 Hektar Reichswald wären dann gerettet.

In Roth-Pfaffenhofen wurden 1,5 Hektar Reichswald, die bereits seit 2003 für Bebauung vorgesehen waren, wieder in Wald umgewidmet.

Den Reichswald naturnah weiterentwickeln

Der BN begrüßt die Initiative von Erlanger Geographiestudentinnen und Studenten zur Verschärfung der Naturschutzgebietsverordnung im NSG Brucker Lache. Anlass war die schematische Neuanlage von Harvesterschneisen 2014/2015, die scharfe Proteste in der Bevölkerung hervorgerufen hatten. Der BN fordert seit langem, dass die Bodenschäden durch die Forstmaschinen reduziert werden und dass weniger Waldfläche für Harvesterschneisen geopfert werden. Bei der Holzernte muss allgemein mehr Rücksicht auf den Wald und die Tierwelt genommen, z. B. dadurch dass auf große Holzeinschläge in der Brut- und Aufzuchtszeit verzichtet wird.

Der BN setzt sich für die Weiterführung des ökologischen Waldumbaues ein, durch den im Reichswald naturnahe und damit stabile Wälder begründet werden. Dies muss im Staatswald forciert werden. Der BN wirbt auch dafür, dass sich auch private Waldbesitzer stärker engagieren, die dafür staatliche Förderung erhalten.

Mehr Schutz im Reichwald

Auf Bayernebene setzt sich der BN dafür ein, ein Mindestmaß an Staatswäldern auch konsequent zu schützen, um dort eine Naturwaldentwicklung zu ermöglichen. So wird im fränkischen Steigerwald seit acht Jahren ein Nationalpark diskutiert, den die Staatsregierung aber bislang ablehnt. Die Staatsregierung steht auch in der Kritik, weil sie im von ihr ausgerufenen Waldnaturschutzjahr 2015 zwar über Waldnaturschutz redet, aber faktisch das größte nutzungsfreie Waldschutzgebiet in Bayern außerhalb der beiden Nationalparke auflösen lassen will. Die Regierung von Oberfranken wurde angewiesen den erst 2014 als Geschützten Landschaftsbestandteil "Der Hohe Buchene Wald" im Steigerwald aufzulösen. Letztlich geht es darum, die gewünschte Ausweisung eines Nationalparks zu verhindern. Für den Reichswald fordert der BN in geeigneten naturnahen Wäldern im Staatswald eine Naturwaldentwicklung zu ermöglichen sowie im bewirtschafteten Forst alte Bäume und Baumgruppen vermehrt zu schützen.

Zum 43. Reichswaldfest gibt es ...

... traditionell neben Bio-Bier und Bio-Limo auch Öko-Bratwurst und Bio-Kuchen. Selbst Bio-Popcorn ist wieder zu haben. Der Bay. Waldminister Helmut Brunner und der BN-Vorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger werden am Samstag sprechen. Neun Führungen zum Leben im Reichswald, zur modernen Schnitzeljagd mit Geocaching oder "Bombentrichter-Biotopen" finden statt.An Infoständen von etwa 25 Initiativen und Gruppen kann man sich über alle Aspekte des Reichswaldes und darüber hinaus informieren.

Für Kinder und Jugendliche gibt es die Möglichkeit, unter fachkundiger Betreuung der BN-Jugendbildungsstätte Wartaweil mit Helm und Seilen riesige Eichen zu erklettern. Bei der Jugendorganisation BUND Naturschutz (JBN) werden Waldgeheimnisse gelüftet und eine Märchenerzählerin zieht die Kinder in ihren Bann. Beim Imker kann man lebenden Bienen im Bienenstock bei ihrer Arbeit zugucken, Terrarien mit Pflanzen und Tieren aus dem Reichswald stehen bereit, und es gibt die Möglichkeit, den Schmausenbuckturm zu bezwingen. Und natürlich gibt es den Reichswald als größtes Abenteuergelände.

Die Musik wird am Samstag gespielt von "Andre Engelbrecht and Friends" (Blues, Irish Folk, Rock und Soul) aus Fürth und am Sonntag von "Klezmaniaxx" (Klezmer) aus Erlangen.

Für Rückfragen: Tom Konopka, Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken Fon 0911 81878-14