MenuBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Waldsterben 2.0

Angesichts der dramatischen Ausmaße, die das Sterben von Bäumen und teilweise ganzer Wälder in verschiedenen Waldgebieten Bayerns angenommen hat, fordert der BN die Politik auf, endlich das Klima wirkungsvoll zu schützen!

Sterbende Kiefernwälder bei Roßendorf, Marktgemeinde Cadolzburg im Landkreis Fürth, Foto: Ralf Straußberger

Dramatische Entwicklung der Waldschäden: Waldsterben 2.0 droht!

Kiefernwälder im Landkreis Roth, Foto: Ralf Straußberger

Die Klimakrise trifft die Wälder verschiedener Regionen Bayerns und Deutschlands sehr hart. Vor allem die Nadelbaumarten Kiefer und Fichte leiden unter den zunehmenden Klimaextremen Hitze, Trockenheit und Stürme. In Nordbayern und anderen Bundesländern sterben in den tieferen und wärmeren Lagen immer mehr Kiefern ab, teilweise sogar ganze Wälder. Sie sind an den rot gefärbten Kronen auch für Laien gut zu erkennen. Auch die Baumart Schwarzkiefer, die bisher als besonders wärmetolerant gegolten hat, ist massiv betroffen. Der größte Schwarzkiefernbestand Deutschlands im Landkreis Würzburg ist zu ca. 80 % massiv geschädigt.

10 Forderungen des BN zum Waldsterben 2.0 durch die Klimakrise

Um das Waldsterben 2.0 wirksam und möglichst schnell zu bekämpfen, sind verschiedene Maßnahmen nötig:

Die 10 Forderungen des BN sind:

 1. Waldsterben 2.0 durch wirksame Klimaschutzmaßnahmen stoppen
 2. Waldumbau von Nadelforsten zu Laubmischwäldern vorranging betreiben
 3. Wald vor Wild
 4. Im Klimaspeicher Staatswald muss Gemeinwohl Vorrang bekommen
 5. Mehr Förster*innen unterstützen Waldbesitzer und Kommunen beim Waldumbau
 6. Waldflächen nach Extremereignissen schonend behandeln
 7. Begiftungen von Wäldern unterlassen
 8. Wälder ökologisch verträglich bewirtschaften, Holz schonend ernten
 9. Kompetenzen in Laubholzwirtschaft und –verwertung ausbauen
10. Naturwälder auf zehn Prozent der öffentlichen Waldfläche zulassen

Lesen Sie hier weitere Ausführungen, warum diese Maßnahmen wichtig sind

Schädlinge bedrohen die geschwächten Bäume

Nicht nur in Mittelfranken ein Problem: sterbende Fichtenwälder in Dietmannsried im Landkreis Oberallgäu, Foto Ralf Straußberger

In den Mittelgebirgen und in Südbayern rafft der Borkenkäfer zahlreiche Fichten dahin, die durch Hitze und Trockenheit so geschwächt sind, dass sie dem Borkenkäfer massenhaft zum Opfer fallen. Die Ausbreitung der Fichten-Borkenkäfer ist in einigen Privatwäldern so massiv, dass manche Waldbesitzer den Kampf gegen den Borkenkäfern aufgegeben haben. Es fehlen auch schlicht die Kapazitäten für die Aufarbeitung der Borkenkäferschäden. Als Alternativen zu diesen besonders gefährdeten Baumarten gelten Eichen, Buchen und Weißtannen, die eine moderate Erwärmung verkraften würden. Aber auch diese Baumarten stehen unter Stress und würden eine Klimaerwärmung von 4 bis 5 °C wohl nicht überleben. Wohl keine unserer heimischen Baumarten würde ein derartiges Mittelmeerklima verkraften.

Die bisherigen Waldumbaubemühungen, d.h. die Unterpflanzungen mit Laubbäumen, mit denen Waldbesitzer und Förster die Wälder klimaresistenter machen wollen, sind gefährdet, wenn die Politik nicht endlich beim Klimaschutz handelt.

Gemeinwohlfunktionen der Wälder gefährdet

Eine weitere Verschärfung des Baum- und Waldsterbens würde zahlreiche, zentrale Leistungen dieser Wälder für die Daseinsvorsorge stark beeinträchtigen und gefährden. Dies beträfe den Trinkwasser-, Hochwasser-, Klima-, Boden-, Lawinen- und den Biotopschutz dieser Wälder, so z.B. die Trinkwasserversorgung und die Bewohnbarkeit des Alpen- und Voralpenraums sowie der Flusstäler.

Das Video wurde uns freundlicherweise von Hans von der Brelie von Euronew TV zur Verfügung gestellt.

Kraftanstrengung zum Klimaschutz gefordert!

Um die Klimakrise und das Waldsterben 2.0 zu stoppen, braucht es eine ähnliche Kraftanstrengung wie beim Waldsterben in den 80er Jahren. Damals ist es der Regierung Kohl 1983 gelungen die Luftschadstoffe, v.a. das Schwefeldioxid um über 80 % zu reduzieren und dadurch das Waldsterben zu stoppen.

Waldsterben 1.0 in den 1980er Jahren

1981 veranstaltete der BUND Naturschutz gemeinsam mit der Ludwigs-Maximilians-Universität München die erste Pressefahrt zum Thema Waldsterben überhaupt, die in die damals großflächig abgestorbenen Wälder im Erzgebirge führte. Bei dieser Pressefahrt prägten der LMU-Forstbotaniker Prof. Dr. Peter Schütt und Prof. Dr. Hubert Weiger, damals noch Beauftragter des BN für Nordbayern, den Begriff „Waldsterben“, der so vom BN in die öffentliche Diskussion transportiert wurde.

Es ist einer der größten Erfolge der deutschen Umweltbewegung, dass damals durch den Druck der Waldsterbens-Debatte deutliche Verbesserungen der Luftbelastungen erzwungen wurden. Die Großfeuerungsanlagenverordnung wurde von der Regierung Kohl auf den Weg gebracht und ist vor 36 Jahren am 1.7.1983 in Kraft getreten. Dadurch wurden viele Wälder gerettet, weil die Schwefeleinträge um bis über 80 % reduziert wurden. Weitere Beschlüsse zur Entlastung der Wälder folgten, wie die Einführung des bleifreien Benzins und des Autokatalysators.

Durch diese großen umweltpolitischen Erfolge konnte der BN zusammen mit vielen Mitstreitern das weitere großflächige Waldsterben verhindern.

Eine kurze Dokumentation zum ersten Waldsterben lesen Sie hier

Klimaschutz Jetzt!!

Klimdemo in Berlin am 1. Dezember 2018, Foto: Toni Mader